Ökumenische Andachten für Angehörige früh verstorbener Kinder im Dezember

2. November 2021; ksd

Köln. Am Samstag, 4. Dezember und am Sonntag, 12. Dezember, dem Weltgedenktag verstorbener Kinder, laden die katholische und die evangelische Kirche wieder zu Andachten und Lichterfeiern.

Was es bedeutet, wenn Kinder früh versterben, erzählt Familie K. im unten stehenden Beitrag. 

 

Andacht, Lichtergang und Lichterfeier

  

Am Samstag, 4. Dezember, findet um 16 Uhr ein Ökumenischer Gedenkgottesdienst für Mütter, Väter, Geschwister und Angehörige von verstorbenen Kindern in der Evangelischen Clarenbachkirche, Aachener Straße 458, in Köln Braunsfeld statt. Die Einladung richtet sich an alle trauernden Eltern und Geschwister, unabhängig vom Alter des oder der Verstorbenen und unabhängig davon, wie lange der Tod zurückliegt. Im Jahrgedächtnis werden die Namen der Verstorbenen und je nach Wunsch das Alter, Geburts- und oder Todesdatum sowie die Todesursache erwähnt. Wenden Sie sich hierfür bitte an: Irmela Richter, Prädikantin, Telefon 0176 520 84 785 oder E-Mail: IrmelaRichter@web.de. Gemeinsam gestaltet mit Wolfgang Obermann, Gemeindereferent Köln
Wenn die Corona-Situation es zulässt, ist anschließend ein Beisammensein vorgesehen. Teilnahme am Gottesdienst bitte nur mit 3 G- Nachweis (geimpft – genesen – getestet)! 

 

Am Sonntag, 12. Dezember, wird um 19 Uhr eingeladen zur Lichterfeier in die Kirche Hl. Johannes XXIII., Pariser Platz, Köln-Chorweiler. Alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, um 19 Uhr ein Licht ins Fenster zu stellen zum Gedenken an verstorbene Kinder. Weltweit gedenken Angehörige an diesem Tag ihrer verstorbenen Kinder. Durch die Zeitverschiebung von jeweils einer Stunde erlöschen die Kerzen in einer Zeitzone und werden in der nächsten entzündet. Dadurch entsteht der Einddruck einer Lichterwelle, die in 24 Stunden einmal um die gesamte Erde wandert.

 

Eine Familie mit drei Sternenkindern

 

Im Mai 2020 bestattete die Familie Eva und Frank K. (Namen wurden geändert) ihr drittes Sternenkind auf dem Gräberfeld der katholischen Pfarrgemeinde St. Pankratius am Worringer Bruch. Sie haben dort einen Ort gefunden, an dem die junge Familie mit ihren drei Kindern im Alter von drei, fünf und sieben Jahren trauern können.

Sternenkinder sind Kinder, die nie das Licht der Welt erblicken. Sie versterben vor oder während der Geburt. Wenn Eltern mit dem Tod des ungeborenen Säuglings konfrontiert werden, bricht für sie eine Welt zusammen. Alle Freude und Hoffnung sterben, weil sie nach der Geburt ihr Baby nicht im Arm halten und nach Hause bringen können. Das Leben ändert sich schlagartig. 

Wenn das Unfassbare geschieht, kann die Umwelt mit dem Schmerz der Betroffenen oft nicht umgehen. Erst recht verstehen viele Menschen nicht, dass ein so kleines Baby, das für sie noch gar nicht sichtbar war, sogar beerdigt werden soll. Das kann Familie K. nur bestätigen: „Es gab Menschen, die unseren Schmerz nicht verstanden und akzeptiert haben. Sie reagierten verständnislos, unsensibel und respektlos auch auf unsere Entscheidung, unser 18 Wochen altes Sternenkind bestatten zu wollen. Wir konnten uns oft anhören ‚Ihr habt doch drei gesunde Kinder‘, ‚Man kann doch nochmal neu machen‘ oder ‚Es hat doch noch nicht gelebt, ihr übertreibt es‘. Aber es gab auch Menschen, die uns viel Zuspruch und Trost gegeben haben und auch die Bestattung eine schöne Idee fanden. Sie gehen auch regelmäßig mit auf den Friedhof. Von ihnen fühlt man sich verstanden und sie geben einem viel Kraft.“

 

„Ein schöner und fröhlicher Ort“

 

