Grußwort von Stadtdechant Msgr. Kleine beim Jahresempfang der Caritas

19. April 2026; ksd

Köln. Beim Jahresempfang des Caritasverbandes für die Stadt Köln e.V. am 19. Juni 2026 im „Garten der Religion“ würdigte Stadtdechant Msgr. Robert Kleine das Engagement der Caritas für die Menschen in Köln. In seinem Grußwort dankte er den haupt- und ehrenamtlich Tätigen für ihren Einsatz im Dienst am Nächsten. Sein Grußwort dokumentieren wir im Folgenden im Wortlaut.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, mit Ihnen zusammen auf Einladung von Caritas, IN VIA, KJA, Malteser, SkF und SKM hier im Garten der Religionen zu Gast zu sein.

Dieser Jahresempfang ist mehr als ein gesellschaftlicher Termin. Er ist Ausdruck einer Verantwortungsgemeinschaft. Einer Gemeinschaft von Menschen, die jeden Tag dort wirken, wo gesellschaftliche Herausforderungen konkret werden.

 

Einer, der genau dies tat, soziale und gesellschaftliche Herausforderungen anzunehmen und zu lösen, war Pfarrer Franz Decker.

Am vergangenen Montag ist der ehemalige Kölner Caritasdirektor im Alter von 83 Jahren verstorben. 

Von 2000 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2011 prägte er den Caritasverband für die Stadt Köln in außergewöhnlicher Weise. 

Sein Ziel war eine Caritas, die wirtschaftlich verantwortungsvoll arbeitet, um ihren eigentlichen Auftrag erfüllen zu können: Menschen in Not beizustehen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Die Caritas war für ihn lebendiger Ausdruck gelebter Nächstenliebe, und er war überzeugt, dass die Caritas ihre Stimme dort erheben muss, wo Menschen keine Fürsprecher haben.

Ob sein Engagement für die interkulturelle Öffnung des Caritasverbandes und für Menschen mit Migrationsbiografie und Geflüchtete, ob die Unterstützung von Kölsch Hätz und die Förderung neuer Formen der Nachbarschaftshilfe, die Weiterentwicklung der Beschäftigungshilfen für Menschen mit Behinderung oder sein Engagement für Jugendliche in Köln: Er war bereit, neue Wege zu gehen, wenn sie den Menschen dienten.

Als Caritasdirektor scheute Franz Decker keine Debatten und vertrat seine Überzeugungen mit Mut und Leidenschaft. Gleichzeitig blieb er immer offen für andere Sichtweisen und den gemeinsamen Dialog.

Ich darf aus dem Nachruf von Markus Peters und Markus Nikolaus zitieren:

 

„Wir sind dankbar für alles, was Pfarrer Franz Decker für die Caritas Köln, für die Stadt Köln und für die Menschen, die hier leben und arbeiten, geleistet hat, und für die Spuren, die er in unserem Verband hinterlassen hat. Sein Wirken wird bestehen: in den Strukturen, die er aufgebaut hat, in den Projekten, die er angestoßen hat, und vor allem in den Erinnerungen der Menschen, die ihm begegnen durften.“

In unserem Glauben vertrauen wir darauf, dass Franz Decker nun den sehen wird, den er als Caritasdirektor, Priester, Seelsorger und Mensch in Wort und vor allem in Handeln bezeugt hat.

 

Liebe Damen und Herren,

Köln ist eine starke Stadt. Eine weltoffene Stadt. Eine Stadt mit wirtschaftlicher Kraft, kultureller Vielfalt und einem ausgeprägten Bürgersinn.

Doch zugleich wissen wir: Nicht alle Menschen profitieren gleichermaßen von dieser Stärke.

Die soziale Lage in Köln ist von erheblichen Spannungen geprägt. Viele Menschen erleben steigende Lebenshaltungskosten, hohe Energiekosten und vor allem die dramatische Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt:

Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum übersteigt das Angebot seit Jahren deutlich. Die Zahl der Sozialwohnungen sinkt, während gleichzeitig immer mehr Menschen auf Unterstützung beim Wohnen angewiesen sind.

Für Familien, Alleinerziehende, Auszubildende, Seniorinnen und Senioren oder Menschen mit geringem Einkommen wird die Suche nach einer Wohnung immer häufiger zu einer existenziellen Belastung.

