Aktuelles

Hier finden Sie aktuelle Nachrichten zu stadtweiten Veranstaltungen, Initiativen und Aktionen der katholischen Kirche und ihrer Kooperationpartner in der Stadt Köln.

Überregionale Nachrichten der katholischen Kirche finden Sie auf den folgenden Webseiten:

www.erzbistum-koeln.de | www.koelner-dom.de | www.domradio.de | www.katholisch.de | www.kna.de | www.dbk.de | www.vaticannews.va/de.html

 

Die Große Transformation: Podium im DOMFORUM mit dringlichen Appellen an Kirche und Gesellschaft

28. September 2022; ksd

 

Köln. „Wir müssen massiv runterfahren!“ Die CO2-Emissionen, den Energie- und Ressourcenverbrauch, Konsum, das bisherige wohlstandsge- und verwöhnte Verhalten. Die Theologin und Aktivistin Dr. Gudula Frieling vom Ökumenischen Institut für Friedenstheologie lässt daran keinen Zweifel. Als Teil der Bewegungen „Die Kirche(n) im Dorf lassen“, „Extinction Rebellion“ und „ Scientist Rebellion“ war sie jetzt zu Gast im DOMFORUM beim Podium „Die Große Transformation. Welche gesellschaftlichen und kirchlichen Kulturen des Wandels brauchen wir jetzt?“. Der Abend war geprägt von dringlichen Appellen des Podiums und des Publikums.

„Wir müssen ungefähr 70 bis 80 Prozent runter“, betonte Frieling. „Wir müssen uns einfach eingestehen, dass wir selber, also die reichsten zehn Prozent auf dem Planeten, 50 Prozent dieser Emissionen verursachen. Auch wenn wir das nicht wollen. Es ist eben so: Je höher unser Einkommen ist, je mehr sind wir mitverantwortlich, je größer ist unser Beitrag zu diesem Elend.“

Frieling will aufrütteln, doch ist man sich auf dem ökumenisch besetzten Podium auch einig: Bei solchen Veranstaltungen erreicht man sowieso „nur“ die, die sich der Thematik und Problematik von Klimawandel, Energiekrise und der Notwendigkeit für einen umfassenden gesellschaftlich-globalen Wandel schon bewusst sind. Darum muss das Thema weitergetragen werden – in die Kirchen, Gemeindehäuser und kirchlichen Akademien, in Kitas und Schulen, auf die Straßen. Und letztlich überallhin, wo Menschen sich begegnen und miteinander sprechen.

 

„Es ist DIE zentrale Krise“

 

Vor rund vier Jahren sei ihm klargeworden, dass die Klima- und ökologische Krise nicht eine von mehreren Krisen ist, sondern dass es DIE zentrale Krise ist, erzählt Professor Dr. Nikolaus Froitzheim. Der Geologe von der Universität Bonn engagiert sich ebenfalls bei „Extinction Rebellion“ und „Scientist Rebellion“. „Denn sie stellt alles infrage. Und deswegen habe ich das ganz oben auf meine Agenda gesetzt. Das ist immer die Nummer Eins“, so Froitzheim. Er habe „sehr viele Sachen“ ausprobiert, bis zum zivilen Ungehorsam. „Ich habe mich in Berlin auf ’ne Straße geklebt und so weiter.“

Die Klima- und ökologische Krise ist für Froitzheim auch eine Frage der christlichen Barmherzigkeit. Denn sie finde jetzt statt in den Ländern des globalen Südens. In Pakistan seien vor wenigen Wochen 1500 Menschen gestorben bei einer Flutkatastrophe, bei der ein Drittel des Landes unter Wasser gestanden habe. „800.000 Häuser sind zerstört worden. Wo Menschen drin gewohnt haben. Dort findet die Katastrophe jetzt statt!“, betont Froitzheim. Woanders, etwa am Horn von Afrika, fallen die Regenzeiten aus. Es kommt zu langen Dürrezeiten, die Hunger und andere Probleme nach sich ziehen.

„Wir betrachten die Sache immer aus Deutschland“, kritisierte der Wissenschaftler und Aktivist. „ Wir müssen unsere Wirtschaft schützen und so weiter. Wir müssen weiter diese Blechpanzer produzieren, weil da Arbeitsplätze dranhängen. In Pakistan emittieren die Menschen eine Tonne CO2 pro Kopf pro Jahr. Wir in Deutschland emittieren sieben Tonnen CO2 pro Jahr pro Kopf. Mit welchem Recht?“

Unbarmherzig mache man in Deutschland weiter wie zuvor. „Und es wird immer schlimmer“, konstatierte Froitzheim. Von 2020 auf 2021 seien die Emissionen von Treibhausgasen in Deutschland angestiegen, von 2021 aufs erste Halbjahr 2022 noch einmal und es sehe so aus, als ob sie weiter ansteigen. „Deswegen ist es für mich eine Frage der Barmherzigkeit. Ich fange erst gar nicht an, von der Zukunft zu reden, was mit unseren Kindern und Enkeln passiert. Denn die Richtung, die wir haben, ist die falsche!“, sagte Froitzheim unter großem Applaus mit Blick auf globale Gerechtigkeit.

 

Kirchen sollen Mahner, Mittler und Motor sein

 

Dass von den Kirchen mehr Engagement für das Klima und den Wandel erwartet wird, wurde an diesem Abend mehrfach deutlich. Die Kirchen müssten „Mahner, Mittler und Motor“ der Klima- und Wandelbewegungen sein, forderte Professor Dr. Uwe Schneidewind, ehemals Präsident des  „ Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie“ und jetzt Oberbürgermeister von Wuppertal.

Priester sollten regelmäßig über das Thema predigen, Pfarrgemeinderäte und Presbyterien dafür sorgen, dass die Klimakrise „mindestens einmal alle vier Wochen“ im Gottesdienst angesprochen werden, lautete ein Vorschlag und eine Forderung aus dem Publikum.

„Die Kirche hat Räume“, erinnerte Dr. Christian Weingarten, Leiter der Abteilung Schöpfungsverantwortung und Umweltbeauftragter des Erzbistums Köln. „Diese Räume müssten wir öffnen, für die Planung von Demonstrationen oder dafür, wie man Lebensmittel retten kann, oder anderes.“ Allerdings habe man auch die Erfahrung machen müssen, dass es mittlerweile lokale Umweltinitiativen gebe, die mit der Kirche nicht oder nicht mehr zusammenarbeiten wollen.

Zugleich verwies Weingarten aber auch darauf, wie vieles schon in Gang gesetzt oder umgesetzt worden sei. So gibt es im Erzbistum beispielsweise einen Biodiversitätscheck für Gemeinden, der sie dabei unterstützt, auf ihren Grundstücken und an ihren Gebäuden die biologisch-ökologische Vielfalt von Tier- und Pflanzenwelt zu bewahren und zu verbessern. An 33 Schulen im Erzbistum Köln werde in einem gemeinsamen Projekt mit Greenpeace der ökologische Fußabdruck berechnet. Nicht zuletzt will Weingarten die erzbischöfliche Verwaltung selbst und kirchliche Institutionen für das Thema Klimaschutz und Umweltmanagement sensibilisieren und zu nachhaltigem Verhalten motivieren.

Dem Vorwurf, die Kirche tue zu wenig begegnete er mit dem Hinweis, dass er vor drei Jahren als Einzelner in seinem Arbeitsbereich gestartet sei und nun eine Abteilung mit acht Mitarbeitenden leite, die Anfang 2023 auf zwölf aufgestockt werde. Gleichwohl fordert auch der Diplom-Ingenieur „ mehr“ von der Kirche. „Wir können als Kirche Vermittler sein zwischen sozialen und ökologischen Fragen“, sagte Weingarten. „Wir können nicht mehr nur Natur- oder Umweltschutz machen, sondern diese ganze Dimension hat auch immer eine ganz große soziale Komponente. Das sehen wir jetzt gerade auch in der ganzen Energiekrise.“ Die Kirche müsse eine gesellschaftliche Spaltung verhindern und dürfe die Menschen, die durch die Energiekrise in Not geraten, nicht aus dem Blick verlieren. Zugleich sei es ihre Aufgabe, den notwendigen Wandel beim Umgang mit Energien und Ressourcen auch als Chance zu kommunizieren.

 

Mut und Hoffnung nicht verlieren

 

Eine der Kernfragen sei, wie man die Menschen erreiche und für das Thema gewinne, sagte Dr. Martin Horstmann, Studienleiter an der evangelischen Melanchthon-Akademie. Dabei dürften die seelsorgliche und emotionale Arbeit nicht vergessen werden.

Während Froitzheim mit Blick auf die Bewusstseinsbildung in Kindertagesstätten und Schulen betonte, dass man die dringenden Fragen und Herausforderungen nicht der jungen Generation aufbürden dürfe, meinte Weingarten, dass man schon über Kitakinder die Eltern erreichen und für das Thema sensibilisieren könne, wenn die Kinder zu Hause davon berichten, was sie in der Kita lernen und erleben. Einig waren sich Podium und Publikum, dass jetzt jede und jeder gefragt und gefordert ist: „Das Problem sind unsere Generationen“, lautete die Botschaft.

Die Grenzen der Politik offenbarte Uwe Schneidewind, der seit rund zwei Jahren Wuppertaler Oberbürgermeister ist. Der Grünenpolitiker erklärte, er sei binnen seiner Amtszeit in die Rolle des Oppositionsführer gerutscht, so schwierig sei es, auf der kommunalen Ebene eine Mehrheit für Maßnahmen wie autofreie Innenstädte zu finden. Mutige Entscheidungen würden bisweilen von Widerstand vor Ort ausgebremst.

Gleichzeitig plädierte der Wirtschaftswissenschaftler, der von 2011 bis 2017 auch Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages war, dafür, angesichts der gegenwärtigen Krisen und Veränderungen nicht den Mut und die Hoffnung zu verlieren, sondern sich aktiv zu engagieren.

Immer wieder wurde an diesem Abend zum Engagement aufgefordert. Gudula Frieling rief dabei unter großem Applaus zum zivilen Ungehorsam auf. Die Dringlichkeit der Lage sei noch immer nicht jedem Menschen bewusst. „Wir müssen jetzt Schluss machen“, betonte sie und forderte etwa, „Luxuskonsum“ zu verbieten und Autos aus den Straßen zu verbannen. „Wir brauchen eine Klimarevolution!“, rief die Aktivistin unter großem Applaus ins Foyer des DOMFORUMs.

 

Autorin: Hildegard Mathies

 

www.klima-kirche.de

 

Veranstalter des Abends waren neben dem Katholischen Stadtdekanat Köln die evangelische Melanchthon-Akademie und das Katholische Bildungswerk Köln. Das Podium ging zurück auf eine Einladung von Stadtdechant Msgr. Robert Kleine an die Bewegung „Extinction Rebellion“, nachdem diese am Abend des Dreikönigstages mit einer Protestaktion den Gottesdienst im Kölner Dom gestört hatte. Kleine, der auch Domdechant ist, hatte damals die Situation zu entschärfen versucht und die Aktivisten zur Beendigung ihrer Aktion aufgefordert. Er betonte damals und nochmals zur Eröffnung der Podiumsdiskussion, dass es sinnvoller sei, das Gespräch miteinander zu suchen und zu führen, zumal die Bewahrung der Schöpfung und das Engagement für den Klimaschutz zu den Kernanliegen des Christentums gehören. Das Stadtdekanat Köln ist Mitglied der ökumenischen Initiative für Klimagerechtigkeit, „Churches for Future“.

 

„Lasst uns Paradiese neu erschaffen“: Appelle im Ökumenischen Gottesdienst der ACK Köln zum Tag der Schöpfung

26. September 2022; ksd

Köln. Klimawandel, Corona-Pandemie, Energiekrise, Kriege und Postkolonialismus – und nicht zuletzt das Paradies auf Erden. Darum ging es im ökumenischen Gottesdienst zum Tag der Schöpfung (23. September). Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Köln hatte ihren traditionellen Gottesdienst im Rahmen der Dreikönigswallfahrt unter das Thema gestellt „An der Grenze – Zum Paradies“. Prediger war Dr. Constantin Gröhn, Pastor Diakonie und Bildung im Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-Ost und neben Dr. Sarah Köhler Co-Autor des Konzeptpapiers „Paradising. Warum wir eine alte Vorstellung für die Zukunft zurückerobern wollen“.

Die Vorsitzende der ACK Köln, Superintendentin Susanne Beuth, verwies zu Beginn des Gottesdienstes darauf, dass dieser in verunsichernden Zeiten gefeiert werde: „Das Corona-Virus gefährdet Menschen, der Krieg in der Ukraine und so viele weitere Kriege und Unruhen hinterlassen Tote und Traumatisierte. Der Klimawandel fordert immer unübersehbarere Opfer. Das alles hat Auswirkungen auf uns selbst.“ Ein eurozentrischer Blick könne niemanden schützen. Beuths Forderung und ihr Appell: „Wir brauchen eine weltweite Solidarität in den bedrängenden Fragestellungen der Zeit. Es gibt nur diese eine Erde. Und gerade deshalb dürfen wir Christinnen und Christen die Vision vom Paradies Gottes nicht untergehen lassen. Wir sind gerufen, paradiesische Zustände zu erschaffen.“

 

Aktiv kämpfen gegen die Zerstörung der Welt

 

Die Apokalypse und das Paradies seien „in diesen Tagen wie zwei Nachbarländer, ungleichzeitig pendeln wir zwischen ihren Grenzen“, konstatierte Pastor Constantin Gröhn in seiner Ansprache. Sich für eine ökologisch intakte Welt einzusetzen, wie Gott sie gewollt habe, heiße heute, „in diesem fortgeschrittenen Stadium der Krise“, aktiv gegen ihre Zerstörung zu kämpfen. Dabei sei jede und jeder gefordert, der Einzelne wie die Gemeinschaft. 

Er zitierte dazu die britische Psychoanalytikerin Sally Weintrobe, deren Schwerpunkt psychoanalytische und interdisziplinäre Perspektiven beim Umgang mit dem Klimawandel sind. Es gebe zwei Wege damit umzugehen, „wenn man aus dem Augenwinkel sieht, was los ist und sich vor den Waldbränden, dem sinkenden Grundwasserspiegel und dem massenhaften Tiersterben fürchtet“. Ein Weg sei, „sich der unbequemen Wirklichkeit zu stellen und sie anzunehmen. Das ist ein ganzes Stück Arbeit. Dieser Weg stellt die eigenen Urlaubspläne, die Ernährungsweise, im Grunde das gesamte Konsumverhalten von mir und von uns als Gesellschaft in Frage“.

Ein anderer Weg führe in die gesellschaftliche Spaltung. Menschen würden sich „In-Gruppen“ schaffen, „die einen bestätigen, dass der eigene Anspruch gerechtfertigt ist, und man verteufelt außenstehende Gruppen als Fanatiker und extremistisch“, so Gröhn im Kölner Dom. „Nicht die Klimakrise selbst, sondern alle, welche die eigene Lebensweise – individuell und gesellschaftlich – in Frage stellen, sind dann das Problem.“

 

„Den Kolonialherren in uns bekämpfen“

 

Besonders groß aber sei die gesellschaftliche Verdrängung, wenn es um „Stimmen des Globalen Südens“ gehe, um die Menschen, die bis heute unter den Folgen des Kolonialismus und Imperialismus europäischer und US-amerikanischer Mächte leiden, kritisiert der Theologe. Es werde zu wenig über die Dürren und Fluten im Globalen Süden – den Entwicklungs- und Schwellenländern vor allem in Afrika, Asien, Ozeanien und Latein- beziehungsweise Südamerika – berichtet, hatte er bereits zu Beginn bemängelt. Sie erlebten die schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise. „Die gut 20 Prozent der Weltbevölkerung im Globalen Norden, also die Länder, die vom Kolonialismus nachhaltig profitierten, sind für über 90 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Die restlichen 80 Prozent der Weltbevölkerung aber tragen historisch und gegenwärtig nur gut 10 Prozent der CO2-Emissionen bei“, so Gröhn. „Das sagt auch etwas über Privilegien aus. Ein Haus am Meer jedenfalls ist für Menschen in Bangladesch kein Urlaubs-Luxus, sondern lebensgefährlich.“

„Wir“ hätten verlernt, „über Sünde in der globalen Umwelt- und Klimakrise zu sprechen“. Es gebe etwas „in unserer Lebensweise, das uns darin bestärkt, uns als Ausnahme des großen, allgemeinen Lebenskreislaufes zu verstehen, etwas, das Eigennutz und Gier befördert“, sagte Constantin Gröhn weiter. Seine Forderung an die Versammelten ist eindeutig: „Wir haben den Kolonialherren in uns zu bekämpfen, welcher sagt: Wenn Menschen leiden müssen, damit es mir gut geht, dann muss es so sein. Nein, liebe Gemeinde, das muss es nicht. In Christus sind wir eins.“

 

Schuld und Schuldige benennen

 

Die Klimadystopie sei keine, sondern Gegenwart und Wirklichkeit. „Es ist von daher unsere Pflicht, für den Erhalt dieses Paradieses zu kämpfen“, sagte Gröhn weiter. Bevor die Vorstellung vom Paradies gesellschaftlich ausgehandelt werden, „müssen wir genau hinschauen und benennen, wer oder was den Frieden im Garten Eden stört“, betonte der Hamburger Pastor. „Wir wissen: es gibt Menschen und Firmen, die verantwortlich sind, in zu unterscheidender Schwere der Schuld. Wir können die ökologische Krise heute nicht länger verallgemeinern und sagen, es ist eine Menschheitsaufgabe, die Schöpfung zu bewahren.“

Bis heute, zitierte Gröhne den Historiker Achille Mbembe aus Kamerun, weigerten sich „die wirtschaftlich dominierenden Länder in der Welt, anzuerkennen, dass sie dem Globalen Süden und den Schwarzen, Indigenen und People of Color, denen sie seit Kolumbus die Lebensgrundlagen raubten, überhaupt etwas schulden“. Gröhn weiter: „Sie weigern sich, auf den Mühlstein von Schuld zu blicken, den sie um ihren Hals tragen. Das betrifft uns und den sogenannten Westen genauso wie auch Russland oder China und alle, die nach auszubeutende Bodenschätzen streben. Und dennoch wird so getan, als würden nicht sie schuldig sein, sondern als würde der Globale Süden ihnen gegenüber eine Zivilisationsschuld haben. Diese Dreistigkeit ist tatsächlich äußerst abgebrüht und lässt sich historisch profund kaum widerlegen.“

Noch sei das Paradies nicht ganz verloren, erklärte Constantin Gröhn. „Die Lebensbedingungen sind für Menschen in immer noch weiten Teilen der Welt wohlwollend, gütig und freundlich. Sie zeugen von Gottes Liebe. Viele bevorstehende Kriege um knapper werdende Ressourcen und so manche Sintflut – als Strafen Gottes für das böse Treiben von Menschen? – lassen sich noch verhindern, wenn auch nicht mehr ganz.“

 

„Bilder vom Paradies“

 

Gröhne nannte vier „Bilder, welche uns helfen, die Erde wieder mehr zum Paradies werden zu lassen“: 

1.) Paradiese sind schon da – die Wahner Heide vor den Toren der Stadt, mitten in der zentralen Einflugschneise des Köln-Bonner Flughafens. Nur ein Grenzgebiet zum Paradies oder doch mehr. Lasst es uns wahrnehmen! 

2.) Paradiese entstehen – die Selbstheilungskräfte ökologischer Systeme, wenn der Ausstieg aus fossiler Energie vollzogen ist. Lasst uns darauf vertrauen! 

3.) Lasst uns die Paradiese schützen, die wir noch haben! Ich selbst werde mir nicht verzeihen, als ich als junger Pfarrer in einem Ausschuss der gängigen Logik baulicher und ökonomischer Erwägungen zustimmte. Ein schöner Ahorn musste einem neubetonierten Vorplatz weichen. Heute denke ich: Unsere Paradiese dürfen nicht an unserer eigenen Ungefährlichkeit zugrunde gehen. Die Keruben vor den Toren Edens trugen der Bibel nach flammende Schwerter.        

4.) Lasst uns Paradiese neu erschaffen, ökologisch wie sozial. Wir dürfen uns nicht allein am Bestehenden ausrichten, Gott schuf uns auch zu Mitschöpferinnen und Mitschöpfern. Aus jedem Kirchgarten wird ein kleiner Garten Eden: Oasen der Biodiversität, abgerungen den Betonwüsten unserer Stadt. 

„Wenn uns das gelingt, werden die Paradiese, von denen wir singen, träumen und die wir auf ausgewaschenen T-Shirts tragen, anders sein: nicht mehr inhaltlich entleert wie ein kurzlebiger Konsum- oder Wellnesstrend“, betonte Pastor Gröhn. „Nein, sie werden die Realität eines Versprechens sein, eines Versprechens, das wir uns im Gespräch miteinander und mit Gott geben können.“

 

Bitten um Bereitschaft zur Umkehr

 

In den Fürbitten ging es vor allem um die Bereitschaft zur Umkehr. „Wir bitten dich für das Miteinander der Menschen angesichts von Rassismus und Diskriminierung: dass wir uns für Menschen öffnen, die in anderen Kulturen und Religionen aufgewachsen sind; dass wir die Würde von Menschen nicht an Äußerlichkeiten wie Hautfarbe oder Geschlecht festmachen; dass wir Menschen nicht nach ihren inneren Haltungen des Glaubens oder der politischen Gesinnung beurteilen. Gib uns Einsicht, mach uns bereit zur Umkehr – und erbarme dich!“, betete Friederike Meißner, Pastorin der Freien Evangelischen Gemeinde Köln-Mülheim.

„Wir verbrauchen und missbrauchen deine Schöpfungsgaben. Wir nehmen uns und plündern die Lebensgrundlagen kommender Generationen. Aber du hältst die leidende Welt in deiner Hand. Du hast dich in deiner Liebe erbarmt über uns und die Welt. Durch Jesus Christus versöhnst du uns und die ganze Schöpfung mit dir. Hilf uns, dass wir Menschen uns als Teil deiner Schöpfung begreifen. Gib uns Einsicht, mach uns bereit zur Umkehr – und erbarme dich!“, lautete die Fürbitte von Elisabeth Grumfeld, Vorstandsmitglied des Katholikenausschusses in der Stadt Köln.

„Wir bitten dich für alle, die unter den Folgen der Umweltzerstörung leiden. Wir bringen vor dich alle Ungerechtigkeit und Armut, allen Hunger und alles Leid, das dadurch entsteht. Wir bitten dich für alle, die auf der Flucht sind, weil ihre Lebensgrundlagen zerstört wurden. Gib uns Einsicht, mach uns bereit zur Umkehr – und erbarme dich!“, so Bernd Skoppek, Bezirksvorsteher der Neuapostolischen Kirche, Bezirk Köln-West.

 

Autorin: Hildegard Mathies

 

www.umkehr-zum-leben.de

 

Das Konzept „Paradising“ können Sie hier nachlesen.

 

Churches for Future unterstützen den Klimatstreik #PeopleNotProfit am 23. September

22. September 2022; ksd

Am Freitag, 23. September, rufen Fridays for Future und andere Organisationen von Klimaaktivisten wieder zum globalen Klimastreik auf. Auch Churches for Future, bei denen das Stadtdekanat Köln Mitglied ist, unterstützen den Aufruf:

 

Die Bundesregierung ist nun schon fast ein Jahr im Amt und mit dem Versprechen angetreten, 1,5-Grad-Klimaschutz auf den Weg zu bringen – dafür reicht es noch nicht! Jetzt gilt es in eine erneuerbare Zukunft zu investieren, die Verkehrswende umzusetzen und die Transformation sozial gerecht zu gestalten.

Deshalb braucht es uns alle am 23. September gemeinsam mit Fridays for Future auf den Straßen. Für eine schnellere und umfassende Klimapolitik, die auch den globalen Süden fair unterstützt.

 

Mit Fotos aus den Partnerkirchen des Südens ruft das ökumenische Netzwerk die Politik zum Handeln auf.

 

Hier geht es zur Online-Petition des Ökumenischen Netzwerks Klimagerechtigkeit.

 

Tag der offenen Tür an der Kölner Domsingschule (22. Oktober)

21. September 2022; ksd

Köln (dm). Eine Grundschule in Köln mit dem Schwerpunkt Musik? Die gibt es! Im Ganztag der Kölner Domsingschule in Köln-Lindenthal sind nicht nur Unterricht, Hausaufgabenbetreuung und Freizeitaktivitäten, sondern unter anderem auch Gesangs- und Instrumentalunterricht, Singen im Chor sowie Kommunionunterricht integriert.