Das erste Sternenkind der Familie starb in der 12. Schwangerschaftswoche. Es wurde in einem Sammelgrab auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt. Das zweite Sternenkind verlor Eva K., bevor die Schwangerschaft richtig festgestellt wurde. „Wir sind bis heute unglücklich darüber und konnten es nie verarbeiten, weil eine Sammelbestattung für uns nicht die richtige Entscheidung war, was wir im Nachhinein feststellten", erzählen Eva und Frank K. „Wir wurden auf den Sternenkinderfriedhof in Roggendorf-Thenhoven 2017 beim Taufgespräch für unsere drei lebenden Kinder aufmerksam gemacht. Bei dem Gespräch mit dem Diakon der Pfarrei St. Pankratius am Worringer Bruch hat unser ältester Sohn von unseren zwei Sternenkindern erzählt. Der Diakon sagte, dass auf dem Gräberfeld ein Stern für alle unvergessenen Sternenkinder aufgestellt wird – also auch für unsere beiden. Wir haben uns bei unserem dritten Sternenkind für die Beerdigung in Roggendorf-Thenhoven entschieden, weil es so ein schöner und fröhlicher Ort ist.“

 

Trost und Hoffnung


Wenn Eltern auf dem katholischen Friedhof in Roggendorf-Thenhoven ihr Sternenkind beerdigen möchten, müssen sie nicht katholisch sein. Auf Wunsch kann ein Seelsorger angesprochen werden. Der Diakon der Pfarrei St. Pankratius begleitete Familie K. in ihrer Trauer und bei der Beerdigung: „ Wir haben in der Zeit mit ihm viel Trost und Hoffnung erfahren“, erinnert sich die Familie. „Der Diakon steht uns allen auch heute noch mit Rat und nützlichen Tipps zur Seite und gibt uns viel Kraft. Wir empfehlen sehr gerne, sich einem Seelsorger oder einer Seelsorgerin anzuvertrauen, weil reden so gut tut. Der Gedanke, dass unsere Kinder bei Gott im Himmel nicht alleine sind, ist so tröstlich. Wir können damit das Geschehene besser akzeptieren.“

Die Geschwister von Nika – so heißt das dritte Sternenkind – waren über den Tod sehr niedergeschlagen und traurig, weil sie sich so auf die Geburt des Schwesterchens gefreut hatten. Natürlich waren sie auch dabei, als Nika in dem kleinen Sarg – einer kleinen runden Schachtel – bestattet wurde. Eva K: „Jedes Geschwisterchen hat ein Herz gebastelt und was drauf gemalt. Dieses Herz haben sie dann bei der Beerdigung ins Grab gelegt. Wir gehen mit den Kindern ein Mal in der Woche zum Grab, da reden sie mit Nika. Auf dem Grab ist ein Engel, dem sie immer ein Küsschen geben für ihre Schwester.“

Eva und Frank K. haben Frieden gefunden. Sie möchten anderen Betroffenen etwas mit auf den Weg geben: „Eltern sollten immer zusammenhalten und das Geschehene zusammen verarbeiten. Wir empfehlen ihnen die Bestattung auf einem Sternkinder-Friedhof, um einen Ort zu haben, an dem man sich dem Kind verbunden fühlen und trauern kann. Nie auf andere hören, negative Bemerkungen überhören und den Mut haben, mit der Trauer und Beerdigung den eigenen Weg zu gehen.“

 

Marita Heider

 

www.einsternenkind.wordpress.com

 

Gesprächskreis für Eltern

 

Über  das Angebot von Andachten hinaus besteht ein Gesprächsangebot für Eltern von Sternenkindern in den Räumen von Kindernöte e.V. in der Florenzer Straße 84 in Köln-Chorweiler. Alle Eltern sind willkommen, sich in regelmäßigen Abständen zu treffen und auszutauschen. Die Treffen sind kostenfrei und unverbindlich. Vor dem Gespräch sollte Kontakt aufgenommen werden mit:


– Sabine Lieder, Hebamme, Verein Kindernöte, Telefon 0221 16920095
– Birgitta Beusch, Gemeindereferentin der katholischen Kirchengemeinde Hl. Johannes XXIII., Telefon 0152 32093980

 

Die aktuellen Termine können unter den angegebenen Telefonnummern erfragt werden.

 

Das Info-Plakat zu den Andachten fnden Sie hier.

 

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