Aktuelles

Hier finden Sie aktuelle Nachrichten zu stadtweiten Veranstaltungen, Initiativen und Aktionen der katholischen Kirche und ihrer Kooperationpartner in der Stadt Köln.

Überregionale Nachrichten der katholischen Kirche finden Sie auf den folgenden Webseiten:

www.erzbistum-koeln.de | www.koelner-dom.de | www.domradio.de | www.katholisch.de | www.kna.de | www.dbk.de | www.vaticannews.va/de.html

 

Für das Miteinander der Religionen: Installation „Look at me“ von Wolfgang Bellwinkel im DOMFORUM

29. Februar 2024; ksd

Die Installation „Look at me“ von Wolfgang Bellwinkel im DOMFORUM. Foto: © Wolfgang Bellwinkel
 

Köln (df/ksd). „Look at me“ ist der Titel einer Video-Installation von Wolfgang Bellwinkel, die bis zum 2. April im DOMFORUM zu sehen ist. Die Ausstellung versteht sich als Zeichen für mehr Toleranz und will ein Zeichen setzen für das Miteinander von Religionen, Nationen und die Vielfalt einer demokratischen Gesellschaft.

Wie gelingt ein Miteinander der Religionen? Im Sommercamp „abraham & co“, einer Initiative der wert-voll ggmbh (anerkannter Träger der freien Jugendhilfe in Dortmund), gingen 2013 circa 45 Jugendliche aus Judentum, Christentum und Islam im Alter zwischen 16 und 21 Jahren eine Woche lang in Gesprächskreisen und Workshops dieser Frage nach – und fanden Antworten im Zuhören und im kreativen Austausch, begegneten sich im Gespräch und in der schöpferischen Arbeit. Es ging um ein Sich-Kennenlernen, es ging um Identitätsbildung, Respekt und Toleranz, aber auch darum, die Begrenztheit der eigenen Sichtweise zu erfahren und zu hinterfragen. Auf der Basis ihres Wissens und ihrer Kreativität entwickelten sie eigene Visionen, Ziele und Lösungen einer gemeinsamen Zukunft der Religionen.

Der in Berlin und Bangkok lebende Fotograf Wolfgang Bellwinkel verwertete die Idee von „abraham & co“ künstlerisch: Unter dem Titel „Look at me“ entstanden Porträtaufnahmen von 20 Jugendlichen, die an dem Projekt beteiligt waren. Statt klassischer Fotografie setzte Bellwinkel dabei auf Videoaufnahmen: Die circa 30 Sekunden langen Clips, die zu Loops (Endlosschleifen) montiert wurden, zeigen jeweils eine Person, frontal vor neutralem Hintergrund, weitgehend regungslos eine andere Person (die sich in der Kameraachse, aber außerhalb des Bildes befindet) betrachtend. Wir sehen also keinen vom Fotografen eingefrorenen Augenblick, sondern einen kurzen zeitlichen Ablauf, der kleinste Veränderungen der Mimik und somit Andeutungen von Emotionen erkennen lässt. Jedes Porträt wird dabei auf einem separaten Monitor präsentiert – sowohl nach innen, ins Foyer des DOMFORUMS, als auch nach außen in Richtung des Passantenstroms auf der Domplatte.

 

Hoffnungszeichen und Appell

 

Bereits im Jahr 2015 zeigte das DOMFORUM die Ausstellung „Look at me“ als Hoffnungszeichen für und Apell an eine Welt mit zunehmend religiös motivierten Kriegen und Terroranschlägen, immer stärker aufkeimendem Fremdenhass und gesellschaftlichen Ressentiments gegenüber Geflüchteten. 

Zur aktuellen Ausstellung schreiben die Veranstalter:

 

„2024 erleben wir die Lage verschärft, unsere Gesellschaft verliert in größer werdenden Teilen die Fähigkeit von Dialog und Verständnis. Populistische Kräfte schüren diffuse Ängste vor Flüchtlingen und Migranten, vor Verlust von Status und Identität. Wir erleben verhärtete Positionen, die schnelle Suche nach Sündenböcken, auf vielen Ebenen das schnelle Empören und Verurteilen, das Erstarken von Antisemitismus und rechtsextremistischer Tendenzen in ganz Europa. 

Die Demonstrationsbewegungen der letzten Wochen machen allerdings auch Hoffnung. Uns wird klar, dass wir für unsere Demokratie, für unseren gesellschaftlichen Frieden und die solidarische Gesellschaft etwas tun müssen. Und immer ist es die Hinwendung zum Menschen, mit der die Lösung und der Frieden beginnt. Bei allen Unterschieden durch Prägung aufgrund von Herkunft, Kultur oder Religion – es ist der Blick auf den Einzelnen, die Bereitschaft, den Menschen als Menschen wahr-zunehmen. So wie er ist, wie er geworden ist, mit dem, was ihn ausmacht. „Look at me“ sozusagen - ein Mensch wie ich.“

 

www.domforum.de

 

https://wolfgang-bellwinkel.de/

 

https://www.wert-voll.org/

   

Trauer im Erzbistum Köln: Emeritierter Weihbischof Dr. Klaus Dick gestorben

26. Februar 2024; ksd

 

Köln (pek). Der emeritierte Weihbischof Dr. Klaus Dick ist am Sonntag, 25. Februar, im Alter von 95 Jahren, kurz vor Vollendung seines 96. Lebensjahres, gestorben. Dick war von 1975 bis 2003 Weihbischof in Köln.

Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki würdigt den Verstorbenen: „Mit tief empfundener Trauer gedenke ich des heute verstorbenen emeritierten Kölner Weihbischofs Dr. Klaus Dick. Über viele Jahrzehnte war er voller Hingabe und mit unerschütterlichem Gottvertrauen in unserem Erzbistum tätig. Für seinen unerschöpflichen Dienst für die Kirche von Köln bin ich ihm sehr dankbar. Im festen Vertrauen und Glauben an die Auferstehung Christi bin ich davon überzeugt, dass er jetzt in Gott seine Vollendung findet."

 

Gefragter Seelsorger un Ratgeber

 

Klaus Dick war mit seiner herzlichen Art bis ins hohe Alter ein sehr gefragter Seelsorger und Ratgeber. Den Kölner Kardinälen Höffner und Meisner stand er stets mit seiner Expertise zur Seite. Mit dem verstorbenen Papst Benedikt XVI. verband ihn seit seiner Studienzeit eine gemeinsame theologische Schule und eine bis ins hohe Alter stetig wachsende Freundschaft.

Für den Malteser Hilfsdienst begleitete er als Bundesseelsorger unzählige Menschen seelsorgerisch, auch noch viele Jahre nach seiner Emeritierung als Weihbischof. Für diese Verdienste wurde ihm 2008 sogar die höchste Auszeichnung des Malteserordens für Geistliche verliehen.

 

Pretiosa-Glocke verkündete der Stadt den Tod

 

Bis zu seinem Tod freute sich Klaus Dick regelmäßig über Besucher, die ihn trotz seines fortgeschrittenen Alters für seelsorgerische Gespräche sowie die Beichte aufsuchten und aus diesen Kraft und Hoffnung schöpften.

Im Kölner Dom wurde Weihbischof Dick am Sonntag beim Abendgebet gedacht. Am Nachmittag läutete um 15 Uhr mit der Pretiosa-Glocke die zweitgrößte Glocke des Kölner Domes etwa 30 Minuten lang und trug so die Botschaft über den Tod des Weihbischofs mit der Bitte um das Gebet in die Stadt hinein.


Kurzbiographie von Klaus Dick


Klaus Dick wurde am 27. Februar 1928 in Köln-Ehrenfeld geboren und am 24. Februar 1953 zum Priester geweiht. 1958 wurde er zum Dr. theol. promoviert. Er wirkte als Bonner Studentenpfarrer bevor er von 1963 bis 1969 Direktor des Collegium Albertinum in Bonn war. Von 1964 bis 1972 war er außerdem Prosynodalrichter am Erzbischöflichen Offizialat in Köln. In den 1970er Jahren war Dick Pfarrer in Bonn und Wuppertal.

Am 19. Mai 1975 wurde Dick durch Josef Kardinal Höffner zum Weihbischof in Köln und zum Titularbischof von Guzabeta geweiht. Zuständig war er für den Pastoralbezirk Ost des Erzbistums Köln. Darüber hinaus war er Mitglied der Kommission für die Weiterbildung der Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten und Vorsitzender der Ökumenischen Bistumskommission. Erzbischof Joseph Kardinal Höffner ernannte ihn 1978 zum Domdechanten.

Nach Vollendung des 75. Lebensjahres nahm Papst Johannes Paul II. 2003 seinen Rücktritt als Weihbischof an. 

 

www.erzbistum-koeln.de

 

Friedensgebet und Kundgebung zur Ukraine: „Ein Gebet, das trägt. Eine Liebe, die wirkt. Ein Frieden, der hält. Darum bitten wir.“

22. Februar 2024; ksd

 

UPDATE: Mehrere Tausend Menschen haben am Samstag (24. Februar) auf dem Roncalliplatz an einer Solidaritätskundgebung aus Anlass des zweiten Jahrestags des russischen Angriffs auf die Ukraine teilgenommen. Organisiert wurde die Demonstration vom Verein Blau-Gelbes Kreuz; unter den Rednerinnen und Rednern waren neben Minister und NRW-Staatskanzleichef Nathanel Liminiski auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Stadtdechant Msgr. Robert Kleine.

 

Stadtdechant Kleine verurteilt Position des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyril I. als Blasphemie

 

Kleine kritisierte unter anderem den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I, der den Krieg immer wieder gutheißt und als Putin-Vertrauter gilt. Der Patriarch erkläre etwa, dass die in der Ukraine gefallenen russischen Soldaten direkt ins Paradies kommen würden. „Denn wer seine Pflicht erfülle und sterbe, der vollbringe eine Heldentat, die einem Opfer gleichkomme“, gab der Stadtdechant die Propaganda krtitisch wieder. Vor Kindern habe Kyril zu Weihnachten sogar davon gesprochen, dass es keinen größeren Liebesbeweis gebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingebe. Denn das höchste Zeichen von Liebe sei die Opferbereitschaft.

Kleine verurteilte diese Positionen aufs Schärfste: „Das hat rein gar nichts mit der Botschaft Jesu Christi zu tun. Diese Worte aus dem Mund eines christlichen Geistlichen im Angesicht des von Russland über die Menschen in der Ukraine gebrachten Leids, angesichts der tausenden Verletzten und Toten, sind für mich nur eines: Gotteslästerung, Blasphemie."

Stadtdechant Kleine sprach zum Abschluss ein Friedensgebet, das Sie in einem Video auf seinem Facebook-Kanal sehen können. Eine Reportage von Beatrice Tomasetti über die Kundgebung lesen Sie auf DOMRADIO.DE

 

Fast zwei Meter große Friedenskerze im Kölner Dom

 

Zuvor stand um 12 Uhr das Mittagsgebet im Kölner Dom, das seit Kriegsbeginn als Friedensgebet begangen wird, im Zeichen des Gedenkens an den Krieg in der Ukraine, aber auch an die Opfer des Hamas-Terrors sowie anderer Kriege und Konflikte in der Welt.

Im Rahmen des Gottesdienstes stiftete der Colonia Kochkunstverein eine fast zwei Meter hohe Kerze, die als Zeichen des Friedens und der Einheit und als Position gegen Fremdenhass und Terror entzündet wurde. Prominente wie die CDU-Bundestagsabgeordnete Serap Güler, Nathanael Liminski (Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei), Fritz Schramma (Oberbürgermeister a.D. der Stadt Köln), Lutz Wingerath (Geschäftsführer der Kölner Sportstätten) und Daniel Streckel (CEO des Logistikdienstleisters MBS) haben die Kerze gemeinsam in den Dom getragen

 

Vielfältige Gedanken und Gefühle am zweiten Jahrestag des Kriegsbeginns

 

Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine sagte in der Friedensandacht: „Heute vor zwei Jahren, am 24. Februar 2022, eskalierte durch den Großangriff Russlands auf die Ukraine ein bereits seit 2014 andauernder Krieg in Europa. Vielfältige Gedanken und Gefühle bewegen uns, die wir hier zum Gebet zusammengekommen sind, in dieser Zeit des Krieges:

– Ratlosigkeit, Erschöpfung, Wut und Verzweiflung,

– das Bedürfnis, helfen zu wollen und Beistand zu leisten,

– Angst um das eigene Leben, um Angehörige, Freunde und Bekannte,

– Dankbarkeit für Rettung, für Unterstützung in der Not,

– Bewunderung für den starken Willen der Ukrainerinnen und Ukrainer zur Verteidigung ihrer Heimat und für den Mut aller, die bereit sind, ihr Leben zu riskieren, im Militär- und Rettungsdienst, in der Seelsorge und Kriegsberichterstattung,

– Scham für schuldhaftes Handeln oder Unterlassen,

– Angst vor den bereits spürbaren und künftigen Folgen dieses Krieges.

Im Gebet können wir all das Leid und die Not der Menschen, Trauer, Ängste und Sorgen, unsere eigene Betroffenheit vor Gott tragen – und im Hören auf sein Wort Trost, Ermutigung und Hoffnung suchen. Zugleich verbinden wir uns mit allen, die um den Frieden in der Welt beten, und beten auch stellvertretend für jene, die nicht glauben und beten können.“

 

„Wo bleiben die Liebe und der Frieden in der Welt?“

 

Mit Bezug auf den Apostel Paulus und seine Botschaft „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ sagte Kleine weiter: „Nach zwei Jahren Krieg in der Ukraine zweifeln wir: Wo bleibt die Liebe? Sind wir Menschen zur Liebe überhaupt fähig? Wir haben gebetet um Frieden: Hilft beten? Wo bleibt der Frieden? Immer noch und immer mehr sprechen die Waffen. Wo bleibt das Miteinander-Reden? Wer könnte das tun?“ Der Stadtdechant lenkte den Blick auf die Menschen in der Ukraine und auf die, die als Geflüchtete zu uns gekommen sind, aber auch auf die Menschen in Israel und im Gazastreifen, in Afghanistan, im Jemen und in den anderen Kriegs- und Konfliktregionen der Welt. „Dabei könnten die Menschen auch anders. Unser Menschsein birgt eine große Kraft: die Liebe. Die Liebe gibt dem Frieden Weg und Ziel.“

So viele Menschen seien zuschanden geworden in diesem Krieg, so Kleine weiter. „Wir klagen dir die Toten und Verletzten, Gott. Wir denken an die ukrainischen Frauen, Männer und Kinder. Sie kämpfen, sie hoffen, sie lieben. Jeden Tag neu kostet das unendlich viel Kraft. Gott, zeige uns deine Wege zum Frieden. Leite uns nach deiner Wahrheit. Sie kennt die Liebe. Du bist die Liebe, du traust uns Liebe zu. Erbarme dich unser. Ein Gebet, das trägt. Eine Liebe, die wirkt. Ein Frieden, der hält. Darum bitten wir.“

 

Schlussgebet: „Spirale von Gewalt, Zerstörung und Elend unterbrechen“

 

Angesichts der Diskussionen um eine neue, auch atomare Aufrüstung in Europa und angesichts des Krieges in der Ukraine, der in den letzten Monaten immer heftiger tobte, formulierte Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine im Schlussgebet:

 

Gütiger und barmherziger Gott,

der Krieg in der Ukraine führt uns schmerzlich unsere Grenzen vor Augen.

Voller Angst und Trauer und mit ohnmächtiger Wut stehen wir vor Dir.