Wie der Schulalltag aussieht, welche Schwerpunkte gesetzt werden und in welcher Atmosphäre und Umgebung gelernt wird, erfahren Eltern angehender Erstklässlerinnen und Erstklässler bei einer Informationsveranstaltung am „Tag der offenen Tür“ in der Kölner Domsingschule. Nach einem Rundgang durch die Räumlichkeiten besteht außerdem Gelegenheit für Fragen und Austausch, unter anderem mit Schulleiterin Annette Riehm. Neben einem Bastelangebot für die Kinder erhalten die Familien zudem Einblicke in musikalische Proben.

Seit dem Schuljahr 2022/23 steht die Grundschule neben katholisch getauften Kindern auch Schülerinnen und Schülern anderer Konfessionen oder konfessionslosen Schülerinnen und Schülern offen.

 

Adresse: Kölner Domsingschule, Clarenbachstr. 5-15, 50931 Köln-Lindenthal

Termin: Samstag, 22. Oktober, jeweils 11-13 Uhr

 

www.koelner-domsingschule.de

 

„Soziale Netze sichern“: Kölner Wohlfahrtsverbände pochen auf kostendeckende Finanzierung

21. September 2022; ksd

Köln (cvk). Krieg, Pandemie, explodierende Preise – die Stadt Köln und ihre Bürgerinnen und Bürger stehen vor immensen Herausforderungen. Die Wohlfahrtsverbände und ihre Mitgliedsorganisationen helfen auch in dieser Krise dank ihrer sozialen Infrastruktur und fachlichen Kompetenz. Dafür mahnen sie jetzt eine kostendeckende Finanzierung an. Am Mittwoch, 21. September, wird daher zu einer Mahwache auf dem Theo-Burauen-Platz am Rathaus eingeladen. Beginn ist um 16.30 Uhr.

„Im Interesse der unterstützungsbedürftigen Kölnerinnen und Kölner appellieren wir an den Rat und die Stadt Köln, im anstehenden Doppelhaushalt 2023/2024 die bereits absehbaren Mehrbelastungen der sozialen Träger und Einrichtungen einzuplanen“, sagt Jörg Zeyßig, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes und amtierender Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der sechs Spitzenverbände der freien Wohlfahrt (Liga). 

„Die Mehrkosten vor allem für Energie und Tarifsteigerungen für Personal können die meisten von uns nicht stemmen.“ Die Liga rechnet mit Kostensteigerungen von rund 8 Prozent bei den Personalkosten und mehr als 20 Prozent bei den Energie- und Sachkosten. Im aktuellen Entwurf des Haushalts 2023/2024 eingepreist sind bisher nur 1,5 Prozent. „Wir hoffen sehr, dass bis zum Beschluss des Haushalts am 10. November 2022 nachgebessert wird“, so Zeyßig. 

Das Netzwerk der Wohlfahrtsverbände trägt entscheidend dazu bei, den sozialen Frieden in der Stadt zu sichern. In den Jahren der Pandemie und nach Ausbruch des Ukraine-Krieges waren es die Einrichtungen der freien Wohlfahrt, die ihre Angebote aufrechterhalten und bewiesen haben, dass sie flexibel auf die Nöte der Menschen reagieren und durch die Krise tragen können. Die massiven Preissteigerungen werden viele Kölnerinnen und Kölner, insbesondere die mit kleinem Einkommen, in existenzielle Not bringen. Die Wohlfahrtsverbände und ihre Träger sind schon jetzt konfrontiert mit Ängsten, wirtschaftlicher Not und Überforderung vieler Menschen. Um die Stadtgesellschaft auch zukünftig zusammenzuhalten, braucht Köln weiterhin ein stabiles soziales Netz. Zeyßig: „Die Stadt Köln tut gut daran, gerade in diesen schweren Zeiten die soziale Infrastruktur zu sichern.“

 

www.liga.koeln

 

Den Heiligen Drei Königen ganz nah: Neues Berührungsreliquiar im Kölner Dom

18. September 2022; ksd

Köln (ksd/mk). Zum Auftakt der diesjährigen Dreikönigswallfahrt segnete Dom- und Stadtdechant Msgr. Robert Kleine ein neues Berührungsreliquiar im Chorumgang des Domes, in unmittelbarer Nähe zum Dreikönigenschrein. Das nach einem Kunstwettbewerb und der Auswahl durch eine Jury von der Nürnberger Silberschmiedin und Künstlerin Juliane Schölß gestaltete Dreikönigsreliquiar ermöglicht ab sofort Besucherinnen und Besuchern des Domes eine persönliche Begegnung mit den Heiligen Drei Königen, denen man sonst nur zu besonderen Anlässen – wie der Dreikönigswallfahrt, wenn Pilgerinnen und Pilger traditionell unter dem Schrein durchgehen können – so nah kommen konnte. Noch bis zum 27. September lädt das Domkapitel im Jahr des Domjubiläums „700 Jahre gotischer Hochchor“ zu zahlreichen Gottesdiensten und besonderen Veranstaltungen im Rahmen der Dreikönigswallfahrt ein.

 

Verweilen – Anschauen – Berühren

 

Das neue Reliquiar aus Messing trägt die Form eines Ikosaeders – eines Körpers, der von 20 gleichseitigen Dreiecken gebildet wird. Die ausgeglichene Form des Ikosaeders und sein geometrisches Gerüst lassen verschiedene Betrachtungsweisen entdecken, laden zum Verweilen und Anschauen ein. Die gleichseitigen Dreiecke greifen die Zahl Drei auf, die auf die Heiligen Drei Könige und ihre drei Gaben Bezug nimmt. Je nach Blickwinkel erkennt man einen Stern, der sich aus fünf gleichseitigen Dreiecken und einem Fünfeck ergibt. 

Drei applizierte Kronen, die am Ikosaeder auf der Chorumgangsseite und auf der Binnenchorseite auf je einem Dreieck zu sehen und zu berühren sind, weisen zusätzlich auf die Heiligen Drei Könige hin. Die Kronen sind dem Kölner Wappen stilisiert entnommen. Mit seiner feuervergoldeten Oberfläche spielt das neue Reliquiar auf den Dreikönigenschrein an, ohne ihm Konkurrenz zu machen. Im Inneren des Reliquiars ruhen drei aus diesem Schrein entnommene Reliquienpartikel in einer kleinen silbernen Dose, welche die Initialen 20*C + M+ B + 22 trägt.

 

„Eine lichtvolle Verbindug zum Schrein“

 

„Wir sind sehr dankbar, dass die Künstlerin Juliane Schölß so eine einladende, subtile und wertige Arbeit für unseren Domchor geschaffen hat“, sagt Kleine. „Die intensive Farbigkeit und die raffinierte Form des neuen Reliquiars erinnern tatsächlich an einen leuchtenden Stern – und schaffen eine lichtvolle Verbindung zum Schrein. Im Gegensatz zu diesem wird das neue Reliquiar künftig berührbar sein, und zwar sowohl für Besucherinnen und Besucher, die durch den Chorumgang gehen, als auch für Pilger, die den Schrein unterschreiten. So kann man als Besucherin und Besucher des Domes auf völlig neue, intensive Weise mit den Heiligen Drei Königen in Kontakt treten und ihnen nahe sein.“

Am Freitagmorgen vor der Wallfahrt waren die Reliquien, die aus einem Dreikönigsreliquiar der Kölner Domschatzkammer stammen, feierlich gemeinsam mit einer Urkunde in einem versiegelten Seidenbeutelchen in die silberne Kapsel gebettet worden. Dieses wurde dann am Nachmittag in das Reliquiar eingelassen, das dann von der Künstlerin am Chorumganggitter angebracht wurde.

Bezeugt und beurkundet wurde der Vorgang von den beiden Reliquiencustoden des Erzbistums Köln, Dr. Anna Pawlik und Dr. Joachim Oepen, in Vertretung von Msgr. Markus Bosbach, dem Erzbischöflichen Delegat für die Reliquien. So können künftige Generationen bei einer etwaigen Öffnung des Reliquiars zuordnen, was sich darin befindet.

 

„Eine Geschichte, in der wir selber Akteure sind“

 

In seiner Predigt sagte Msgr. Robert Kleine: „Wenn wir hier im Kölner Dom die Reliquien der Heiligen Drei Könige verehren und an diese Aufbrechenden und Suchenden denken, die uns im Neuen Testament begegnen, dann soll uns das nicht wie eine Geschichte aus 1001 Nacht erscheinen, die man von Kindheit an kennt, die irgendwie zu Weihnachten gehört und einen emotional anspricht. Nein, die Weisen aus dem Morgenland sind nicht Akteure einer Geschichte vor 2000 Jahren, sie sind Akteure einer Geschichte, die vor 2000 Jahren begann und in der wir heute selber Akteure sind, eine Rolle spielen, spielen dürfen.“

Die drei Sterndeuter riefen uns heute zu aufzubrechen, so Kleine. „Natürlich brechen wir immer wieder auf in neue Lebensabschnitte beruflicher und privater Art, aber hier meint aufbrechen, sich auf den Weg zu Gott zu machen.“

Gott sei schon lange, bevor sie ihn gefunden haben, bei diesen Weisen gewesen, so der Dom- und Stadtdechant. „Er hat sie auf ihrem Weg begleitet und sie haben sich gegenseitig gestützt, in gegenseitiger Zuneigung und Solidarität. Ich gehe fest davon aus, dass der eine auf den anderen geachtet hat.“

Das sei „ein wunderbares Bild für uns in der heutigen Gesellschaft“, betonte Kleine: „Nicht als Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer unterwegs zu sein, sondern in Solidarität gemeinsam – gerade in diesen Zeiten der Pandemie, der Auswirkungen des UkraineKrieges auch bei uns, in Wirtschafts- und Klimakrise, in der Glaubwürdigkeitskrise der Kirche. All dies mit anderen zu meistern, in Solidarität den Weg zu gehen, nicht aufzugeben, gegen Krisen anzukämpfen.“

Traditionell eröffnet der Kölner Stadtdechant, der als Domdechant unter anderem für die Liturgie am Kölner Dom verantwortlich ist, die Dreikönigswallfahrt mit einer Messe des Stadtdekanats am Donnerstagabend der Wallfahrtswoche. In diesem Jahr wurde die Wallfahrt aus Anlass des Domjubiläums verlängert und so zelebrierte der Domdechant den Eröffnungsgottesdienst am Sonntagmorgen.

 

Besondere Liturgien und Konzerte im Dom

 

„Zum Abschluss und Höhepunkt unseres Domjubiläums 2022, das wir bereits seit Mitte August mit vielen Gottesdiensten und Konzerten, Ausstellungen und Sonderführungen feiern, laden wir Pilgerinnen und Pilger im Rahmen der Dreikönigswallfahrt ein, in der Nachfolge der Heiligen Drei Könige die Spuren Gottes im eigenen Leben zu entdecken“, sagt Domdechant Msgr. Robert Kleine.

Auf dem Programm der Wallfahrt stehen einerseits viele bewährte Gottesdienste und Veranstaltungen, etwa die Dreikönigsbegegnungen für Kita- und Grundschulkinder, die Wallfahrt für Menschen mit und ohne Demenz, die Andacht für alle Ehejubilare und die Andacht mit und für Geflüchtete(n). „Wir freuen uns auf die Jugendvigil mit Diözesanjugendseelsorger Pfarrer Dr. Tobias Schwaderlapp, die dieses Jahr mit der Fragestellung ‚Willst du mit mir gehen?“ überschrieben ist“, so Kleine. „Beim traditionellen Frauenwort im Dom kommt in diesem Jahr die stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende Professorin Dr. Agnes Wuckelt zu Wort – und spricht über Frauen der frühen Kirche, die als Mutmacherinnen den Frauen von heute als Vorbild gelten können.“

Weitere Schlaglichter: Eine Orgelnacht, die gleich von fünf Orgelvirtuosen gestaltet wird. Der Ökumenische Gottesdienst der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Köln unter dem Leitwort „ An der Grenze – zum Paradies“. Das Pontifikalamt mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki am Sonntag, 25. September, und das Hochamt zum 700. Weihetag des Domchores und des Hochaltares am 27. September. „Darüber hinaus laden wir zu regelmäßigen Pilgergottesdiensten um 10.30 Uhr, 12 Uhr, 15 Uhr und 18.30 Uhr an allen Werktagen und zum Abendlob um 20 Uhr ein“, so der Domdechant. „An alle Wallfahrtsgottesdienste schließt sich die Prozession zum Dreikönigenschrein an.“

 

Das komplette Programm und alle Infos finden Sie hier.

 

Einen Radiobeitrag mit der Bilanz der diesjährigen Dreikönigswallfahrt können Sie hier nachhören.

 

Stadtdechant Kleine: Solidaritätsadresse und Gebet für den Frieden in Armenien

15. September 2022; ksd

Stadtdechant Msgr. Robert Kleine. Foto: © Robert Boecker

Köln. In den vergangenen Tagen kam es im Kaukasus erneut zu schweren Kämpfen im Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien. Am 13. September hatte die aserbaidschanische Armee verschiedene Ortschaften entlang der armenisch-aserbaidschanischen Grenze angegriffen. In einer Pressemitteilung verurteilte die Diözese der Armenischen Kirche in Deutschland „den völkerrechtswidrigen Angriff Aserbaidschans auf die Republik Armenien aufs Schärfste“.

 

Kölns Stadtdechant Msgr. Robert Kleine sandte der Armenischen Kirche in Deutschland, die ihren Sitz in Köln hat, daraufhin eine Solidaritätsadresse. Im Wortlaut:

„Liebe Brüder und Schwestern im Glauben, mit großer Besorgnis verfolge ich die Berichterstattung über den Angriff Aserbaidschans auf armenisches Kernland, womit der brüchige Frieden in der Region erneut gefährdet wird. Ich möchte Sie hiermit meiner Solidarität und meines Gebets für den Frieden versichern. Ich schließe mich dem Appell unseres Heiligen Vaters, Papst Franziskus an, den er in seiner Predigt in Kasachstan formuliert hat: ,Der Frieden ist nicht ein für alle Mal gewonnen, er muss jeden Tag neu errungen werden.‘ “

 

Am Donnerstag, 15. September, wurde eine Waffenruhe verkündet. Eine erste Feuerpause am Vortag war nach mehreren Stunden gescheitert.

 

„Ich hoffe, dass die neue Waffenruhe von beiden Ländern eingehalten wird und ein Schritt sein kann auf einem neuen Weg zum Frieden“, kommentiert Stadtdechant Msgr. Robert Kleine. „In diesem weit zurückreichenden Konflikt haben auf beiden Seiten schon zu viele Menschen ihr Leben und ihre Existenz verloren. Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gelten weiterhin den armenischen Christinnen und Christen und allen Menschen guten Willens. Möge es endlich zu einer dauerhaften Lösung des Konfliktes kommen, damit die Bürgerinnen und Bürger beider Länder in Frieden leben können. Dafür beten wir auch im Stadtdekanat Köln.“

 

Ein Interview von DOMRADIO.DE mit dem Länderreferenten von Caritas International, Martin Thalhammer, lesen Sie hier.

 

Datei-Anhänge:

Welturaufführung: Dreikönigsoratorium von Helge Burggrabe zum Domjubiläum

14. September 2022; ksd

Köln (kdm). Vor 700 Jahren wurde der gotische Chor des Kölner Doms geweiht. Facettenreiche Konzerte in großen Besetzungen prägen das Domjubiläum 2022. Mit der Uraufführung des Dreikönigsoratoriums von Helge Burggrabe am 15. und am 16. September erreicht die Konzertreihe ihren Höhepunkt. Den Mitschnitt von DOMRADIO.DE dazu sehen Sie hier. Im Interview erzählt der Komponist Helge Burggrabe, wie das erste Oratorium für die Heiligen Drei Könige entstanden ist und was seine Intention ist. Die Aufführung können Sie bei DOMRADIO.DE nacherleben.

„Es war an der Zeit, einmal eine Musik in Auftrag zu geben, die das wichtigste Thema unseres Domes aufgreift – nämlich die Geschichte derer, die zu allen Zeiten – bis heute – auf der Suche nach Gott sind“, sagt dazu Domkapellmeister Eberhard Metternich. „Es ist das erste Oratorium für den Dom und nimmt die Menschen heute mit ihren aktuellen Fragen und Sehnsüchten auf einen Weg der Glaubens- und Sinnsuche mit.“ Diese Musik, der ein fleißig erarbeitetes Libretto aus poetischen Bibeltexten zugrunde liegt, zeige eine vielschichtige und sehr variable Tonsprache. „Vor allem aber merkt man ihr an, dass der Komponist den Raum auf sich hat wirken lassen und genau das aufgreift, was an Botschaft von diesem Dom ausgeht und uns aufgetragen ist zu transportieren.“ Das Dreikönigsoratorium sei eine Hommage an den Kölner Dom, so Metternich.

 

Werkeinführung mit Helge Burggrabe

 

In Zusammenarbeit von Kölner Dom, Katholischem Bildungswerk Köln und Karl Rahner Akademie finden an beiden Aufführungstagen vorab Werkseinführungen mit Helge Burggrabe statt. In einem Radiobeitrag erzählt Kölns Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine mehr darüber.

Aktuell sind die Werkseinführungen ausgebucht. Auf seiner Homepage gibt der Komponist selbst eine Werkeinführung, die Sie auch oben im Video sehen können.

Ob es noch letzte kostenfreie Tickets für das Oratorium gibt, sehen Sie hier.

 

Orgelnacht am 23. September

 

Mit einer „Orgelnacht“ unter der Überschrift „Klingende Architektur – musikalische Räume“ beenden am 23. September Organistinnen und Organisten aus dem gesamten Erzbistum, darunter auch Domorganist Winfried Bönig, diese Domjubiläumskonzerte. „Zu hören sein werden große Werke der Orgelliteratur auf höchstem Niveau, verspricht Bönig, Kurator dieser Orgelnacht.

„Wir wollten zu diesem Domjubiläum 2022 ganz besondere musikalische Akzente setzen, die in ihrer Art zwar sehr unterschiedlich sind“, betont Metternich, Leiter der Kölner Dommusik, „aber die uralte Geschichte dieser Kathedrale in unserer Zeit noch einmal lebendig – eben heutig – werden lassen. Denn diese Kirche ist nicht allein ein kunsthistorisches Denkmal, sondern ein Haus aus vielen lebendigen Steinen.“

 

Weitere Informationen unter www.koelner-dom.de/erleben/domjubilaeum2022

  

Energiesparen: Erzbistum Köln mit Empfehlungen für Kirchengemeinden / Monatliches KLIMA+KIRCHE-Gespräch

13. September 2022; ksd

Köln (pek). Um Kirchengemeinden in Zeiten der Energie­krise zu unter­stützen, haben Mitarbei­tende aus den Fach­abtei­lungen Schöpfungs­verant­wortung und Bau im Seel­sorge­bereich des General­vikariates im Erzbistum Köln gemein­sam mit dem diözesan­über­greifen­den Netz­werk „Energie & Kirche“ ein Schreiben sowie eine Informations­sammlung zum Thema Energie­sparen in Kirchen und gemeind­lichen Gebäuden erarbeitet. 

Von Kirchen über Pfarr­zentren bis hin zu Verwaltungs­gebäuden besitzen Kirchen­gemeinden zahlreiche Gebäude und haben ein ent­sprechend hohes Energie­einspar­potential. Auf der Website der Abteilung Schöpfungs­verant­wortung finden sich deshalb ab sofort unter www.klima-kirche.de/energiesparen Informationen und Checklisten für alle Gebäude­typen. So kann mit Blick auf das Heizen in Pfarr­zentren zum Beispiel kurz­fristig geprüft werden, ob alle Fenster dicht schließen oder alle Heiz­körper sich tat­sächlich erwärmen.

Mittel­fristig bietet es sich an, Thermo­stat­ventile an den Heiz­körpern auf ihre Funktion zu testen und ggfs. auszu­tauschen sowie die Dämmung der Heizungs­rohre zu prüfen. Bei der Beleuchtung können zum Energie­sparen LED-Leucht­mittel eingesetzt sowie in Foyers, Fluren, Treppen­haus und WCs Bewegungs­melder insta­lliert werden. Besondere Berück­sichtigung in den Über­legungen finden Kirchen­heizungen, die vieler­orts mit fossilen Brenn­stoffen be­trieben werden. Es wird empfohlen, die Heizungen in diesem Winter nicht anzuschalten.

Aufgrund möglicher weiterer Maßnahmen durch die Bundes­regierung und auch weil das Erz­bistum Köln von den Erfahrungen der Gemeinden lernen möchte, ist die Informations­sammlung sehr dynamisch und wird auf der Website www.klima-kirche.de/energiesparen regelmäßig aktualisiert. Auf der Web­site finden sich ebenfalls Termine zur digitalen Sprech­stunde, die einen offenen Raum für Rückfragen und Dis­kussion von offenen Punkten bieten. 

Das Erzbistum Köln lädt die Kirchen­gemeinden ein, sich mit der Anwendung der Empfehlungen an den bundes­weiten Energie­sparmaßahmen zu beteiligen und gleich­zeitig einen großen Schritt hin zum lang­fristig schöpfungs­freund­lichen Handeln vor Ort zu gehen. Gesparte Gelder können – im Sinne des karitativen Handelns – an Menschen ausge­zahlt werden, die durch die steigenden Kosten in finanzielle Notlagen geraten.

 

Sozial-Ökologische Mittagspause mit Persönlichkeiten aus Kirche, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur

 

Sich während der Mittagspause kurz von den Gedanken prominenter Persönlichkeiten zum Thema Klima- und Umweltschutz inspirieren lassen: das ist ab Oktober 2022 einmal pro Monat bis Oktober 2023 möglich. Im Rahmen des digitalen KLIMA+KIRCHE-Gesprächs spricht der Umweltbeauftragte des Erzbistums Köln, Christian Weingarten, 15 Minuten lang mit Persönlichkeiten aus Kirche, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.

Die Gäste – von Claus Hipp (Geschäftsführer des Nahrungsmittel- und Babykostherstellers Hipp) über Katja Dörner (Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn) bis zu Pater Jörg Alt SJ (Jesuitenpater und Klimaaktivist) – berichten Weingarten über ihren persönlichen Weg zur ökologischen Umkehr: Gab es ein bestimmtes Ereignis, das Sie zum ökologischen Handeln motiviert hat? Hat vielleicht auch Ihr christlicher Glaube ihren Einsatz für die Umwelt und das Klima gestärkt?

Los geht es am 17. Oktober mit Ottmar Edenhofer, der Direktor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ist.

Die Einwahldaten für das KLIMA+KIRCHE-Gespräch finden Sie unter www.klima-kirche.de/gespraech Für alle, die nicht live dabei sein können, ist das Gespräch auch im Nachgang als Video und als Podcast abrufbar.

 

www.klima-kirche.de

 

25 Jahre „Kölsch Hätz“: Ökumenisches Vorzeigeprojekt feiert Geburtstag im Gürzenich

13. September 2022; ksd

Köln (apk). „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Antlitz der Welt verändern.“ Dieses afrikanische Sprichwort fasst sehr gut die Grundüberzeugung zusammen, die hinter „Kölsch Hätz“ steckt. Was vor 25 Jahren recht bescheiden als Besuchsdienst begann, ist heute zu einer ökumenischen Einrichtung mit 13 Standorten im Kölner Stadtgebiet angewachsen.

Mittlerweile engagieren sich 640 Ehrenamtliche in 29 Stadtteilen für ihre Nachbarn und Nachbarinnen, begleitet von einem hauptamtlichen Team und getragen von der breiten Unterstützung durch Spenden und Stiftungen sowie der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden. Grund genug, den Geburtstag ein ganzes Jahr lang gebührend zu feiern.  Höhepunkt der Feierlichkeiten war ein Festakt in „Kölns guter Stube“, dem Gürzenich.

