Fußball-Andacht im Dom: „Mer stonn zo dir – und Gott übrigens auch“

31. August 2026;

Stadtdechant Msgr. Kleine segnet ein Paar

Köln. Schon zwei Stunden vor Beginn reichte die Warteschlange vor dem Kölner Dom bis über den Roncalliplatz. Auffällig: das Rot und Weiß der Wartenden. Zum zwölften Mal lockte die traditionelle „Andacht für alle Fußballfreunde“ zum Bundesligastart Tausende Menschen in die Kathedrale.

 

Geleitet wurde die ökumenische Andacht von Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine und Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger. Im Mittelpunkt stand ausdrücklich nicht die Bitte um möglichst viele Siege des 1. FC Köln, sondern Gottes Segen für Spielerinnen und Spieler, Mannschaften, Schiedsrichter und Fans – und der Wunsch nach einem fairen, respektvollen Miteinander. Eingeladen waren deshalb Fußballfreunde aller Vereine.

 

„Du musst deinen Weg nicht allein gehen“

 

Msgr. Robert Kleine stellte Freundschaft und Zusammenhalt in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Auch Jesus sei nicht als Einzelkämpfer unterwegs gewesen, sondern mit seinen Jüngern – „einziges Handicap: Es waren nicht elf. Es waren zwölf.“ Diese Jünger seien alles andere als perfekt gewesen: Sie stritten, verstanden Jesus nicht immer, wurden ängstlich. Und dennoch habe er sie seine Freunde genannt. Darin liege eine Botschaft für heutige Freundschaften: Man müsse nicht perfekt sein, dürfe Fehler machen und müsse seinen Weg nicht allein gehen.

Besonders deutlich werde das an Petrus, der Jesus dreimal verleugnete und nach der Auferstehung dennoch einen Neuanfang geschenkt bekam. Ein Freund kenne die Fehler des anderen, reduziere ihn aber nicht darauf. Freundschaft brauche Vertrauen und Vergebung.

Rivalität muss nicht in Feindschaft münden

Auch die Fanfreundschaft zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund zeige, dass Rivalität nicht in Feindschaft umschlagen müsse, so der Stadtdechant. Der andere bleibe Bruder oder Schwester – auch wenn er anders denke, anders lebe oder ein anderes Trikot trage. Die beiden Fan-Hymnen „ You'll Never Walk Alone“ und „Mer stonn zo dir“ ließen sich als gegenseitige Zusagen verstehen. Darin liege eine Verbindung zum Glauben: Gott verspreche nicht, dass das Leben immer leicht sei, wohl aber, dass er da sei.

Für die neue Saison wünsche er sich deshalb nicht nur Tore und Erfolge, sondern Fans, die zeigen, dass Leidenschaft und Respekt zusammengehören. Sein Fazit brachte den Dom zum Applaudieren: „You'll Never Walk Alone, Mer stonn zo dir und Gott übrigens auch.“

 

„Gib dein Herz“

 

Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger nahm in seiner Ansprache die Lesung des Tages auf – die Gleichnisse vom Schatz im Acker und von der kostbaren Perle (Mt 13,44–46) – und verband sie mit der Leidenschaft für den Fußball und für das eigene Leben. Der Schatz könne für vieles stehen: eine Begabung, die große Liebe, den richtigen Beruf, eine Aufgabe, für die man brennt. Wer einen solchen Schatz finde, müsse bereit sein, sich ganz dafür einzusetzen.

Das gelte für den jungen Spieler, der trainiert und anderes zurückstellt, ebenso wie für jede Beziehung und jede Aufgabe im Leben. Seine Aufforderung: „Gib dein Herz.“ Und selbst dort, wo Wünsche scheitern und man nicht zu den Gewinnern gehört, bleibe die Zusage bestehen, dass Gott jeden Menschen sieht und begleitet.

 

Fürbitten über den Spielfeldrand hinaus

 

Die Fürbitten nahmen alle in den Blick, die zum Fußball gehören: Mannschaften und Spieler, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, Trainer und Verantwortliche in den Vereinen, die Fans in den Stadien ebenso wie jene, die zu Hause oder unterwegs mitfiebern. Gebetet wurde auch für Journalistinnen und Journalisten – um einen wachen Blick und die Verantwortung, mit ihren Worten Menschen nicht gegeneinander aufzubringen. Und schließlich für all jene, die mit Fußball wenig anfangen können, verbunden mit dem Wunsch, dass es auch dann Dinge gebe, die verbinden.

 

Ein Kontrapunkt seit 2014

 

Die Fan-Andacht gibt es seit 2014 und sie ist längst eine feste Kölner Tradition rund um den Bundesligaauftakt. Gerade angesichts der mitunter aufgeheizten Stimmung im Fußball will sie einen Kontrapunkt setzen: Freude am Sport und Leidenschaft für den eigenen Verein, verbunden mit Respekt gegenüber dem Gegner.

Die Stimmung im Dom war entsprechend ausgelassen. Gelacht und applaudiert wurde mehrfach – etwa, als Msgr. Kleine auf die häufig gestellte Frage einging, ob er in der Andacht für den FC bete. Er bete stets für den Sieg der besten Mannschaft, erklärte er: „Und damit ist klar, wen ich meine.“

Zum Abschluss erklang, begleitet von der Domorgel unter Wolf-Rüdiger Spieler, die Vereinshymne „ Mer stonn zo dir, FC Kölle“ – inzwischen einer der Höhepunkte der Feier.

 

Hier geht es zur Predigt von Msgr. Robert Kleine.

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