Wir sind Zeugen und Zeuginnen eines brutalen Krieges und fragen uns, ob wir uns in den zurückliegenden Jahren genug dafür engagiert haben, das drohende Unheil zu verhindern.

Wie viele Konflikte und militärische Auseinandersetzungen weltweit haben wir zur Kenntnis genommen und sind einfach weitergegangen?

Können denn noch mehr Waffen die Ursachen der Konflikte beseitigen?

Was für ein Frieden soll das denn sein, der auf Bedrohung, Abschreckung, Stacheldrahtzäunen errichtet wird, statt auf der Grundlage von Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Sodlidarität?

Wie groß muss das Leid denn noch werden, bis wir Menschen endlich lernen umzukehren und umzudenken?

Sind denn hunderttausende Tote und Millionen Flüchtlinge nicht genug?

In dieser scheinbar ausweglosen Situation bitten wir dich: sende deinen Geist aus und bekehre uns, damit wir fähig werden zu einem gerechten Frieden, zu einer dauerhaften Versöhnung und zu einem verantwortlichen Umgang mit deiner uns anvertrauten Schöpfung.

Im Namen all jener, die unmittelbar betroffen und bedroht sind oder mittelbar unter den Folgen leiden, erbitten wir das Wunder eines gerechten Frieden – für die Ukraine, Russland und den ganzen Erdkreis.

Erneuere das Antlitz der Erde und erfülle die Verantwortlichen mit deinem Geist.

Befähige sie und uns alle, im Vertrauen auf dich die Spirale von Gewalt, Zerstörung und Elend zu unterbrechen.

Amen.

 

Die Übertragung des Friedensgebetes auf DOMRADIO.DE können Sie hier abrufen. Einen Bericht von Beatrice Tomasetti lesen Sie hier.

 

Die Themenseite der Deutschen Bischofskonferenz zum Ukraine-Krieg finden Sie hier, einen Bericht zur aktuellen Stellungnahme des Vorsitzenden der Europäischen Bischofskonferenzen (COMECE), Bischof Mariano Crociata, lesen Sie hier.

  

Köln (mk/ksd). Seit am 24. Februar 2022 der Krieg in der Ukraine ausgebrochen ist, wird das werktägliche Mittagsgebet im Kölner Dom der Bitte um Frieden gewidmet. So auch zum zweiten Jahrestag des russischen Einmarsches in der Ukraine: Im unmittelbaren Vorfeld der Großkundgebung „ Zwei Jahre russischer Krieg gegen Europa“ um 13.30 Uhr auf dem Roncalliplatz wird um 12 Uhr im Dom der ukrainischen Opfer gedacht, aber ebenso der Opfer des Angriffs der Hamas auf Israel sowie aller Opfer von Krieg, Gewalt und Terror in Afghanistan, im Gazastreifen, im Iran, im Irak, in Mali, in Russland, im Sudan, in Syrien und vielen anderen Ländern. Der Colonia Kochkunstverein stiftet aus diesem Anlass eine gut zwei Meter hohe Kerze, die feierlich als Zeichen des Friedens und der Einheit entzündet wird.

Prominente wie die CDU-Bundestagsabgeordnete Serap Güler, Nathanael Liminski (Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei), Fritz Schramma (Oberbürgermeister a.D. der Stadt Köln), Lutz Wingerath (Geschäftsführer der Kölner Sportstätten) und Daniel Streckel (CEO des Logistikdienstleisters MBS) werden die Kerze gemeinsam in den Dom tragen. Bereits vor 20 Jahren – zum Jubiläum des Colonia Kochkunstvereins – stellte der Zusammenschluss aus Kölner Köchen, Hotel- und Restaurantfachleuten, Gastronomen und Hoteliers im Dom eine große Kerze auf. Die neue, von der Manufaktur Schlösser gefertigte Kerze mit der Aufschrift „Gegen Terror“ möchte der Verein als Zeichen der Einheit in herausfordernden Zeiten verstanden wissen. „Als Licht, das die Freiheit und den Friedensgedanken im Herzen Kölns leuchten lässt“, erläutert Ernst Vleer, der Vorsitzende des Colonia Kochkunstvereins.

 

„Ein klares Zeichen gegen Terror und Krieg“ 

 

„Ich freue mich sehr, dass der Colonia Kochkunstverein im Dom mit dieser besonderes gestalteten Kerze ein klares Zeichen gegen Terror und Krieg und zugleich für den Frieden setzt“, sagt Domdechant Msgr. Robert Kleine, der dem Friedensgebet vorstehen und in seiner Funktion als Kölner Stadtdechant an der anschließenden Kundgebung teilnehmen und dort auch sprechen wird. „Darüber hinaus lade ich herzlich alle Menschen zu uns in den Dom ein, denen die Solidarität mit der Ukraine und das Gebet um Frieden dort und an vielen weiteren Kriegs- und Konfliktherden in der ganzen Welt ein besonderes Anliegen ist.“

Zu der Kundgebung am Samstag, 24. Februar, lädt der Verein Blau-Gelbes Kreuz ein. Beginn ist um 13.30 Uhr auf dem Roncalliplatz. Nach Angaben des Kölner Stadt-Anzeigers nehmen auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker, NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne), Rolf Mützenich, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, und die deutsch-ukrainische Sängerin Kristine Shon teil. Die Kundgebung ist geplant bis 17.30 Uhr. Den Aufruf des Vereins können Sie auf der Facebook-Seite des Vereins Blau-Gelbes Kreuz lesen.

 

Das Friedensgebet im Dom wird live auf DOMRADIO.DE übertragen.

 

www.koelner-dom.de

 

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat auf ihrer Frühjahrsvollversammlung ein neues Friedenswort veröffentlicht. Die Publikation unter dem Titel „Friede diesem Haus“ kann auf der Seite Publikationen der DBK kostenfrei heruntergeladen werden. Eine Zusammenfassung finden Sie hier. Zudem haben sich die Bischöfe einmal mehr klar zum Ukrainekrieg, aber auch zum Krieg zwischen Israel und Palästina positioniert; mehr dazu im Bericht zur Abschluss-Pressekonferenz. Weitere Informationen unter www.dbk.de

   

„Mut zu gestalten on tour“: Reise durch Ostdeutschland mit Katholikenausschuss und Bonifatiuswerk

21. Februar 2024; ksd

 

Köln. Der Katholikenausschuss in der Stadt Köln bietet gemeinsam mit dem Bonifatiuswerk vom 1. bis 5. Mai eine Reise nach Dresden und Leipzig an, um dort mit den Christinnen und Christen darüber ins Gespräch zu kommen, wie Kirche in der Diaspora seit vielen Jahren lebendig bleibt. Im Fokus stehen verschiedene Begegnungen, um aus den Erfahrungen der Gemeinden und Dekanate in Ostdeutschland zu lernen.

 

Die Ausschreibung:

 

Wir starten am 1. Mai und erreichen nach einer größeren Pause, in Erfurt oder Weimar, abends Dresden. Nach Gesprächen mit einer Gemeinde vor Ort, dem Diözesanrat und Bischof Heinrich Timmerevers, geht es am dritten Tag nach Bautzen. Auch hier sind, neben dem Besuch der Gedenkstätte „Gelbes Elend“, verschiedene Begegnungen geplant, so zum Beispiel ein Treffen mit der katholischen Minderheit der Sorben in der Oberlausitz. Am 4. Mai fahren wir nach Leipzig, um mit der Trinitatis-Gemeinde ins Gespräch zu kommen und die Nicolai-Kirche zu besuchen. 
Bevor wir am 5. Mai zurück nach Köln reisen, laden wir zu einem gemeinsamen Gottesdienst ein.

Neben Gesprächen und Begegnungen in den Gemeinden und Dekanaten bleibt ausreichend Zeit zu eigenen Erkundungen der Städte und Orte.

 

Nähere Informationen im Flyer, anmelden können Sie sich hier.

 

www.katholikenausschuss.de

 

„Einzigartig! Wertvoll!“: Ausstellung mit Skulpturen von Götz Sambale in St. Georg

21. Februar 2024; ksd

 

Köln. Eine Ausstellung mit Skulpturen des in Köln lebenden Künstlers Götz Sambale ist bis zum 1. April in der Kirche St. Georg in Köln-Weiss zu sehen (Kirchplatz 2). Begleitet wird sie von einem umfangreichen Rahmenprogram mit Künstlergespräch und Atelierbesuch, Taschenlampen-Führungen, Gottesdiensten und vielen mehr.

„Die Figuren von Götz Sambale zeigen ganz unterschiedliche Personen, jede strahlt Würde aus. Sie unterstreichen, wie sehr jeder Mensch einzigartig und wertvoll ist, egal welcher Kultur, Herkunft, Religion, welchen Geschlechts er ist oder mit welchem Handicap er lebt. Dem wollen wir uns in vielfältigen Veranstaltungen nähern, darüber ins Gespräch kommen und mit allen Besuchenden in den Blick nehmen“, schreiben die Veranstalter, die Initiative „Wir sind hoffen“ der Pfarrgemeinde St. Joseph und Remigius Koeln-Rodenkirchen/Suerth/Weiss im Flyer zur Ausstellung. „Herzliche Einladung, die Skulpturen und ihre Geschichten zu entdecken und dabei vielleicht auch dem König oder der Königin in sich selbst zu begegnen.“

 

Den Flyer können Sie hier herunterladen.

 

www.wirsindhoffen.de

 

www.goetzsambale.de

 

„das thema“ im DOMFORUM: Katholikinnnen auf Kirchenversammlungen vom II. Vatikanischen Konzil bis zur Weltsynode

21. Februar 2024; ksd

 

Köln. Frauen haben in der Geschichte des Christentums von Anfang an eine wichtige Rolle innegehabt. Doch bis heute sind sie in der katholischen Kirche von den Weiheämtern ausgeschlossen. Viele Theologinnen und Theologien sowie Initiativen wie Maria 2.0 setzen sich für Reformen ein. Im DOMFORUM geht es am Dienstag, 5. März, um Katholikinnen auf Kirchenversammlungen. Zu Gast ist Dr. Regina Heyder, Dozentin am Theologisch-Pastoralen Institut Mainz.

Frauen haben am Zweiten Vatikanischen Konzil und an der Weltbischofssynode 2021-2024 teilgenommen – am Konzil als „Laienhörerinnen“, an der Synode erstmals mit Stimmrecht. Beiden Kirchenversammlungen sind Konsultationsprozesse vorausgegangen, in denen katholische Frauen ihre Erwartungen an die Kirche dezidiert formuliert haben. Daraus entstand ein vielfältiges kirchenpolitisches Engagement, dem die Referentin bei der Veranstaltung nachgeht. Beginn ist um 19.30 Uhr.

 

www.domforum.de

 

„Wie ich der wurde, den ich mag“: Gespräch zur Autobiographie mit Pierre Stutz

21. Februar 2024; ksd

 

Köln. Der katholische Theologe, Autor und ehemalige Priester Pierre Stutz zählt zu den bekanntesten spirituellen Lehrern im gesamten deutschsprachigen Raum. Am Dienstag, 19. März, ist er zu Gast im DOMFORUM. Beginn ist um 17.30 Uhr.

In seinen Vorträgen, Seminaren und in seinen über 40 Büchern geht es dem gebürtigen Schweizer um Themen wie Achtsamkeit, die bewusste Auseinandersetzung mit seelischen Verwundungen, innere Versöhnung und die Suche nach einem eigenen, spirituellen Weg. Zu seinem 70. Geburtstag legte Pierre Stutz seine Autobiographie vor: „Jahrelang war mein Leben ein Ringen um Selbstannahme, äußerlich sehr erfolgreich, innerlich zerrissen, gefangen in der Angst vor Ablehnung… Ich habe die schmerzliche und zugleich heilsame Erfahrung gemacht, dass Brüche im Leben zu einem Durchbruch zu mehr Lebendigkeit werden können“, so Stutz.

 

Kostenlose Einlasstickets können Sie hier reservieren.

 

www.domforum.de

 

Kunstinstallation FLOW in der Kirche „Zum Heiligen Geist“

20. Februar 2024; ksd

 

Köln. Vom 22. Februar bis 10. März wird in der Kirche „Zum Heiligen Geist“ in Zollstock die Kunstinstallation „Flow“ von Christoph Steeger zu sehen sein (Hürther Straße). Auf der linken Seite des Kirchenschiffs werden vier Ballons installiert, die sich an Drähten jeweils nach oben und nach unten bewegen. Dazu gibt es Musik und Projektionen auf die Ballons und die dahinterliegende Kirchenwand. Im Februar ist die Ausstellung täglich von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Eröffnet wird die Installation mit einer Vernissage am Donnerstag, 22. Februar, um 18 Uhr. Am Samstag, 2. März, werden von 18 bis 18.30 Uhr Texte zum Thema Mond gelesen. Die Finissage findet am Sonntag, 10. März, um 17 Uhr statt. 

 

Weitere Informationen gibt es im Flyer sowie unter www.am-suedkreuz-koeln.de

 

Dier Installation findet in Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk Köln statt.

 

„das thema“ im DOMFORUM: Konfliktforscher Heitmeyer über die gesellschaftlichen Voraussetzungen des AfD-Aufstiegs

20. Februar 2024; ksd

 

Köln. Um die gesellschaftlichen Voraussetzungen des Aufstiegs der AfD geht es am Dienstag, 12. März, im DOMFORUM. Professor Dr. Wilhelm Heitmeyer, früherer Direktor des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, geht der Frage nach, wie die AfD „ anschlussfähig“ werden konnte zahlreiche soziale Milieus bis hin zur sogenannten Bürgerlichen Mitte. „Die AfD hat ein politisches Konzept entwickelt, das gegen die pluralistische Gesellschaft und die liberale Demokratie gerichtet ist. Dieser ,Autoritäre Nationalradikalismus‘ setzt dabei an ökonomischen, sozialen und politischen Krisen und wahrgenommenen Kontrollverlusten in der Bevölkerung an“, heißt es in der Ausschreibung. Beginn ist um 19.30 Uhr.

 

www.domforum.de

 

Ökumenischer Segen für alle Karnevalistinnen und Karnevalisten

7. Februar 2024; ksd

 

Köln. Traditionell segnen Kölns Stadtdechant Msgr. Robert Kleine und – in der Regel – Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger beim sogenannten Richtfest des Festkomitees Kölner Karneval in der Woche vor Rosenmontag die beiden Dreigestirne und die Wagen, die im Zoch (Umzug) mitgehen werden. In diesem Jahr übernahm vertrat Pfarrer i.R. Otmar Baumberger den Stadtsuperintendenten. Den Segen der beiden Geistlichen für alle Karnevalistinnen und Karnevalisten sehen Sie im Video des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region.

 

Einen Bericht über die diesjährigen Persiflagewagen lesen Sie bei DOMRADIO.DE

 

www.koelnerkarneval.de

 

Im Radiobeitrag erzählt Stadtdechant Msgr. Robert Kleine, warum er so gerne der Feldhillije der Altstädter ist, wie er Karneval feiert und was er sich für die tollen Tage wünscht.

 

Neujahrsgottesdienst der ACK: „Gottes Treue trägt! Freut euch, ihr Völker, mit Gottes Volk!“

5. Februar 2024; ksd

 

Köln. Mit einem Gottesdienst und anschließenden Austausch bei Brot und Wein ist die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) in Köln ins neue Jahr gestartet. „Gottes Treue trägt!“ lautete das Leitthema Ende Januar in der evangelischen Antoniterkirche in der Schildergasse. „Diese Zusage gilt dem Volk Israel“, stellte die ACK Köln-Vorsitzende Pfarrerin Susanne Beuth in ihrer Begrüßung fest. „Nach dem 7. Oktober (2023, dem Tag der Terror-Angriffe der Hamas – Anm. der Redaktion) schien es uns richtig, das Jahr 2024 mit dem Nachdenken über diese Zusage zu beginnen“, begründete die Superintendentin die Themenwahl. Dabei gelte es „zu fragen, in welcher Verantwortung wir die geistliche Gemeinschaft der Kirchen mit dem Volk Israel gestalten“ .