 

„Ehrenamt braucht Struktur, braucht Koordination“


Martina Schönhals, die die Geschäftsleitung des Diakonischen Werkes Köln und Region vertrat, ermutigte in ihren Begrüßungsworten zum Engagement. Sich zu engagieren schütze vor Vereinsamung, schaffe eine sichere Struktur und vermittele das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Peter Krücker (Vorstand Caritas Köln) betonte: „Ehrenamt braucht Struktur, braucht Koordination.“

Bürgermeister Dr. Ralf Heinen, der Oberbürgermeisterin Henriette Reker vertrat, wies darauf hin, dass „Nachbarschaftshilfe“ ein recht neuer Begriff ist, der erst 1986 zum ersten Mal im Duden auftaucht. Früher sei es selbstverständlich gewesen, dass man sich gegenseitig aushalf oder sich auf eine Tasse Kaffee oder ein Kölsch traf. Heute hätten viele Menschen keinen oder kaum Kontakt zu den Menschen, mit denen sie „Tür an Tür“ leben. „Kölsch Hätz“ sei „ein Erfolgsmodell, das optimal auf die gesellschaftlichen Veränderungen in den Stadtteilen und Kirchengemeinden reagiert und sich seit 25 Jahren immer wieder neu verortet, um Einsamkeit und Isolation im Veedel zu begegnen.“

 

„Licht in schweren Zeiten“


Stadtdechant Msgr. Robert Kleine bescheinigte „Kölsch Hätz“, die Welt ein Stückchen solidarischer zu machen. Schon die Bläck Fööss hätten in ihrem Hit „Unser Veedel“ von 1977 eine Vision des Zusammenlebens beschrieben, wie „Kölsch Hätz“ heute, trotz aller Herausforderungen unserer Zeit, zu verwirklichen helfe. Damit leiste „Kölsch Hätz“ einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Stadtgesellschaft. Das sei „gelebte Ökumene“ und ein „Licht in schweren Zeiten“.

Auch Superintendent Dr. Bernhard Seiger lobte die dezidiert ökumenische Ausrichtung von „Kölsch Hätz“ und gab zu bedenken, dass es sich bei Nachbarschaftshilfe nicht um eine Dienstleistung nach dem Vorbild von Amazon handele. Stattdessen sei Kontakt das Stichwort für das Kölsch Hätz: „ Kontaktstelle von Diakonie und Caritas von evangelischen und katholischen Gemeinden. Kontakt zwischen Nachbarinnen und Nachbarn, ganz nah, miteinander unterwegs sein“.

Als Geburtstagsgeschenk gab es dann einen Scheck der Beatrix Lichtken Stiftung über 5.000 Euro Das kabarettistische Urgestein Wilfried Schmickler, für den „Gutmensch“ bekanntlich ein Ehrentitel und kein Schimpfwort ist, ließ es sich nicht nehmen, persönlich zu gratulieren. Und auch Björn Heuser brachte ein Geburtstagsständchen, bevor dann bei einem Imbiss im Foyer Erinnerungen aus Vierteljahrhundert „Kölsch Hätz“ ausgetauscht werden konnten.

 

Autorin: Priska Mielke

 

www.koelschhaetz-im-veedel.de

 

Das Jubiläumsmagazin können Sie hier nachlesen.

   

Tag des offenen Denkmals am 11. September: Kölner Kirchen und kirchliche Institutionen sind mit dabei

7. September 2022; ksd

Köln (pek). Rund 60 kirchliche Gebäude im Erzbistum Köln beteiligen sich am Tag des offenen Denkmals. Am Wochenende 10./11. September öffnen bundesweit wieder viele Baudenkmäler ihre Türen. Kirchen und weitere kirchliche Gebäude bieten spezielle Führungen an und gewähren besondere Einblicke in Gebäudeteile und Kirchtürme, die sonst für die Öffentlichkeit geschlossen sind. Das Motto für 2022 lautet: „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“. Auch im Stadtdekanat Köln laden viele Kirchen und kirchliche Institutionen wie die Kölner Dombauhütte und die Domschatzkammer zum Besuch ein.

Das Erzbistum Köln hat auf seiner Website eine Übersicht über die teilnehmenden Kirchen und Einrichtungen veröffentlicht.

Das Gesamtprogramm finden Sie auf www.tag-des-offenen-denkmals.de

 

Domjubiläum: Aufgerissen – Die mittelalterlichen Baurisse des Kölner Domes / Ausstellung in der Domschatzkammer (bis 13. November)

1. September 2022; ksd

Köln. Zur 700-Jahrfeier der Weihe des gotischen Domchores sind bis zum 13. November in der Kölner Domschatzkammer erstmals alle erhaltenen mittelalterlichen Bauzeichnungen des Kölner Domes nebeneinander zu sehen.

Am 27. September 1322, am Tag der heiligen Cosmas und Damian, war der gotische Chor des Kölner Domes von Erzbischof Heinrich II. von Virneburg (amt. 1304-1332) feierlich eingeweiht worden und die im Dreikönigenschrein geborgenen Gebeine der Heiligen Drei Könige wurden feierlich in den Neubau übertragen. Dies bedeutete den Abschluss des ersten großen Bauabschnittes des Kölner Domes. Bald nach der Weihe wurde der bis dahin noch bestehende Westteil des Alten Domes, des karolingischen 870/873 geweihten Vorgängerbaues, abgebrochen und mit dem Bau des südlichen Querhauses und der südlichen Seitenschiffe des Langhauses fortgefahren.

 

Eine der größten erhaltenen Architekturzeichnungen des Mittelalters

 

Bereits vor der Weihe 1322 dürfte die Planung der westlichen Partien und vor allem auch der Westfassade des Kölner Domes eingesetzt haben. Von dieser zeugen einige wenige Baurisse des 13. und/oder 14. Jahrhunderts (die Datierung der Pläne ist in der Forschung umstritten), die sich bis heute im Dombauarchiv, im Kölnischen Stadtmuseum sowie in der Akademie der Bildenden Künste in Wien erhalten haben. Die meisten von ihnen dürften aus dem alten Archiv der mittelalterlichen Dombauhütte stammen. Es wurde nach der Einnahme der Stadt Köln durch die Französischen Revolutionstruppen 1794 nach Paris verbracht und gilt seither als verschollen.

Nur wenige Bauzeichnungen konnten im frühen 19. Jahrhundert wiederaufgefunden werden. Drei von ihnen gelangten zurück in den Besitz des Dombauarchivs – darunter der berühmte Aufriss der Westfassade, der sogenannte Riss F. Mit einer Höhe von über vier Metern ist er eine der größten erhaltenen Architekturzeichnungen des Mittelalters. Aber auch Riss D und E, die eine Grundrissplanung des Südturm-Erdgeschosses und einen Aufriss der Ostwand des 1. Obergeschosses des Südturmes zeigen, befinden sich heute wieder im Dombauarchiv.

 

Präsentation für Auftraggeber und Stifter

 

Weitere mittelalterliche Pläne (Riss B, C und E 1) gelangten mit der Sammlung Wallraf in die Kölner Stadtbibliothek und 1901 in den Besitz des Historischen Museums, dem heutigen Kölnischen Stadtmuseum. Riss A dagegen kam möglicherweise bereits im Spätmittelalter im Rahmen des fachlichen Austauschs der mittelalterlichen Bauhütten in die Wiener Bauhütte. Über den Nachlass des Architekten Franz Jäger gelangte er im 19. Jahrhundert in den Besitz der Akademie der Bildenden Künste in Wien.

Mittelalterliche Baurisse sind nicht mit modernen Konstruktionszeichnungen zu vergleichen, es fehlen unter anderem jegliche Maßstäbe und Maßangaben. Sie erfüllten verschiedene Funktionen und waren Hilfsmittel zur Entwicklung und Ausführung eines Baugedankens. Als Studienmaterial und als Planungsgrundlage dienten sie zum direkten Einsatz auf der Baustelle. Zudem konnten sie im Sinne einer Präsentation das geplante Bauwerk veranschaulichen und Auftraggebern oder potenziellen Stiftern ein Bild vom zukünftigen Gebäude vermitteln. Auch wurden sie zur Abrechnung vertraglich vereinbarter Bauabschnitte genutzt.

 

Schicksalhafte Fügung und Mahnung

 

Als frühe Zeugnisse der Baugeschichte des Domes sind die mittelalterlichen Risse des Domes von großer Bedeutung. Ihre Auffindung in Darmstadt 1814 und in Paris 1816 wurde als schicksalhafte Fügung und als Mahnung aufgenommen, den Dom zu vollenden.

Da der Fassadenriss F für die Räumlichkeiten der Domschatzkammer zu groß ist, wird er in der Schatzkammer in einer hochauflösenden Reproduktion in verkleinertem Maßstab präsentiert.

 

Autor: Matthias Deml

 

Geöffnet: täglich von 10 bis 18 Uhr

 

www.koelner-domschatzkammer.de

  

kfd: FrauenWort im Dom – Agnes Wuckelt spricht über Mutmacherinnen der frühen Kirche (23. September, mit Kundgebung)

1. September 2022; ksd

Köln (kfd). In diesem Jahr findet das „FrauenWort im Dom“ im Rahmen der Dreikönigswallfahrt statt. „Als große Gemeinschaft wollen wir diesen Gottesdienst feiern und für die Anliegen einer geschwisterlichen und geschlechtergerechten Kirche beten“, schreibt die kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) in ihrer Ankündigung. Alle Frauen sind herzlich eingeladen. 

Am Freitag, 23. September, um 15 Uhr im Kölner Dom unter dem Thema „Seid gegrüßt, ihr Frauen!“ spricht Professorin Dr. Agnes Wuckelt, stellv. Vorsitzende im kfd-Bundesverband, über Frauen der frühen Kirche, die als Mutmacherinnen den Frauen von heute als Vorbild gelten können.

Um 16 Uhr beginnt eine Kundgebung vor dem Dom. „Wir wollen noch einmal gemeinsam unseren Einsatz für eine geschwisterliche und geschlechtergerechte Kirche benennen“, so die kfd.

Im Anschluss geht es ins Maternushaus zuer Begegnung.

 

Info und Anmeldung:

0221 16421545
info@kfd-koeln.de

 

www.kfd-koeln.de

  

"zuhören und beten" - Gebet der Religionen am Weltfriedenstag der Vereinten Nationen 21. September 18 Uhr

24. August 2022; KSD

Stadtdekanat Köln

"zuhören und beten"

Der Kölner Rat der Religionen lädt auch in diesem Jahr am Weltfriedenstag der Vereinten Nationen, dem 21. September, zum Gebet der Religionen ein.

Das diesjährige multireligiöse Gebet steht unter dem Motto „zuhören und beten“.

Beginn ist um 18 Uhr in der Neuapostolischen Kirche, Lenaustraße 18, 50825 Köln-Ehrenfeld.

Datei-Anhänge:

Stadtdechanten von Köln, Düsseldorf, Wuppertal und Bonn begrüßen Kritik an "Woelki-Hochschule"

23. August 2022; KSD

Stadtdekanat Köln

Stadtdechanten von Köln, Düsseldorf, Wuppertal und Bonn begrüßen Kritik an "Woelki-Hochschule"
„Katholische Hochschule für Theologie gehört unverzüglich auf den Prüfstand“

 

Die Stadtdechanten der Universitätsstädte im Erzbistum Köln begrüßen die jüngste Stellungnahme des Vorsitzenden der NRW-Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Dr. Lambert T. Koch, zur Katholischen Hochschule für Theologie in Köln. „Wir danken der NRW-Hochschulrektorenkonferenz, dass sie sich für die katholischen Fakultäten und Seminare an den staatlichen Hochschulen des Landes einsetzt,“ erklären die Stadtdechanten Robert Kleine (Köln), Frank Heidkamp (Düsseldorf), Dr. Bruno Kurth (Wuppertal) und Dr. Wolfgang Picken (Bonn). Eine solche Initiative sei in einer säkularen Universitätslandschaft nicht selbstverständlich. Sie unterstreiche eindrucksvoll die Bedeutung, die der Katholischen Theologie im Fächerkanon der Hochschulen beigemessen werde. 

Die vier Geistlichen formulieren weiter: „Wir können nachvollziehen, dass Rektor Lambert T. Koch Zweifel daran anmeldet, dass das Hochschulprojekt von Kardinal Woelki einen „Mehrwert“ besitzt“. Das gegenwärtige Angebot an katholischer Theologie an vier staatlichen Universitäten im Erzbistum Köln sei quantitativ ausreichend und qualitativ anerkannt. „Es ist kein Mangel zu erkennen, der eine kirchliche Hochschule in Köln rechtfertigt“.

Die Stadtdechanten betonen übereinstimmend, dass die von der NRW-Rektorenkonferenz aufgeworfenen Fragen nach der Finanzierung der Hochschule und der rechtlichen Zulässigkeit einer Verlagerung der Priesterausbildung von Bonn nach Köln bereits in mehreren diözesanen Gremien gestellt worden sind. Allerdings warte man seit Monaten vergeblich auf eine Antwort des Kardinals.

„Die eindeutige Stellungnahme der Rektorenkonferenz, sowie der Aufruf des Bonner Hochschulrektors Michael Hoch zum Widerstand gegen die Pläne von Kardinal Woelki machen deutlich, dass besonders eine Finanzierung der Kölner Hochschule durch Kirchensteuermittel oder Bistumsvermögen nicht vermittelbar ist. Wir befürchten, dass viele das Hochschulprojekt von Kardinal Woelki für Geldverschwendung halten und darauf mit Protesten und Kirchenaustritten reagieren könnten“. Schätzungen gehen von jährlichen Kosten von 8 bis 12 Millionen aus.

Die Geistlichen befürchten zudem, dass das Hochschulprojekt des Kardinals das Verhältnis zwischen Staat und Kirche belasten und zu neuen Spannungen im Erzbistum führen wird. „Wir können im Erzbistum Köln den Konflikt um die „Woelki-Hochschule“ nicht noch zusätzlich gebrauchen“, so die Stadtdechanten. Die Katholische Hochschule für Theologie in Köln müsse deshalb unverzüglich auf den Prüfstand gestellt werden.

 

"Das Paradies ist nicht verloren" - Ökumenischer Gottesdienst und Veranstaltung zu Schöpfungsverantwortung 23./26. September

16. August 2022; KSD

pfarrbriefservice.de

­"An der Grenze - zum Paradies" - Ökumenischer Gottesdienst am Freitag, 23.9.2022, um 17 Uhr im Kölner Dom

Trotz Klimawandel, Corona-Pandemie und zahlreicher Kriege: „Das Paradies ist keineswegs verloren. Es ist nur noch nicht gewonnen“. So lautet eine These von Pastor Dr. Constantin Gröhn, dem Mitverfasser des Konzeptpapiers „Paradising“.

Was damit gemeint ist,  entfaltet er in seiner Predigt im Ökumenischen Gottesdienst im Rahmen der Dreikönigswallfahrt am Freitag, 23.09.2022, um 17 Uhr im Kölner Dom: „An der Grenze – zum Paradies“. Weitere Informationen im Flyer .

 

„LICHTBLICKE: DIE GROSSE TRANSFORMATION

Welche gesellschaftlichen und kirchlichen Kulturen des Wandels brauchen wir jetzt?“ - Vortag und Podium am Montag, 26.9.2022, um 19.30 Uhr im DOMFORUM

Die ökologische Krise steht auch im Mittelpunkt der Veranstaltung „LICHTBLICKE: DIE GROSSE TRANSFORMATION - Welche gesellschaftlichen und kirchlichen Kulturen des Wandels brauchen wir jetzt?“ am Montag, 26.09.2022, um 19.30 Uhr im DOMFORUM.

Den Impuls zur Diskussion dieser Frage gibt Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Oberbürgermeister von Wuppertal und ehemaliger Präsident des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Weitere Informationen im Flyer .

 

Stadtdechant Kleine wünscht Gottes Segen zum neuen Schuljahr

10. August 2022; KSD

KSD

Heute beginnt in Köln und ganz NRW die Schule. Für die „i-Dötzchen“ geht es morgen in den 1. Klassen los.

Gute Wünsche in alle Schulen hier in einem Radiobeitrag. 

 

Die Suche nach der neuen Form: Boscher Theodors Installation LichtHof zum Domjubiläum / Bis 27. September im DOMFORUM

9. August 2022; ksd

Köln. Ein Spiel aus Licht, Farben und Reflexionen, ständig in Bewegung. Die Besucherinnen und Besucher des DOMFORUMs erwartet in den kommenden Wochen eine aufregende Begegnung mit zeitgenössischer Kunst. Und sie werden mittendrin sein. 

Gespeist wird die bewegte Kunst aus kaskadierend gehängten Elementen mit zumeist transparenten, leicht spiegelnden Filmstreifen, die sich aus der Höhe des DOMFORUMs hinunter in Richtung des offenen Foyers ergießen. Vom 17. August bis 27. September wird die Installation LichtHof des in Köln lebenden Künstlers Boscher Theodor gezeigt. In Auftrag gegeben wurde sie aus Anlass des Domjubiläums, das die Fertigstellung des gotischen Hochchores vor 700 Jahren feiert. Die Vernissage findet am Dienstag, 16. August, um 19.30 Uhr statt.

 

Ein Bild der Bildlosigkeit

 

Boscher Theodors Kunst wurzelt in der Verbindung von Malerei und Film. 2010 fing er an, mit den Zelluloids zu arbeiten, wie er sie nennt. Es sind Filmstreifen, die sogenannte Startcodes für einen Film enthalten, aber unbelichtet sind. „Darauf habe immer Wert gelegt“, sagt er. „Diese Filmstreifen sind nie durch eine Kamera gelaufen. Das fand ich sehr wichtig, dass sie offenbleiben.“ Damit nicht ein Bild entsteht, sondern aus Licht und Reflexion ein meditativer Moment, der Raum bietet für Entspannung, für eigene Gedanken und Betrachtungen.

Waren Sie früher noch in einem Rahmen, sprengte Theodor das Konzept der Zelluloids in den vergangenen Jahren auf. Die Elemente von LichtHof sind in einem Aluminiumrahmen, der auf eine horizontale und eine vertikale Leiste reduziert wurde. Zum Teil sind die Streifen ineinander verwoben, die Enden hängen frei beweglich. Sie werden das Licht, das durchs Glasdach des Fritz-Schaller-Baus fällt, einfangen und reflektieren. „Die Reflexion ist die Erweiterung der Skulptur in den Raum und die Zuschauer hinein“, sagt Boscher Theodor. Es ist letztlich die Suche nach der neuen Form – einer Form, die frei ist und sich mit dem sich ändernden Licht immer wieder wandelt. „Das ist ein Bild der Bildlosigkeit und das finde ich sehr spannend.“

 

Das Universum als fließender Lichtfall

 

Zentimetergenau ist geplant, welches Element wo hängen wird. „Ich bin sehr gespannt, was mit dem Licht, mit dem Lichteinfall und den Reflexionen passiert“, sagt der Künstler. Die Kaskaden aus Licht erinnern bewusst an die Fenster der Gotik und bilden so eine Brücke hinüber zum Dom. „Die Fenster dort spiegeln, wie man sich früher das Universum vorgestellt hat“, erklärt Boscher Theodor, „in Kaskaden, als fließender Lichtfall.“ Während die Domfenster überwiegend figurativ sind und Geschichten erzählen, wird der Moment, die Wirkung im DOMFORUM in einer freieren, abstrakten Form passieren. „Die Narration findet auf einer anderen Ebene statt“, so Theodor.

Im Vorfeld von LichtHof hat Boscher Theodor eine Führung über den Dächern des Domes mitgemacht und ist bis heute begeistert: „Der ganze Eindruck und der Blick auf die Fenster über den Weg von oben durch den Dachstuhl runter – phantastisch! Ich bin immer noch total beeindruckt davon, auch von der Schönheit. Die sieht man eigentlich auch erst da oben. Das ist eine wahnsinnig schöne Erfahrung.“ Die Materialien, die Farben, die Kombinationen – all das sei enorm. Auch Zeit habe damals eine ganz andere Dimension gehabt. Generationen haben am Dom gearbeitet. „Heutzutage wäre sowas wahrscheinlich nicht mehr möglich und nicht mehr planbar.“

 

Wie eine Schatztruhe, die geöffnet wird

 

Die spirituelle Dimension seiner Arbeit hat ihren bewussten Anfang genommen in der Installation „ OPTIQUE TROMPEUSE“, die Boscher Theodor 2018 für die mittelalterliche, heute als Ausstellungsraum genutzte Kapelle von Mosset in Südfrankreich geschaffen hat. Es folgte ein Auftrag für St. Agnes: „ DUSK 2 DAWN“ (von der Dämmerung bis zum Morgengrauen) hieß die Installation, die 2021 im Chorraum der neugotischen Kirche hing.

Würde er sich als spirituellen Menschen bezeichnen? Ist durch diese Arbeite etwas gewachsen? „ Ich habe das da gelernt, als ich das erste Mal die Installation in Mosset gesehen habe“, sagt Theodor. „Das war wie eine Schatztruhe, die geöffnet wurde. In dem Kontext dieser mittelalterlichen Bruchsteinkapelle war das wirklich eine Erfahrung!“ Es habe Menschen gegeben, die ihm sagten: „Sie haben dem Raum die Spiritualität wiedergegeben“ – „und das fand ich total interessant, weil ich von meiner Konzeption her eigentlich nicht aus dieser Ecke kam“, so der Künstler. 

 

„Wir alle brauchen große Lichtblicke“

 

Wenn er im sakralen Raum arbeitet, geht es Boscher Theodor auch darum, nicht nur Malerei und Film zu verbinden, sondern auch alle Religionen miteinander. So wie das Licht universal ist und kein Mensch ohne es leben kann. Oder wie die Erde nicht ohne die Sonne existieren kann. Licht, das verbindende Topos der Malerei und des Films, spielt in fast alle Religionen eine wichtige Rolle als Metaphor, betont Boscher Theodor: „Licht ist der Anfang von allem. Und gerade, wenn man sich die jetzige Situation der Welt und der Gesellschaft ansieht, brauchen wir alle große Lichtblicke! Daraus zieht man ja auch Energie und neue Überlegungen.“

Zelluloid ist nicht nur das Trägermaterial für das Bewegtbild, das wir Film nennen. Durch seine Installationen, seine Zelluloids erschafft Boscher Theodor Bilder in Bewegung, neue „ Bewegungs-Bilder“, die wiederum in denen, die sie erleben, etwas in Bewegung setzen können. Die Bewegungs-Bilder sind auch ein Verweis auf unsere Zeit. „Wir sind ja ständig umgeben von bewegten Bildern“, sagt Boscher Theodor. „Sie prägen unsere Emotionen, unsere privaten Entscheidungen und Vorstellungen und unsere Lebensplanung.“ Dass er Zelluloid dabei als sein Material erwählt hat, ist weder Zufall noch Nostalgie. Denn hier geht es um neue Formfindung in einer sich stetig wandelnden Welt. „Das Raster ist die Ikone der Moderne“, sagt Boscher Theodor. „Und das bleibt auch so.“ 

 

Autorin: Hildegard Mathies

 

Alle Informationen zur Vernissage und zur Veranstaltungsreihe finden Sie hier und auf www.domforum.de

 

Zur Ausstellung im DOMFORUM erscheint eine Edition in einer Auflage von 100 Stück, die im DOMFORUM erworben kann (Stückpreis: 240 Euro).

 

www.boschertheodor.eu

    

KultUrQuelle Baptisterium: Christian Wirmer spielt Büchners „Leonce und Lena“ (26. August)

4. August 2022; ksd

Köln. „O wär ich doch ein Narr! Mein Ehrgeiz geht auf eine bunte Jacke“: dieses Shakespeare-Zitat stellt Georg Büchner an den Anfang seines Lustspiels „Leonce und Lena“. Der Schauspieler Christian Wirmer ist mit dieser Aufführung am Freitag, 26. August, im Baptisterium am Kölner Dom zu Gast. Beginn ist um 19 Uhr.

Leonce sucht Leben und landet genau da, wo er nicht hinwollte: „Wir feiern mit Büchner unsere romantischen Vorstellungen und bemerken lachend, dass wir uns an einem grandiosen Abgesang auf unsere geliebten Illusionen beteiligen.“

Das „Baptisterium am Dom. Kölns erster Taufort“ will Literatur, Musik oder Kunst mit christlicher Spiritualität und Theologie ins Gespräch bringen.

Die Veranstaltung ist kostenfrei, Tickets, die einen Sitzplatz sichern, erhalten Sie hier.

 

www.domforum.de

 

Zum 80. Todestag von Edith Stein: Spurensuche in Köln

4. August 2022; ksd

Sie war Philosophin, Frauen- und Menschenrechtlerin: Edth Stein, die am 9. August 1942 von den Nazis in Auschwitz ermordet wurde. Die zum Christentum konvertierte Jüdin lebte im Kölner Karmel und bekam als Karmelitin den Namen Teresia Benedicta a Cruce (vom Kreuz). Kölns Stadtdechant Msgr. Robert Kleine lädt im Radiobeitrag dazu ein, sich auf die Spuren Edith Steins zu begeben und erklärt, warum sie den Menschen von heute ganz nah ist. Edith Stein wurde 1998 heiliggesprochen und 1999 zu einer der Patroninnen Europas erklärt.

