„Wer etwas tut, kann viel erreichen. Nicht alles, aber viel.“
1. Oktober 2026;
Köln. Heute wird Franz Meurer 75 Jahre alt – und gibt sein Amt als Seelsorger in Höhenberg und Vingst ab. Mehr als drei Jahrzehnte lang hat er das Leben auf der Schäl Sick geprägt: als Priester, als unkonventioneller Brückenbauer in der Stadtgesellschaft und als einer, der die katholische Kirche immer wieder aufgefordert hat, ihre Türen weiter zu öffnen.
HöVi-Land: „Die Kinderstadt ist unser Gold“
Pfarrer Meurers Herzensprojekt ist das HöVi-Land. Seit 33 Jahren verbringen in der Zeltstadt am grünen Rand der beiden Veedel mehr als 500 Kinder drei Wochen ihrer Sommerferien – Kinder aus Familien, die sich keinen Urlaub leisten können. Für kleines Geld, mit täglich einer warmen Mahlzeit, getragen von rund 300 Freiwilligen.
„Die Kinderstadt ist unser Gold“, sagt Meurer. „Ohne sie hätten wir keine jungen Leute in der Gemeinde.“ Angesprochen auf die Kosten verweist er auf den Willen der Gesellschaft, füreinander da zu sein: „Wir fragen nicht, ob man da unterstützen kann. Nein, es muss so sein, dass die Leute helfen wollen.“
Ein Pfarrer, der in Kontroversen Stellung bezieht
Franz Meurer hat sich nie gescheut, Position zu beziehen. 2023 war er bei der Segnung homosexueller Paare vor dem Kölner Dom dabei. Das Priesteramt für Frauen fordert er seit Langem; mehrfach ließ er seine Gemeindereferentin in der Heiligen Messe predigen. Die Kirchensteuer würde er abschaffen, „weil Kirche kein Geld einziehen soll“ – und das Zölibat ebenso, denn zu einem Leben allein dürfe man niemanden zwingen.
Für sein gesellschaftliches Engagement wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Georg-Leber-Preis für Zivilcourage und zuletzt mit der Mevlüde-Genç-Medaille.
Zur eigenen Verabschiedung nur wegen Msgr. Kleine
Nach mehr als drei Jahrzehnten gibt Pfarrer Franz Meurer sein Amt in Höhenberg und Vingst ab
Beim diesjährigen Pastoraltag in der Kirche St. Theodor wurde Franz Meurer im Kreise der hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger verabschiedet. Bevor er ihnen HöVi-Land und die caritative Arbeit vor Ort vorstellte, ging Meurer auf die Einladung durch den Stadtdechanten ein: „Ich bin sein Fan. Deshalb bin ich gekommen, auch wenn ich Urlaub habe.“
Eine kleine Szene, die viel über die Verbundenheit der beiden erzählt. „Franz Meurer ist seit Jahrzehnten das soziale Gesicht der katholischen Kirche in Köln und weit darüber hinaus. Das Fundament seines Engagements ist eindeutig das Evangelium, das er konsequent umsetzt. Zugleich ist er in vielen Fachbereichen jenseits der Theologie bestens informiert und einer der belesensten Mitbrüder, die ich kenne.“
Ruhestand? Nur auf dem Papier
Künftig wird Franz Meurer in einer Wohnung im Seniorenstift St. Marien im Nachbarviertel Kalk leben. Aus dem Amt scheidet er, aus dem Engagement nicht: Der Kirche will er weiterhin zur Seite stehen – nach eigenem Bekunden ganz nach Lust und Laune – und zivilgesellschaftlich aktiv bleiben.
Im Stadtdekanat wird man ihn nicht vergessen. Der Pfarrer, der kein Handy besitzt und immer mit dem Fahrrad unterwegs ist, bleibt als unkonventioneller Seelsorger in Erinnerung, frei nach seinem Credo: „Wer etwas tut, kann viel erreichen. Nicht alles, aber viel.“
Lieber Franz Meurer, danke für mehr als drei Jahrzehnte Nähe, Beharrlichkeit und Herz. Und alles Gute zum 75. Geburtstag!