Im Römerbrief habe der Jude Paulus „seine christlichen Brüder und Schwestern aus der Vielfalt der Völker, die zum Glauben an Jesus Christus gefunden haben“, ermutigend aufgefordert: „Freut euch, ihr Völker, mit Gottes Volk!“ Diese Vielfalt spiegele sich auch in „unserer ACK“, fuhr Beuth fort.

Den Gottesdienst prägten zahlreiche Gebete, darunter ein starker Fürbitten-Block. Der evangelische Pfarrer i. R. Dr. Rainer Stuhlmann bewies einmal mehr seine Fähigkeiten als Prediger. Zum Verhältnis von Christen und Juden sprach Thomas Gruner ein Bußgebet. In der katholischen Tradition, so der Referent von Stadtdechant Msgr. Robert Kleine, werde es dem 1963 verstorbenen Papst Johannes XXIII. zugeschrieben. Aber vermutlich habe es jemand anderes verfasst. Aus diesem Gebet spreche „tiefe Trauer über die Verfehlungen der Kirche in ihrem Verhältnis zum Judentum über die Jahrhunderte“. Im Tagesgebet wandte sich Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger an den treuen Gott, der Israel zu seinem Volk erwählt und einen ewigen Bund mit ihm geschlossen habe zum Zeichen des Heils unter den Völkern. Seigers Bitte: „Erhalte uns dein Erbarmen und die Hoffnung auf dein Reich, in dem alle deine Kinder dich loben werden in Ewigkeit.“

 

Bronzeplastik „Synagogue and Church in our time“

 

Zuversichtlich stimmt in diesem Zusammenhang die Bronzeplastik „Synagogue and Church in our time“ (Synagoge und Kirche in unserer Zeit) des jüdischen Künstlers Josua Koffman, die vor einer katholischen Universität in Philadelphia steht und auf dem Plakat des diesjährigen Neujahrsgottesdienstes abgebildet war. Bevor Pfarrer Dr. Martin Bock, der Ökumene-Beauftragte im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region, das Kunstwerk wertschätzend und anschaulich erläuterte, erinnerte er an die „Erklärung orthodoxer Rabbiner zum Christentum“ aus dem letzten Jahrzehnt. Überschrieben mit „Hin zu einer Partnerschaft zwischen Juden und Christen“, habe diese weltweit Aufmerksamkeit erregt. Darin bekunden die Verfasser, dass sie „den Willen unseres Vaters im Himmel tun“ möchten, „indem wir die uns angebotene Hand unserer christlichen Brüder und Schwestern ergreifen“. Weiter betonen sie, dass Juden und Christen als Partner zusammenarbeiten müssten, „um den moralischen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen“.

Die Erklärung erscheint Bock wie ein Kommentar zu Koffmans Plastik. Zunächst erinnerte der Theologe und Leiter der Melanchthon-Akademie an die „alte Sicht“ des Verhältnisses der Christen zu den Juden. An die vielen Bildwerke, mit der die einen die anderen diffamierten. Verbreitung gefunden seit dem Mittelalter und weit darüber hinaus habe ein „klassisches Bild“. In diesem würden Kirche und Synagoge mittels zwei gegenüber gestellten Frauengestalten symbolisiert: Die Kirche mit erhobenem, gekröntem Haupt, die auf die Synagoge mit ihrem gesenkten Kopf und verbundenen Augen abschätzig herabblickt. Als „ganz anders“ bezeichnete Bock Koffmans Gegenentwurf. In dessen Werk säßen zwei Menschen vertrauenvoll beisammen und begegneten sich auf Augenhöhe. „Erstaunlich ist, dass sie jeweils nicht in ihre eigenen Texte blicken“, arbeitete Bock heraus, sondern interessiert, wissbegierig in die der jeweils anderen Person.

 

Internationaler Kunst-Wettbewerb zur Aufarbeitung antijüdischer Darstellungen im Kölner Dom

 

„Solche Kunstwerke, die uns zu eigenem Nachdenken anregen und motivieren wollen, gibt es nur sehr wenige auf der Welt“, meinte Bock. Ein in unserer Zeit die christlich-jüdische Beziehung behandelndes Werk dieser Qualität gebe es – „wenn es gut geht“ – bald auch im Kölner Dom, blickte der Theologe voraus. Dafür hat das Domkapitel einen Künstler-Wettbewerb initiiert. Es handelt sich laut Bock um „ein weitgehend“ ökumenisches Projekt, in dem auch die evangelische Kirche eine Stimme hat. Wie dieses Werk aussehen werde, wisse heute noch kein Mensch zu sagen.

Rainer Stuhlmann, Jahrgang 1945, predigte beeindruckend wie eingehend über den zu Beginn „in der uns geläufigen Form vorgetragenen“ Psalm 24. Aber in dessen Urtext stehe vieles ganz anders, gab der langjährige Schulreferent in Köln und Studienleiter im internationalen ökumenischen Dorf Nes Ammim im Norden Israels zu bedenken. Daher machte Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholikenausschusses in der Domstadt, zunächst mit der Übersetzung des Psalms in der Bibel in gerechter Sprache vertraut. Nach Psalm 24 gehöre entgegen der Überzeugungen von jüdischen Siedler*innen, muslimischen und christlichen Palästinenser*innen das Land nicht ihnen, verdeutlichte Stuhlmann. „Das Land ist des Herrn“, heiße es mit den beiden Wörtern „L'adonaj Haaretz“ zu Beginn des biblischen Gebetes.

 

„Gott ist parteilich für die Opfer“

 

Damals wie heute relativiere der Satz die Besitzansprüche aller Juden, Muslime und Christen. „ Das Land gehört mir, sagt Gott, und ihr seid meine Mieter*innen“, formulierte Stuhlmann. Sie sollten sich an den Mietvertrag halten und mit den anderen Mieter*innen in Frieden und Gerechtigkeit leben. Diese Einsicht sei inmitten der Thora fest verankert im 3. Buch Mose Kap. 25, Vers 23. Nach der Rückkehr des Volkes Gottes aus dem babylonischen Exil vor zweieinhalbtausend Jahren habe dieser alte Satz eine neue Kraft erhalten, erläuterte Stuhlmann. Seitdem meine „Haaretz“ nicht allein das gelobte Land, sondern alle Länder – die Erde, den Erdkreis, den Erdball.

Im Exil hätten Juden und Jüdinnen einen Blick für die weite Welt bekommen. „Die Erde gehört Gott“ – diese Erkenntnis weise alle menschliche Macht und Besitzansprüche in Schranken. Die Erde gehöre Gott, „auch wenn die Welt aus den Fugen zu geraten droht“. Seine Treue sei ihr gewiss. „Nicht erst das Christentum, nein, das Judentum ist die Religion mit Welthorizont, stellte Stuhlmann heraus. „ Der Gott Israels ist der Schöpfer und Bewahrer des Universums. Und umgekehrt: Der Herr des Universums ist der Gott Israels.“

Stuhlmann wies auf einen interessanten Aspekt hin. Danach laute im ursprünglichen Wortlaut des Psalms die Frage nicht, wer zum Gottesberg Zion hinaufziehen dürfe, sondern „wer geht da rauf, wer oder was ist da zu finden“. Aber wenn Gott der Herr des Universums sei, wozu brauche er dann den kleinen Berg Zion? Und mache das Universale nicht das Besondere des Judentums überflüssig? „ Christlicher Antisemitismus in Kirche und Theologie bedient sich bis heute dieser Logik“, gab der Prediger, von 2019 bis 2020 kommissarischer evangelischer Propst zu Jerusalem, zu bedenken. Aber für das Judentum sei der Gott des Universums nicht ein namenloses höheres Wesen, kein Unparteiischer im Himmel. „Der Gott behält auch als Herr der Welt sein Profil. Er ist parteilich. Parteilich für die Opfer.“ Mit der Erwähnung des Zion werde Gottes Wahl für die Kleinen und Kleingemachten geografisch fixiert, so Stuhlmann. Zugleich universalisiert. „Er ist parteilich für die Opfer aller Völker.“ Auch ohne den (in Trümmern liegenden) Tempel sei der Berg Zion der Ort von Gottes Heiligkeit.

 

Gottes Gegenwart in der Welt

 

Stuhlmann kennzeichnte den Gott Israels als eine lebendige, bewegliche Gottheit, die auf Allmacht verzichte, „weil sie ihre Macht mit ihren Geschöpfen teilt“. Sie lasse sich von ihren Geschöpfen überraschen, gewähre ihnen auch Raum für Torheiten. Dieser Gott nutze seine Macht, indem er sich selbst beschränke und klein mache. Den Zion nannte Stuhlmann den Ort eines außerordentlichen Gottesdienstes. Er sei ein Berg der Bescherung. Nichts sei mitzubringen, sondern alles zu empfangen: „Gnade und Wahrheit, Segen und Gerechtigkeit, heilsame Unterbrechungen unseres gnadenlosen und von Fake und Verlogenheiten geprägten Alltags.“ Eingeladen seien alle Völker. Alle Menschen dürften kommen, „wie sie sind. Aber sie bleiben nicht wie sind. Der Dienst Gottes verwandelt sie“, stellte der Prediger fest. Dort würden sie zu Menschen, die Gott suchten, sich irritieren ließen. Oder, zitierte Stuhlmann die Übersetzung der jüdischen Philosophen Martin Buber und Franz Rosenzweig, zu „Menschen mit leeren Händen und offenen Herzen“. Sie würden zu an Gott zweifelnden, verzweifelnden und mit ihm kämpfenden Menschen. Zu solchen mit mehr Fragen als Antworten.

Der Treue Gottes gewiss, suchten Menschen nach Zeichen dieser Treue. Sie fragten angesichts der Leere an heiligen Orten nach dem Ende seines Selbstentzugs, so der Prediger. Sie suchten ob seiner Unsichtbarkeit nach Gottes Gegenwart in der Welt. Und fragten mit Blick auf die vielen Übel, „warum tust du nicht, was du kannst?“.

„Was können die Völker, was können wir von Gottes Volk lernen“, so Stuhlmann. „Wir als Juden haben es manchmal schwer mit den Christen“, erinnerte er die Aussage einer orthodoxen Jüdin in Israel. „Und heute haben wir es schwer mit vielen Muslimen. Aber sie sei Christen und Muslimen von Herzen dankbar, dass sie den Glauben an diesen einen Gott in der ganzen Welt verbreitet hätten.„ Wenn der Selbstentzug Gottes die leeren Heiligtümer zu Orten des Suchens nach und des Wartens auf die Fülle Gottes macht, ensteht eine heilsame tätige Wartegemeinschaft“, sagte Stuhlmann. „Die Verbundenheit und Gemeinschaft all derer wird bestärkt, die nach Gott fragen, auf Gott warten, die nah Frieden suchen und darum heute schon auf dem Weg des Friedens leben.“

Stuhlmann habe Funken geschlagen für die Reparatur der Welt, dankte ihm stellvertretend für die Gemeinschaft der ACK Ökumene-Pfarrer Dr. Martin Bock. „Diese Funken sollen weiter wirken und uns wärmen“, bat er unter dem Applaus der Anwesenden. Dank sagte der Pfarrer auch der mitwirkenden Diakonin Anne Geburtig von der Diakonie Michaelshoven. Seit 2004 habe sie Monat für Monat das zum Jahreswechsel eingestellte Ökumenische Abendgebet an der Antoniterkirche verantwortet. In dieser Zeit sei in der Ökumene sehr viel passiert. Bock sprach von Eiszeiten und wärmeren Perioden. „ Einfacher ist es nicht geworden.“. Gleichwohl habe Geburtig mit einigen Unterstützenden immer wieder die vielen Farben der Ökumene erblühen lassen. Das Ökumenische Abendgebet wird künftig in dieser Form nicht mehr stattfinden.

 

Autor: Engelbert Broich

 

Die Predigt können Sie nachlesen auf www.oekumene-koeln.de

 

Gedenkstunde am Löwenbrunnen zum Holocaust-Gedenktag : Erinnerung an die aus Köln deportierten und ermordeten Kinder

31. Januar 2024; ksd

 

Köln. Bei anfangs „gewohnt schlechtem Wetter“ begrüßten Pfarrerin Ulrike Gebhardt und Adrian Stellmacher vom Arbeitskreis „Lern- und Gedenkort Jawne“ zur Gedenkstunde am Löwenbrunnen. Dort, in der Kölner City, setzten Schülerinnen und Schüler, Vertretende der Synagogen-Gemeinde Köln, der Stadt Köln, des Katholischen Stadtdekanates und des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region in Verbindung mit dem Arbeitskreis ein wichtiges Zeichen: Sie sprachen sich deutlich gegen Hass, Antisemitismus und Rassismus, gegen jede Form von Diskriminierung und Ausgrenzung aus. Da der 27. Januar in diesem Jahr auf einen Samstag fiel, verlegten die Organisatoren die Gedenkstunde auf den Vortag. Damit konnten auch Jüdinnen und Juden an der jährlichen Veranstaltung zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust in der Kölner City teilnehmen.

„Wir freuen uns sehr, dass Sie diese Arbeit würdigen“, wandte sich Gebhardt an Pfarrer Dr. Thorsten Latzel. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland nahm erstmals am Gedenken an der Kindergedenkstätte Löwenbrunnen teil. Damit wolle er die Erinnerungskultur stärken und den vermehrt wahrzunehmenden antisemitischen und insgesamt rechtsextremistischen Äußerungen entgegentreten, erläuterte er im kurzen Austausch mit Kirche Köln. Ebenso begrüßte Gebhardt den Stadtsuperintendenten Dr. Bernhard Seiger und sie dankte Rabbiner Yechiel Brukner, für den die Gedenkstunde eine Herzensangelegenheit sei.

Die Pfarrerin wies hin auf die enorm wichtige Verbundenheit mit der Stadt Köln. Und stellte fest: „Es macht uns Mut, dass Schülerinnen und Schüler hierZeichen setzen. Das ist euer Ort.“ Schüler*innen von zwei Schulen und Mitglieder der Konfirmandengruppe der Evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Köln-Junkersdorf trugen Biografien vor. Einerseits von aus Köln deportierten und ermordeten jüdischen Kindern und Jugendlichen. Andererseits erinnerten sie an jüdische Heranwachsende, die vor nationalsozialistischer Verfolgung nach England, Palästina und in die USA fliehen konnten.

 

„Wir beten um Frieden in Nahost“

 

Mit der von Dieter und Irene Corbach initiierten Gedenkstätte auf dem Erich-Klibansky-Platz an der Helenenstraße wird namentlich der über 1100 deportierten und ermordeten jüdischen Kinder und Jugendlichen aus Köln und Umgebung gedacht. Der achteckige Brunnen steht in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Areal des einstigen jüdischen Reform-Realgymnasium Jawne und der Synagoge der orthodoxen Gemeinde in Köln. Dort befand sich ein Zentrum jüdischen Lebens und Lernens.

