Ein Ostergruß von Stadtdechant Msgr. Robert Kleine
5. April 2026; ksd
Köln. „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht“ – Schon die ersten Worte des bekannten Osterliedes laden uns ein, den Blick zu heben: Weg von den Sorgen des Alltags, hin zu Gottes Wirken in unserer Welt. Es ist nicht irgendein Tag, von dem hier die Rede ist, sondern der Tag der Auferstehung, der Ostermorgen – der Wendepunkt der Geschichte, an dem Gott endgültig zeigt, dass das Leben stärker ist als der Tod.
Das Lied greift Worte des Psalms 118 auf: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.“ In diesem Psalm klingt die tiefe Gewissheit mit, dass Gott handelt – nicht fern und unbeteiligt, sondern mitten in unserer Wirklichkeit. Gerade in einer Welt, die aktuell von Kriegen, Konflikten, Unsicherheiten und Leid geprägt ist, erinnert uns diese Botschaft daran, dass Gott der Schöpfer und Vollender unseres Lebens ist.
Wenn wir singen „der Freud in alle Welt gebracht“, dann ist das keine oberflächliche Fröhlichkeit. Es ist eine Freude, die aus der Tiefe kommt – eine österliche Freude, die auch das Kreuz kennt. Denn Ostern ist ohne Karfreitag nicht zu verstehen. Die christliche Botschaft verschweigt das Leid nicht, sondern stellt ihm die Hoffnung entgegen: Gott lässt den Menschen nicht im Dunkeln. Er führt durch das Leiden hindurch in neues Leben.
Für uns heute kann dieser Zuspruch zu einer Einladung werden: jeden Tag als Geschenk Gottes zu begreifen. Auch die scheinbar gewöhnlichen Tage tragen das Potenzial in sich, von Gott erfüllt zu sein. In jedem Moment kann etwas von dieser österlichen Wirklichkeit aufleuchten:
- In einem guten Wort,
- In einer helfenden Hand,
- In einem Zeichen der Versöhnung.
Gerade im Dienst am Menschen, in der Sorge füreinander und im Einsatz für Würde und
Gerechtigkeit wird diese Botschaft konkret. Wo Menschen einander beistehen, wird sichtbar, dass
Gott wirkt. Wo Hoffnung weitergegeben wird, lebt Ostern weiter.
Der „Tag, den Gott gemacht“ hat, ist nicht nur ein Ereignis der Vergangenheit. Er reicht hinein in unsere Gegenwart. Jeder neue Tag kann ein Ostertag sein, wenn wir uns von Gottes Licht berühren lassen und es weitertragen.
Möge uns die Botschaft der Auferstehung begleiten – in der Osterzeit und darüber hinaus. Als Ermutigung, als Trost und als Ausdruck unserer Hoffnung: Gott hat diesen Tag gemacht. Und er macht auch unser Leben neu.
Das Stadtdekanat Köln wünscht Ihnen, Ihren Familien und allen, mit denen Sie die Feiertage verbringen, ein gesegnetes, friedvolles und glaubensfrohes Osterfest!