 

In der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln erzählt Schwester Ancilla Wißling vom Kölner Karmel, wie Edith Stein ihren Glaubens- und Lebensweg mitgeprägt hat. Die Erinnerung an die mutige Frau, die schon früh von Papst Pius XI. forderte, öffentlich Stellung zu beziehen gegen die Verfolgung der Juden durch die Nazis, ist in der Gemeinschaft der Kölner Karmelitinnen bis heute lebendig.

 

Ausstellung, Gottesdienst und Vortrag

 

Aus Anlass ihres 80. Todestages wird bis zum 31. August eine kleine Ausstellung zum Edith-Stein-Archiv in der Theresienkapelle der Kirche Maria vom Frieden (Vor den Siebenburgen 6) gezeigt, kuratiert von Lukrezia Zanardi von der Universität Nijmegen im Rahmen ihres Dissertations-Projektes. In einem Gespräch mit Professor Dr. Marcel René Marburger am Freitag, 19. August, um 17.30 Uhr erläutet Zanardi ihr Konzept.

Vom 8. bis 31. August gibt es dienstags und freitags Führungen von 17.30 bis 18.15 Uhr. Außerhalb derer kann die Ausstellung nach Anmeldung per E-Mail an edithstein.veranstaltungen@gmail.com besucht werden. 

Bei einer Messe am Mittwoch, 12. Oktober, um 19 Uhr in der Kirche St. Edith Stein (Borsigallee 27, Bonn) wird anlässlich ihres Geburtstags in besonderer Weise des 100-jährigen Jubiläums der Taufe und Firmung von Edith Stein gedacht. Um 20 Uhr wird Dr. Monika Adamczyk-Enriquez vom Kölner Edith-Stein-Archiv einen Vortrag halten über „Edith Steins Suche nach dem angemessenen Verhältnis zwischen Glauben und Vernunft in der Philosophie“. (CvH/UvH)

 

www.karmelitinnen-koeln.de

 

Ökumenische Andacht zum Bundesliga-Start im Kölner Dom

3. August 2022; ksd

UPDATE: Die ökumenische Andacht zum Heimauftakt des 1. FC Köln in der Saison 2022/23 können Sie bei DOMRADIO.DE abrufen. Den Höhepunkt, wenn die Domorgel die FC-Hymne spielt, können Sie hier nacherleben. Die Predigt von Stadtdechant Msgr. Robert Kleine finden Sie hier. Ein Interview mit Msgr. Kleine lesen Sie ebenfalls auf DOMRADIO.DE nach. Die Reportage zur Andacht lesen Sie ebenfalls auf dem Portal nach.

 

Köln (mk). Zum Liga-Heimauftakt des 1. FC Köln gegen den FC Schalke 04 sind alle Fußballfreunde zu einem ökumenischen Wortgottesdienst in den Kölner Dom eingeladen. Er beginnt am Sonntag, 7. August, um 13.30 Uhr; der Einlass erfolgt ab 13 Uhr.

Zur  traditionellen „Andacht für alle Fußballfreunde“ werden sich wieder viele FC-Fans in Trikots und Schals im Dom versammeln. Der Liturgie stehen Stadtdechant Msgr. Robert Kleine und Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger vor. Beide freuen sich, dass nach den coronabedingten Einschränkungen der Vorjahre die Andacht wieder ohne Obergrenze und Abstandregelungen stattfinden kann. Emotionaler Höhe- und Schlusspunkt wird die FC-Hymne auf der Domorgel sein.

„Gleichwohl empfehlen wir allen Besucherinnen und Besuchern der Andacht, eine Maske zu tragen, wenn wir Gott zum Saisonauftakt um einen fairen sportlichen Wettbewerb und um Gelassenheit in der Niederlage bitten“, so Kleine. „Wir freuen uns auf alle, die mitbeten und mitfeiern möchten, egal ob katholisch oder evangelisch, FC- oder Schalke-Fans. Unsere Domschweizer heißen selbst Bayern-Fans herzlich willkommen.“

Wegen der vorhergehenden übrigen Sonntagsgottesdienste ist der Einlass zur „Andacht für alle Fußballfreunde“ frühestens ab 13 Uhr möglich. Die Andacht wird live von DOMRADIO.DE und auf dem Facebook-Kanal des Kölner Domes übertragen.

 

Im diesem Radiobeitrag erklärt Stadtdechant Kleine, was den Dom und den FC verbindet und was er sich für die neue Saison wünscht.

Wie ein Zeitfenster: Konstantin Kruse entwickelt das erste komplette 3D-Modell des Domes / Exklusive Tablet-Führungen (bis 27. September)

2. August 2022; ksd

Köln. „Als ich die ersten Testbilder gemacht habe, war ich etwas geschockt, weil der Raum schon sehr anders aussah, viel bunter, viel farbenfroher.“ Der Raum – das ist der Kölner Dom. Konstantin Kruse erstellt das erste digitale 3D-Modell der Kathedrale. Aus Anlass des Domjubiläums, das vom 15. August bis 27. September gefeiert wird, kann man mit Hilfe von Tablets bei exklusiven Führungen des DOMFORUMs in Kooperation mit der Kölner Dombauhütte den mittelalterlichen, komplett ausgemalten Domchor erleben. „Es muss für einen mittelalterlichen Bürger ziemlich überwältigend gewesen sein, in solch einen Raum einzutreten“, sagt Kruse.

Seit rund vier Jahren sitzt der heute 21-Jährige an einer digitalen Rekonstruktion des gesamten Domes. Vor rund einem Jahr ist dann im Gespräch mit Dombaumeister Peter Füssenich und dessen Stellvertreter Albert Distelrath die Idee entstanden, den gotischen Hochchor zum 700-jährigen Jubiläum seiner Fertigstellung in der alten farbigen Fassung im Computermodell auszuarbeiten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Außerdem kann man erleben, wie der Hochchor aussah, als der Dom noch nicht vollendet war. So steht man virtuell plötzlich vor einer Wand, die über Jahrhunderte den Chorraum nach Westen begrenzte, bis die Kathedrale im 19. Jahrhundert vollendet werden konnte.

 

Gegen künstliche Realität entschieden

 

Kurz habe man daran gedacht, dieses Erlebnis mit Hilfe von Brillen zu ermöglichen, die eine künstliche Realität (Virtual Reality) erzeugen. „Aber das war dann für uns zu sehr Realitätsverlust“ , erklärt Kruse. Mit einer VR-Brille kann man auch zu Hause sitzen, „aber wir wollten ja den Binnenchor erlebbar machen“. Besucherinnen und Besucher sollen dabei den direkten Vergleich haben zwischen dem mittelalterlichen Dom und dem Dom von heute.

Bei der Arbeit hat Konstantin Kruse, der seit 2019 als Werkstudent an der Kölner Dombauhütte arbeitet, vor allem überrascht, dass die Farben ganz anders waren als erwartet. „Ich dachte erst, dass die Gewölbe eher blau waren, weil es zu dieser Erbauungszeit eher üblich war, einen Sternenhimmel darzustellen“, erzählt der Architekturstudent der TU Köln. Den Sternenhimmel gab es dann aber nur als Stadium in seinem Modell und wenn Kruse das am Computer zeigt, hört man fast ein bisschen leise Enttäuschung heraus: „Ich war echt ein Fan der tiefblauen Gewölbe“, gibt Kruse zu, der ein Faible für die großen gotischen Kathedralen und die Pariser Palastkapelle Sainte-Chapelle hat, die so einen Sternenhimmel hat.

 

Dominantes Goldocker

 

Mit Hilfe restauratorischer Befunde sowie historischer Fundstücke, Quellen und Rekonstruktionen zeigte sich, dass der vorherrschende Farbton ein starkes Goldocker war. „Es war ziemlich aufwendig, das genaue Farbtimbre zu finden“, sagt Kruse. Schrittweise näherte er sich bei der CAD-Erstellung, der computerunterstützten Konstruktion, dem Ergebnis, bis klar war: „Dieser Goldockerton, der den Raum dominiert hat, war ziemlich stark, ziemlich – wie man heute sagt – in your face.“ Also fast schon aufdringlich. „Das wirkt natürlich erst einmal ein bisschen unnatürlich“, erläutert Kruse, „ aber es war tatsächlich so im Mittelalter und das weiß man heutzutage meist gar nicht mehr, dass die mittelalterlichen Kathedralen so bunt waren.“ Es sei denn, man arbeitet in einer Dombauhütte, ist Kunsthistoriker oder interessiert sich für diese Epoche oder Architekturgeschichte.

„Das Ocker ist quasi eine Ersatzfarbe für Gold“, erzählt Konstantin Kruse weiter. Die größeren Flächen waren in Goldocker gehalten, daneben gab es auch vergoldete Ornamente im Raum, darunter die gotischen Chorschranken, die komplett vergoldet waren. Wie die gesamte Architektur sollte auch die Farbgebung im Dom den Dreikönigenschrein widerspiegeln – um noch einmal zu betonen, zu wessen Ehren diese Kathedrale erbaut wurde. Bis in dier 1990er waren die Gewölbe noch ockerfarben, danach wurden sie weiß getüncht, um einen helleren Raumeindruck zu schaffen.

Wie ein Künstler immer wieder neu seine Farben mischt oder anpasst, so ging auch Kruse bei der Farbrekonstruktion vor: „Es war immer ein Herantasten, ein immer wieder neu ausprobieren“, erzählt er. In diesem Bereich der fotorealistischen Umwandlung der Daten in ein 3D-Modell (Rendering) sei es sehr komplex, so eine Textur- und Materialoberfläche zu erreichen. „Um diese Tiefe überhaupt herzustellen, dass man darunter Steine erkennt und teilweise den Glanz im Gold hat, braucht man schon sehr viel Zeit“, erklärt Kruse. Neben Ocker und Gold fanden sich etwa auch starkes Rot und Blau im Dom. Nach 700 Jahren will Kruse im Modell auch den mittelalterlichen Fenstern ihre alte Farbigkeit wiedergeben. Trotz Restaurierung strahlen sie heute nicht mehr so wie damals. Auch hier dürfen die Besucherinnen und Besucher auf die Wirkung am Tablet gespannt sein.

 

600 Millionen Polygone erstellt

 

Wie viele Stunden er schon an dem Dommodell gearbeitet hat, weiß Konstantin Kruse nicht. „Ich kann nur Fakten zum Modell nennen“, sagt er. „Wir haben mittlerweile ein CAD-Modell des Domes, das eine Größe von über 600 Millionen Polygonen hat. Das sind einzelne Dreiecke, die zusammenkonstruiert eben dieses Modell ergeben.“ Die Arbeitsstunden lägen bislang – das Projekt ist noch im Prozess – „auf jeden Fall in den 1000ern“, so Kruse. „Mehr kann ich nicht beziffern und ich will es, ehrlich gesagt, auch nicht wissen.“

Auch wenn der Student plant, später als Architekt zu arbeiten, sieht er seine Arbeit jetzt weniger als Beruf. „Es macht mir einfach Spaß“, sagt er. Schon früh hat er sich für Architektur interessiert, sich die CAD-Technik selbst beigebracht und erste Aufträge und Kooperationen mit Architekturbüros gehabt. Ein Praktikum hatte ihn dann 2018 in die Dombauhütte geführt.

„Konstantin Kruse hat ein großes Talent für CAD und digitale Visualisierungen“, sagt Füssenich über seinen jungen Mitarbeiter. Mit großer Begeisterung und Akribie habe Kruse an diesem Projekt gearbeitet. „Wir wurden vor einigen Jahren auf ihn aufmerksam, weil er bereits in seinen Jugendjahren ein digitales Modell des Domes erstellt und großes Interesse für die Architektur des Domes hat“, erzählt Füssenich. „Wir freuen uns sehr, dass er nun diese schöne virtuelle Zeitreise für unser Jubiläum umgesetzt hat!“

 

Beitrag zum Erhalt des Domes

 

Doch Kruse arbeitete nicht nur am Computer, um den digitalen Dom zu bauen. Immer wieder galt es auch, Teile per Hand vorzuzeichnen, bevor sie dann in das Computermodell übertragen werden konnten. „99 Prozent plus sind CAD-gezeichnet“, sagt Kruse. „Aber ich musste zum Beispiel auch mal das Maßwerk aus den Chorschranken mit der Hand skizzieren, damit wir die Proportionen sehen konnten.“ Neben Dombaumeister Füssenich und dem Stellvertretenden Dombaumeister Distelrath arbeitete Kruse eng mit den in der Dombauhütte tätigen Kunsthistorikern Matthias Deml und Klaus Hardering sowie Kunsthistorikerin Ulrike Brinkmann zusammen.

Was Konstantin Kruse jetzt erarbeitet hat, trägt künftig auch zum Erhalt des Domes bei – und das nicht nur, weil pro Tablet-Führung fünf der 18 Euro, die ein Ticket kostet, für eben diesen Zweck bestimmt sind. Die Erkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen und Zeiten sind jetzt erstmals zusammengefasst worden und fließen in eine einzige Rekonstruktion.

Auch die von der Firma Northdocks mit Hilfe von Drohnen erstellten Scans des Domes flossen in die Arbeit ein und waren besonders hilfreich für die korrekte Platzierung der Chorpfeilerfiguren. Um 1280 haben Jesus, Maria und die zwölf Apostel als überlebensgroße Skulpturen Gestalt angenommen im Dom. Die Chorpfeilerfiguren wollte Kruse unbedingt noch vor dem Start der Führungen im Modell haben, auch wenn dieses – wie der große Dom – nie ganz fertig wird. Aber das ist ja auch gut so, denn bekanntermaßen geht die Welt unter, sollte der Kölner Dom je ganz fertig werden.

 

Früher der Geistlichkeit vorbehalten

 

Auch die Forschungen gehen entsprechend immer weiter. „Das digitale Modell zeigt den vermuteten Zustand des Domchores im Mittelalter“, erklärt Dombaumeister Peter Füssenich. „Bei der Rekonstruktion wurden alle uns bekannten Bauzustände und Ausstattungen berücksichtigt.“ Die Visualisierung mache zum einen deutlich, wie viel von der ursprünglichen Ausstattung noch erhalten geblieben sei. „Zum anderen ermöglicht sie den Besucherinnen und Besuchern einen Blick in den mittelalterlichen Binnenchor, der damals allein Domkapitularen und Geistlichen vorbehalten war“, erzählt Füssenich.

Solche digitalen Modelle sind anderenorts auch für reale Rekonstruktionen wichtig, wie sie für den Kölner Dom hoffentlich nie notwendig werden. So kommt Ähnliches etwa beim Wiederaufbau von Notre-Dame in Paris zum Einsatz. Auch die von Terroristen 2015 zerstörten Tempel und antiken Stätten von Palmyra könnten so zumindest teilweise wiederaufgebaut werden – das Projekt ist allerdings unter Fachleuten umstritten.

 

„Träumen darf man ja“

 

Und wie sieht es mit dem Kölner Dom aus? Wünscht sich Konstantin Kruse eine Zeitreise oder findet er es manchmal schade, dass der Dom nicht mehr in alter Farbenpracht erstrahlt? „Ich finde es sehr schade!“, sagt er. „Ich persönlich bin ein Fan der Rekonstruktion von Chartres. Viele sind das nicht, weil es sehr ,disneymäßig‘ aussieht, wie Disneyland. Aber wenn man da nochmal 50 oder 100 Jahre Patina drüberdenkt, dann sieht es wieder sehr toll aus. Dann sind die Farben nicht mehr so knallig, aber der Raum hat Farbe und der Raum hat diese Raumwirkung, die er im Mittelalter eben hatte. Und das wünsche ich mir natürlich auch für den Dom!“ Solche Rekonstruktionen seien aber extrem teuer und es stehe natürlich nicht in seiner Entscheidungsgewalt. Aber: „Träumen darf man!“

Und wie steht es mit dem Dombaumeister? Würde Füssenich gerne mal als Zeitreisender unterwegs sein oder den Dom in der farbigen Fassung nochmal auferstehen lassen? „Der Domchor wurde im Mittelalter von den besten Künstlern der Zeit farbenprächtig ausgemalt. Sie haben ihr Bestes gegeben, ihn zu einem Gesamtkunstwerk zu machen“, sagt er. Viel farbiger und üppiger als heute war der Raum. „Heute zeugen nur noch kleine Farbreste von der Prächtigkeit der Ausstattung und der Malereien des mittelalterlichen Domchores.“ Und die können Besucherinnen und Besucher nun zumindest virtuell erleben bei den Exklusiv-Führungen. Füssenich selbst gefällt besonders gut, dass das digitale Modell so programmiert wurde, „dass es sogar den aktuellen Sonnenstand berücksichtigt“. Das heißt: „Die Sonne scheint gleichzeitig – ganz real – durch die Chorfenster, aber auch an der richtigen Stelle virtuell auf dem Bildschirm.“

 

Führungen ermöglichen Zugang zu sonst versperrten Bereichen

 

Die exklusiven Tablet-Führungen bilden im Rahmen des festlichen Jubiläumsprogramms, zu dem auch die Uraufführung eines eigens von Helge Burggrabe komponierten Dreiköngsoratoriums und vieles mehr gehört, einen besonderen Glanzpunkt. „Der Domchor ist in seiner Gesamtheit ein großer Schatz, den wir hüten dürfen“, betont Dombaumeister Peter Füssenich. „Ich freue mich, dass er zu seinem 700-jährigen Jubiläum in diesem Jahr ganz im Mittelpunkt der Betrachtung steht. Ich wünsche dem Domchor viele Besucher und Gratulanten!“

Die Tablet-Führungen werden auch in sonst unzugängliche Bereiche führen, näher zum Hochaltar und näher zum Dreikönigenschrein beispielsweise. „Für mich ist das ein spannendes Projekt, mit der überraschenden Erkenntnis, wie dieser Raum nach Westen hin mit dieser großen Trennwand abgeschlossen war“, sagt Harald Schlüter, stellvertretender Leiter des DOMFORUMs und Referent für die Dom- und Kirchenführungen.

Aufgegriffen werden auch unterschiedliche Ansichten der Historiker beziehungsweise der Forschung über die Geschichte und Entwicklung des Hochchors, so Schlüter. Als Domexperte wusste natürlich auch Schlüter um die farbige Fassung des Mittelalters – doch es im Modell zu sehen, ist etwas anderes. „Wir denken immer, das Mittelalter wäre finster gewesen, aber es war poppig bunt!" Schlüter freut sich, dass das bald möglichst viele Kölnerinnen und Kölner sowie Touristen sehen können.

 

Die perfekte gotische Kathedrale

 

Bislang hat jeder, der den digitalen Dom gesehen hat, einen „WOW!“-Moment gehabt, erzählt Konstantin Kruse. Hat sich sein eigenes Verhältnis zum Dom durch die Arbeit am 3D-Modell verändert? Wenn er heute durch den Dom geht, denkt Kruse durchaus an das mittelalterliche Gotteshaus und stellt sich vor, wie alles ausgesehen hat. Die Leistung, die insgesamt in der Kathedrale steckt, erfülle ihn zudem „total mit Demut“, denn heute könnte keiner mehr so bauen. „Und selbst wenn – die Kosten wären astronomisch hoch“, sagt der künftige Architekt. „Es würde auch keiner wagen. Damals hat man einfach gotische Kathedralen im Versuchsverfahren gebaut. Man hatte keine statische Berechnung zu Hilfe, man hat einfach sozusagen ausprobiert, was hält. Und am Dom hat man es sozusagen zur Perfektion getrieben. Der Dom ist die perfekte gotische Kathedrale.“

Nicht zuletzt ist der Kölner Dom ein spiritueller Ort. „Auch wenn man nicht so gläubig ist, denke ich, dass die Spiritualität von so einem Raum schon sehr viel mit einem machen kann“, sagt Konstantin Kruse. Die Farbigkeit habe das damals verstärkt. „In heutiger Zeit, wo es soviel Negatives in der Welt gibt, gibt es in diesem Raum auch sehr viel Meditatives. Ich erfahre das immer an mir selbst. Ich brauche nur ein, zwei Minuten im Dom und schon bin ich runtergefahren, geht der Puls runter und man ist deutlich entspannter. Deswegen lohnt es sich, öfter in den Dom zu gehen!“

 

Autorin: Hildegard Mathies (exklusiv zuerst erschienen auf www.katholisches.koeln )

 

Exklusiv-Führungen mit dem Tablet

 

Die einstündigen Exklusiv-Führungen mit Tablet finden zwischen dem 17. August und 25. September statt. Pro Person können maximal zwei  Karten zum Preis von je 18 Euro erworben werden. Darin enthalten ist eine Spende von je 5 Euro zum Erhalt des Domes.

 

Die Karten können direkt im Besuchsfoyer des DOMFORUMs erworben werden sowie direkt über die Website

 

www.domforum.de

 

Alles zum Domjubiläum finden Sie auf der Jubliäumswebsite.

 

Die Website der Kölner Dombauhütte finden Sie hier.

 

Neues Festival für jüdische Musik: SHALOM MUSIK.KOELN vom 4. bis 11. August an vielen Orten in der Stadt

25. Juli 2022; ksd

Köln. Vom 4. bis 11. August findet das neue Festival „SHALOM MUSIK.KOELN“ statt, das künftig alle zwei Jahre jüdische Musik in den Mittelpunkt stellen soll. Das Festival knüpft an die Initiative Shalom Cologne vom vergangenen Jahr an.

Für die erste Ausgabe konnten nach Angaben der Veranstalter Stars wie der Trompeter Avishai Cohen, Elena Bashkirova, Klavier, und die Sängerin Sharon Brauner gewonnen werden. Veranstalter ist das Kölner „Forum für Kultur im Dialog“ gemeinsam mit Koopertionspartner wie der Synagogen-Gemeinde Köln und der c/o pop.

 

Kölns historische Rolle

 

Das neue Festival soll Begegnungen mit jüdischer Musikkultur und Musikstilen an ausgesuchten Orten in ganz Köln ermöglichen. Dazu gehören zum Beispiel auch der Roncalliplatz am Kölner Dom, der Alter Markt, die Straßenbahnlinie 7, das Museum Kolumba des Erzbistums Köln, die AntoniterCity- und die Trinitatiskirche, St. Ursula und St. Kunibert. Der Eintritt ist frei.

Ziel ist es, jüdische Musik auch in der Zeit nach dem großen Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ sichtbar und hörbar zu machen, heißt es in einer Pressemitteilung. „Köln kommt im Nachgang des jüdischen Festjahres aufgrund seiner Historie eine besondere Rolle zu: Die Synagogen-Gemeinde Köln gilt als die erste urkundlich belegte jüdische Gemeinde nördlich der Alpen“ , heißt es weiter. „Mit SHALOM-MUSIK.KOELN entsteht eine zukunftsweisende Grundlage für ein neues Festival, bei dem neben der vielfältigen Musikpräsentation auch die Begegnung und der Austausch mit jüdischen und nichtjüdischen Künstlern und dem Publikum steht.“


Das komplette Programm finden Sie hier.

 

www.shalom-musik.koeln

   

Zum Domjubiläum: Installation LichtHof im DOMFORUM / Veranstaltungsreihe zum Thema Licht

19. Juli 2022; ksd

Köln. Am 15. August wird das Domjubiläum „700 Jahre Chorweihe gotischer Dom“ eröffnet. Einen Tag später, am Dienstag, 16. August, bietet das Katholische Bildungswerk Köln im DOMFORUM zwei Veranstaltungen zum Jubiläum an, darunter die Vernissage zur Installation LichtHof von Boscher Theodor.

 

Vortrag in der Reihe Stadt.Punkte

 

Dr. Marc Steinmann, Kurator am KOLUMBA, dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln, hält um 17.30 Uhr einen Vortrag über „Baustil. Kölner Domchor und die Entwicklung der gotischen Architektur“. Er ordnet den Kölner Domchor in die Entwicklung des gotischen Baustils ein, stellt seine Bauweise wie seine Ausstattung vor, aber auch sein Bildprogramm und seine musikalische Bespielung.

Beleuchtet werden zudem die zeitgeschichtlichen Hintergründe und deren Akteure. Meister Eckhart oder Francesco Petrarca waren als Zeitzeugen in Köln. Auch das Alltagsleben in der Stadt wie die theologischen Strömungen und kirchliche Bewegungen zur Zeit des Dombaus werden Thema sein.

Der Vortrag findet im Rahmen der Sommerausstellung des DOMFORUMs „Überaus schön, doch unvollendet… – 700 Jahre Chorweihe gotischer Dom“ statt.