„Es ist mir eine Ehre, zum ersten Mal hier bei dieser jährlichen Veranstaltung in Köln dabei zu sein“, sagte Latzel eingangs seiner Eröffnungsrede. Eine Ehre, diesen besonderen Ort kennenzulernen, der sich zu einem Erinnerungsort für Kinder und Jugendliche entwickelt habe. „Der Löwenbrunnen zeigt das in beeindruckender Weise“, wies er auf die dort dokumentierten Namen hin. Hier werde regelmäßig an Biographien von im Nationalsozialismus ermordeten oder auch geflüchteten Kindern erinnert. Und zwar aus der Sicht heutiger Kinder und Jugendlicher.

Wenn wir aktuell von ermordeten jüdischen Kindern und Jugendlichen sprächen, könne man das nicht tun, ohne die aktuellen Geschehnisse in Israel und Palästina zu erwähnen. Er denke an die am 7. Oktober brutal ermordeten Kinder und jungen Menschen, an deren Eltern und Großeltern. Und an die Geiseln, die bereits 112 Tage dieses Leid ertragen müssten. „In unseren Kirchen beten wir um Frieden in Nahost. Und wir beten dabei immer auch um das Überleben und die Befreiung der Geiseln.“

 

„Antisemitismus ist Gotteslästerung“

 

„Es ist gut, dass wir solch eine Erinnerungskultur pflegen“, zeigte sich der Präses zunächst gespannt und anschließend berührt, wie die Schülerinnen Biografien ehemaliger jüdischer Schülerinnen lebendig werden ließen. Auch wenn „Erinnerung“ so klinge, als gehe es nur um die Vergangenheit. „Es geht bei dieser Erinnerung um unsere Zukunft, um Eure Zukunft“, verdeutlichte Latzel. Durch das Erinnern lernten wir, wachsam zu sein „gegenüber allen Gefährdungen von friedlichem, solidarischem Zusammenleben und Demokratie“. Ebenso müssten wir „achtgeben auf den Umgang mit Minderheiten und zugewanderten Menschen in unserem Land“.

„Euer Erinnern an die Schüler und Schülerinnen Kölns ist ein ganz wichtiger Beitrag dazu“, machte Latzel deutlich, dass es für „uns als Kirche und auch als Gesellschaft im Ganzen eine Pflicht“ sei, Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. Latzel dankte ihnen und allen, „die heute hier sind, für ihr Engagement“. Es sei gut, „dass wir uns dafür einsetzen, dass niemand ausgegrenzt wird“. Für den Präses ist „Erinnern ist eine Haltung“. Schließlich stellte er unmissverständlich fest: „Wer Juden angreift, greift uns an. Antisemitismus ist Gotteslästerung.“

 

„Einzusetzen für Zivilcourage, Toleranz und Akzeptanz“


Grüße der Oberbürgermeisterin Henriette Reker und des Rates überbrachte Bürgermeister Andreas Wolter (Grüne). Auch er zeigte sich froh über die Anwesenheit zahlreicher Schülerinnen. „Das stetige Erinnern ist unser Schutzschild davor, dass sich ähnliches wiederholt“, begründete Wolter. Für uns sei ein selbstbestimmtes Leben eine Selbstverständlichkeit. Aber wir sollten das nicht als normal ansehen. Damals habe der mörderische Rassenwahn der Nazis vor niemandem Halt gemacht. Heute wollten rechtsextremistische Kräfte missliebige Bürgerinnen vertreiben. Unsere Grundlagen seien die von uns geteilten demokratischen Werte, bekräftigte Wolter. „Jeder Mensch hat das Recht, würdevoll behandelt zu werden“, ermutigte er alle, sich „einzusetzen für Zivilcourage, Toleranz und Akzeptanz“ .

Es sei nicht selbstverständlich, dass die Schülerinnen am Tag der Zeugnisausgabe und nun in ihrer Freizeit diesem Gedenken bewohnten, schickte Christina Zimmermann vom Katholischen Schulreferat Köln ihren Dank für deren biografischen Beiträge voraus. Mittels einer vorgetragenen Fabel zeigte die Schulreferentin auf, dass „jede und jeder Einzelne zählt“. Dass es auf jede Stimme ankomme im Engagement gegen Rassismus und Antisemitismus.

 

„Es war ein Gang in Richtung Nichtexistenz“

 

Schülerinnen der Ursulinenschule riefen Erinnerungen von überlebenden Jawne-Schülerinnen wach. „ Vergessen kann man´s nicht und verstehen kann man´s auch nicht“, habe einst Kurt Marx festgestellt. Siggy Reichenstein habe die Entwicklung von der Diskriminierung über die Entrechtung bis hin zur Verfolgung und Ermordung der Juden beschrieben als „eine Schraube, die sich immer mehr zudrehte“. Die Jugendlichen berichteten von Henny Franks sowie Lore Robinson, die „uns deshalb beeindruckt, weil sie so optimistisch war“. Und sie stellten fest, dass „die geretteten Kinder sehr selbständig gewesen sein müssen“ – neun von zehn nach England geretteten Heranwachsenden hätten ihre Eltern nie wiedergesehen.

Schüler des Berufskollegs Werner-von-Siemens-Schule behandelten in ihrer Präsentation, wie damals betroffene Schülerinnen die Judenfeindlichkeit erlebt haben – und wie diese sich heute äußert. Zunächst blickten die Referierenden auf die früh gesetzlich verordneten umfassenden Einschränkungen für Juden. Darunter auch die Verbote, keine Haustiere mehr halten zu dürfen oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Vorgetragen wurden Betrachtungen von Ruth Rebecca Fischer-Beglückter, die 1939 mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern nach Chile flüchten konnte. Einen weiteren Jawne-Schüler zitierten die Berufsschüler mit den Worten: „So wenig auffallen wie möglich, so wenig in Erscheinung treten wie möglich. Es war wirklich ein Gang in Richtung Nichtexistenz.“

Für Erschrecken sorgte zudem der Hinweis auf eine jüdische Schülerin, deren Lehrer hinter ihrem Rücken den Hitlergruß gezeigt hat. Was sich zunächst wie ein Vorfall aus ferner Vergangenheit anhörte, entpuppte sich bald als Tabubruch aus dem Jahr 2019. „Das war kein Einzelfall. Antisemitismus gibt es auch heute noch“, betonte der Berufsschüler, um schließlich auszurufen: „ Antisemitismus gehört nicht in unsere Gesellschaft.“ Der auch im Arbeitskreis „Lern- und Gedenkort Jawne“ mitwirkende evangelische Schulreferent Dr. Rainer Lemaire zeigte sich „stolz auf das“, was die Berufsschüler in der kurzen Zeit ihres Workshops geleistet hätten.

 

„Die dämonischen, monströsen Kräfte zurückdrängen“

 

Yechiel Brukner, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Köln, betonte zu Beginn seines sehr persönlichen Grußwortes seine Wertschätzung für die Schülerinnen und Schüler. Er erinnerte an seinen Vater, der Auschwitz überlebt und zeitlebens die in den Unterarm tätowierte Nummer getragen hat. Brukner dankte den vielen Soldaten auf der Welt, die damals für die Freiheit gekämpft und das Überleben von Gefangenen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern ermöglicht hätten. Zahlreiche Soldaten hätten ihr Leben riskiert und geopfert, „damit dieses unfassbare Gespenst, diese Naziherrschaft, besiegt werden kann“. Und um die Welt von diesem Bösen und Fürchterlichen zu befreien. Wir seien diesen Menschen, die ihr Leben gegeben hätten, damit die Menschlichkeit wieder Oberhand gewinnen könne, zu großem Dank verpflichtet, sagte Brukner.

Er deutete an, dass wir uns heute in einem ähnlichen Kampf befänden. „Nur paradoxerweise“ seien es seine Söhne, seine Nachbarn, die jetzt in Israel kämpften, um leidende Geiseln zu befreien. Die kämpften, „um diese dämonischen, monströsen Kräfte, die sich am 7. Oktober wie plötzlich ausgelassen haben, zurückzudrängen. Damit wir, bei uns zu Hause, leben können in Freiheit.“

 

Pro-palästinensischer und judenfeindlicher Slogan lässt keinen Zweifel

 

Brukner ging ein auf den Slogan „From the river to the sea, (Palestine will be free)“. Dieser werde auch hierzulande auf pro-palästinensischen sowie israel- und judenfeindlichen Demonstrationen geschrien. „Ich bin ganz sicher, dass ihr davon gehört habt“, erläuterte Brukner diese Schmähung. Mit dem River sei der Jordan gemeint, mit der Sea das Mittelmeer. „Wenn das jemand sagt, dann sagt er mit anderen Worten, der jüdische Staat, der Staat Israel, der für die Juden da ist, muss ausgelöscht werden. Das ist klares Deutsch.“ Wer heute so etwas sage, schicke quasi die Juden zurück nach Auschwitz.

„Schade, dass Hitler dich nicht auch vergast hat“, habe ihm vor vierzig Jahren jemand auf der Straße in der Schweiz zugerufen. Damals dachte Brukner, „wer so etwas sagt, ist nostalgisch“. Aber inzwischen gebe es viele, „die auf der Straße ´From the river to the sea´ schreien“. Das bedeutet für den Rabbiner: „Geh´ zurück nach Auschwitz.“ Er bat die Schülerinnen, das den Menschen „bei euch in der Schule, im Dorf, im Stadtviertel, wo immer ihr auch einen Einfluss habt“, ins Bewusstsein zu bringen. Die Tatsache, „dass ihr da seid, heißt, dass ihr euch für den geschichtlichen Kontext interessiert. Das zeigt auch, dass ihr Zivilcourage habt“, so Brukner. „Dafür schätze ich euch sehr. Ich wünsche uns allen eine bessere Welt.“

 

Psalm und Gebet zum Abschluss

 

Nach Brukner sprach und sang Mordechay Tauber die Gebete von Psalm 110 und „El Male Rachamin“ („ Gott voller Erbarmen“). Den Vortrag des Kantors der Synagogen-Gemeinde Köln leitete Gebhardt bei nun blauem Himmel mit dem Hinweis ein, dass Psalmen in Köln weitaus früher in Hebräisch als in Hochdeutsch und Kölsch gesungen worden seien. Den Schülerinnen gab die Pfarrerin mit auf den Weg, dass diese für sie „mindestens so große Helden“ seien wie die Akteure der Deutschen Handball-Nationalmannschaft, die im Hotel gegenüber des Klibansky-Platzes residierten.

Schließlich betete Thomas Gruner, Referent des gesundheitlich verhinderten Stadtdechanten Monsignore Robert Kleine als dessen Vertretung, zu Gott: „Gib, dass alle die Verantwortung haben, erfüllt werden mit Weisheit und Kraft, damit sie ihre Aufgabe vollbringen zum Leben und nicht zum Verderben der Welt.“ Stellvertretend empfahl Gruner dem Allmächtigen „die Menschen in Rechtlosigkeit und unter Unrechtsregimen, die Erniedrigten, Verhafteten, Deportierten und Ermordeten der Nazi-Diktatur mit ihrer perversen Tötungsmaschinerie“. Ebenso die Gequälten und zu Unrecht Verhafteten, die Gefolterten, die Heimatlosen auf der Flucht und in Lagern und die Hungernden. Gruner schloss in das Gedenken auch die Opfer des Massakers durch die Hamas ein.

 

Autor: Engelbert Broich

 

www.kirche-koeln.de

 

Totengedenken an die Opfer des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 im DOMFORUM

30. Januar 2024; ksd

 

Köln. Mit einer Lesung der Namen all derer, die am 7. Oktober 2023 durch den Terror der Hamas ermordet wurden, wollen kirchliche Kooperationspartner ihrer Trauer um die Opfer und ihrem Mitgefühl für den Schmerz der Hinterbliebenen Ausdruck verleihen. Vier Monate nach dem Angriff der Hamas, der rund 1200 Menschen in Israel das Leben kostete, werden am Mittwoch, 7. Februar, im DOMFORUM die Namen der Opfer vorgetragen. Beginn ist um 18 Uhr.

Die Veranstalter schreiben: „Unsere Solidarität mit den Trauernden übersieht nicht, welches Leid und Elend durch die Hamas über die palästinensische Bevölkerung gefallen ist. In unser Gedenken mischt sich das Erschrecken über den weltweiten „Tsunami des Antisemitismus“, wie dies die Historikerin und Holocaust-Forscherin Deborah E. Lipstadt ausgedrückt hat. Dem Antisemitismus in jeglicher Form gilt es sich zu erwehren.“

 

Eine Kooperation von:

Katholisches Bildungswerk Köln

Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

Synagogen-Gemeinde Köln

Jüdische Liberale Gemeinde Köln Gescher LaMassoret

Katholisches Stadtdekanat Köln

Karl Rahner Akademie

Melanchthon-Akademie

Evangelische Kirchengemeinde Köln Kartäuserkirche

 

Im Rahmen dieser Veranstaltung wird um Spenden gebeten für die Überlebenden und den Wiederaufbau des Kibbuz Be‘eri:

Spendenkonto: Jüdisch Liberale Gemeinde Köln Gescher LaMassoret

Verwendungszweck: „Hilfe für Be‘eri 07.10.23

IBAN: DE86370605900000435894

BIC: GENODED1SPK

 

Den Infoflyer können Sie hier herunterladen.

  

Telefonseelsorge-Leiterin Annelie Bracke bei „frank & frei“: „Wozu noch Theologie? Von Relevanz und Risiken einer Wissenschaft“

30. Januar 2024; ksd

 

Köln (kra). Der Begriff „Lebenswissenschaften“ umfasst eine ganze Reihe von Forschungszweigen. Die Theologie gehört nicht dazu. Dabei hat doch gerade jene Disziplin, die sich per Definition mit dem lebendigen Gott befasst, auch mit seiner Schöpfung zu tun. Aber wo wird das für die Menschen, gläubige und nicht gläubige, erfahrbar? Woran lässt sich erkennen, dass Theologie relevant ist für das eigene Leben? Und welche guten Gründe gibt es für Theologie an staatlich finanzierten Universitäten?

In seinem Talkformat „frank & frei“ möchte Joachim Frank, Chefkorrespondent des Kölner Stadt-Anzeigers und selbst Theologe, herausfinden, ob und wie Theologie heute möglich und lebensdienlich ist. Dazu bringt er Menschen aus der theologischen Wissenschaft und aus der seelsorglichen Praxis miteinander ins Gespräch.

 

Teil 1, Donnerstag, 1. Februar, 19 Uhr

Leben zwischen Gelingen, Brüchen und Neuanfängen

Annelie Bracke, Diplom-Psychologin und Theologin, Leiterin der Katholischen Telefonseelsorge Köln

Professor Dr. Dr. Jochen Sautermeister, Professor für Moraltheologie, Universität Bonn

 

Teil 2, Dienstag, 26. März, 19 Uhr

Gotteswort weiblich und die Gleichberechtigung der Geschlechter

Professorin Dr. Julia Knop, Professorin für Dogmatik, Universität Erfurt

Dr. Annette Jantzen, Pastoralreferentin, Bistum Aachen

 

Teil 3, Mittwoch, 22. Mai, 19 Uhr

Dogmatik in der Morgenandacht

Professor Dr. Michael Seewald, Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte, Universität Münster

Peter Otten, Pastoralreferent, Erzbistum Köln

Ein Anlass für die Reihe ist eine durch Víctor Manuel Fernández ausgelöste Diskussion. Der neue Präfekt des römischen Dikasteriums für den Glauben (früher „Glaubenskongregation“) hat kurz nach seinem Amtsantritt einen Relevanzverlust namentlich der deutschen Theologie behauptet. Es gebe hierzulande „keine Theologen auf dem Niveau derjenigen, die in der Vergangenheit so bedeutend waren“ . 