Hinzu kommen wachsende Armutsrisiken. Viele Menschen arbeiten, sorgen für ihre Familien und leisten ihren Beitrag für unsere Gesellschaft – und dennoch reicht das Einkommen oft kaum aus, um die steigenden Kosten des Alltags zu bewältigen.

Besonders besorgniserregend ist, dass Kinderarmut weiterhin eine Realität auch in unserer Stadt bleibt. Hinter jeder Zahl steht ein Kind, dessen Chancen auf Bildung, Teilhabe und gesellschaftliche Entwicklung eingeschränkt sind. Dies darf uns nicht gleichgültig lassen.

Gleichzeitig erleben wir große Herausforderungen in der Pflege. Der Fachkräftemangel, steigende Bedarfe einer älter werdenden Gesellschaft und die Finanzierung sozialer Dienstleistungen setzen Einrichtungen und Mitarbeitende zunehmend unter Druck.

Ähnliche Entwicklungen sehen wir in der Jugendhilfe, in der Integrationsarbeit und bei Angeboten für Menschen in schwierigen Lebenslagen.  

 

Auch die Zahl wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen macht deutlich, wie wichtig eine starke soziale Infrastruktur ist. Wohnen bedeutet Sicherheit, Würde und gesellschaftliche Teilhabe.  

Gerade deshalb kommt den katholischen Sozialverbänden eine unverzichtbare Rolle zu.

Sie sind nicht nur Dienstleister sozialer Hilfen. Sie sind Anwälte der Menschen, die oft keine starke Stimme haben. Sie machen auf Missstände aufmerksam. Sie schaffen Begegnung. Sie stärken den Zusammenhalt.

Und sie erinnern Politik und Gesellschaft daran, dass der Wert einer Gemeinschaft sich daran bemisst, wie sie mit den Schwächsten umgeht.

 

Dabei stehen auch die Caritas und die Fachverbände selbst unter erheblichem Druck. Steigende Personal- und Sachkosten, Fachkräftemangel und angespannte öffentliche Haushalte stellen viele Träger vor schwierige Entscheidungen. Umso wichtiger ist es, die soziale Infrastruktur unserer Stadt nachhaltig zu sichern und verlässlich zu finanzieren.

Denn soziale Arbeit ist keine freiwillige Zugabe in guten Zeiten. Sie ist eine Grundvoraussetzung für gesellschaftlichen Frieden und Zusammenhalt.  

 

Bei allen Herausforderungen dürfen wir jedoch auch die Stärken unserer Stadt nicht übersehen:

Köln zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Kultur des Engagements aus. Tausende Haupt- und ehrenamtlich Engagierte setzen sich täglich für andere Menschen ein. Sie schenken Zeit, Aufmerksamkeit und Hoffnung. Sie bauen Brücken zwischen Generationen, Religionen und sozialen Milieus. Sie zeigen, dass Solidarität kein abstrakter Begriff ist, sondern gelebte Wirklichkeit.

 

Diese Haltung brauchen wir heute mehr denn je.

 

Denn gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht nicht von selbst. Er wächst dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Wo Unterschiede nicht trennen, sondern als Bereicherung verstanden werden. Wo niemand zurückgelassen wird.

Die katholischen Wohlfahrtsverbände leisten hierzu einen unschätzbaren Beitrag. Sie verkörpern christliche Nächstenliebe in praktischer Form. Sie verbinden Professionalität mit Menschlichkeit und Hilfe mit Respekt vor der Würde jedes Einzelnen.

Dafür danke ich Ihnen von Herzen.

 

Sehr geehrte Damen und Herren aus Politik und Verwaltung, Liga und Kirche, Gruppen und Verbänden, Wirtschaft und Kirche.

Lassen Sie uns gemeinsam und als Stadtgesellschaft daran arbeiten, dass Köln eine lebenswerte, solidarische und gerechte Stadt bleibt. Eine Stadt, in der wirtschaftliche Stärke und soziale Verantwortung zusammengehören. Eine Stadt, in der jeder Mensch die Chance auf Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben hat. 

 

Ich wünsche Ihnen und uns allen Kraft, Zuversicht und Gottes Segen für Ihre wichtige Arbeit, damit eins nie infrage gestellt wird und steht:

„Köln bleibt sozial.“

 

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

  

Hier die Begrüßung als Download.

   

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