 

Der Eintritt ist frei. Ein Ticket, das den Einlass und einen Sitzplatz garantiert, kann hier gebucht werden.

 

Vernissage zur Installation LichtHof von Boscher Theodor

 

Vom 16. August bis zum Ende des Domjubiläums am 27. September ist im DOMFORUM die Installation LichtHof des Kölner Künstlers Boscher Theodor zu sehen. LichtHof ist eine mehrteilige Installation im Atrium des DOMFORUMs, die aus Anlass des 700-jährigen Jubiläums der Chorweihe konzipiert wurde.

Die einzelnen Elemente hängen in vertikaler Staffelung vom dritten Obergeschoss des Atriums herab und reflektieren das von oben durch ein Glasdach einfallende Licht. Die Betonung der Vertikale und die kaskadierende Hängung der Elemente verweisen auf lichtmetaphysische Vorstellungen der Gotik und erinnern an die mittelalterliche Auffassung vom Universum als „leuchtender Quell, der in Kaskaden herabstürzt“.

Zugleich reflektiert LichtHof die ästhetischen Prinzipien und Funktionen des DOMFORUMs, einem der bedeutenden Bauten der Kölner Nachkriegszeit. Der 1953 fertiggestellte Neubau erhielt bereits 1967 den Kölner Architekturpreis. Das DOMFORUM befindet sich als Haus der katholischen Kirche in Köln seit 1995 in diesem Gebäude.

Die Installation im Lichthof des DOMFORUMs gibt Gelegenheit, zeitgenössische Seitenblicke auf die für die gotische Architektur so zentrale Metaphorik des Lichts aus kunstgeschichtlicher, biblischer, interreligiöser und spiritueller Sicht zu werfen.

Zur Eröffnung führen Markus Roentgen, Referent für Spiritualität und Exerzitien im Erzbistum Köln, und die WDR-Moderatorin Claudia Dichter ein einführendes Gespräch über die Installation. Für die musikalische Gestaltung zeichnet der in Köln lebende britische Organist und Pianist George F. Warren verantwortlich.

 

Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Ein Ticket, das den Einlass und einen Sitzplatz garantiert, kann hier gebucht werden.

 

www.boschertheodor.eu

 

Veranstaltungsreihe rund um das Thema Licht (August bis Dezember)

 

Aus Anlass des Domjubiläums findet im DOMFORUM zur Installation Lichthof und zur Thematik rund um das Thema Licht eine Reihe weiterer Veranstaltungen des Katholischen Bildungswerks Köln statt.

 

Dienstag, 23. August, 17.30 Uhr

Dialog der Religionen:

Licht und Dunkel aus buddhistischer Sicht und christlicher Perspektive

Mit Werner Heidenreich, Buddhist, und Dr. Werner Höbsch, katholischer Theologe

 

Dienstag, 30. August, 17.30 Uhr

DomBibelForum

Ohne Licht geht nichts! Ein Blick auf den Schöpfungsmythos im Buch Genesis

Mit Dr. Gunther Fleischer, Leiter der Bibel- und Liturgieschule im Erzbistum Köln

 

Donnerstag, 8. September, 19.30 Uhr

Vortrag

Licht-Raum Kölner Dom – Glaskunst gestern und heute

Mit Luzia Schlösser, Direktorin des Deutschen Glasmalerei-Museums, Linnich

 

Dienstag, 20. September, 17.30 Uhr

Dialog der Religionen

Ohne Licht kein Leben! Die Metaphorik des Lichts aus christlicher und muslimischer Sicht

Mit Birsen Ürek vom Muslimischen Frauenbildungswerk (BFmF), Köln, und Dr. Rita Müller-Fieberg, Dozentin für Exegese am Institut für Lehrerfortbildung, Essen

 

Montag, 26. September, 19.30 Uhr

Podiumsdiskussion

Lichtblicke: Die große Transformation. – Welche gesellschaftlichen und kirchlichen Kulturen des Wandels brauchen wir jetzt?

Impuls: Professor Dr. Uwe Schneidewind, Oberbürgermeister von Wuppertal und ehemaliger Präsident des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

Podium: Dr. Gudula Frieling, Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“; Professor Dr. Nikolaus Froitzheim, Steinmann-Institut der Universität Bonn und Mitglied der Bewegung „Extinction Rebellion“ ; Dr. Martin Horstmann, Studienleiter an der Melanchthon-Akademie Köln; Dr. Christian Weingarten, Umweltbeauftragter des Erzbistums Köln

 

Dienstag, 25. Oktober, 17.30 Uhr

DomBibelForum

Gott strahlt! Licht als Bild für die Gotteserfahrung im Buch Ezechiel

Mit Dr. Gunther Fleischer, Leiter der Bibel- und Liturgieschule im Erzbistum Köln

 

Dienstag, 15. November, 17.30 Uhr

DomBibelForum

Lichtwerdung! Ein Handlungsauftrag an den Menschen im Buch Jesaja

Mit Dr. Gunther Fleischer, Leiter der Bibel- und Liturgieschule im Erzbistum Köln

 

Dienstag, 13. Dezember, 17.30 Uhr

DomBibelForum

Licht gegen Finsternis. Wenn Gott Mensch wird, hat die Finsternis keine Chance – sagt der Evangelist Johannes

Mit Dr. Gunther Fleischer, Leiter der Bibel- und Liturgieschule im Erzbistum Köln

 

www.bildungswerk-koeln.de

 

Offener Brief zur Abschiebepraxis der Stadt Köln: „Mit Wut im Bauch...“

12. Juli 2022; ksd

Köln (cv). „Die aktuelle Abschiebepraxis von geflüchteten Menschen in Köln ist inhuman! Sie wird dem Ziel ,eines sicheren Hafens für Geflüchtete‘, das die Stadt Köln selbst formuliert, nicht gerecht. In einem offenen Brief der Stadtgesellschaft an Oberbürgermeisterin Reker fordern Flüchtlingsinitiativen und Bürger*innen mit ,Wut im Bauch‘ die Stadt auf, bei gut integrierten Flüchtlingen ihren Ermessungsspielraum zu nutzen“, schreibt die Caritas für Köln auf ihrer Homepage. Auch die Beauftragten der Aktion Neue Nachbarn im Stadtdekanat Köln, Isabel Heinrichs und Nils Freund, haben den Brief unterschrieben, ebenso Gregor Stiels, der Vorsitzende des Katholikenausschusses in der Stadt. Zu den Erstunterzeichnenden gehört auch Peter Krücker, Caritas-Vorstand und Sprecher des Runden Tischs für Flüchtlingsfragen.

 

Gedenken an die Flut: Caritas-Film über die Fluthilfe / Msgr. Kleine betet Ahr-Psalm von Msgr. Stephan Wahl (Video)

12. Juli 2022; ksd

Köln (pek/dicv). In Koope­ration mit den katho­lischen Kir­chen des Lan­des Nord­rhein-West­falen lädt das Erz­bistum Köln seine Gemein­den dazu ein, am Donnerstag, 14. Juli, das abend­liche An­gelus-Gebet zu ver­län­gern und zu diesem An­lass für die Opfer der Flut­katastrophe 2021 zu beten. Für gewöhnlich wird das Angelus abends um 18 Uhr gebetet. Am Kölner Dom wird um 19.30 Uhr geläutet.

Im Juli vergan­genen Jahres ver­loren Men­schen aus Nord­rhein-West­falen und Rhein­land-Pfalz über Nacht Familien­mit­glieder und Freun­de, Häuser sowie Hab und Gut. Bis heute sind sie täg­lich mit den Folgen des Un­wetters kon­frontiert, da zum Bei­spiel die Aus­zahlung der Wieder­aufbau­hilfen noch aus­steht und weiter­hin star­ker Hand­werker­mangel vor­herrscht. Auch men­tal sind die ver­heeren­den Ereig­nisse noch nicht verar­beitet: die Caritas be­richtet, dass die Zahl der Men­schen, die psycho­soziale Be­ratung in An­spruch nehmen, immer größer wird, je länger die Flut­nacht zurück­liegt.

In seinem Schrei­ben an die Gemeinde­mitglieder des Erz­bistums Köln spricht General­vikar Msgr. Guido Assmann allen Engagier­ten, die sich im Zeichen des Dienstes am Nächs­ten in den Flut­gebieten ein­gesetzt haben oder ein­setzen, indem sie zum Bei­spiel beim Wieder­aufbau von Häusern helfen oder Freizeit­angebote für Kinder organi­sieren, einen großen Dank aus. „Es liegt an uns allen, die Be­troffenen der Flut­katas­trophe weiter­hin nicht aus den Gedan­ken und dem Blick zu ver­lieren, uns weiter zu enga­gieren“, betont der General­vikar. Das zeit­gleiche Gebet am Abend des 14. Juli sei in diesem Zusammen­hang ein bedeuten­des sym­bolisches Zei­chen der Soli­darität.

 

Eine Ansprache von Generalvikar Msgr. Guido Assmann sehen Sie hier.

 

Diözesan-Caritas: Vier Millionen Euro für Opfer der Flutkatastrophe 

 

Die Caritas hat im Erzbistum Köln bislang rund vier Millionen Euro an Betroffene der Flutkatastrophe ausgezahlt. 1,6 Millionen Euro entfielen auf Soforthilfen (200 Euro pro Person) unmittelbar nach der Flut in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021. 2,4 Millionen Euro wurden als Haushaltsbeihilfen (bis 5000 Euro) gezahlt. Diese gaben die Menschen etwa für die Anschaffung neuer Einrichtungsgegenstände, Kühlschränke und Waschmaschinen aus. 

„Wir konnten bis heute mehr als 6200 Betroffenen helfen. Viele haben sich allerdings noch gar nicht gemeldet oder sind mit der Antragstellung auf Wiederaufbauhilfen des Landes beschäftigt“, zieht Michaela Szillat, Fluthilfekoordinatorin des Kölner Diözesan-Caritasverbandes, kurz vor dem Jahrestag der Flut Bilanz. Sie geht davon aus, dass im Erzbistum Köln mehr als 60.000 Menschen von der Flut betroffen sind. Vor allem im Kreis Euskirchen, im Rhein-Erft- und Rhein-Sieg-Kreis sowie in der Region Wuppertal / Solingen richtete das Hochwasser teils verheerende Schäden an. Betroffen waren auch Teile von Leverkusen, Düsseldorf, Köln und Rösrath. 

Die Caritas ist vom ersten Tag an vor Ort, leistet finanzielle Hilfe aus Spendenmitteln von Caritas international und „NRW hilft“ und berät in insgesamt sechs Caritas-Fluthilfebüros. Die Mitarbeitenden unterstützen die Menschen dabei, Anträge auf finanzielle Hilfen an das Land NRW zu stellen. „Darüber hinaus organisieren die Fluthilfebüros Baustoffe und Werkzeug. Sie stellen Kontakt zu Städten, Gemeinden und Landkreisen her, helfen bei der Wohnungssuche und vermitteln an weiterführende Beratungsstellen der Caritas. Vor allem aber hören sie zu“, so Szillat.  

Je länger die Flutnacht zurückliegt, desto höher wird die Zahl derjenigen, die psychosoziale Beratung in Anspruch nehmen. Das gilt für die Betroffenen genauso wie für die Helfenden, die in der Flutnacht oft selbst ihr Leben riskiert haben.

Im eher weitläufigen Rhein-Sieg-Kreis und in anderen ländlichen Regionen des Erzbistums besuchen Caritas-Mitarbeitende Betroffene zuhause. „Wegen der teils großen Entfernungen ist es den Menschen nicht überall zuzumuten, in die Fluthilfebüros zu kommen. Deshalb suchen unsere Koordinatorinnen und Koordinatoren die Menschen auch zuhause auf und erkundigen sich, welche Hilfe noch benötigt wird“, so Szillat.

Insgesamt spendeten die Menschen bis heute knapp 49,9 Millionen Euro an Caritas international, um Flutopfern zu helfen. Elf Millionen Euro davon wurden bislang an die Betroffenen in den Flutgebieten der Bistümer Trier, Köln, Aachen, Paderborn und Essen ausgezahlt. Die weiteren Spenden werden für die so genannte Wiederaufbauhilfe eingesetzt, die erst jetzt beginnt. Größere Summen dürfen nämlich erst dann ausgezahlt werden, wenn Ansprüche bei Versicherungen und staatlichen Stellen geklärt sind. 

 

www.caritasnet.de

 

Eine Übersicht über dezentrale Gottesdienste gibt es hier.

 

In Euskirchen nimmt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf Einladung des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, am Donnerstag, 14. Juli, Gedenkgottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche teil und wird dort im Anschluss eine Ansprache halten. Vor und nach dem Gottesdienst sind weitere Gespräche vorgesehen. DOMRADIO.DE überträgt live im Web-TV ab 17.30 Uhr.

 

Das ZDF überträgt am Sonntag, 17. Juli, einen katholischen Gottesdienst aus St. Laurentius in Ahrweiler (10 Uhr). Informationen und Livestream finden Sie hier.

 

Caritas-Film zum Jahrestag

 

Zum Jahrestag veröffentlichen die Caritasverbände der (Erz-)Bistümer Aachen, Essen, Köln, Paderborn und Trier einen Film, der zeigt, wie die Caritas unmittelbar nach der Flut begonnen hat, zu helfen.

 

www.caritas-fluthilfe.de

 

Ahr-Psalm im Mittagsgebet im Kölner Dom

 

Am 1. Jahrestag der Flutkatastrophe betete Kölns Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine den Ahr-Psalm, den Msgr. Stephan Wahl aus Anlass der Flutkatastrophe im Ahrtal den Toten und Betroffenen der Flut gewidmet hat. Einen Beitrag über die Psalmen von Msgr. Wahl auf DOMRADIO.DE lesen Sie hier. Stephan Wahl war lange Jahre Sprecher des „Wort zum Sonntag“ in der ARD. Er lebt heute in Jerusalem.

  

Ein Jahr nach der Flut: Inklusive Flutopferhilfe unterstützt Familien / Aufruf an Betroffene mit Behinderung sich bei Hilfebedarf zu melden

11. Juli 2022; ksd

Köln. Ein Jahr ist es her, dass in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 die Flut an Ahr, Erft, Swist und Urft mehr als 180 Menschen in den Tod riss und tausende Existenzen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vernichtete. Einen besonderen Hilfebedarf haben Menschen mit Behinderung. Das Koordinationsbüro Inklusive Flutopferhilfe des Stadtdekanats Köln mit seinem Rechtsträger, dem Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden Köln, und mit Koordinator Michael Schmidt begleitet und unterstützt bis heute Familien und andere Flutopfer mit Beeinträchtigung. Weil viele Betroffene noch immer nicht wissen, welchen Anspruch auf Hilfe sie haben und welche Möglichkeiten der Unterstützung es gibt, ruft Schmidt zum ersten Jahrestag der Flut auch dazu auf, sich bei Hilfebedarf im Koordinationsbüro zu melden. Fünf Beispiele zeigen, wie die Einrichtung Menschen an Ahr, Swist und Erft dabei unterstützt, ihr Leben neu aufzubauen – und wie viel noch zu tun ist.

„In der Flutnacht wurde das Haus einer alleinerziehenden Mutter in der Region Euskirchen in unmittelbarer Nähe zur Erft komplett überschwemmt“, erzählt Michael Schmidt. Ihre Tochter leidet an einer spastischen Lähmung und epileptischen Anfällen. Sie ist ein Pflegefall und muss rund um die Uhr betreut werden. Die Mutter leistet dies überwiegend allein neben ihrem Beruf. Als die Flut kam, war kein Platz und keine Zeit für die eigenen Ängste. Ihr einziges Ziel war es, ihre Tochter zu retten. Die Schwester und ihr Schwager halfen bei der Rettung in die obere Etage, Keller und Erdgeschoss liefen komplett voll. 

Danach galt es für Frau M.* vor allem, irgendwie weiterhin zu funktionieren, um die Pflege ihrer über 30-jährigen Tochter aufrecht erhalten zu können. Ihr bisheriges Zuhause war überwiegend zerstört. „Der Großteil der Möbel war verlorengegangen oder musste nach der Flut entsorgt werden“, erzählt Schmidt. „Zum Glück war das Haus versichert und konnte nach zehn Monaten der Sanierung wieder bezogen werden.“ Doch der Pauschalbetrag aus dem Wiederaufbaufonds reichte nicht für die neue Einrichtung.

Spendengelder sollen in so einem Fall nach dem Prinzip der Nachrangigkeit fehlende Mittel ausgleichen. Das heißt: erst nachdem die Versicherungs- und staatlichen Leistungen geflossen sind, kommen Haushaltsbeihilfen zur Wiederbeschaffung von Hausrat und persönlichem Bedarf zum Zuge. Doch in der Realität ist das für Betroffene nicht immer so einfach. Die Vergabe der Spendengelder ist an hohe Auflagen gebunden, Betroffene müssen lückenlos darlegen, wofür das Geld verwendet wird. Fluthilfe-Koordinator Schmidt begleitete Frau M. zu mehreren Terminen mit dem Malteser Hilfsdienst. „Bescheide wurden geprüft und zahlreiche Unterlagen zusammengetragen. Wir haben eine genaue Aufstellung des Hausrates pro Zimmer, mit Wertangaben, aufgelistet. Der Hilfsantrag wurde vollumfänglich zum Nachweis der Betroffenheit und Bedürftigkeit ausgefüllt“, fasst er zusammen. Seit dem ersten Treffen sind vier Monate vergangen, doch bisher ist noch nichts entschieden. „ Geduld bleibt das Gebot der Stunde“, sagt Michael Schmidt. Er wird die Mutter und ihre behinderte Tochter auch weiterhin begleiten und für sie eintreten.  

 

Betroffene sollen Bauspezialisten sein

 

„Der erste konkrete Fall einer betroffenen Familie mit verschiedenen Hörbehinderungen, den ich im vergangenen Jahr persönlich übernommen habe, wird noch heute von mir betreut“, so der Koordinator der Inklusiven Fluthilfe, die im Oktober 2021 mit Unterstützung der Kämpgen-Stiftung, der Marga und Walter Boll-Stiftung, der Kurt & Maria Dohle-Stiftung, der Kölschen Funken rut-wieß von 1823 e.V. sowie der Behindertenseelsorge des Erzbistums Köln ihren Dienst aufnahm und ihren Sitz am Diözesanzentrum St. Georg für Gehörlose und Hörbehinderte im Kölner Süden hat. „Das Wasser kam von der Erft in das Reihenhaus von Familie G.  in Erftstadt-Blessem“, so Schmidt weiter. „Es stieg unaufhaltsam innerhalb von zehn Minuten bis unter die Decke des Kellergeschosses.“

Zunächst half Michael Schmidt dabei, den Online-Antrag für finanzielle Mittel aus dem Wiederaufbaufonds des Landes zu stellen. Seine Arbeit hat immer auch eine seelsorgliche Dimension: Als die Zahlungen der Versicherung ausblieben und auch Gelder vom Staat oder aus Spenden nicht wie versprochen flossen, sprach der 60-jährige den Eltern der sechsköpfigen Familie G. immer wieder Mut zu.

„Aktuell ist vor allem eine baubegleitende Unterstützung gefragt“, berichtet der Koordinator. Verschiedene handwerkliche Gewerke würden nicht so funktionieren, „wie sie sollen und oft lässt die Qualität der Ausführung zu wünschen übrig“, so Schmidt. Hinzu kommen Auswirkungen der gegenwärtigen Krisen, die für Materialknappheit sorgen und Handwerkerpreise in die Höhe treiben. „Von den Betroffenen wird erwartet, dass sie Bauspezialisten sind und den Ausführungen der Handwerker folgen können. Nicht selten werden sie über den Tisch gezogen mit der Erklärung, dass ,das so sein muss‘ und zahlen viel zu viel“, so Michael Schmidt. Hier will der Koordinator gemeinsam mit einem Fachmann für Baubetreuung Abhilfe schaffen.

 

Neue Wohlfühlräume für autistische Menschen

 

Eine Familie aus Swisttal mit vier erwachsenen Kindern, die Störungen aus dem Autismus-Spektrum aufweisen, hatte ihre Schonräume verloren. „Der Schonraum ist für autistische Menschen der Ort, in dem sie ihren Akku wieder aufladen können“, erklärt Michael Schmidt. „Sie brauchen ihn dringend, um mit den vielen täglichen Eindrücken und Anforderungen umgehen zu können. Erst recht mit so einem traumatisierenden Erlebnis wie der Flut.“

Nach der Flut mussten die Zimmer der Vier leergeräumt und renoviert werden. Wegen fehlender finanzieller Mittel bestand die neue Einrichtung aus einem Sammelsurium an farblich und stilmäßig nicht zusammenpassenden gebrauchten Möbeln. „Für Autisten bedeutet das puren Stress“, so der Fluthilfe-Koordinator. Die vorher so gemütlich nach dem persönlichen Geschmack eingerichteten Zimmer waren keine Orte mehr, wo sich die jungen Erwachsenen physisch und psychisch sicher fühlen konnten. „In Zusammenarbeit mit der Stiftung St. Georg und der Gold-Kraemer-Stiftung ist es gelungen, eine neue Einrichtung für sie zu finanzieren und ihren individuellen Wohnbedürfnissen entgegenzukommen“, freut sich Michael Schmidt.  

 

Familien stoßen an ihre Grenzen

 

Eine sozial bedürftige Familie mit einem unterentwickelten Kind hatte sich „verrannt“, wie der Fluthilfe-Koordinator berichtet: „Sie wollten nach der Flut so schnell wie möglich wieder zurück in ihr Fachwerkhaus. Ohne Versicherung und ohne Rücklagen.“ Als Termin hatte die Familie aus Bad Münstereifel den Geburtstagsmonat von zwei der insgesamt drei Kinder angepeilt. Anfangs kamen auch viele freiwillige Helfer und packten mit an. Doch dann ebbte die Hilfe ab.

Der gesundheitlich angeschlagene Familienvater – Schichtarbeiter und bereits früh morgens auf der Straße unterwegs – versuchte es nach Feierabend im Alleingang mit gelegentlicher Unterstützung der Helfer aus dem Schwarzwald. „Es blieb ein Stückwerk. Fortschritte waren nicht zu sehen“, so Schmidt. Hinzu kamen Erfahrungen mit einem Betrüger, der sich als Gutachter ausgab und viel Geld haben wollte. Nur eine handwerklich begabte Familie aus dem Schwarzwald ist der Familie treu geblieben und kam meist am Wochenende, „aber nicht an jedem“, erzählt Schmidt. Manche Arbeiten mussten liegen bleiben.

„Als ich die Familie das erste Mal besuchte, trafen wir uns in ihrem von der Flut arg gebeutelten Haus. Es war ein großes Chaos.“ Die Wände waren bereits entkernt, stützende Holzbalken freigelegt. Überall hingen Kabel von der Decke, Möbel, Baumaterialien und Kartons standen unsortiert herum. „Der Familienvater erzählte mir bis ins kleinste Detail, was zu tun ist. Aber alleine konnte er das nicht schaffen“, sagt Michael Schmidt. Mit der Organisation eines professionellen Handwerkerteams aus dem Netzwerk des Koordinationsbüros konnten innerhalb einer Woche die Räumlichkeiten, die zum Einzug nötig waren, fertiggestellt werden. Das Handwerkerteam wurde von den Stiftungen St. Georg und Gold-Kraemer bezahlt.

Doch kurze Zeit danach „machte sich eine große Ohnmacht bei der Familie breit“, erzählt Schmidt weiter. „Sie hatten ihre Grenzen weit überschritten und mussten eine Pause einlegen.“ Die traumatischen Erlebnisse, die anfangs durch Aktivität verdrängt werden konnten, holten die Familie ein. Das Hin- und Herfahren zwischen Eigentum, Kindergarten, Förderschule und vorübergehender Bleibe, die Hausplanungen sowie die Geldsorgen hatten sie erschöpft. „Sie waren ausgepowert und haben sich jetzt psychologische Hilfe genommen“, erzählt der Koordinator. 

 

Unversehens obdachlos

 

Sie hatten ihr Leben gerade neu sortiert. Als Flüchtlingsfamilie lebten sie in einer Erdgeschosswohnung in Bad Neuenahr-Ahrweiler und fühlten sich wohl in Deutschland. Familie D. kam mit zwei Söhnen aus dem Irak. Der ältere von beiden leidet aufgrund eines frühkindlichen Hirnschadens an einer spastischen Lähmung durch Störungen des Nervensystems und der Muskulatur und erhält regelmäßige medizinische Versorgung in der nächstgelegenen Uniklinik. Mit der Flut verloren sie nahezu alles, was sie sich aufgebaut hatten. Das Wasser in ihrer Erdgeschosswohnung stand bis unter die Decke.

