„Suchet der Stadt Bestes“ – Dialogpredigt von Frau Prof. Diemert und Frau Katrin Göring-Eckardt
Ökumenischer ACK-Gottesdienst zur Dreikönigswallfahrt im Kölner Dom
1. Oktober 2026; ksd
Köln. Wie kann Zusammenhalt in einer vielfältigen Stadtgesellschaft gelingen?
Dieser Frage widmete sich der ökumenische Gottesdienst der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Köln (ACK) im Rahmen der diesjährigen Dreikönigswallfahrt am Freitag, dem 25. September, im Kölner Dom.
Unter dem Leitwort „Suchet der Stadt Bestes, […], denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.“ aus dem Buch des Propheten Jeremia hielten Prof. Dr. Dörte Diemert und Katrin Göring-Eckardt eine gemeinsame Dialogpredigt.
Dörte Diemert erinnerte daran, dass eine Stadt mehr sei als Politik, Verwaltung und Rathaus: „ Wir sind diese Stadt, dieses Gemeinwesen.“ Eine Stadtverwaltung könne Räume für Begegnung schaffen, „begegnen müssen wir einander aber selbst“. Das biblische „Suchet“ sei deshalb kein passives Wort: „ ‚Suchet‘ ist ein Tätigkeitswort.“
Katrin Göring-Eckardt verband dieses Suchen mit der Bereitschaft, offen zu bleiben und andere Perspektiven auszuhalten. „Wer sucht, ist noch nicht festgelegt“, sagte sie. Gemeinwohl bedeute dabei nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern miteinander zu handeln und auszuhandeln. „Wir müssen nicht alles wissen. Aber wir hören nicht auf, gemeinsam nach dem Guten zu suchen.“
Beide betonten zugleich, dass christlicher Glaube auch um die eigenen Grenzen weiß. „Nicht alles liegt in unserer Hand“, sagte Diemert und Göring-Eckardt ergänzte: „Aber wir haben Hände.“ Hände, die handeln, helfen, gestalten und Verantwortung übernehmen können.
Damit wird aus dem biblischen Auftrag eine ganz konkrete Frage an jede und jeden von uns: „Was gebe ich diesem Ort? Wo lebe ich das Wir? Wo werde ich von der Bewohnerin zur Mitgestalterin?“, fragte Diemert. Gemeinschaft entstehe eben dort, wo Menschen bereit seien, Zeit, Ideen, Aufmerksamkeit und Geduld einzubringen und das eigene Interesse nicht immer an die erste Stelle setzen.
Auch die Frage nach Heimat bekam dabei eine neue Perspektive. „So sind wir alle hierhin gekommen. Vielleicht ist das eben nicht nur eine Feststellung darüber, wo wir angekommen sind“, sagte Diemert und Göring-Eckardt fügte hinzu: „sondern die Frage danach, wie wir Heimat daraus machen.“ Dabei gehe es nicht allein darum, in einer Stadt oder einem Dorf zu leben, sondern auch darum, Verantwortung zu übernehmen. Nicht nur zu fragen, was andere tun sollten, sondern selbst anzufangen – „genau heute“.
Den Schlusspunkt setzte Diemert mit einem Mut machenden Satz, der uns zu einer aktiven Mitgestaltung unserer Heimat auffordern kann: „Denn wer angekommen ist, bekommt nicht nur einen Ort, er bekommt auch eine Aufgabe.“
Musikalisch sehr gelungen und beeindruckend umrahmt wurde der Gottesdienst zum einem vom Kölner Jugendchor St. Stephan und zum anderen vom Kinderchor Lucky Kids, die beide unter der Leitung von Michael Kokott stehen.