 

Informaton und Anmeldung: www.karl-rahner-akademie.de

 

Bonns Stadtdechant und Münsterpfarrer Dr. Wolfgang Picken verstorben / Stadtdechant Kleine würdigt seinen Mit- und Amtsbruder

27. Januar 2024; ksd

 

Bonn. Der Bonner Stadtdechant und Münsterpfarrer Dr. Wolfgang Picken ist tot. Am Samstag, 27. Januar, gaben das Stadtdekanat Bonn und die Münsterpfarrei bekannt, dass Picken nach einer kurzen, hochaggressiven onkologischen Erkrankung verstorben ist. Er wäre am morgigen Sonntag 57 Jahre alt geworden.

 

In einer ersten Mitteilung schreibt das Stadtdekanat Bonn:

 

„Erfüllt von unfassbarem Schmerz und großer Trauer müssen die Münsterpfarrei St. Martin und das Katholische Stadtdekanat Bonn bekannt geben, dass Münsterpfarrer und Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken am heutigen Samstag nach einer kurzen, aber hochaggressiven onkologischen Erkrankung verstorben ist. Im Gebet und in Gedanken sind wir bei seiner Familie und bei den vielen Menschen, die sein so plötzlicher Tod sprachlos zurücklässt. Wir beten für den Verstorbenen heute Abend um 17.30 Uhr in der Münsterbasilika. Gelegenheit zur persönlichen Verabschiedung am Sarg wird ab dem morgigen Sonntag, 28. Januar, in der Krypta der Basilika sein.“

 

Kölns Stadtdechant Msgr. Robert Kleine schreibt in einem Statement:

 

„Mit großer Bestürzung habe ich die Nachricht vom Tod des Bonner Stadtdechanten Dr. Wolfgang Picken aufgenommen.

Wir studierten seit 1986 im selben Semester Theologie in Bonn und wurden zusammen vor 30 Jahren im Kölner Dom zum Priester geweiht. 2019 wurde Wolfgang Picken von Kardinal Woelki als Stadtdechant und Münsterpfarrer in Bonn eingeführt. Seither haben wir als Dechanten in vielen Gremien, Konferenzen und Arbeitsgruppen konstruktiv und vertrauensvoll zusammengearbeitet.

Am 18. Juni letzten Jahres konnten wir beide das 30-jährige Priesterjubiläum feiern. In einem Interview mit DOMRADIO.DE sagte Wolfgang Picken damals auf die Frage, ob er sich rückblickend wieder zum Priester weihen lassen wurde:

 

,Ich habe während dieser ganzen Zeit diese Entscheidung nie bereut und ich würde sie sofort wiederholen, weil ich es einfach als einen der schönsten Berufe, eine der schönsten Berufungen ansehe. Sie gibt uns die Möglichkeit, nahe an der Situation der Menschen zu sein. Sie macht es zu der eigenen Aufgabe, von dem Zeugnis zu geben, wovon man innerlich überzeugt und auch selbst getragen ist.

Ich sage gerne: Wir haben die große Freude, als Priester Spurenleser Gottes zu sein. Man sieht immer wieder in seiner Nähe und Umgebung – dadurch, dass wir als Seelsorger und Priester mit den Menschen auf dem Weg sind – dass dieser Satz „Ich bin bei euch alle Tage eures Lebens‘ nicht nur religiöse Vertröstung oder irgendeine fromme Sülze ist. Sondern das realisiert und konkretisiert sich hundertfach im Leben eines Priesters, wenn wir mit wachen Augen unseren Dienst versehen. Das ist eigentlich das größte Geschenk und die schönste Bestätigung. Und weil es so ist, würde ich an keiner anderen Stelle stehen wollen.‘


Jetzt hat sich der irdische Lebensweg von Wolfgang Picken – in unseren Augen viel zu früh – vollendet.

Meine Gedanken sind bei seiner Familie, den Menschen in der Münsterpfarre und im Bonner Stadtdekanat.

Unser Herr, der Wolfgang Picken vor 30 Jahren in seinen Dienst genommen hat, schenke ihm die ewige Ruhe.“

 

Weitere Informationen und ein ausführlicher Nachruf des Stadtdekanats Bonn werden folgen unter www.kath-bonn.de

 

DOMRADIO.DE würdigt den verstorbenen Geistlichen in einem ausführlichen Beitrag.

 

(UPDATE: 27. Januar 2024): In einem Interview mit DOMRADIO.DE am Tag nach dem Tod seines Mitbruders würdigt Kölns Stadtdechant Msgr. Robert Kleine seinen Amtskollegen, Bonns Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken, als einen Mann der „ klaren und deutlichen Worte“. Pickens Beiträge in Gremien und Diskussionen seien immer von Substanz gewesen. In seiner Kritik, auch an der Krise im Erzbistum Köln, sei es Stadtdechant Dr. Picken stets darum gegangen, dass die katholische Kirche glaubwürdig sei beziehungsweise wieder glaubwürtdig werde, erläuterte Kleine.

Pickens Kritik sei „nicht persönlich“ gewesen, betonte der Kölner Stadtdechant und führte aus, „ dass es nicht gegen Personen ging, sondern dass es auch ein Hören auf die Menschen war, denen er in Bonn begegnet ist“. Er habe Picken als jemanden erlebt, der – wie es die Aufgabe der Stadtdechanten ist – die „Anliegen, Sorgen oder auch den Ärger oder die Veränderungswünsche der Menschen ins Wort zu bringen“ versuchte. Darin habe er den Bonner Stadtdechanten auch an seiner Seite erlebt, so Kleine.

In der Reihe der Bonner Stadtdechanten werde Wolfgang Picken eine Größe bleiben, „an die man denkt“. Der Weihejahrgang sei bereits früher auch von Pickens bürgerschaftlichen Engagement und der Gründung der Bürgerstiftung Rheinviertel in Bad Godesberg beeindruckt gewesen, erzählte Msgr. Kleine. „Das war etwas, wo wir gesagt haben: „Chapeau, aus einem bürgerschaftlichen Engagement eine solche Stiftung zu gründen, das ist schon etwas, was über Bad Godesberg ausstrahlt.“

Über das Pastorale vor Ort könne er von außen zwar weniger sage, „aber ich glaube, dass er auch ein guter Seelsorger und Priester war“, sagte Kleine. „Er hat letzten Juni zu seinem 30. Weihetag im DOMRADIO gesagt, dass er gerne Priester ist, dass er immer wieder Priester werden würde und dass es eine große Freude für ihn ist, für die Menschen diese frohe Botschaft zu verkünden. Er wollte ein Spurensucher für Gott im Leben der Kirche und im Leben der Menschen sein. Ich glaube, dass er so gewirkt hat und ich hoffe, dass das auch bleibt. Ich hätte ihm natürlich noch gewünscht, dass er diesen Weg in der Kirche und mit seinen Gemeinden – mit den Menschen, die ihm anvertraut waren und für die er da war, für die er den Dienst gemacht hat – noch länger hätte gehen können.“

 

Das gesamte Interview lesen Sie hier.

 

Seit heute können die Menschen in der Krypta des Bonner Münsters am geschlossenen Sarg Abschied nehmen von Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken. Die Totenvesper wird an Mariä Lichtmess, Freitag, 2. Februar, um 18 Uhr gefeirt. Das Requiem und die anschließende Beisetzung finden am Samstag, 3. Februar, um 10 Uhr statt.

 

Der Bonner Stadtdechant hat ein Geistliches Testament und Abschiedswort hinterlassen. Sie können es hier auf DOMRADIO.DE nachlesen.

  

Gedenken an Edith Stein und die Opfer der Nazis: „Allen Formen von Antisemitismus und Ausgrenzung Einhalt gebieten“

26. Januar 2024; ksd

 

Köln. Am 27. Januar gedenkt die Welt der Opfer des Nationalsozialismus. Vor fast 80 Jahren wurde an jenem Tag 1945 das Nazi-Vernichtungslager Auschwitz, in dem bis zu 1,5 Millionen Menschen getötet wurden, befreit. Am Vortag des Holocaust-Gedenktages gedachte das Stadtdekanat Köln der in Auschwitz ermordeten Philosophin und Frauenrechtlerin Edith Stein, stellvertretend für alle Opfer der Nationalsozialisten. Thomas Gruner, neuer Referent von Stadtdechant Msgr. Robert Kleine und Mitglied im Vorstand der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, legte Blumen am Edith-Stein-Denkmal nieder, das sich am Börsenplatz befindet.

Thomas Gruners Botschaft zu diesem Tag: „Damit Menschen sich gegenseitig verstehen, braucht es Begegnung und einen lebendigen Austausch. Dafür können Brücken eine Metapher sein. Denn Brücken dienen dazu, entfernte Bereiche zu verbinden. Sie sind von beiden Seiten begehbar und halten die Verbindung aufrecht. Edith Stein war eine Brückenbauerin, die sich für die Verständigung zwischen Jüdinnen und Christinnen, Juden und Christen starkgemacht hat. Und auch heute ist es wichtig, dass diese Brücken aufrechterhalten werden und allen Formen von Antisemitismus und Ausgrenzung Einhalt geboten wird.“

 

„Demokratie fördern“: DOMFORUM begleitet Jahresthema „Demokratie“ mit Veranstaltungsreihe

26. Januar 2024; ksd

 

Köln. „Es ist an der Zeit, dass deutlich Position für die Demokratie und gegen den (Rechts-)Populismus und Extremismus in unserem Land bezogen wird“, sagt Rainer Tüschenbönner, Leiter des Katholischen Bildungswerks Köln und des DOMFORUMs. „Das wollen wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten tun!“ So hat Tüschenbönner gemeinsam mit seinem Team und unterstützt vom Stiftungszentrum des Erzbistums Köln eine Veranstaltungsreihe mit vielfältigem Programm konzipiert, Dazu gehören Vorträge, Diskussionsrunden, ein Radioprojekt mit Schülerinnen der Ursulinenschule Köln, Workshops, Methoden-Trainings und vieles mehr.

Zum Auftakt sprach Professor Dr. Thomas Biebricher von der Goethe-Universität in Frankfurt/Main über die internationale Krise des Konservatismus. Am Donnerstag, 26. Februar, geht es weiter mit dem Film „Rise Up“. Um 19 Uhr wird er im Pfarrzentrum Zum Hl. Geist in Köln-Zollstock gezeigt (Zollstockgürtel 33).

Um die gesellschaftlichen Voraussetzungen für den Aufstieg der AfD geht es dann am Dienstag, 12. März, bei einem Vortrag im DOMFORUM mit Professor Dr. Wilhelm Heitmeyer vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Uni Bielefeld. Beginn ist um 19.30 Uhr. Zu den weiteren Vortragenden gehören Professorin Dr. Marianne Heimbach-Steins, Uni Münster, Professor Dr. Frank Decker, Uni Bonn, und Professor Dr. Christoph Butterwegge, Uni Köln.

 

Zu den Kooperationspartnern der Veranstaltungsreihe gehören unter anderem der Katholikenausschuss in der Stadt Köln und die Caritas Köln.

 

Das gesamte Programm können Sie hier herunterladen.

 

www.domforum.de

   

„Demokratie schützen, AfD bekämpfen“ – Katholisches Stadtdekanat Köln unterstützt Kundgebung gegen rechts

18. Januar 2024; ksd

 

UPDATE: Mehr als 70.000 Menschen protestierten am dritten Januarsonntag in Köln gegen die AfD und rechte Kräfte in der Gesellschaft. Auch die Kirchen waren mit dabei, darunter das Stadtdekanat und der Katholikenausschuss. Kölns Stadtdechant Msgr. Robert Kleine schrieb im Anschluss auf seiner Facebook-Seite: „Jesus Christus fordert uns auf, für die Würde aller Menschen ein- und aufzustehen. Unsere freiheitliche Demokratie und unser Grundgesetz sind Garant für die Einhaltung der Menschenrechte in unserem Land. Deshalb gilt es in diesen Zeiten, sich eindeutig für sie einzusetzen!“ Er zeigte sich bewegt „von der großen, friedlichen und bunten Demonstration in Köln“.

 

Köln. Kölns Stadtdechant Msgr. Robert Kleine und das Katholische Stadtdekanat Köln unterstützen den Aufruf von „Köln stellt sich quer“ (KSSQ) zur Kundgebung am Sonntag, 21. Januar, und die Anliegen des breit aufgestellten Bündnisses von Unterstützer-Organisationen. Unter dem Aufruf „Demokratie schützen, AfD bekämpfen“ lädt das Bündnis zu einer Kundgebung ein, die auch von zahlreichen Kölner Bands der Initiative „Arsch Huh“ begleitet wird. Veranstaltungsort ist die Deutzer Werft. Aktuelle Infos lesen Sie bei KSSQ auf dem Facebook-Kanal. Dort findet sich auch die fortlaufend aktualisierte Liste von Unterstützer-Organisationen.

 

Stadtdechant Kleine: „Für unsere Werte auf die Straße gehen“

 

„Köln stellt sich quer“ nimmt die Recherchen des Recherche-Zentrums „Correctiv“ zu einem sogenannten Geheimtreffen von AfD-Politikern und Werteunion-Mitgliedern mit der Identitären Bewegung zum Anlass für die Kundgebung. Stadtdechant Msgr. Robert Kleine nimmt dazu in einem Beitrag in den Sozialen Medien Stellung:

„Das bekannt gewordenen Treffen von AfD-Politikern mit offen rechtsextremistischen Personen verdeutlicht noch einmal mit aller Klarheit, wes Geistes Kind diese Partei ist – und das eben nicht nur an ihren Rändern, sondern in ihrem Kern: Fremdenfeindlich, antidemokratisch, antieuropäisch und verfassungsfeindlich. Deshalb ist es gut und wichtig, dass in vielen Städten Menschen gegen die AfD und für unsere freiheitliche Demokratie auf die Straße gehen! Herzliche Einladung (nach der großen Demonstration am Dienstagabend auf dem Kölner Heumarkt - sic.) auch am kommenden Sonntag für unsere Werte in Köln mit ,Köln stellt sich quer' auf die Straße zu gehen!“

Zu den Unterstützern zählen auch der Evangelische Kirchenverband Köln und Region sowie katholische Institutionen wie der Katholikenausschuss in der Stadt Köln, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Köln, die Initiative „FluMi in HöVi“ (Flucht und Migration in der katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth und St. Theodor, Höhenberg und Vingst) und die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Auch die Synagogen-Gemeinde Köln gehört zu den Unterstützern.

 

Verein IN VIA: „Höchste Zeit zu handeln“

 

Auch IN VIA, Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit Köln, unterstützt den Aufruf. Vorständin Andrea Redding betont in einem Statement die Notwendigkeit des Engagements gegen rechtsextreme Ideologien und die Gefahr, die von der AFD ausgeht: „Die Recherche-Ergebnisse zu den menschenverachteten Deportationsfantasien der neuen Rechten haben uns erschüttert und sind in keiner Weise mit unseren christlichen Werten vereinbar. Vielmehr schüren sie Hass und Angst und vergiften unser gesellschaftliches Klima. Es ist höchste Zeit zu handeln, für unsere demokratischen Überzeugungen einzutreten und gegen jegliche Form von Extremismus vorzugehen. Unser Herz schlägt für eine inklusive, bunte und vielfältige Gesellschaft. Dafür setzen wir uns tagtäglich in unseren Angeboten, Einrichtungen und Projekten ein. Wir werden am 21. Januar Gesicht und Flagge zeigen, um unsere christlichen Werte zu verteidigen.“

  

Der Aufruf zur Kundgebung von „Köln stellt sich quer“ im Wortlaut:


Mit großer Besorgnis haben wir die Recherchen von „Correctiv“ zum Treffen von AfD-Politikern und Mitgliedern der Werteunion mit der Identitären Bewegung zur Kenntnis genommen.