Aufgrund drohender Obdachlosigkeit bekam die Familie eine Notunterkunft zugeteilt – befristet für ein Jahr. „Um für ihren behinderten Sohn weiter mobil zu bleiben, brauchen sie zudem ein behindertengerechtes Auto. Die Finanzierung des Umbaus und eines Teils der Anschaffung genehmigte die Kreisverwaltung, aber noch fehlte ein großer Teil zum Kauf des Neuwagens“, erzählt Michael Schmidt. Der Unterstützungsbedarf entsprach den Förderkriterien der mit dem Koordinationsbüro Inklusive Flutopferhilfe verbundenen Kämpgen-Stiftung. Mit Bewilligung der Zuwendung konnte das neue Auto bestellt werden. „Als nächstes suchen wir nach einer größeren, wenn möglich barrierefreien und unbeschädigten Wohnung, damit die unverschuldete Obdachlosigkeit abgewendet werden kann“, sagt Schmidt. Er ist sicher: „Am Engagement der Familie wird es nicht scheitern.“

 

Schnelle und individuelle Hilfe

 

Seit der Einrichtung des Koordinationsbüros Inklusive Flutopferhilfe im Oktober 2021 begleitet Michael Schmidt in enger Abstimmung mit dem Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden der Stadt Köln – dem Rechtsträger des Stadtdekanats –, dem Diözesanzentrum St. Georg sowie der Kämpgen-Stiftung, die zusammen mit den anderen Stiftungen und Unterstützern das Projekt finanziert, von der Flut betroffene Menschen, die durch eine Behinderung gehandicapt sind. „Mittlerweile ist ein großes Netzwerk an helfenden Stiftungen, Organisationen und Einrichtungen innerhalb und außerhalb des Flutgebietes entstanden, das mit Rat und vor allem mit Tat zur Seite steht“, so Koordinator Michael Schmidt.

„Es geht in erster Linie um eine schnelle und individuelle Hilfe bei gerade anstehenden Problemen“, sagt Schmidt. Mit der Zeit habe sich herausgestellt, dass aus der ersten Hilfestellung eine persönliche Begleitung der Familien über einen längeren Zeitraum wird. „Es sind Beziehungen entstanden“, so Schmidt. „Wir werden die Schicksale der Familien ein Jahr nach der Flut weiter begleiten. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Wo wir helfen können, werden wir unser Möglichstes tun – und dafür können wir weiterhin auf die Unterstützung unseres Netzwerkes zählen.“

 

Das Engagement geht weiter

 

„Den Stiftungen und dem Erzbischöflichen Generalvikariat sind wir sehr dankbar für die großzügige, unbürokratische Unterstützung der Stelle des Fluthilfe-Koordinators und für die Unterstützung einzelner Familien“ sagt Rudger von Plettenberg, der Geschäftsführer des Gesamtverbandes. „Die Flutkatastrophe hat viel Leid geschaffen, doch bei seiner Unterstützung betroffener Familien erfährt Michael Schmidt viel Dankbarkeit für unkomplizierte Hilfe. Ich danke allen Unterstützern!“

Ein Jahr ist die Flutkatastrophe her – doch die Folgen werden noch lange anhalten. Michael Schmidt möchte vor allem all jene Menschen mit Behinderung ermutigen, sich zu melden, die noch keine oder nicht die notwendige Hilfe bekommen. „Für viele ist es schwierig, sich mit Versicherungen oder behördlichen Stellen auseinanderzusetzen. Viele kennen auch ihren Anspruch auf Hilfe und Unterstützung nicht oder sind überfordert mit der Situation“, sagt der Fluthilfe-Koordinator. „Vor allem für sie sind wir da. Melden Sie sich bitte und wir suchen gemeinsam nach einer Lösung für Sie!“ 

 

Kontakt 

Koordinationsbüro Inklusive Fluthilfe
Michael Schmidt
c/o Katholische Kirchengemeinde St. Georg
Georgstraße 6-8
50676 Köln
Mobil: 01522 2606051
E-Mail: michael.schmidt@erzbistum-koeln.de

 

https://flutopferhilfe.georg-koeln.de

 

(* Aus Gründen des persönlichkeitsrechtlichen und Datenschutzes nennen wir keine Namen.)

 

DOMRADIO.DE hat mit Michael Schmidt ein Interview geführt. Hier können Sie es nachhören.

 

Gedenken an die Flut: Jugendchor St. Stephan gibt Benefizkonzert vor dem DOMFORUM (10. Juli)

7. Juli 2022; ksd

Köln. Am 14. und 15. Juli jährt sich zum ersten Mal die Flutkatastrophe an Ahr, Erft, Rhein und Sieg. Der renommierte Jugendchor St. Stephan veranstaltet aus diesem Anlass am Sonntag, 10. Juli, ein Benefizsingen zugunsten der Fluthilfe. Das Konzert findet ab 17 Uhr unter den Arkaden am DOMFORUM statt, in der Nähe des Taubenbrunnens. „Wir möchten an die Auswirkungen der schlimmen Flutkatastrophe erinnern und zeigen, dass die Flutopfer nicht vergessen sind“, schreibt der Chor auf seiner Facebookseite. Das DOMFORUM unterstützt die Initiative und stellt dafür seinen Vorplatz zur Verfügung. Außerdem versorgt es den Chor mit Strom.

Bereits im vergangenen Jahr haben sich die jungen Sängerinnen und Sänger für Betroffene der Flut engagiert und laut EXPRESS über eine Spendenaktion bei Facebook fast 17.000 Euro gesammelt.

 

www.koelner-jugendchor.com

 

Ausstellung in der Bahnhofsmission: „Spiegel-Blicke“ verwandeln Natur in Kunst

5. Juli 2022; ksd

Köln (apk). Ob das ein guter Waldgeist ist? Eine liebe Elfe oder eher ein vorwitziger, frecher Gnom? Was die Betrachterin oder der Betrachter in einem Bild entdeckt, hat viel mit ihrer oder seiner Phantasie zu tun. Aber auch damit, welche Anregung ihnen die fotografischen Werke geben, die elf Bewohnerinnen und Bewohner aus dem „Paul Kraemer Haus Stommeln“ mit Hilfe einer Kamera und des Künstlers Magnus Weiß geschaffen haben. Zu sehen sind die Werke bis April 2023 in der ökumenischen Kölner Bahnhofsmission an Gleis 1 im Hauptbahnhof (Abschnitt E). Im Rahmen der Ausstellung „Spiegel-Blicke“ werden die Werke zugunsten der Kulturarbeit des „Paul Kraemer Haus Stommeln“ verkauft.

 

Fantastische Effekte und Fabelwesen


Rosemarie Hürth ist einer der elf Fotokünstlerinnen und -künstler. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten in der Natur, sie wandert gerne und erfreut sich an Blumen und Vögeln – perfekt also für das Natur-Kunst-Projekt von Weiß, der als Heilerziehungspfleger im „Paul Kraemer Haus“ arbeitet. Gemeinsam mit ihm streiften die Bewohnerinnen und Bewohner durch Wälder und Parks, gingen an den Rhein bei Langen und fotografierten massive Baumstämme, hoch in den Himmel ragende Baumkronen, wuchtige Büsche, interessante Baumrinden und vieles mehr.

Anschließend wurden die Motive im Computer gespiegelt. So entstanden neue, ausdrucksstarke Bilder mit fantastischen Effekten. Zu sehen ist zum Beispiel ein Baum, der aus dem Boden kommt und statt einer Baumkrone mit seinem Stamm nach oben wieder in den Boden hineinwächst. Baumkronen im Herbst lassen durch den Spiegeleffekt kunstvolle Naturrundbögen entstehen. Hier und da sind geheimnisvolle Gesichter zu sehen, erscheinen Fabelwesen oder plötzlich eine Raupe, die sich ihren Weg über die symmetrischen Verästelungen bahnt.

 

„Ein echter Hingucker für unsere Gäste“


„In den Bildern entstehen neue Welten, die für jeden voller Überraschungen stecken. Wer sich in sie vertieft, entdeckt unentwegt Neues“, sagt Magnus Weiß, der schon vielfältige künstlerische Projekte mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Paul Kraemer Hauses ins Leben gerufen hat. Es sei immer spannend, wenn Kunst „mehr erzählt als nur das Offensichtliche“, so Weiß. „Wir wollen doch gerade im Alltag Neues entdecken und das passiert erst, wenn wir auch mal um die Ecke denken.“

Auch Corinna Rindle, die Leiterin der Bahnhofsmission, ist begeistert von den Bildern: „Die Fotos sind grandios!“, sagt sie. „Für unsere sehr unterschiedlichen Gäste sind sie ein echter Hingucker.“ In die Räume an Gleis 1 kommen Menschen, die in Not sind, genauso wie Menschen, die im Alter oder durch eine Beeinträchtigung Unterstützung bei ihrer Zugreise benötigen.

 

Die fotografische Reise geht weiter


Insgesamt sind über 520 Spiegelbildmotive entstanden, aus denen elf Bilder für die aktuelle Ausstellung in der Kölner Bahnhofsmission ausgewählt wurden. Die Werke sind auf Alu-Dibond-Platten in drei verschiedenen Größen gedruckt. Bis zum kommenden April werden sie in der Kölner Bahnhofsmission zu sehen sein, bevor sie im Rahmen einer Finissage zur Unterstützung der Kulturarbeit des „Paul Kraemer Haus Stommeln“ verkauft werden. Bereits jetzt können sich Interessentinnen und Interessenten für die Bilder vormerken lassen.

Weil die Fotografinnen und Fotografen mit sehr viel Leidenschaft und Freude bei der Sache waren, bekommen nun alle sechs Wohngruppen des Hauses eine eigene Kamera, um ihre Kreativität auch im Alltag ausleben zu können. So können auch die am Foto-Kunst-Pprojekt beteiligten Bewohnerinnen und Bewohner Rosemarie Hürth, Claus Dieter Schulz, Petra Welsch, Uwe Hoggur und Gabriele Fesel weiter auf fotografische Entdeckungsreisen gehen.

Geöffnet: Montag bis Sonntag, 8 bis 18 Uhr

 

www.bahnhofsmission-koeln.de

 

Studientag des Stadtdekanats: „Im kirchlichen Dienst – geht’s noch?“

28. Juni 2022; ksd

Köln. Den Kirchen laufen die Mitglieder zu Hunderttausenden davon, Tendenz weiter steigend. Nach Missbrauchs- und Finanzskandalen hat die katholische Kirche das Vertrauen vieler Menschen verloren, nicht nur im Erzbistum Köln. Die anhaltende Krise bringt verstärkt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Konflikt mit der Motivation und Berufung, die sie in ihren Beruf geführt hat. Viele stehen unter starkem Druck, ringen um Perspektiven und Sinn. Das Stadtdekanat Köln lud deshalb Mitarbeitende zu einem Studientag ein, um dem Raum zu geben. In der Karl Rahner Akademie ging es einen Tag lang um die Auseinandersetzung mit persönlichen und allgemeinen Aspekten dieser Situation sowie um die Frage „Im kirchlichen Dienst – geht’s noch?“ .

Den Schwerpunkt des Tages bildete ein Gespräch mit der Priorin der Benediktinerinnen von Köln-Raderthal, Schwester Dr. Emmanuela Kohlhaas, und dem Jesuiten Dr. Stephan Kessler, Oberer der Kölner Kommunität des Ordens, unter dem Thema „Katholische Vielfalt und Weite: Ordensgemeinschaften als Vorbild für eine zeitgemäße Kirche“. Kohlhaas, die auch als Organisationsberaterin und Bestseller-Autorin („Die neue Kunst des Leitens“) bekannt ist, machte deutlich, dass Ansätze für eine Lösung in einem Strukturwandel lägen: Leitungspositionen durch Wahl und auf Zeit besetzen, echte Beteiligung bei Entscheidungen, ein neues Leitungsverständnis, das auf Integration und Moderation basiert und nicht mit Verordnungen „von oben“ durchregiert. Zu all dem brauche es Mut und Disziplin. Erforderlich sei es auch, als Leitende die Angst vor Kontrollverlust sowie bereits vor Entscheidungsprozessen das Ergebnis loszulassen, also offen zu sein für andere Meinungen und einen anderen als den selbst erdachten oder erwünschten Ausgang von Prozessen.

 

Demokratie in der Kirche

 

„Das haben wir seit 1500 Jahren und das hat dem Katholischen keinen Abbruch getan“, so Kohlhaas mit Bezug auf ihren Orden. Interessanterweise fordere das Kirchenrecht dies geradezu vom Orden, auch unter der Prämisse, dass Amtszeiten nicht zu lange dauern sollten. „Es gibt enorm viel Erfahrung in den Orden, wie so etwas gutgehen kann, sodass ich immer lachen muss, wenn kommt ,Das kann nur der Papst entscheiden, das muss hierarchisch entschieden werden. Und einen Bischof auf Zeit können wir uns überhaupt nicht vorstellen‘. Also wir halten das für das Normalmodell.“ Die leitende Schwester des Weltverbandes der Benediktinerinnen nenne sich selbst seit langem nur noch Moderatorin und dieser Wandel im Leitungsverständnis sei der größte „Gamechanger“ – Erfolgsfaktor für den Wandel – gewesen, erläuterte die Benediktinerin, die aktuell mit ihrer Gemeinschaft viel Zulauf verzeichnet und in Düsseldorf ein neues Kloster gründet.

Moderne Leitung und basisdemokratische Prinzipien gebe es also bereits in der Kirche, „ob ich das nun Demokratie nenne oder Synodalität – das Prinzip ist da und ich halte es für genau richtig, dieses Prinzip zu stärken und zu schauen, wie wir miteinander auf dem Weg sein können“, sagte Kohlhaas. Das benediktinische Strukturmodell – weltweit vernetzt, autonom vor Ort – könne auch das oft als Bremse vorgebrachte Weltkirchenargument, demzufolge entscheidende Veränderungen in der Kirche nur in weltweiter Einigkeit erfolgen könnten, „ein bisschen entschärfen“, so die Managementexpertin. „Wir leiten ein System, das sehr beweglich ist. Warum nicht so in der Großkirche? Beim Papst, auf der Ebene des Bistums, auf Ebene der lokalen Gruppen?“

 

Padre Bergoglio und das jesuitische Dilemma

 

Pater Kessler versuchte, mit Blick auf die Entwicklungen in der Kirche und auf die Situation im Erzbistum Köln etwas Licht in die Entscheidungsprozesse seines Ordensbruders „Padre Bergoglio“ – Papst Franziskus – zu bringen: „Der Papst redet in Bildworten, fährt auf der Autobahn des kirchlichen und zeitlichen Lebens links blinkend auf der Überholspur, wenn Sie ihm so zuhören. Aber immer, wenn es zu einer komplexen Situation kommt, biegt er scharf rechts ab. Und alle sind enttäuscht.“ Etwa bei der Amazonas-Synode (2019), bei der viele die Aufhebung der Zölibatspflicht erwartet hätten.

Zunächst habe Franziskus „sehr offen, sehr weit“ signalisiert: „Ja, das ist überhaupt keine Frage, das gehört nicht substanziell zum Priestertum. Das kann geändert werden.“ Im nachsynodalen Schreiben, mit dem der Papst die Ergebnisse der Beratungstätigkeit zusammenfasst und zusätzlich zum Schlussdokument der Synode amtlich veröffentlicht, habe es dann geheißen, dass es wegen fehlender Evidenz und nicht ausreichender Gründe noch keine Änderung beim Zölibat gebe, fasste Kessler zusammen. Damit stellte sich der Papst der von den Synodalen vorgeschlagenen Lockerung des Zölibat zumindest unter bestimmten Umständen entgegen. „Das heißt nicht, dass er es nie entscheiden wird“, so Kessler, „ich phantasiere mal: Sollte der synodale Prozess der Kirche in Deutschland, sollten die synodalen Prozesse, die auf weltkirchlicher Ebene sind, da nochmal ein Votum erbringen, das klar ist, ist der Papst in der Pflicht.“

Jesuiten versuchten sich durch geistliche Übungen, die auf ihren Gründer Ignatius von Loyola zurückgehen, auf Entscheidungen vorzubereiten, damit sie möglichst frei entscheiden können, so Kessler weiter, „frei vor den eigenen Vorgaben, vor den kirchlichen Erwartungen, vor den kollegialen, auch den in der Kirche oft angegebenen Dingen“. Bei Franziskus komme zum „Dilemma jesuitischen Entscheidens“ eine „notorische päpstliche Unberechenbarkeit“ hinzu, unter der auch die Menschen im Erzbistum Köln litten, sagte Kessler mit Blick auf das „Angebot des Amtsverzichts“, das Kardinal Rainer Maria Woelki nach eigener Aussage „am Ende seiner Amtsenthebung auf Zeit“ gemacht habe.

 

Kirche auf dem Weg in die Irrelevanz?

 

„Der Papst kann damit machen, was er will. Er tut aber nichts. Monat für Monat geht dahin“, beklagte der Jesuit. „Ja warum? Das gleiche wie beim Zölibat: die Gründe (für eine Entscheidung – Anm. d. Red.) sind noch nicht klar. Vielleicht müsste die Kirche von Köln sich auch mal klar bekennen, klarer als viele oder zumindest in der gleichen Klarheit wie das Votum der Stadt- und Kreisdechanten in diesem Erzbistum.“ Er rufe nicht zur öffentlichen Revolution auf, aber zur Klarheit in der Sache, betonte Kessler. Ohne Wandel skizziert Kessler die Konsequenzen für das Erzbistum Köln so: „Wenn wir bei dieser Art inneren Spagats bleiben, desavouiert sich jegliche Form von Leitung zu ihrer absoluten Irrelevanz.“

Auch als Institution drohe sich die Kirche insgesamt zu dieser absoluten Irrelevanz herunterzuwirtschaften, wenn sie nicht darauf reagiere, dass sich die Voraussetzungen und Umstände ändern – und die Menschen. Dabei erteilte Kessler der Säkularisierungsthese eine Absage: „Das stimmt ja nicht, die Leute gehen zwar nicht mehr in die Kirche, sind aber weiterhin religiös. Und dem dienen wir einfach nicht mehr.“ Es seien nicht die Menschen, die sich von der Kirche entfernten, „sondern die Hierarchie ist dabei, die Kirche zu verlassen“, so der Jesuit.

 

Kirche als Bewegung von Sympathisanten?

 

Ähnliches schilderten Teilnehmer in ihren Redebeiträgen. Vielen Mitarbeitenden ginge es um Professionalität und Persönlichkeit, so ein Caritas-Mitarbeiter. Sie wollten fachlich am christlichen Konzept des jeweiligen Arbeitgebers mitarbeiten, seien aber selbst nicht unbedingt religiös gebunden. Diese Mitarbeitenden wollten „ganz andere Leitungsszenarien erleben“, sagte er. „ Wenn die in der neuen Grundordnung des kirchlichen Dienstes lesen werden, dass, wer aus der katholischen Kirche ausgetreten ist, ungeeignet ist für diesen Dienst, verstehen die die Fragestellung gar nicht mehr, weil die nicht mehr nach Zugehörigkeitskriterium gehen“, betonte er. Die deutschen Bischöfe beraten aktuell über einen Neu-Entwurf der Grundordnung. Die Menschen wollten in ihrer Arbeit vielmehr „eine hohe Professionalität in eine wichtige Sache einbringen“, so der Teilnehmer weiter. Sein Frage-Impuls: „Wie kriegen wir das hin? Brauchen wir nicht andere Bilder von Kirche – als Bewegung von Sympathisanten, des Mitgehens auch auf Zeit?“

„Ich bin schon länger der Meinung, die Kirche sollte in diesem Bereich auf alle Privilegien verzichten“, kommentierte Schwester Emmanuela mit Blick auf das kirchliche Arbeitsrecht. „Dann wären schonmal ganz viele Problemfelder ausgeschaltet. Dieses Festhalten an irgendwelchen Privilegien der Vergangenheit halte ich für völlig kontraproduktiv.“

Man müsse lernen, für eine andere Art von Kirche einzutreten, so Kessler, „selbst wenn es einem Angst macht“. Die Privilegien der Kirche, etwa im eigenen Arbeitsrecht, würden „über kurz oder lang alle in Frage stehen“, erläuterte der Jesuit. „Das wird die Kirche verändern, aber nicht die Botschaft, für die die Kirche steht. Das Evangelium mahnt uns auch nicht, den institutionellen Rahmen aufrechtzuerhalten. ,Geht hin und verkündet die gute Nachricht‘ – das ist der Auftrag und nicht, dass der Papst Papst bleibt und die Bischöfe rote Kleider tragen.“

 

Kirchliche Mitarbeitende erleben Unfreiheit und Druck

 

Professionalität, Freiheit und Kooperationsfähigkeit seien die entscheidenden Faktoren, so Kessler weiter: „Lernen Sie diese Dinge“, sagte er besonders an die Führungskräfte im Raum adressiert. Dass Mitarbeitende im kirchlichen Dienst oft anderes erleben, schilderte eine Teilnehmerin. „Wir sind müde, über Strukturen zu sprechen – aber wir müssen über diese Strukturen sprechen!“, sagte sie. „Was wir erleben, was ich erlebe, ist, dass es momentan eher sogar noch strenger wird, also dass von oben noch mehr vorgegeben wird, wie wir eigentlich unsere Arbeit zu tun haben. Was überhaupt nicht nötig ist!“ Das widerspreche auch einem Prinzip der katholischen Soziallehre, der Subsidiarität und „dass die Ebene, die etwas machen kann, es auch machen soll“. Ihr Frage-Impuls an die Ordensleute: „Wo setzen wir da an, wo können wir von Ihnen lernen?“ Gleichzeitig ermutigte sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Wir haben auch eine Stimme, wir können etwas verändern!“

Ein weiterer Caritas-Mitarbeiter kritisierte, dass die Kirche sich zwar die Soziallehre an die Fahnen hefte, aber als Arbeitgeberin keine Gewerkschaften zulasse. „Das ist für mich ein fragwürdiges Modell“, sagte er. Stadtdechant Msgr. Robert Kleine, der auch Vorsitzender des Caritasrates beim Caritasverband für die Stadt Köln ist, gab er deshalb die „Anregung“ mit, „ Überlegungen zuzulassen, dass die Mitarbeitervertretung in den Caritasräten ihren Platz hat, wie zum Beispiel eben ganz selbstverständlich die Gewerkschaften ihren Sitz haben in den Aufsichtsräten der großen Unternehmen“.

Die Caritas sei ein Teil der Kirche, der oft von anderen Dingen bestimmt werde. „Es herrscht eine andere Funktionalität, andere Dinge halten Einzug, also Wirtschaftlichkeit“. Das sei zwar auch Ausdruck von Professionalität, übe aber oft „einen enormen Druck“ aus. „Entspricht das eigentlich dem, was Kirche will?“, fragte er weiter. „Dass Menschen funktionieren müssen, dass Entscheidungen sehr hierarchisch getroffen werden, dass es oft kein richtiges Gegengewicht gibt, dass man das Gefühl hat, die Wirtschaftlichkeit entscheidet alles.“ Auch die Caritas könne von einem Leitungsverständnis profitieren, wie es die beiden Ordensvertreter aufgezeigt hätten.

Schwester Emmanuela hat eine klare Position bei solchen Themen: Das „Diktat des Wirtschaftlichen“ sei gerade im sozialen Bereich „ein Riesenproblem“. Sie fordert zudem einen Verzicht auf ein eigenes kirchliches Arbeitsrecht. Die Kirche müsse sich dringendst am Evangelium orientieren – weg von Befehlen und einem überkommenen Gehorsamsverständnis. Ähnlich sieht es Pater Kessler: Es sei das „systemische Misstrauen“, das krank mache, das fehlende Vertrauen in die Professionalität und auch in die Identität, in die Persönlichkeit von Mitarbeitenden. Was die Menschen bräuchten, sei eine Geste des Vertrauens.

 

Krise hat Ursprünge im 19. Jahrhundert

 

Dass vieles an der aktuellen Kirchenkrise seinen Ursprung im 19. Jahrhundert hat, machte der Mainzer Dogmatiker und Fundamentaltheologe Professor Dr. Oliver Wintzek in seinem Vortrag deutlich. Unter Papst Gregor XVI. (Amtszeit: 1831-1846) habe die „Fossilisierung der Kirche“ begonnen. Errungenschaften von Aufklärung, Wissenschaften und Französischer Revolution habe die Kirche als „ verboten“ und „irrgläubig“ etikettiert: „Demokratie, Meinungsfreiheit, Gleichheit der Menschen, Würde des Menschen“, zählte Wintzek auf.

