„Gott steht auf der Seite des Lebens“ – Köln setzt Zeichen zum 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine
25. August 2026; ksd
Köln. Zum 35. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit haben sich am Montag, 24. August 2026, mehrere tausend Menschen am Kölner Dom versammelt. Unter dem Motto Gemeinsam für ein freies, friedliches und gerechtes Europa hatte der Verein Blau-Gelbes Kreuz dazu aufgerufen, eine Menschenkette rund um die Kathedrale zu bilden – ein sichtbares Zeichen der Solidarität. Zur Kundgebung auf dem Roncalliplatz kamen zahlreiche Gäste aus Politik und Stadtgesellschaft, unter ihnen viele Ukrainerinnen und Ukrainer.
Ein Mittagsgebet im Zeichen des Krieges
Bereits am Mittag stand das Friedensgebet im Kölner Dom ganz im Zeichen des Jahrestages. Die Verbundenheit der ukrainisch-griechisch-katholischen Gemeinde war deutlich spürbar – die Betroffenheit der Anwesenden prägte die Stimmung im Kirchenraum.
„Kein Machthaber steht über der Würde des Menschen“
Bei der Kundgebung am Abend fand Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine deutliche Worte. Er erinnerte daran, dass die Unabhängigkeitserklärung von 1991 kein Geschenk einer fremden Macht gewesen sei, sondern Ausdruck des Willens des ukrainischen Volkes: „Die Zukunft der Ukraine gehört den Ukrainerinnen und Ukrainern.“ Der russische Angriffskrieg sei nicht nur ein Krieg um Territorium, sondern ein Angriff auf das Recht eines Volkes, selbst über seinen Weg zu entscheiden.
Mit Nachdruck widersprach der Stadtdechant jeder religiösen Rechtfertigung des Krieges: „Gott steht nicht auf der Seite der Raketen. Gott steht nicht auf der Seite des Angreifers. Gott steht auf der Seite des Lebens.“ Unter Verweis auf das Magnificat betonte er, dass kein Thron ewig sei und keine politische Macht über dem Recht und über der Würde des Menschen stehe.
Gebet und Verantwortung gehören zusammen
Seit Beginn des Angriffskrieges wird im Kölner Dom werktags um 12 Uhr für den Frieden in der Ukraine gebetet. Seit Kriegsbeginn fand dieser über 1.000-Mal statt. Msgr. Kleine betonte jedoch, dass dieses Gebet politische Verantwortung nicht ersetzen dürfe. Es brauche einen Frieden, der nicht nur die Waffen schweigen lasse, sondern Recht und Sicherheit schaffe – und in dem die Ukraine souverän bleibe.
Lesen Sie hier die Rede von Msgr. Robert Kleine.