Wir danken Correctiv und den Medien für die Berichterstattung zum „Geheimplan gegen Deutschland“ , einem Masterplan zur „Remigration“, der die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland beinhaltet – ein Plan, um die Artikel 3, 16 und Artikel 21 des Grundgesetzes zu unterlaufen. Asylbewerber:innen, Ausländer:innen mit Bleiberecht und „nicht assimilierte deutsche Staatsbürger“, aber auch Menschen mit deutschem Pass, die eine Migrationsgeschichte haben, sollen mit „maßgeschneiderten Gesetzen“ aus Deutschland ausgewiesen werden. Dazu wird ein „afrikanischer Musterstaat“ für bis zu zwei Millionen Vertriebene anvisiert. Dieser Vorschlag erinnert fatal an eine Idee der Nationalsozialisten von 1940, alle europäischen Jüdinnen und Juden auf die Insel Madagaskar umzusiedeln.

Die Recherchen von „Correctiv“ haben einmal mehr offengelegt, wie weit wichtige Mitglieder und Funktionäre der AfD offen für rechtsextremistische, verfassungswidrige Ideen und Pläne sind.

Sie haben offengelegt, wie systematisch Finanziers für solche verfassungswidrige Ideen angeworben werden. Und sie haben gefährliche Netzwerke gleichermaßen zu Mitgliedern und Funktionären der Werteunion offengelegt, die gleichzeitig Mitglieder der CDU sind. Alles das erinnert fatal an die schlimmsten rassistischen Traditionen des deutschen Faschismus von Ausgrenzung und Diskriminierung.

Es ist höchste Zeit zu handeln!

Wir warnen alle demokratischen Parteien vor einem Wettbewerb um eine möglichst repressive Flüchtlingspolitik. Dabei gewinnt nur die AfD.

Wir fordern angesichts der bevorstehenden Europawahl und der Landtagswahlen in diesem Jahr, dass die Brandmauern der demokratischen Parteien gegen die AfD erhöht werden.

Für die großen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen bietet die AfD keine Lösungen. Im Gegenteil: Sie leugnet den menschengemachten Klimawandel, ist für Sozialabbau und gegen Mindestlöhne sowie gegen Steuererhöhungen für Wohlhabende und will die EU abschaffen.

Es ist höchste Zeit, das Verbindende der Demokratischen Kräfte in den Vordergrund zu stellen im Einsatz für ein demokratisches, soziales Europa ohne Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus.

Wer die AfD unterstützt und wählt, gibt Personen ein Mandat, die menschenverachtende Verfassungsfeinde sind, die die Demokratie missbrauchen, um sie abzuschaffen, und die selbst vor Deportationen nicht zurückschrecken.

KSSQ setzt sich ein für ein breites Kölner Bündnis für den Schutz der Demokratie und zur Bekämpfung aller Rechtsextremisten und der AfD als ihrem parlamentarischen Arm.

Wir rufen zur Kundgebung „Demokratie schützen, AfD bekämpfen“ am Sonntag, den 21. Januar 2024, um 12 Uhr.

Der Sprecher:innenkreis von „Köln stellt sich quer“.

 

Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von Organisationen, die sich gegen jede Form kultureller und religiöser Ausgrenzung einsetzen.

 

Zu den Kölner Bands, die auch die Intiative Arsch huh unterstützen, und bei der Kundgebung auftreten wollen, gehören unter anderem:

BRINGS

BLÄCK FÖÖSS

CAT BALLOU

EKO FRESH

HÖHNER

JÜRGEN BECKER

KASALLA

PAVEIER

 

Holocaust-Gedenktag am 27. Januar: „Erinnern: Eine Brücke in die Zukunft“ – Gedenkveranstaltung in der AntoniterCityKirche

12. Januar 2024; ksd

 

Köln. Am diesjährigen Holocaust-Gedenktag, Samstag, 27. Januar, findet um 18 Uhr eine von einem breiten Bündnis getragene Gedenkstunde in der AntoniterCityKirche (Schildergasse) statt. Zu den Unterstützer-Organisationen gehört auch das Katholische Stadtdekanat Köln. Sprecherinnen und Sprecher der Gedenkstunde sind:

Renate Fuhrmann
Klaus Nierhoff
Mascha Schwarzberger
Klaus Jünschke, Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung

 

Das Plakat können Sie hier herunterladen.

 

„Gottes Treue trägt“: Neujahrsgottesdienst der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Köln

12. Januar 2024; ksd

 

Köln. Der traditionelle Neujahrsgottesdienst der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Köln findet am Sonntag, 28. Januar, in der AntoniterCityKirche statt (Schildergasse). Beginn ist um 10 Uhr.

Der Gottesdienst steht in diesem Jahr unter dem Leitwort „Gottes Treue trägt“ und lenkt vor dem Hintergrund des Terrors der Hamas den Blick auf die Treue Gottes mit dem Volk Israel. Prediger ist in diesem Jahr Pfarrer i.R. Dr. Rainer Stuhlmann, ehemals unter anderem Superintendent und Mitglied der Kirchenleitung der Rheinischen Kirche, Studienleiter im internationalen ökumenischen Dorf Nes Ammim im Norden Israels sowie in den Jahren 2019 und 2020 kommissarischer evangelischer Propst zu Jerusalem.

 

Den Flyer können Sie hier herunterladen.

Das Plakat können Sie hier herunterladen.

 

Dreikönigsempfang 2024: Stadtdechant und Katholikenausschuss rufen zu Engagement in Kirche und Stadtgesellschaft auf

11. Januar 2024; ksd

 

Köln. Zu Kölsch und Reibekuchen trafen sich wieder Vertreter der Kölner Stadtgesellschaft, um auf Einladung des Katholikenausschusses und des Kathollischen Stadtdekanats in der Stadt Köln im Maternushaus am Dreikönigsempfang teilzunehmen. Doch bevor es zu den leiblichen Genüssen überging, trat unter anderem Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) ans Mikrofon und überbrachte die Grüße der Stadt.

Davor hatte Stadtdechant Msgr. Robert Kleine die Gäste willkommen geheißen und gab in seiner Ansprache einen Überblick unter anderem über die kirchliche Situation. „Es muss wieder deutlich werden, dass wir uns als Kirche berühren und verändern lassen durch die Begegnungen mit den anderen, dass wir lernbereit sind“, formulierte der Stadtdechant. Im Hinblick auf die Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, die der Papst in einem bestimmten Rahmen für möglich erklärt hatte, sagte Kleine dass „die offizielle Erlaubnis einer eng gefassten Segnung für mich ein guter und wichtiger Schritt ist. Aber eben auch nur ein erster Schritt“.

Er erinnerte in seiner Ansprache daran, dass bis 2030 im Stadtdekanat nur noch zehn pastorale Einheiten vorgesehen sind. Kleine betonte, dass in den pastoralen Einheiten mit den unterschiedlichen Gemeinden und Gruppen auf niemanden verzichtet werden könne. „Es müssen alle eingeladen werden, die Kirche vor Ort zu gestalten. Wir müssen alles dafür tun, um die Charismen in ihrer Vielfalt zu fördern.“

Bezugnehmend auf die Weltlage, etwa der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, forderte Msgr. Kleine die Zuhörer und die gesamte Stadtgesellschaft auf, weiterhin in Köln Geflüchtete willkommen zu heißen, ihnen die Möglichkeit zu geben, die deutsche Sprache zu erlernen und so den Arbeitsmarkt für sie zu öffnen. Auch das Thema Intoleranz, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit hob Kleine hervor und erinnerte an den Schweigegang des Katholikenausschusses, des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region sowie des Stadtdekanats, der am Vorabend des 85. Jahrestages der Reichspogromnacht mit 3000 Menschen – darunter NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und weitere Regierungsmitglieder – stattfand.

Große Herausforderungen stehen nach Ansicht Kleines in diesem Jahr in der Stadt ins Haus; er nannte unter anderem den Mangel an Wohnraum, die gestiegenen Energiekosten, wachsende Inflation, Kürzungen von Zuschüssen im Jugend- und Sozialbereich.

 

Drei Projekte stimmen zuversichtlich

 

Auch Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholikenausschusses knüpfte in seiner Rede an den Schweigegang vom 8. November an und versprach: „dass wir Katholiken unserer Brüder und Schwestern jüdischen Glaubens nicht allein lassen.“ Weiter führte Stiels aus, dass er in der Krise von kommunalen Haushalten eine Gefährdung des sozialen Friedens in Köln sieht. Durch größer werdende Finazierungslücken würden jetzt schon soziale Strukturen abgebaut. „Zur Wahrung des sozialen Friedens müssen die Angebote der freien Träger, die sie im Auftrag der Stadt erbringen, gesichert werden“.

Im Hinblick auf die gehäuften Kirchenaustritte (über 500.000 Austritte in der deutschen katholischen Kirche im Jahre 2022) rechnet er damit, dass „wir uns sehr intensiv mit der Schließung von Kirchen und Pfarrheimen beschäftigen müssen“. Trotzdem sieht Stiels erfreut auf die vielen Menschen, die sich in ihren Pfarrgemeinden durch ihren Glauben für andere engagieren.

Drei konkrete Projekte nannte Stiels, die ihn zuversichtlich stimmen. Da ist das Dreikönigsstipendium des Katholikenausschusses, der Katholischen Jugendwerke und des Bundes der Deutschen Katholischer Jugend, das zum 3. Mal verliehen wird. Gefördert werden Julia Farrenkopf, Lily Juhnke und Lisanne Fleischmann für zwei Jahre finanziell, damit sie sich neben Beruf und Ausbildung in der Kirche engagieren können. Zum Zweiten gibt es im Mai eine Fahrt in der Reihe „Mut zu gestalten“ nach Dresden und Leipzig, um mit Menschen aus der Diaspora ins Gespräch zu kommen. „ Gut. Katholisch. Queer“ wird die Ausstellung der Initiative Out in Church heißen, die ab April im DOMFORUM samt Veranstaltungsreihe gezeigt wird.

 

Felicitas Rummel

 

Die Rede von Stadtdechant Msgr. Robert Kleine können Sie hier nachlesen.

Die Rede von Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholikenausschusses in der Stadt Köln, können Sie hier nachlesen.

 

„Die Botschaft von Weihnachten kann nichts verdunkeln“ – Stadt- und Domdechant Robert Kleine mit Dank und hoffnungsvoller Botschaft im Kölner Dom

24. Dezember 2023; Hildegard Mathies

 

Köln. Es ist kein normales Weihnachtsfest am Kölner Dom, seit die Polizei Köln am gestrigen Samstagabend die Meldung über einen akuten Gefahrenhinweis zu einer potenziellen terroristischen Bedrohung veröffentlichte und seitdem die Schutzmaßnahmen am Kölner Dom erhöht wurden. Doch die Weihnachtsgottesdienste finden statt und sollen den Menschen Freude und Frieden schenken – trotz der notwendigen Präsenz der Polizei und verstärkter Kontrollen. Im ersten weihnachtlichen Gottesdienst im Kölner Dom, der Christvesper am frühen Heiligabend, die besonders für und mit Familien gefeiert wird, dankte Kölns Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine mit einem anschließenden tosenden Apllaus des vollbesetzten Domes als Erstes den Einsatzkräften der Polizei und aller weiteren Beteiligten, dafür, dass sie dafür sorgen, dass am Kölner Dom die Menschen in größtmöglicher Sicherheit Weihnachten feiern können. Anschließend gab er den Menschen eine hoffnungsvolle und zuversichtlich stimmende Botschaft mit in die kommenden Feiertage.

 

Die Predigt von Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine in Auszügen:

 

„Für alle Beamtinnen und Beamten, die heute und in den nächsten Tagen für unsere Sicherheit sorgen und die sich vielleicht den Heiligen Abend auch anders vorgestellt haben, ein herzliches Dankeschön und einen kräftigen Applaus!

Weihnachten ist das Fest des Friedens, ein Fest der Gewaltfreiheit und das ist sicherlich in diesen Zeiten besonders wichtig, daran zu denken und um den Frieden zu beten – in der Ukraine, in Israel, im Gaza-Streifen, in Syrien, im Irak, im Iran, in Afghanistan, in so vielen Ländern. Wir fühlen uns in dieser Stunde mit allen Menschen weltweit in der Bitte und im Gebet um Frieden verbunden.

,Zu Bethlehem geboren‘ erzählt von dem Ereignis, von dem wir gerade gehört haben (in der Lesung – sic.), dass Gott einer von uns geworden ist, dass Gott Mensch geworden ist, in einem Kind im Stall von Bethlehem. (...)“

 

„Jesus ist jetzt einer von uns!“

 

Stadtdechant Kleine erinnerte daran, dass heute vor 800 Jahren im umbrischen Greccio der später heiliggesprochene Franz von Assisi das erste Krippenspiel der Geschichte aufführen ließ.

„Warum ich das erzähle? (…) Weil wir im Jahre 2023, hier in unserem Kölner Dom und in unserer Stadt auch noch einmal vor Augen führen müssen, dass das damals wirklich etwas Ungeheuerliches war, dass dieser Gott einer von uns geworden ist! Wir kennen das von Kindheit an, wir feiern jedes Jahr Weihnachten – alle Jahre wieder. Aber sind wir uns wirklich bewusst, was das damals war? Diese Not der Maria – wo kann sie ihr Kind bekommen? (…)

Damals waren die Hirten quasi Ausgestoßene der Gesellschaft, vor den Toren der Stadt lebend Und zu denen kommt der Engel und verkündet die frohe Botschaft: Jesus ist jetzt einer von uns! Er ist Mensch geworden! (…)

 

„Gott hat ein Herz für jeden Menschen“

 

Hier in unserem Dom verehren wir die Heiligen Drei Könige. Immer wenn wir den Dom sehen, wenn wir den Schrein vor Augen haben, dass wir uns bewusst machen, das ist nicht eine Geschichte aus 1001 Nacht, sondern das ist geschehen damals, dass Gott einer von uns wurde. Und dass ist nicht eine fremde Geschichte, damals… „Es war einmal…“ – nein, das ist Realität, weil dieser Gott, der Mensch geworden ist, nie mehr weggegangen ist! Dass er auch heute bei uns ist, in unserer Welt! Und dieser Gott ist nahe – den Menschen im Gaza-Streifen und in Israel, den Opfern der Hamas, er ist nahe den Menschen in der Ukraine, er ist nahe in jedem Flüchtlingsboot, er ist nahe in jedem Menschen, weil er ein Herz für jeden Menschen hat! Das ist die Botschaft von Weihnachten!

Und weil das so ist, weil das so ein großes Geschenk ist, deshalb schenken wir uns auch schonmal was an Weihnachten. Das größte Geschenk ist das Kind in der Krippe. Und die Freude, die die Hirten erfüllt, und die die Heiligen Drei Könige erfüllt, die Freude sollen wir weitergeben. Und zwar nicht nur am Heiligen Abend, in der Heiligen Nacht, sondern eigentlich immer wieder. 

Wir Christen haben allen Grund zur Freude! Es gibt sicher auch in der Kirche manches, was dunkel ist, aber die Botschaft von Weihnachten kann nichts verdunkeln! Denn das ist das Licht, das in die Welt gekommen ist!