Die Kirche habe sich als Bollwerk gegen die Moderne aufgestellt. Argumentiert wurde damals schöpfungstheologisch-naturrechtlich mit „Gott hat es ja so gemacht“: „Und wenn du dich dagegen auflehnst, stellst du dich außerhalb der göttlichen Ordnung“, erläuterte Wintzek. Die Kirche habe sich als Verwalterin der einzigen, übernatürlichen Wahrheit und des Wissens über Gott, „das den normalen Menschen nicht zukommt“, präsentiert. „Dieses naturrechtliche Denken feiert bis in die Gegenwart fröhliche Urstände“, etwa in Bezug auf die ganze Sexualmoral, sagte der Theologe.

„Fast die ganzen Macht-Unwuchten, die wir bis heute erleben“, haben ihren Ursprung in den Entwicklungen des 19. Jahrhunderts, so Wintzek. Die Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1870) machte die „lehrende und richtende Kirche“ zur „ Glaubensregel für alle Gläubigen“. Die Auffassung von der „rechten“ Vernunft und der „rechten“ Freiheit zieht sich laut Wintzek durch bis in heutige kirchliche Dokumente.

 

Ewigkeitsstarre statt Korrektur der Lehre

 

Auch die Überhöhung des geistlichen Amtes habe ihre Wurzel im 19. Jahrhundert, macht der Theologe deutlich. „Deswegen musste man die Integrität des Amtes schützen auf Teufel komm raus“, sagte er. Wintzek attestiert der (damaligen) Kirche eine „panische Angst davor, dass das sogenannte Wissen über Gott den Wandlungen der Zeit unterliegt“: „Das muss Ewigkeitscharakter haben. Also kein Lernprozess, keine Modifizierung, keine Korrektur.“

Entsprechend kritisch sieht er die Aussagen mancher Bischöfe von heute, die Lehre müsse weiterentwickelt werden. „Das ist ja meistens auch eine kleine Lüge, weil vielfach eine Weiterentwicklung nicht taugt“, so Wintzek. Es brauche eine Korrektur. Doch das Lehramt der Kirche korrigiere nicht, halte vielmehr an der vermeintlichen Unwandelbarkeit des Glaubens fest und stecke in einer Ewigkeitsstarre, denn sonst „könnte ja am Ende die Vermutung stehen, es ist vielleicht gar nicht so eindeutig“ mit der Lehre. Wintzek ironisch: „Überraschung – es ist nicht so eindeutig.“

Auch das Zweite Vatikanische Konzil, „das manchmal so über den grünen Klee gelobt wird“, sei ein Sammelsurium aus den Entscheidungen und Weichenstellungen des 19. Jahrhunderts, die Wintzek auch „ Willkür-Konzept“ nennt. Das Konzil sei „auch schon ein wenig in die Jahre gekommen“. Das bedeutendste Dokument, die Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ – Freude und Hoffnung – „über die Kirche in der Welt von heute“ wurde 1965 veröffentlicht.

Er ertrage es nicht mehr, wenn immer wieder gesagt werde, das Entscheidungen nur auf Weltkirchenebene getroffen werden könnten, so der Theologe: „Wenn die Bischöfe ,Weltkirche‘ sagen, heißt das: ,Ich will das nicht‘. Wir haben ein Instrument, um auf Weltkirchenebene zu entscheiden: ein Konzil. Ja, dann machen wir eins!“ Schließlich hatte schon das Konzil von Konstanz 1417 festgelegt, dass es möglichst oft Konzilien geben sollte, alle fünf, acht oder zehn Jahre. Damals wurde auch festgelegt, dass das Konzil über dem Papst stehe – und in der Folge wieder aufgehoben. So wurden „enorme Chancen“ in der Kirche vertan, erklärt Wintzek.

 

„Es braucht eine Neuerfindung des Katholizismus“

 

In den geschichtlichen Erosionsprozessen von Glaubensüberzeugungen ziehe man sich seitens der Kirche darauf zurück, dass sich das Ewige „in unanfechtbarer Ordnung“ verberge. Aussagen wie „Die Kirche hat keine Autorität dazu“ – Positionen und Entscheidungen zu verändern – seien eine seiner Lieblingsdenkfiguren, „weil sie so absurd ist“, so Wintzek. Das zeige sich etwa in der Entscheidung Johannes Pauls II., Frauen dauerhaft vom sakramentalen Amt auszuschließen, oder unlängst im Verbot der Segnung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften. „Die Kirche hat keine Autorität dazu. Woher weiß sie das? Das weiß sie, weil sie sich selbst ermächtigt hat, Gott in einer Art und Weise zu verwalten, dass etwas Neues, etwas Anderes, eine Umjustierung gar nicht möglich ist“, erklärte der Dogmatiker. „Aber genau diese Selbst-Formation der Kirche ist eine moderne Umjustierung gewesen.“

Deswegen könne man – wenn man das einmal durchschaut habe – „gebührend kritisieren, nämlich geschichtlich und theologisch belehrt kritisieren, dass es anders sein könnte und im Zweifel anders sein müsste, weil das System nicht mehr funktioniert“. Was nicht rezipiert wird, existiert nicht mehr, so Wintzek – oder im Umkehrschluss: was in der Kirchenpraxis keine Rolle mehr spielt, verschwindet.

Wintzeks Appell ist daher eindeutig: „Wie weit soll denn die Schere noch auseinandergehen zwischen dem, was pluriform geglaubt und mit Verantwortung gelebt wird, und dem, was die Kirche als zu Glauben und zu Leben vorschreibt? Es ist für eine Glaubensgemeinschaft desaströs, wenn diese Schere immer weiter und weiter auseinandergeht. Und da helfen auch keine frommen Floskeln und keine Ausnahmeregelungen, sondern es braucht eine grundsätzliche Um- und Neujustierung. Es braucht eine modernitätskompatible, freiheitssensible, menschenachtende Neuerfindung des Katholizismus in unserer Zeit!“

 

Kraftquellen im Alltag finden

 

Das „Selbst-Bewusstsein“ dafür, selbst Kirche zu sein, wollte der Dortmunder Lehrstuhlinhaber für Exegese und Theologie des Alten Testaments, Professor Dr. Egbert Ballhorn, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in einem interaktiven Programmpunkt vermitteln. Er lud – inklusive eines Gangs in die Kunststation und Jesuitenkirche St. Peter – dazu ein, sich Kirchenräume und die Texte der Bibel neu zu erschließen.

„Wir haben uns ja so gewöhnt an diese Nachkriegs-, Konzils- und Liturgiegeschichte: Kirche ist ein Eingangsraum, vorne ein Altar und da versammelt sich die Gemeinde. Und so sind unsere Räume ja gar nicht. Der Kölner Dom ist ein Raum aus ganz vielen Räumen, die multifunktionell nutzbar sind und gedacht waren. Im Mittelalter haben die Pilger da übernachtet. Man hat das Allerheiligste dann nur aufgemacht, damit die Leute dahin gehen konnten“, erinnerte Ballhorn. „Gehen Sie mal rum und gucken Sie, was da ist. Und ob da nicht manches für uns heute spannender ist als wir uns das gedacht haben.“

Seine Impuls-Fragen an die Teilnehmenden: „Wo kommt im Alltagsgeschäft die Kraft her? Wo spüre ich Energie und habe so richtig Muckis in dem, was ich im Alltag tue?“ Und weiter: „Haben Sie für Ihre berufliche Tätigkeit, für sich selber, so etwas wie ein geheimes Motto?“ Ihm falle kein eigenes ein, aber er schätze das der Schriftstellerin Felicitas Hoppe: „Ich lebe nach dem Manna-Prinzip: da wird schon was für mich vom Himmel fallen.“

 

„Lassen wir uns nicht die Sprache rauben“

 

Ballhorn ermutigte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu, eine eigene Sprache zu finden für das, was ihnen wichtig ist und sich das „zu eigen zu machen, in eigene Worte zu bringen“. Das sei der Anfang von Glaubenstätigkeit.

Die Bibel sei eine Art Fremdsprache, das gelte auch für ihn als Exeget. „Wenn Sie mit den Texten fremdeln, dann ist das nicht schlimm“, so Ballhorn. „Die Bibel ist ein Stück Fremdsprache, die mir in einer anderen Sprache etwas sagt, was ich mir selber so vielleicht nicht sagen könnte. Das ist der Grund, warum die Auseinandersetzung mit der Bibel etwas Kreatives ist.“

Sein Appell und seine Ermutigung an die kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Dass wir uns in den derzeitigen Zeiten nicht die Sprache rauben lassen, dass wir nicht andere sprechen lassen, sondern selber Worte finden für unseren Glauben. Und vielleicht – da würde ich sagen, das ist der karitative Teil – auch für die Sprachlosen die Stimme erheben. Und für die stumm Gewordenen. Aber dazu gehören auch eigene Sprachversuche, Plapperversuche, also auch etwas Spielerisches. Und Räume zum Aus-Sprechen und zum Sprechen eröffnen. Das ist für mich eine der Definitionen von Glauben. Glaube ist nichts für Wahrheiten oder sich ganz doll anstrengen oder ein ,Wir müssen jetzt die Welt retten‘ – sondern dass wir versuchen, uns von dieser Sprache Gottes inspirieren zu lassen und sehen, dass sie uns und die Welt verwandelt. Das wird dann passieren.“

 

„Kirche hat ihre Zukunft noch vor sich“

 

Die Bilanz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war positiv: „Mir wird immer wieder bewusst, wie viel wir eigentlich in der Kirche haben, wie viele Kompetenzen, wie viele Gedanken, wie viel Tradition“, sagte eine Teilnehmerin. „Und ich möchte nicht vergessen, dass auch ich dafür einen Beitrag leisten kann und dass ich nicht immer von anderen erwarten kann, dass sie dieses Problem für mich lösen.“ Ein anderer Teilnehmer sagte: „Es ist so viel Vielfalt und Reichtum in unserer Kirche und unserem Glauben, dass es schade ist, das anderen zu überlassen.“

„Mir ist hängen geblieben: nicht die Menschen wenden sich von der Kirche ab, sondern die Kirchenlehre wendet sich von den Menschen ab“, sagte ein weiterer Teilnehmer. Ein anderer betonte dagegen: „Ich glaube, dass spürbar wird, dass diese Kirche ihre Zukunft noch vor sich hat. Das kann man im Bistum Köln ja manchmal durchaus aus den Augen verlieren. Aber bei mir bleibt der Satz, dass dieser Raum mir oder uns die tiefe innere Emanzipation oder Freiraum gibt. Da bewegt sich gerade wenig und nichts und darum haben wir auch diesen Stress. Aber Kirche hat ihre Zukunft noch vor sich, das spüre ich stärker als heute morgen.“

 

Autorin: Hildegard Mathies

 

Dom-Jubiläum: 700 Jahre gotischer Hochchor – Ausstellungen, Oratorium, Installation und Dreikönigswallfahrt (18. bis 27. September)

24. Juni 2022; ksd

Update: Vom 18. bis 27. September findet die Dreikönigswallfahrt statt. Im Radiobeitrag lädt Kölns Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine zur Teilnahme und zu besonderen Angeboten ein. Alle Infos unter www.dreikoenige-koeln.de

 

Am Samstag, 24. September, findet um 15 Uhr eine Andacht für und mit Geflüchteten statt. In der Andacht geht es um Bewusstwerdung der Verfolgungssituation von Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern und um Gebet um Frieden und Versöhnung. Die Andacht wird inhaltlich von Menschen aus der Ukraine, Syrien und Afghanistan mitgestaltet, musikalisch begleiten Chöre der ukrainisch-katholischen und syrisch-katholischen Gemeinde.

Nach einer Kerzenprozession durch den Dom und Auszug durchs Südportal gibt es einen kleinen Imbiss auf dem Roncalliplatz, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Infos und Flyer auf Deutsch, Englisch und Farsi gibt es hier.

 

Köln (mk/ksd). Am 27. September 1322 hat Erzbischof Heinrich II. von Virneburg feierlich den gotischen Chor (also den östlichen Bauteil) des Kölner Domes geweiht – inklusive des Altares, an dem seit 700 Jahren die Heilige Messe gefeiert wird. Jetzt haben Dompropst Msgr. Guido Assmann und Domdechant Msgr. Robert Kleine Höhepunkte des umfassenden Programms zum Domjubiläum 2022 vorgestellt, das vom 15. August bis 27. September gefeiert wird. Zugleich ist die Sommerausstellung „Überaus schön, doch unvollendet…“ im DOMFORUM eröffnet worden.

 

Gottesdienste, Konzerte, Ausstellungen: Facettenreiches Jubiläumsprogramm

 

„Wir sind froh und dankbar, dass es uns die aktuelle Coronasituation erlaubt, unser Domjubiläum mit zahlreichen geistlichen, künstlerischen und inhaltlichen Akzenten zu begehen“, so Dompropst Msgr. Guido Assmann. „Heutzutage denkt jeder an die beiden Domspitzen, wenn von unserer Kölner Kathedrale die Rede ist. Dabei wurden die Türme des Domes erst 1880 vollendet. Das eigentliche Herzstück des Domes ist sein erster Bauabschnitt: Der nach Osten ausgerichtete gotische Chor.“

Man wolle in der zweiten Jahreshälfte bewusst den Blick auf dieses „Epizentrum des Domes“ lenken. „Wenn wir am Jahrestag seiner Weihe vor 700 Jahren am Hochaltar die Heilige Messe feiern, wird mich das mit tiefer Demut erfüllen“, so der Dompropst. „Ich freue mich aber auch auf viele andere Höhepunkte in den kommenden Wochen; etwa auf das Pontifikalamt am 15. August, mit dem wir die fest geprägte Zeit des Domjubiläums eröffnen; oder auf die Ausstellung in unserer Domschatzkammer, in der mittelalterliche Bauzeichnungen des Domes gezeigt werden.“

 

Helge Burggrabe hat eigens ein Dreikönigsoratorium komponiert

 

Domdechant Msgr. Robert Kleine freut sich auf die verlängerte Dreikönigswallfahrt: „Insgesamt zehn Tage lang werden wir ab dem 18. September in Heiligen Messen, Andachten und zahlreichen Gottesdienstangeboten Pilgerinnen und Pilger aus Köln, dem Erzbistum und darüber hinaus in unserer Kölner Kathedrale willkommen heißen und sie dazu einladen, in der Nachfolge der Heiligen Drei Könige die Spuren Gottes im eigenen Leben zu entdecken.“

Ein weiterer Höhepunkt für den Domdechanten im Jubiläumsjahr: Das Konzert des deutsch-schweizerischen Musikduos „Grandbrothers“ am 26. August. „Das wird die Architektur unseres Domes auf ganz neue Weise zum Klingen bringen – stilistisch irgendwo zwischen Klaviermusik und elektronischer Musik.“ 

Darüber hinaus sehe er mit besonderer Spannung der Uraufführung des Dreikönigsoratoriums von Helge Burggrabe am 15. und 16. September entgegen, so der Dom- und Stadtdechant. „Im Auftrag des Domkapitels hat der Komponist eine musikalische Hommage an den Kölner Dom geschaffen“, sagt Kleine. „Sie erzählt von der sagenumwobenen Wanderung der Heiligen Drei Könige nach Bethlehem zur Geburt Jesu und der Rückkehr in ihre Heimat. Die bildreiche Musik von Helge Burggrabe und das spannende Libretto, das Bibelstellen mit poetischen Texten verknüpft, wird sicher zu den unvergesslichen Beiträgen unseres Festjahrs gehören.“ In zahlreichen Vorträgen werde man den Domchor und seine Ausstattung darüber hinaus in die architektonischen, kulturellen und theologischen Strömungen zur Zeit des Dombaus einordnen – und dabei auch den Brückenschlag in die Gegenwart nicht vernachlässigen.

 

Sommerausstellung im DOMFORUM

 

Die traditionelle, gemeinsame Sommerausstellung der Kölner Dombauhütte, des DOMFORUMs und diesmal auch des Archivs des Erzbistums Köln feierte bereits heute Eröffnung. „Auf den vier Ausstellungsstelen stellen wir den gotischen Chor des Domes und seine Ausstattung ausführlich vor“, erläutert Matthias Deml, Kunsthistoriker der Kölner Dombauhütte. „Neben dem Ereignis der Chorweihe selbst und den bau- und kunsthistorischen Aspekten des gotischen Domchores werden auch die zeit- und geistesgeschichtlichen Hintergründe, das kulturelle und spirituelle Leben in der Stadt Köln, im Erzbistum sowie in Reich und Kirche näher betrachtet.“

Zu sehen ist die Ausstellung „Überaus schön, doch unvollendet…“ bis zum 14. August im Foyer des DOMFORUMs zu dessen Öffnungszeiten (Mo-Sa 9.30-17 Uhr; So 13-17 Uhr). Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten.

Auch eine Broschüre zur Ausstellung ist im DOMFORUM für 3 Euro erhältlich. Sie wurde mit Unterstützung des Zentral-Dombau-Vereins realisiert. Am 15. August – zu Beginn des eigentlichen Jubiläumszeitraums – zieht die Ausstellung in den Dreikönigssaal des Kölner Domes um, wo sie bis zum 27. September zu sehen sein wird.

Einen Radiobeitrag mit Dom- und Stadtdechant Msgr. Robert Kleine zur Sommerausstellung hören Sie hier.

 

Spezialführungen durch den Domchor: Per Tablet ins Mittelalter

 

Exklusive Führungen, die das DOMFORUM in Kooperation mit der Kölner Dombauhütte zwischen dem 17. August und dem 25. September anbietet, machen zum Domjubiläum 2022 darüber hinaus ein Stück Domgeschichte mit modernen Alltagsmedien erfahrbar: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich im Binnenchor via Tablet in die Zeit des Mittelalters zurückversetzen.

„Mithilfe eines virtuellen 3D-Modells, das von Konstantin Kruse eigens für das Jubiläum angefertigt worden ist, werden wir in exklusiven Führungen für zehn Personen das mittelalterliche Erscheinungsbild des Binnenchores mit seiner farbigen Raumfassung nachvollziehbar machen. Das Modell ermöglicht es, die noch heute in beachtlichem Umfang erhaltene Ausstattung des Binnenchors mit ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild in Beziehung zu setzen“, erklärt Rainer Tüschenbönner, Leiter des DOMFORUMs. „Abrufen können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Modell mithilfe von Tablets, die uns die Firma Samsung für diese Spezialführungen freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.“

Die Teilnahme an den einstündigen Exklusivführungen kostet 18 € pro Person (keine Ermäßigungen, inkl. 5 € Spende für den Erhalt des Domes). Eine Terminübersicht und die Buchungsmodalitäten sind ab dem 25. Juni auf www.domforum.de unter dem Menüpunkt „Führungen zum Domjubiläum“ zu finden. Einen Beitrag der Medienwerkstatt Katholisches Bildungswerk Köln dazu hören Sie hier.

 

Wandkalender 2023: „Der Chor im Detail“

 

Zum Jubiläumsjahr 2022 ist im Kölner Domverlag ein Wandkalender mit beeindruckenden Detailfotografien der Chorausstattung erschienen. Erhältlich ist der Kalender ab dem 27. Juni im Kölner Domshop, im DOMFORUM, im Buchhandel und unter www.koelner-domverlag.de

 

Dom-Modell von Fadell Alkhuder im Dreikönigensaal

 

Das eindrucksvolle Holzmodell des Kölner Doms, das der syrische Künstler Fadell Alkhuder in vier Jahre langer Arbeit geschnitzt und gebaut hat, steht während des Domjubiläums und voraussichtlich bis zum Jahresende im Dom. Der 2 mal 1,50 mal 1,50 Meter große Holzdom kann im Dreikönigensaal bewundert werden.

 

Installation LichtHof von Boscher Theodor im DOMFORUM

 

Boscher Theodors LichtHof ist eine mehrteilige Installation im Atrium des DOMFORUMs, konzipiert anlässlich des 700-jährigen Jubiläums der Chorweihe. Die einzelnen Elemente hängen in vertikaler Staffelung vom dritten Obergeschoss des Atriums herab und reflektieren das von oben durch ein Glasdach einfallende Licht. Die Betonung der Vertikale und die kaskadierende Hängung der Elemente verweisen auf lichtmetaphysische Vorstellungen der Gotik und an die mittelalterliche Auffassung vom Universum als „ein leuchtender Quell, der in Kaskaden herabstürzt“. Zugleich reflektiert LichtHof die ästhetischen Prinzipien und Funktionen des DOMFORUMs, eines der bedeutenden Bauten der Kölner Nachkriegszeit. Sie wird vom 16. August bis 27. September zu sehen sein, der Eintritt ist frei.

 

Alle Informationen gibt es auf der Seite zum Domjubiläum

 

Das Programmbuch gibt es hier zum Download.

 

Einen Beitrag von DOMRADIO.DE können Sie hier sehen.

 

Einen Radiobeitrag der Medienwerkstatt Katholisches Bildungswerk Köln mit Msgr. Robert Kleine hören Sie hier.

 

Weltfamilientreffen: Porzer KinderKirche KiKi lädt zum Gottesdienst mit Weihbischof Ansgar Puff ein (26. Juni)

20. Juni 2022; ksd

Köln (pek). Vom 22. bis 26. Juni findet unter dem Motto „Die Liebe in der Familie: Berufung und Weg zur Heiligkeit“ das 10. Weltfamilientreffen statt. Aufgrund der Corona-Pandemie wird das Weltfamilientreffen erstmals in allen Diözesen der Welt gefeiert. Die zentralen Veranstaltungen wie ein Familienfest zu Beginn des Treffens, ein Pastoralkongress sowie die Abschlussmesse mit Papst Franziskus finden hingegen in Rom statt.

 

Messe mit Weihbischof Puff in der Porzer Kinderkirche „KiKi“


In der Kinderkirche Porz, „KiKi“, steht das Weltfamilientreffen am Sonntag, 26. Juni, ganz unter dem Titel „Mit Gott on Tour“. Um 10.30 Uhr feiert Weihbischof Ansgar Puff eine Familienmesse. Im Anschluss findet rund um die Kinderkirche ein Fest mit Spielen aus aller Welt statt sowie mit Kuchen und Getränken. Infos unter www.kiki-porz.de

 

Materialien zum Weltfamilientreffen


Auf www.zusammenfamilie.de sind unterschiedliche Materialien zur Gestaltung des Weltfamilientreffens zusammengestellt. Neben Ausmalbildern mit Impulsen, Gebets- und Gottesdienstvorschlägen finden sich auf der Übersichtsseite auch Noten und Text sowie eine Audiodatei zur Hymne des 10. Weltfamilientreffens.

Die Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung e.V. lädt unter dem Motto „ Familienliebe: geht nicht ohne…“ mit fünf täglichen Impulsen außerdem zur Beschäftigung mit dem Thema Familie ein. Die Impulse werden nach Anmeldung per Mail oder SMS verschickt.

Weitere Informationen unter www.geht-nicht-ohne.de

 

Einen Beitrag der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln über die Porzer KinderKirche lesen Sie hier.

 

Caritas: Noch bis 1. Juli für den Elisabeth-Preis für soziales Engagement bewerben

20. Juni 2022; ksd

Köln (pek). Pfarr­gemeinden, Vereine, Projekt­gruppen an Schulen und Initia­tiven können sich noch bis zum 1. Juli für den dies­jährigen Elisa­beth-Preis an­melden. Mit dem Preis wür­digt die Cari­tasStif­tung Men­schen und Gruppierun­gen aus dem Erz­bistum Köln, die sich auf beson­dere Weise ehren- oder haupt­amtlich sozial enga­gieren.

Unter allen Ein­sen­dungen nominiert eine unab­hängige sieben­köpfige Jury jeweils drei Pro­jekte für den Eli­sabeth-Preis sowie den Sonder­preis „jung+engagiert“. Der erste Platz ist mit einem Preis­geld von je 2500 dotiert. Die Ge­winner auf den zwei­ten und dritten Plätzen er­halten je ein Preis­geld von 1000 Euro. Die feier­liche Preis­verleihung fin­det am 14. Novem­ber 2022 in der Köl­ner Flora statt.

 

Elisabeth-Preis würdigt Engagement für Men­schen in Not


Mit dem Elisabeth-Preis ehrt die Caritas­Stiftung Pro­jekte und Initia­tiven von Men­schen aus dem Erz­bistum Köln, die dem Vor­bild der Nächsten­liebe und Barm­herzigkeit folgen, für das die heilige Elisabeth (1207-1231) steht. Gewür­digt wird dabei beson­ders der Ein­satz für Men­schen in Not. Der Elisa­beth-Preis ist mit ins­gesamt 9000 Euro dotiert und wird seit 1996 jähr­lich ver­liehen.