 

Das Licht der Heiligen Nacht weiterschenken


Deshalb ist es unsere Aufgabe als Menschen, besonders als Getaufte, als Christinnen und Christen, selber Licht für andere zu sein." Kleine rief die Mitfeiernden dazu auf, die kleine Kerze, die sie am Eingang erhalten hatten, mit nach Hause zu nehmen und erneut zu entzünden und sie vielleicht an jemanden weiter zu schenken: „Ich habe Licht erfahren, im Dom, in dieser Heiligen Nacht – und ich möchte auch ein Licht für Dich sein, ich möchte Dir Licht schenken“, könnte die Botschaft dieses Geschenkes sein. „Ich glaube, dann wird es in unserer so oft dunklen Welt mit all ihren Bedrohungen und Ängsten, von denen wir ja auch heute, in dieser Stunde etwas erfahren müssen, etwas heller – dass wir dann versuchen, mit vielen kleinen Lichtern unsere Welt heller zu machen. Ich kann versprechen, das wird gelingen. So wie es damals mit dem kleinen, mit dem im Nachhinein ganz großen Licht dieses ganz kleinen Kindes in Bethlehem begonnen hat."

 

Die Christvesper wurde live von DOMRADIO.DE übertragen und kann hier abgerufen werden.

 

Das Statement des Kölner Domkapitels zur aktellen Lage lesen Sie hier.

 

www.koelner-dom.de

  

Aus dem diesjährigen Weihnachtsgruß von Stadtdechant Msgr. Robert Kleine: „Werden wir zu Friedensstiftern“

 

Auch in seinem diesjährigen Weihnachtsgruß stellt Kölns Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine die Bitte um den Frieden in den Mittelpunkt und ruft dazu auf, „selbst zu Friedensstiftern zu werden“. Die Botschaft in Auszügen:

„Frieden auf Erden", lateinisch „Pacem in terris", nannte Papst Johannes XXIII. sein Schreiben, das er 1963 inmitten des Kalten Krieges, nach Mauerbau und Kubakrise veröffentlichte. Es war erstmals nicht nur an Christinnen und Christen gerichtet, sondern an alle Menschen guten Willens. Der Papst ruft darin die Menschheit über alle Religionen und über alle Nationen hinweg auf, Frieden zu schaffen. Es ist die große Vision einer Menschheitsfamilie.

Auch 60 Jahren nach Erscheinen des Textes ist es unsere dauerhafte Aufgabe, an einer Welt des Friedens mitzubauen, die auf den vier Säulen gegründet ist. auf die der inzwischen heiliggesprochene Johannes XXIII. in seiner Enzyklika hinweist: Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit.

Im Jahr 2023 schockiert uns der barbarische Terrorangriff der Hamas, fordert der barbatische russische Angriffskrieg auf die Ukraine weiterhin tagtäglich Opfer , bestürzen uns die Bilder von Leid und Tod im Gazastreifen und in Israel, in Syrien, dem Iran, Afghanistan und vielen anderen Ländern.

Auch 60 Jahre nach dem Erscheinen der Enzyklika ist es unsere dauerhafte Aufgabe als Christinnen und Christen, an einer Welt des Friedens mitzubauen, die auf den vier Säulen gegründet ist, auf die Johannes XXIII. hinweist: Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

In der Bergpredigt sagt Jesus es ganz deutlich: „Selig die, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt.” (Mt 5,9)

Lassen wir uns davon inspirieren und durch unser Tun selbst zu Friedensstiftern werden!

Nun könnten wir leicht sagen: Was kann ich schon für den großen Frieden tun? Beginnen wir einfach im Kleinen, Frieden zu halten oder zu schaffen - in der Familie, im Beruf, im Freundeskreis, in der Politik, in der Kirche, in unserer Gesellschaft.

Stehen wir außerdem da auf, wo andere Hass säen.
Erheben wir unsere Stimme, wenn Menschen ausgegrenzt werden aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihre sexuellen Orientierung oder ihrer Religion.

Erheben wir unsere Stmme, wenn in diesen Tagen Antisemitismus scheinbar wieder hoffähig wird.

Ein Freund von mir ist seit September bis vermutlich Ende Januar als Militärpfarrer im multinationalen Camp im irakischen Erbil eingesetzt. Sein Wunsch an mich für ihn und die Soldaten vor Ort: „Denk an uns, bete für uns."

So lade ich ein, gerade an den kommenden Festtagen um den Frieden zu beten, für die Menschen im Heiligen Land, der Ukraine und den anderen Kriegs- und Krisenregionen der Welt.

Und schließen wir besonders auch die Menschen ein, die in den unterschiedlichen Kriegs- und Krisenregionen als internationale Friedenstruppen auch an diesem Weihnachtsfest versuchen, Frieden zu schaffen beziehungsweise zu halten, oder als Mitarbeitende von Hilfsorganisationen versuchen, Leid und Not zu lindern.

Im Vertrauen, dass Frieden möglich ist, wo Zusammenhalt, Mitgefühl und Solidarität gelebt werden, wünsche ich Ihnen ein glaubensfrohes und hoffnungsvolles Weihnachtsfest und Gottes reichen Segen für das neue Jahr 2024! Pax, Frieden, Salam und Schalom!

   

Nach Terroralarm: Kölner Dom wieder für Tourstinnen und Touristen geöffnet

24. Dezember 2023; ksd

 

UPDATE (15. Januar 2024): Der Kölner Dom ist auch außerhalb der Liturgien wieder für Touristinnen und Touristen geöffnet. Auch die Domschatzkammer und die Turmbesteigung sind wieder besuchbar.

Für alle Besucher*innen des Domes – egal ob Sie als Gottesdienstbesucher, als Tourist oder Teil einer geführten Gruppe kommen – gilt:

Bitte stellen Sie sich beim Einlass in den Dom, in die Schatzkammer und in die Turmbesteigung auf Personenkontrollen durch das Dompersonal ein.

Nur kleinere Taschen und Rucksäcke (maximal A4-Format) dürfen in den Dom, in die Domschatzkammer und in die Turmbesteigung mitgeführt werden. Rollkoffer, Kabinentrolleys, Wanderrucksäcke und andere große Gepäckstücke sind im Dom und in seinen Sonderbereichen weder gestattet noch können sie dort verwahrt werden. (mk)

 

Köln (mk). Am Samstag vor Heiligabend teilte die Polizei Köln mit, dass es „ Gefahrenhinweise“ geben, die auf mögliche geplante terroristische Anschläge auf den Kölner Dom hindeuten. Die Polizei hat daraufhin unmittelbar reagiert und in Abstimmung mit dem Domkapitel und dem Sicherheitsbeauftragten des Kölner Doms besondere Schutzmaßnahmen ergriffen, die aktuell an der Kathedrale gelten. Die Gottesdienste an den Weihnachtstagen sollen wie geplant stattfinden, die Besucherinnen und Besucher müssen aber mit verstärkten Kontrollen und Wartezeit beim Einlass rechnen und werden gebeten, keine Taschen mitzubringen. Dompropst Msgr. Guido Assmann, der auch Generalvikar des Erzbistums Köln ist, sagt in einem Statement:

„Sehr herzlich möchte ich mich bei allen bedanken, die sich in besonderem Maße für die Sicherheit unserer Kathedrale engagieren: Der Polizei und alle anderen Sicherheitsbehörden in Köln, unserem Sicherheitskoordinator am Kölner Dom sowie allen Domschweizerinnen und Domschweizern und Aufsichtskräften am Dom. Ich habe gestern bis spät in die Nacht miterlebt, wie sie alle engagiert und mit hoher Professionalität Hand in Hand arbeiten, um den Dom zu schützen. Auch heute und in den Folgetagen zeigt die Polizei Präsenz am Dom. Alle Weihnachtsgottesdienste im Kölner Dom finden statt, aber sie werden mit Zugangskontrollen verbunden sein, die leider nötig sind. Das Domkapitel trägt diese Kontrollen und alle übrigen Maßnahmen zum Schutz des Domes voll mit, denn das Wohl der Gläubigen ist uns ein hohes Anliegen. Herzlich bitte ich alle, die in diesen Tagen zum Gottesdienst in den Dom kommen, beim Einlass um Geduld. Ich bin überzeugt, wir werden diese Herausforderung in typisch kölscher Gelassenheit und getragen von weihnachtlicher Vorfreude meistern und in gewohnter, festlicher Weise die Geburt des Herrn feiern.“ 

Stadt- und Domdechant Msgr. Robert Kleine schreibt auf Facebook: „Bald weicht die adventliche Vorfreude der weihnachtlichen Freude! Und die lassen wir uns von niemandem nehmen! Ich bin sehr froh, dass die Sicherheitsbehörden aufgrund ihrer Erkenntnisse in Köln alles tun, damit wir in unserem Dom Weihnachten wie gewohnt feiern können, und danke allen Polizistinnen und Polizisten für ihren Dienst zu unser aller Sicherheit!"

 

Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage öffnet der Dom bis auf Weiteres nur zum Gottesdienst (Stand: 27. Dezember 2023). Vor dem Petersportal können Gläubige an einem provisorisch aufgestellten Weihnachtsmarktstand eine Kerze für den Frieden entzünden. Aktuelle Informationen unter

 

www.koelner-dom.de

  

Die Pressemitteilung der Polizei vom Samstag, 23. Dezember, im Wortlaut:

 

Aufgrund eines Gefahrenhinweises für den Kölner Dom wird die Polizei Köln ab heute Abend (23. Dezember) besondere Schutzmaßnahmen ergreifen. Die Einsatzmaßnahmen werden aus dem Behördenstab koordiniert. Über Details zu den vorliegenden Erkenntnissen wird sich die Polizei wegen aktuell laufender Ermittlungen des polizeilichen Staatsschutzes nicht äußern.

Kripochef Michael Esser, der den Einsatz leitet, nimmt zu den Maßnahmen Stellung: „Auch wenn sich der Hinweis auf Silvester bezieht, werden wir bereits heute Abend alles für die Sicherheit der Dombesucher an Heiligabend in die Wege leiten. In Abstimmung mit dem Sicherheitsbeauftragten des Domkapitels wird die Kathedrale nach der Abendmesse mit Spürhunden abgesucht und anschließend verschlossen. Morgen werden alle Besucher vor Betreten des Gotteshauses einer Kontrolle unterzogen.“ Polizei und Domkapitel empfehlen, auf Taschen zu verzichten und frühzeitig zu den Messen zu kommen. (Quelle: ots)

 

www.koelner-dom.de

 

Schatzkammerausstellung: „Ausgegraben – Archäologische Schätze aus dem Kölner Dom“

15. Dezember 2023; ksd

 

Köln. In der Kölner Domschatzkammer ist jetzt die Ausstellung „Ausgegraben – Archäologische Schätze aus dem Kölner Dom“ zu sehen. Anhand ausgewählter archäologischer Funde wird die wechselvolle Geschichte des Domes und seiner Vorgängerbauten von der Römerzeit bis in das 19. Jahrhundert exemplarisch nacherzählt. Gewidmet ist die Ausstellung dem langjährigen Domarchäologen Dr. Ulrich Back, der Anfang 2024 in den Ruhestand gehen wird. Zugleich mit der Ausstellung wurde Backs neues Buch präsentiert: „Archäologie im Kölner Dom. Forschungsergebnisse zu seiner Vor- und Baugeschichte“.

1946 wurden unter der Leitung von Otto Doppelfeld erste archäologische Ausgrabungen im Inneren des Domes begonnen. Sie wurden über Jahrzehnte hinweg weitergeführt und dauern in Einzelprojekten bis heute an. Durch diese Arbeiten sind unterhalb des Domes Räume entstanden, die sich mittlerweile unter nahezu allen Bereichen des heutigen Kirchenbodens erstrecken und eine Fläche von rund 4.000 Quadratmetern umfassen. Damit gehört die Kölner Domgrabung nicht nur zu den umfangreichsten Kirchengrabungen Deutschlands, sondern sie kann über geführte Rundgänge auch besichtigt werden. 

Im Zuge der archäologischen Untersuchungen wurden Grundrisse und innere Strukturen verschiedener älterer Gebäude freigelegt, unter denen nicht nur der auch historisch überlieferte Alte Dom, sondern weitere Vorgängerbauten hervorzuheben sind. Gemeinsam mit zahlreichen Architekturresten und einer immensen Anzahl archäologischer Fundstücke, circa 260.000, bezeugen sie die Entwicklung von einem gehobenen römischen Stadtquartier zum christlichen Zentrum Kölns und vermitteln zudem, mit Blick auf die gewaltigen Fundamente der gotischen Kathedrale, einen Eindruck von Aufwand und Ablauf ihrer Entstehung.

 

Funde aus dem mittelalterlichen Adelsgrab, Weinflasche und Taschenuhr aus dem 19. Jahrhundert

 

Die Ausstellung in der Kölner Domschatzkammer präsentiert erstmals eine Auswahl von charakteristischen Exponaten aus den verschiedenen Epochen der Domgeschichte bis in die Frühzeit der christlichen Gemeinde und zurück in römische Zeit. Den Fragmenten eines römischen Matronensteins sind verschiedene Fundstücke aus dem 4. bis 6. Jahrhundert zur Seite gestellt, die auf das Adelsgeschlecht der Merowinger verweisen, deren Gräber 1959 unter dem Binnenchor entdeckt wurden. Ihre bedeutenden Grabausstattungen gehören zur ständigen Ausstellung der Schatzkammer.

Aus dem gut dokumentierten, karolingischen Alten Dom, dem Vorgängerbau des heutigen gotischen Domes, zeigt die Ausstellung zum großen Teil erstmals öffentlich kostbare Reste des Fußbodenbelages und Wandmalereifragmente sowie einen Gesimsstein mit Palmettendekor, der zu den qualitätsvollsten Überresten der Bauplastik aus dieser Zeit zu zählen ist. Die gotische Großbaustelle ist durch Alltagsgeschirr der Arbeiter, einen goldenen Fingerring und eine Goldmünze, durch deren Fundort die Arbeiten am im Südturmfundament datiert werden können, dokumentiert. Textilfunde aus Gräbern von Geistlichen veranschaulichen Bestattungsriten des 17. und 18. Jahrhunderts. Schließlich geben die profanen Fundstücke aus dem 19. Jahrhundert einen Einblick in das Leben der Menschen rund um den Dom bis zu seiner Vollendung 1880.

 

Kurze Baugeschichte des Kölner Domes und seiner Vorgängerbauten


Die Vorgeschichte der Kölner Bischofskirche reicht bis in römische Zeit zurück. Das auf einer Anhöhe über dem Rhein liegende Areal befand sich in der nordöstlichen Ecke der 50 n. Chr. zur Kolonie (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) erhobenen Römerstadt. In unmittelbarer Nähe verlief die nördliche Flanke der ab dem Ende des 1. Jahrhunderts errichteten Stadtmauer. In spätrömischer Zeit war das Viertel vor allem durch gehobene Wohnbebauung geprägt und es ist durchaus möglich, dass innerhalb eines der Häuser bereits im 4. Jahrhundert eine Hauskirche bestanden hat – einen Beleg hierfür gibt es aber nicht. Ein erster Kölner Bischof ist mit dem heiligen Maternus 313/14 bezeugt. 

Im frühen 5. Jahrhundert kam Köln endgültig unter fränkische Herrschaft und bestand als bedeutende Stadt im Frankenreich fort. Spätestens im frühen 6. Jahrhundert ist nun auch eine große Kirchenanlage an der Stelle des heutigen Domes nachgewiesen. Von dieser zeugen vor allem das östlich des heutigen Domes aufgedeckte Taufbecken eines frühmittelalterlichen Baptisteriums sowie unter dem Domchor freigelegte merowingische Fürstengräber und Reste einer Amboanlage und einer gemauerten Priesterbank.