Neben dem Haupt­preis wird auch der Sonder­preis „jung+engagiert“ ver­geben. Geehrt werden mit dem Sonder­preis vorbild­liche Initiativen von Jugend­lichen und jun­gen Er­wachsenen bis 27 Jah­ren. Zusätz­lich wird unter allen nicht nomi­nierten Bewer­bungen ein Publikums­preis verliehen, über den online abge­stimmt werden kann.

 

Caritas­Stiftung im Erz­bistum Köln


In der Caritas­Stiftung enga­gieren sich Stifte­rinnen und Stifter für christ­liche Soli­darität und Mit­menschlich­keit, gemäß dem Leit­wort der Caritas: „Not sehen und handeln“. Die Caritas­Stiftung ist die Dach­stiftung der Caritas im Erz­bistum Köln. Seit ihrer Grün­dung 1999 hat die Caritas­Stiftung über 600 Pro­jekte mit mehr als neun Millionen Euro unter­stützt.

Anmeldung und Informationen unter elisabethpreis-caritasstiftung.de

 

Stadtdechant Robert Kleine: Verzicht auf die Fronleichnamsprozession wäre in der Kirchenkrise das falsche Signal

15. Juni 2022; ksd

Köln. An Fronleichnam ziehen vielerorts Katholikinnen und Katholiken durch die Städte – natürlich auch durch Köln. Die Redaktion der Medienwerkstatt Katholisches Bildungswerk Köln hat für das Magazin Rheintime auf Radio Köln beim Kölner Stadt- und Domdechanten Msgr. Robert Kleine nachgefragt, ob angesichts der Kirchenkrise sowie des Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlustes nicht lieber auf so ein Zeichen verzichtet werden sollte. Kleines Antwort ist eindeutig: „Das wäre das falsche Zeichen, dass wir uns jetzt verschließen und nicht mehr rausgehen.“ Klar sei, dass alle Verfehlungen der Kirche aufgearbeitet werden müssen, so der Kölner Stadtdechant. „Gleichzeitig müssen wir zeigen, dass die Kirche nicht sich selbst verkündet, sondern Christus." Die Fronleichnamsprozession, bei der Christus sinnbildlich mit der Monstranz durch die Stadt getragen wird, könne dabei helfen, Jesus Christus wieder in die Mitte zu stellen. „Es geht um ihn, nicht um Brimborium. Es geht nicht um die Fahnen, es geht nicht um Weihrauch. Das alles weist auf den Eigentlichen hin, der ganz einfach in der Gestalt des Brotes mit dabei ist.“

 

Informationen zur diesjährigen Fronleichnamsprozession am Donnerstag, 16. Juni, gibt es auf koelner-dom.de Die Feier beginnt (bei gutem Wetter) um 10 Uhr auf dem Roncalliplatz.

 

Ökumenischer Pfingstfeuer-Gottesdienst in Köln-Bayenthal: Diakon Jens Freiwald appelliert an gemeinsamen Auftrag der Kirchen

13. Juni 2022; ksd

Köln (apk). Es dämmerte bereits leicht, als sich die rund 50 Teilnehmerinnen und -teilnehmer im Park an der Reformationskirche um das lodernde Feuer versammelten. Im benachbarten Martin-Luther-Haus hatten sie den traditionell vor dem Geburtsfest der Kirche stattfindenden ökumenischen Pfingstfeuer-Gottesdienst der Evangelische Kirchengemeinde Köln-Bayenthal und der Pfarreiengemeinschaft „Köln – Am Südkreuz“ begonnen. „Liebe ökumenische Pfingstgemeinde“, begrüßte Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Bayenthal, die Versammelten im großen Saal des Gemeindehauses. Gemeinsam mit ihm fungierte als Liturg Andreas Brocke, Leitender Pfarrer des katholischen Pfarreienverbundes „Köln – Am Südkreuz“. Diakon Jens Freiwald, im katholischen Stadtdekanat Köln zuständig für die Ökumene und den Interreligiösen Dialog, hielt die Predigt.

Den Gottesdienst feiere man auf Einladung des ökumenischen Arbeitskreises der beiden Gemeinden, informierte Seiger. Und man feiere ihn im Martin-Luther-Haus, weil das Dach der Reformationskirche bis November saniert werde. „Wir sind dabei, uns an diesen Raum als Gottesdienstraum zu gewöhnen“, stellte er hoffnungsvoll fest. Das Gemeindehaus habe bereits nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Wiedereinweihung der Reformationskirche 1961 als Predigtstätte gedient. Seiger zeigte eine schöne Verbindung zwischen den beiden Gebäuden auf: Hier wie dort blicke man auf großartige Glasfenster von Eugen Keller. Die Kollekte, warb Brocke, sei für die Unterstützung von Hilfslieferungen in die Ukraine bestimmt, insbesondere für medizinisches Material, etwa Inkubatoren für Säuglingsstationen.

 

Sichtbare Einheit der Kirchen anstreben

 

Seiner Predigt zur Bergpredigt schickte Jens Freiwald voraus, dass er als Ökumenebeauftragter im Stadtdekanat Köln in diesem ökumenischen Gottesdienst auch über Ökumene reden wolle. Die Bergpredigt charakterisierte er als beispielhaft sowohl für die Heilszusage als auch für die Weisung Jesu, die uns als Christinnen und Christen besonders verpflichte. Deshalb stehe sie auch dafür, „nach welchen Kriterien wir, vielleicht heute mehr denn je, unsere ökumenischen Bemühungen ausrichten sollten“. Freiwald stellte fest, dass „wir unter uns Kirchen offenbar ein Stadium einer Einheit in versöhnter Verschiedenheit erreicht“ hätten. Dennoch beklagten wir bei ökumenischen Anlässen immer wieder die Spaltung der Christenheit. Denn diese widerspreche dem Gebot Jesu, dass alle eins seien.

„Müssen wir also nicht um unser aller Glaubwürdigkeit willen alle verbliebenen Unterschiede überwinden und eine wirklich sichtbare Einheit der Kirchen anstreben“, fragte der Diakon in den Raum. Denn eine Einheit in versöhnter Verschiedenheit sieht er auch bei uns noch nicht vollständig erreicht. Gleichwohl erteilte er einer alternativen sichtbaren und auch institutionellen Einheit eine entschiedene Absage. „Denn es gab eine solche sichtbare Einheit nie.“ Zudem entspreche sie auch nicht dem Wesen der Religionen und des Glaubens. Dass Vielfalt schon zu den Ursprüngen des Christentums gehört habe, belegte Freiwald mit der Existenz von vier Evangelien mit jeweiligen theologischen Schwerpunkten. Selbst innerhalb der Kirchen und Konfessionen würden heute schnell Grenzen einer sichtbaren Einheit erkennbar. „Vielfalt gab es schon immer und Vielfalt gibt es auch heute.“

 

Gemeinsamer Auftrag für die Welt

 

„Das sichtbare Leitbild einer Einheit im Sinne einer einheitlichen Erscheinungsform von Kirche ist eine Vorstellung, die der historischen und theologischen Vielfalt christlichen Glaubens nicht gerecht wird“, erklärte Freiwald. Es sei zu fragen, worin denn eine Einheit in der Vielfalt liegen könne, die der Glaubwürdigkeit der Verkündigung nicht schade und damit der Weisung Jesu gerecht werde. Er schlug vor, nicht das Trennende, sondern die bereits bestehende Einheit der Christinnen und Christen als Ausgangspunkt aller ökumenischen Überlegungen zu nutzen. „Vereint sind wir durch die Taufe in der einen Kirche Jesu Christi. Gemeinsam glauben wir daran, dass Jesus für die gesamte Menschheit sein Leben am Kreuz hingegeben und uns durch seine Auferstehung die Hoffnung geschenkt hat, dass uns selbst der Tod nicht von Gottes Liebe trennen kann.“ Die Kirchen hätten gemeinsam vor allem die Aufgabe, die Erlösungstat Christi durch das Zeugnis der Liebe und der Selbsthingabe bekannt zu machen.

Wir lebten in einer alles andere als heilen Welt, so Freiwald weiter. Daher existierten leider Gründe genug dafür, als Christinnen und Christen die sich verschenkende Liebe Gottes zu bezeugen. Der Diakon appellierte, dass sie im Einsatz für eine bessere Welt, im Großen und im Kleinen, tatsächlich sichtbar vereint sein sollten. „Der gemeinsame Auftrag für diese Welt sollte der Maßstab sein, an dem sich die Einheit unserer Kirchen auszurichten hat, damit wir in den Augen der Welt tatsächlich glaubwürdig sind.“ Freiwald forderte Kriterien dafür, „wie wir zu unseren Prioritäten und Entscheidungen für unser christliches Engagement kommen“. In diesem Zusammenhang legte er den Fokus auf die Bergpredigt. Sie stehe sowohl für die Heilszusage als auch für die Weisung Jesu. Dieser preise selig unter anderem die, die Frieden stiften, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit. Ebenso die Sanftmütigen und Barmherzigen, die Verschmähten und Verfolgten. Jesus spreche alle an, denen es um Gottes Reich gehe. Und er schließe niemanden aus. Auf diese Weise stifte er Einheit unter den Menschen und Einheit mit Gott. Alles Trennende müsse sich vor dessen Wort und Willen verantworten.

Freiwald plädierte „für den Primat der Herausforderung unserer Zeit. Für den Primat unseres Auftrags für diese Welt als Ausgangspunkt auf dem Weg zu einer versöhnten Einheit in der Vielfalt der Kirchen“. Das erfordere, die Zeichen der Zeit im Lichte der Bergpredigt und der ganzen frohen Botschaft richtig zu deuten. Für ihn bleibt es bedeutsam, „auch auf der theologischen Ebene weiter am gegenseitigen Verständnis zu arbeiten“. Wenn die Kirchen die gegenwärtigen Herausforderungen und unterschiedlichen konfessionellen Perspektiven ernst nähmen, befänden sie sich laut Freiwald auf einem guten Weg zu einer vertieften Einheit in einer wirklich versöhnten Verschiedenheit. Die Vielfalt theologischer, spiritueller und liturgischer Sichtweisen und Ausdrucksformen müsse unter dem Leitbild einer vertieften Einheit in Vielfalt auch nicht leiden, meinte Freiwald. Eine solche Vielfalt könne sogar viel unvoreingenommener als ein Schatz betrachtet werden, an dem wir uns gegenseitig bereichern könnten. Denn wir müssten keine Angst mehr vor Vereinnahmung von anderen haben, versicherte der Diakon.

 

Autor: Engelbert Broich

Der Kölner Dom ist umgezogen: Holz-Modell des Künstlers Fadell Alkhuder steht jetzt im Dreikönigensaal des Domes

13. Juni 2022; ksd

UPDATE (23. Juni 2022): Das eindrucksvolle Holzmodell des Kölner Doms, das der syrische Künstler Fadell Alkhuder in vier Jahre langer Arbeit geschnitzt und gebaut hat, steht jetzt im Dom. Bis voraussichtlich zum Jahresende, so Rainer Tüschenbönner, der Leiter des DOMFORUMs, soll der 2 mal 1,50 mal 1,50 Meter große Dom in der Dreikönigenhalle zu sehen sein. Zuvor wurde der Dom im DOMFORUM gezeigt und sorgte dort jeden Tag für Staunen und Begeisterung über die Detailliebe und weitgehende Originaltreue. Fadell Alkhuder ist stolz und glücklich, dass sein Dom, den er aus Dankbarkeit für die Aufnahme in Deutschland schuf, nun einen Platz im Kölner Dom gefunden hat. Beim Ab- und Aufbau sowie beim Transport der bis zu 70 Kilo schweren Einzelteile wurden Alkhuder und sein Team von einem Team der Kölner Dombauhütte unterstützt. Eine Bildreportage von Elvis Katticaren sehen Sie auf der Facebook-Seite des DOMFORUMs.

 

Köln. Schon der erste Anblick des Kölner Doms faszinierte den syrischen Künstler Fadell Alkhuder. Je länger er ihn kannte und als ein Haus für alle Menschen begriff, desto mehr reifte in ihm ein Plan: „Diesen Dom will ich als Teil meiner neuen Heimat als Holzmodell nachbauen.“ So beschäftigte er sich monatelang mit der Geschichte des Baus, machte tausende Handyfotos, recherchierte in Plänen, suchte nach Maßen, erfuhr etwas über das Baumaterial, sprach mit Kennern des Domes, gewann so allmählich ein Gesamtbild des Bauwerkes und konnte es nun auf Papier zeichnen. Dann machte er sich in seinem kleinen Atelier in Kalk an die Arbeit. Zunächst musste das richtige, harte Holz gefunden werden, das aber weder leicht zu bearbeiten war, noch stand von Anfang an adäquates Werkzeug zur Verfügung. Dazu kam die Enge in seinem Atelier, einem Keller. Aber Alkhuder ließ sich nicht entmutigen, machte im Zweifel einen wiederholten Anlauf und stellte schließlich seinen Traum aus Holz in der Größe von 2 mal 1,50 mal 1,50 Meter fertig. Noch bis zum 19. Juni ist der Dom im DOMFORUM zu sehen, kuratiert von Jabbar Abdullah. Am Mittwoch, 15. Juni, findet um 17.30 Uhr ein Hintergrundgespräch zur Entstehungsgeschichte mit Fadell Alkhuder und Jabbar Abdullah statt.

 

Eine Reportage der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln lesen Sie hier.

Impressionen vom Aufbau im DOMFORUM sehen Sie auf dem Facebook-Kanal der KiZ.

Eine Videoreportage von DOMRADIO.DE sehen Sie hier. Einen Beitrag über den Umzug des kleinen in den großen Domes können Sie hier sehen.

 

Missionale 2022: Erstmals mittendrin – neues Konzept für großes ökumenisches Mutmacher-Fest (18. Juni)

13. Juni 2022; ksd

Köln. Die Kirchen gehören dahin, wo die Menschen sind. Das ist die Botschaft der Missionale, die 2022 – nach drei Jahren Corona-Pause – erstmals wieder stattfindet. Das Leitwort „mittendrin“ gibt den Ton an für das große Glaubensfest, das am Samstag, 18. Juni, von 14 bis 19 Uhr veranstaltet wird. Erstmals wird die Missionale nicht auf dem Kölner Messegelände stattfinden, sondern dezentral, mit Veranstaltungen im und rund um das Gürzenich, in Trinitatis- und Antoniterkirche sowie im DOMFORUM.

Neun Themenforen laden dazu ein, sich mit der Gegenwart und Zukunft von Kirchen und christlichen Gemeinschaften zu befassen – und mit ihrer Relevanz für die Gesellschaft. Bei Podiumsveranstaltungen und in Gottesdiensten sowie bei spirituellen und kreativen Angeboten geht es etwa um Kirche im Umbruch, um das Christsein in einer kulturell vielfältigen Gesellschaft, um Kirche und Digitalisierung sowie um die Zerbrechlichkeit des Lebens.

Hinter der Missionale stehen Christinnen und Christen aus evangelischen und katholischen, baptistischen, methodistischen und freien sowie deutsch- und anderssprachigen Gemeinden. Zum Trägerkreis gehört auch Weihbischof Rolf Steinhäuser. Die Intention der Missionale ist, den Teilnehmenden Vergewisserung für den eigenen Glauben zu geben, Ermutigung für ihr Engagement und Inspiration für die Gemeindeentwicklung. Nicht zuletzt geht es darum, die große Gemeinschaft der Glaubenden aus verschiedenen Kirchen und Traditionen zu erleben und zu feiern.

 

Kirche mitten im Umbruch

 

Ab 14 Uhr findet an den verschiedenen Orten Bibelarbeit statt, mal interaktiv, mal narrativ. Um 15.30 Uhr beginnen dann die Themenforen. „Kirche findet statt, wo Kirche Stadt findet“, heißt es im DOMFORUM. Auf dem Podium: Simone Enthöfer vom Zentrum Gemeinde und Kirchenentwicklung in Wuppertal und Paul-Gerhard Sinn von der Ladenkirche Wuppertal.

„Kirche mitten in der digitalen Welt“ ist das Thema im Isabellensaal des Gürzenich. Unter #digitalekirche geht es um Möglichkeiten, Herausforderungen und Gemeinschaft im Netz sowie um die Frage, wie das Evangelium in der Netzgemeinde gelebt wird. Auf dem Podium: Dr. Rainer Barth, Evangelisch methodistische Kirche; Hella Blum, Evangelische Kirche im Rheinland; Sarah Didden vom Instagramkanal 60sekundenkirche; Holger Geißler, Willkommenskultur online und offline; Carsten Matlock vom Portal und Magazin ruach.jetzt; Kathi Mutzbauer, Vikarin und Yogalehrerin; Konrad Neuwirth, Zeitfenster Aachen; und Gaming-Pfarrer Niklas Schier.

 

„Warum evangelisch?“ mit Präses Latzel

 

Die Frage „Warum evangelisch?“ steht im Mittelpunkt des Forums im großen Saal des Gürzenich. Hierbei geht es um den Einfluss von Entscheidungen der Kirchenleitungen auf die Zukunft der Kirche. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, nimmt dabei auch die Frage in den Blick, was das evangelische Christentum lebendig und attraktiv macht – und hält.

„Platz schaffen für Neues“ ist das Thema eines Spaziergangs im Stadtraum mit Wahrnehmungsübungen, Unterbrechungen und Reflexionen. Dabei geht es darum, eigene Denkmuster, Gewohnheiten und Blockaden zu durchbrechen und neues zu entdecken. Treffpunkt ist um 15.30 Uhr im Foyer des Gürzenich. Spaziergangsbegleiterinnen und -begleiter sind: Ursula Hahmann, Zeitfenster Aachen, Miriam Hoffmann von Erprobungsräume EKiR und Sebastian Baer-Henney von der Ev. Kirchengemeinde Mülheim am Rhein.

 

Mittendrin in einer Gesellschaft kultureller Vielfalt

 

Um Rassismus in der Kirche geht es in der Antoniterkirche. Es geht um die Problematik einer weißen und elitären Kirche, um die Frage, ob sich Menschen of Color in der Kirche willkommen fühlen und wie sich Rassismus aufdecken und überwinden lässt. Auf dem Podium: Sarah Vecera, Autorin des Buches „Wie ist Jesus weiß geworden?“, Pfarrer Quinton Ceasar aus Wiesmoor und Philipp Hermannsdörfer von der Freien evangelischen Gemeinde Langenfeld. 

Um die Spiritualität junger Menschen geht es im interreligiösen Gespräch im Antonius-Saal des AntoniterQuartiers. Junge Vertreterinnen und Vertreter von Judentum, Islam und Christentum tauschen sich aus über Glauben im Alltag und in der Gemeinschaft sowie über die Wahrnehmung anderer Religionen. Mit dabei: Ariella Dumesch vom Jugendzentrum der Synagogen-Gemeinde Köln; Matthäus Hilus vom katholischen Jugendzentrum CRUX; Duy-Anh Daniel-Phan vom Evangelischen Jugendpfarramt Köln; Denise Watermann von der Ev. Jugendkirche Geistreich; Sultan Yazaar, Grundschulreferendarin, unter anderem für Islamische Religionslehre, sowie Jugendliche und junge Erwachsene aus verschiedenen Verbänden und Gemeinden.

 

Kirche in Mission im 21. Jahrhundert

 

„Reverse Mission“, „Diaspora Missions“, „Power Evangelism“: was es mit diesen Konzepten und Lebenswirklichkeiten von Mission auf sich hat, ergründet dieses Forum, bei dem der Austausch mit Christinnen und Christen internationaler Gemeinden im Mittelpunkt steht. Frei- und landeskirchliche Vertreterinnen und Vertreter ergänzen das Podium, das sich laut Einladung besonders an Menschen mit einem Herzen für Mission und Lust am internationalen ökumenischen Austausch richtet. Auf dem Podium sind unter anderem: Bendix Balke, Interlkulturelle Kirchengemeinde an Nahe und Glan; Reverend Dr. George Melel, Indische Gemeinde Krefeld; Daniel Njikeu und der Lobpreis-Chor der Internationalen Evangelischen Gemeinschaft in Wuppertal.

 

Mittendrin in einer zerbrechlichen Welt

 

Die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben vielen Menschen die Zerbrechlichkeit des Lebens neu bewusst gemacht. Um den Umgang mit der eigenen Fragilität und der anderer geht es bei dieser Werkstatt mit Impulsen, Musik und Gespräch im Saal der Trinitatiskirche. Mit dabei: Shabnam Arzt, Autorin von „Umarmen und Loslassen“, Irene Girsang, bei der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) für Indonesien zuständig; Matthias Schmid vom Regionalen Dienst der VEM; Dr. Armin Kistenbrügge von der Ev. Kirchengemeinde Greifenstein; Hermann Kotthaus aus Bergisch-Gladbach.

Corona hat auch das Gemeindeleben mit Gottesdiensten und Sakramenten verändert. Die Digitalisierung wirft Fragen auf, ob Menschen beide Angebote nutzen – digitale Gottesdienste und die Gottesdienste vor Ort. Des Weiteren geht es darum, ob der Gottesdienst unter diesen Voraussetzungen noch als „Mitte der Gemeinde“ gelten kann. Über die Gottesdienstlandschaft nach der Corona-Zäsur diskutieren Professor Dr. Stefan Claaß, Herborn; Daniel Hörsch von midi Berlin, Autor der Studie „Digitale Verkündigungsformen während der Corona-Krise“ und Annegret Puttkammer, Direktorin des Neukirchner Erziehungsvereins.

 

Der Eintritt zur Missionale ist frei. Für Verpflegung muss selbst gesorgt werden, Kinderbetreuung wird angeboten.

Alle Infos und das komplette Programm unter www.missionale.de

Hier gibt es das Programm zum Download.

 

Ein Interview mit dem Leiter des Trägerkreises, Pfarrer Christoph Nötzel, und mit der Landespfarrerin für  Landespfarrerin für Missionale Kirche in der EKiR, Simone Enthöfer, lesen Sie hier.

 

Pfingsten: Mit gutem Geist Menschen begegnen – Videobotschaft von Stadtdechant Robert Kleine

3. Juni 2022; ksd

Pfingsten feiert die Kirche Geburtstag. Warum das so ist, erklärt Kölns Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine im Beitrag auf Radio Köln. Und er lädt dazu ein, den pfingstlichen Geist nicht nur im Gottesdienst zu suchen, sondern auch in der Natur – und vor allem in der Begegnung mit anderen Menschen.

 

Auf dem Facebook-Kanal des Stadtdechanten sehen Sie seinen Pfingstgruß im Video.

 

Christi Himmelfahrt: Kirche soll wieder glaubwürdig werden / Den Himmel auf die Erde holen

25. Mai 2022; ksd

Köln. Im Beitrag auf Radio Köln erklärt Kölns Stadtdechant Msgr. Robert Kleine nicht nur, was es mit dem Feiertag Christi Himmelfahrt auf sich hat. Er nimmt auch dazu Stellung, wie die Kirche mit der aktuellen Glaubwürdigkeitskrise umgehen sollte. „Die Kirche muss klarmachen: Wir haben verstanden“, was sich ändern muss, „wir wollen glaubwürdig sein.“ Fehler, Schwächen und Dunkelheiten gilt es zu bekämpfen, um die Strahlkraft der Botschaft Jesu, die jedes Leben bereichern will, wieder zum Leuchten zu bringen.

 

In einem weiteren Beitrag für Radio Köln aus dem Magazin „Himmel & Erde“ geht es darum, dass der Himmel für die Menschen in und aus der Ukraine – sowie für viele andere von Kriegen, Krisen, Katastrophen und Verbrechen Betroffne – gerade alles andere als strahlend blau und friedvoll ist. „Aber Gott ist nicht weg!“, betont der Kölner Stadtdechant Msgr. Robert Kleine im Beitrag für „Himmel & Erde“ auf Radio Köln. „Und er ist auch bei Ihnen“, versichert Kleine den Hörerinnen und Hörern. „Ich glaube, wir können das zeigen, wenn sich Himmel und Erde berühren, indem Menschen füreinander da sind und sich füreinander einsetzen.“ Seit Ostern und der Auferstehung Christi ist klar, dass der Tod nicht das letzte Wort hat – für Christinnen und Christen leitet sich daraus auch der Auftrag ab, den Himmel auf die Erde zu holen in Solidarität und Nächstenliebe.