 

Mit den Heiligen Drei Königen kam die Wende

 

Um 800 entstand an diesem Ort eine gewaltige karolingische Kirche, der sogenannte Alte Dom. Die zunächst dreischiffige Kirche wurde wohl in der Mitte des 11. Jahrhunderts um zwei Seitenschiffe erweitert. Der Westchor der doppelchörigen Kirche war dem Dompatron Petrus, der Ostchor der Gottesmutter Maria geweiht. Die Fundamente in der Grabung zeugen noch heute von der Dimension, zahlreiche Funde von der prachtvollen Ausstattung der Kirche. Nachdem Erzbischof Rainald von Dassel 1164 die Gebeine der Heiligen Drei Könige aus Mailand nach Köln übertragen ließ, wurde der Dom zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte der Christenheit in Europa.

Am 15. August 1248 wurde von Erzbischof Konrad von Hochstaden schließlich der Grundstein zur heutigen hochgotischen Kathedrale gelegt. Unzählige Funde erzählen vom Alltag auf der Baustelle aber auch von den Verkaufsbuden und Handwerkern die sich im Mittelalter um den Dom herum ansiedelten. Bis in die Neuzeit diente die Kathedrale auch als Grabkirche vor allem für die Domgeistlichkeit – wovon ebenfalls zahlreiche Funde zeugen. 

Bei Einstellung der Bauarbeiten nach 1520 blieb der Dom ein gewaltiger Bautorso. Erst zwischen 1842 und 1880 wurde er vollendet. Auch die Zeit der Domvollendung und des frühen Tourismus hat zahlreiche Spuren im Erdreich hinterlassen, die im Rahmen der archäologischen Ausgrabungen zutage gefördert wurden.

 

Neue Publikation: Archäologie im Kölner Dom Forschungsergebnisse zu seiner Vor- und Baugeschichte

 

Der Band von Dr. Ulrich Back fasst die bisherigen Untersuchungsergebnisse der 1946 begonnenen archäologischen Ausgrabungen unter dem Kölner Dom zusammen. Er ermöglicht somit erstmals einen kompakten Einstieg in die Archäologie der Kathedrale auf dem aktuellen Stand der Forschung.

Die seit fast acht Jahrzehnten laufenden archäologischen Forschungen zum Kölner Dom haben im Lauf der Zeit eine große Fülle an größeren und kleineren Publikationen hervorgebracht, von denen die zahlreichen Grabungsberichte im Kölner Domblatt sowie die großen und umfassenden, im Kölner Domverlag erschienenen Studienbände zu den Befunden und Funden des gotischen Domes und seiner Vorgängerbauten besonders hervorzuheben sind.

 

Eine Bibliothek – kein Tempel

 

Bisher fehlte allerdings eine umfassende und kompakte Darstellung der gesamten Baugeschichte des Domes und seiner Vorgängerbauten von der Römerzeit bis in die Gegenwart, in die sämtliche bisherigen archäologischen Forschungsergebnisse einfließen. Mit dem vorliegenden Band ist es Ulrich Back gelungen, diese Lücke zu schließen und eine fundierte Publikation vorzulegen, die nun sowohl für Wissenschaftler als auch für interessierte Laien den perfekten Einstieg in die Archäologie des Domes bildet.

Da eine monografische Publikation zu den römischen Befunden und Funden unter dem Kölner Dom aussteht – diese ist langfristig im Zusammenhang mit einer größeren Publikation der archäologischen Grabungen im weiteren Domumfeld geplant – schließt der Band von Ulrich Back auch in diesem Bereich eine Lücke. Ein Detail ist für die Geschichte der römischen Stadt von besonderem Interesse. So kann Back ein in seinem Inneren mit Lisenen verstärktes Mauergeviert, in dem die ältere Forschung zunächst den Unterbau eines Tempels, später einen Getreidespeicher sah, nun mit guten Gründen als kleines Bibliotheksgebäude, Archiv oder Schatzhaus identifizieren. 

 

Dombauten und Umgebung im Fokus

 

Bisher nur über den Befundkatalog der Domgrabung und Bauphasenzeichnungen publiziert waren aber auch etwa die Befunde zu späteren Umbauten und zur Nachfolgebebauung des frühmittelalterlichen Baptisteriums, das spätestens bei Errichtung des Alten Domes um 800 als Bauwerk gänzlich aufgegeben worden sein dürfte. Es gibt deutliche Indizien, dass hier bereits in der Frühzeit des Alten Domes ein Atriumshof als Vorgänger des in der Mitte des 11. Jahrhunderts zusammen mit der Stiftskirche St. Maria ad Gradus errichteten Ostatriums bestanden haben dürfte. Kaum publiziert waren bisher auch die wahrscheinlich aus dem Alten Dom stammenden Wandmalereifragmente, die in der Aufschüttung für das neue Ostatrium gefunden wurden. Sie wurden in den vergangenen Jahren von Anna Skriver untersucht. Ein eigener Forschungsband des Kölner Domverlages hierzu ist in Vorbereitung. 

Eine Lücke schließt der Band aber auch mit der Darstellung der bisher kaum beachteten archäologischen Befunde aus der Neuzeit. Für diese ist keine eigene Publikation geplant. So stellt Back die Grabungsergebnisse zu neuzeitlichen Gräbern und Gruftanlagen unter dem Kölner Dom vor – aber etwa auch zur Umgebungsbebauung des Domes wie etwa der barocken Pfarrkirche St. Johannes Baptist oder der Domterrasse des 19. Jahrhunderts. Selbst die im Untergrund des Domes verlegten Gasleitungen für die Dombeleuchtung des 19. Jahrhunderts werden erstmals zusammenhängend beschrieben. 

Nach über 37 Jahren Tätigkeit für die Ausgrabungen im Kölner Dom wird Ulrich Back Anfang 2024 in den Ruhestand gehen. Die nun vorliegende Publikation bildet somit auch die Summe seiner Forschungen zum Kölner Dom. 

Die Drucklegung des Buches wurde durch die freundliche finanzielle Unterstützung des Erzbistums Köln, des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) und der Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen ermöglicht.

 

Angaben zum Buch
Ulrich Back: Archäologie im Kölner Dom. Forschungsergebnisse zu seiner Vor- und Baugeschichte
252 Seiten, 193 zumeist farbige Abbildungen, 10 Pläne, Hardcover, Fadenheftung
ISBN 978-3-9823582-4-6
Preis: 56 Euro

 

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Kunstwettbewerb zum christlich-jüdischen Verhältnis: Startschuss für die kreative Phase gefallen

12. Dezember 2023; ksd

 

UPDATE (Januar 2024): 

15 Künstlerinnen und Künstler, die zur Teilnahme am Internationalen Kunstwettbewerb Kölner Dom eingeladen worden sind, waren Ende Januar bei einem Auftakt-Kolloquium in Köln zu Gast. Einen Tag lang lernten sie den Dom und Mitglieder der Wettbewerbs-Jury kennen und hatten die Gelegenheit, Fragen zu den künstlerischen Erwartungen und zum Ablauf des Verfahrens zu stellen. Auf Bitte der teilnehmenden KünstlerInnen wird die Frist zur Abgabe der ersten Entwürfe verlängert. 

Zunächst stand für die Künstlerinnen und Künstler eine Führung durch den Kölner Dom auf dem Programm. Mithilfe der Kunsthistorikerin Maria Eiker und des Kunsthistorikers Dr. des Matthias Deml machten sie sich mit der Kölner Kathedrale vertraut, in der auch das neue Kunstwerk zum „ christlich-jüdischen Verhältnis heute“ seinen Platz finden soll.

Anschließend startete das Auftaktkolloquium im Maternushaus mit einem Grußwort von Weihbischof Rolf Steinhäuser, Domkapitular und Bischofsvikar für Ökumene und interreligiösen Dialog im Erzbistum Köln. Er drückte seine Freude über die Zusagen der Künstlerinnen und Künstler aus und hob hervor wie wichtig es sei, an diesem Tag mit allen Beteiligten des Wettbewerbs zusammenzukommen, um die gestellte Aufgabe in den Blick zu nehmen.

 

Podium zur Genese, zur theologischen Anforderung und zu den Beurteilungskriterien

 

In einem ersten Podiumsdialog fasste Steinhäuser zunächst die Genese und Vision des Planungswettbewerbs zusammen, bevor er sich mit Abraham Lehrer, Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde Köln und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, über Geschichte und Gegenwart des Verhältnisses zwischen Christentum und Judentum austauschte. 

Steinhäuser berichtete, wie sich durch die Beschäftigung mit den antijüdischen Artefakten im Kölner Dom seine Wahrnehmung der Kathedrale verändert habe. Die im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils 1965 verabschiedete Erklärung Nostra aetate bilde einen entscheidenden Paradigmenwechsel im christlichen Verhältnis zum Judentum. Vom neuen Kunstwerk für den Dom erhofft er sich, „dass es den Künstlern gelingt, für diesen Paradigmenwechsel einen Ausdruck zu finden“.

Abraham Lehrer bezeichnete das Vorhaben der Realisierung eines neuen Kunstwerks für den Kölner Dom als „fantastische Idee, zu der man das Domkapitel nur beglückwünschen könne“. Aufgabe des Kunstwerks soll es für ihn sein, „keinen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen, sondern vielmehr eine Tür für die Zukunft zu öffnen.“

Dr. Stefan Kraus, Leiter des Kolumba Kunstmuseums des Erzbistums Köln und Jury-Mitglied, erläuterte künstlerische Erwartungen und Beurteilungskriterien der zu erwartenden Arbeiten. Er bezeichnete die erstmals von Professor Dr. Reinhard Hoeps im Kölner Domblatt 2008 formulierte Idee, auf die Bilder im Dom mit Kunst zu reagieren, als „richtigen Weg“: „Der Anspruch, in der Kölner Kathedrale mit Kunst ein Zeichen zu setzen, ist sehr hoch und besitzt eine große Strahlkraft - zumindest in Europa aber auch darüber hinaus.“

 

Podium zum Ablauf des Wettbewerbs und seinen Rahmenbedingungen

 

Im zweiten Podiumsdialog konnten sich die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler über den Ablauf und die Rahmenbedingungen des Kunstwettbewerbs informieren. Simon Hubacher vom verfahrensbegleitenden Kölner Büro neubig hubacher Architekten und Stadtplaner erläuterte die verschiedenen Phasen des kooperativen Dialogverfahrens, als das der Wettbewerb angelegt ist. Dombaumeister Peter Füssenich und Kölns Stadtkonservator Dr. Thomas Werner erläuterten die Anforderungen zur künstlerischen Bespielung des Domes, die seiner Eigenschaft als Sakralraum und den Auflagen des Denkmalschutzes Rechnung tragen müssen. 

Füssenich betonte noch einmal, dass man ganz bewusst den Künstlern und Künstlerinnen weder zum Ort noch zu den künstlerischen Mitteln oder zur Form enge Grenzen gesetzt habe. Wunsch sei es allerdings, den Kölner Dom um ein dauerhaftes Werk zu bereichern: „Der Dom ist ein lebendiges Bauwerk, das niemals fertig wird. Es ist notwendig, dass jede Generation sich mit ihm auseinandersetzt und ihm etwas hinzufügen darf.“

 

Verschiebung des Abgabefrist auf August 2024

 

In der jeweils an die Podien anschließenden Diskussion mit den Kunstschaffenden wurde deutlich, dass der bisher gesetzte Abgabetermin für die ersten Entwürfe (20. März 2024) von vielen als zu knapp empfunden wurde. Da die Veranstaltung als Dialog mit den Künstlerinnen und Künstlern gedacht war, wurde der Wunsch vom Auslober des Wettbewerbs nach kurzer interner Abstimmung angenommen.  

„Im Sinne eines Dialogs auf Augenhöhe entsprechen wir dem Wunsch der Kunstschaffenden, ihnen mehr Zeit für die Ausarbeitung ihrer ersten Ideen einzuräumen“, so Weihbischof Rolf Steinhäuser. „ Wir schaffen dadurch verbesserte Wettbewerbsbedingungen, die von allen mitgetragen werden.“

Die Künstlerinnen und Künstlerinnen haben nun bis Mitte August 2024 Zeit, ihre Ideen auszuarbeiten. Nach Sichtung und Diskussion der eingegangenen Konzepte kürt dann die Jury vier Finalistinnen und Finalisten, die in einer Vertiefungsphase um Detailplanungen ihrer Entwürfe gebeten werden. Anschließend wird das als Siegerentwurf prämierte Kunstprojekt gemeinsam mit allen anderen Entwürfen der Öffentlichkeit vorgestellt. Durch die Veränderung der Abgabefrist verschiebt sich der ursprünglich für Herbst 2024 avisierte Abschluss des Wettbewerbes ins Jahr 2025. (mk)

 

Hier geht es zur Themenseite von koelner-dom.de zum Kunstwettbewerb

 

Im Interview mit DOMRADIO.DE spricht Kunsthistoriker Harald Schlüter, stellvertretender Leiter des DOMFORUMs und Referent für Dom- und Kirchenführungen, über die Entdeckung antijüdischer Darstellungen am Kölner Dom.

  

Köln (mk). Für den Kölner Dom soll ein neues Kunstwerk geschaffen werden, das sich mit dem christlich-jüdischen Verhältnis auseinandersetzt. Hierfür lobt das Domkapitel einen Internationalen Kunstwettbewerb aus, dessen Start im August 2023 bekanntgegeben wurde. Mit der Auswahl der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler geht der Wettbewerb nun in die nächste Etappe.

Die Künstlerinnen und Künstler werden im nächsten Schritt ihre Herangehensweise und Idee für ein dauerhaftes Werk im Kölner Dom unterbreiten, das im Bewusstsein der christlich-jüdischen Geschichte den Blick auf Gegenwart und Zukunft richten soll. Folgende Kunstschaffende haben die Einladung des Domkapitels zur Teilnahme am Internationalen Kunstwettbewerb für den Kölner Dom bestätigt:

 

Azra Akšamija, Künstlerin, Cambridge, USA
Ilit Azoulay, Künstlerin, Berlin

Andrea Büttner, Künstlerin, Berlin

Maria Eichhorn, Künstlerin, Berlin

Leon Kahane, Künstler, Berlin

Christoph Knecht, Künstler, Düsseldorf

Zenita Komad, Künstlerin, Sittersdorf, Österreich

Sigalit Landau, Künstlerin, Tel Aviv, Israel, mit Gilad Ashery, Künstler, Tel Aviv, Israel *

Roy Mordechay, Künstler, Düsseldorf

Nira Pereg, Künstlerin, Tel Aviv, Israel

Karen Russo, Künstlerin, London, Großbritannien, mit Michaela Meise, Künstlerin, Berlin *

Julia Scher, Künstlerin, Köln

Ariel Schlesinger, Künstler, Berlin

Ruth Schnell, Künstlerin, Wien, Österreich

Simon Wachsmuth, Künstler, Berlin

 

(* = kollaborative Teilnahme)

 

Viel Freiraum für die Kunstschaffenden

 

„Mir war von Beginn unseres Wettbewerbs an klar: Er kann nur gelingen, wenn wir es schaffen, sehr unterschiedliche Menschen mit sehr unterschiedlichen Gaben in das Projekt zu involvieren“, so Weihbischof Rolf Steinhäuser, Domkapitular und Bischofsvikar für Ökumene und interreligiösen Dialog im Erzbistum Köln. „Ich freue mich über das vielversprechende Feld der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die wir auf Vorschlag von acht Kennerinnen und Kennern der internationalen Kunstszene für den Wettbewerb gewinnen konnten. Nach Einschätzung dieser Experten verfügt jede und jeder der Genannten über eine hohe Reputation und ein außergewöhnliches künstlerisches Renommee. Unterschiedliche Nationalitäten sind im Teilnehmerfeld genauso vertreten wie unterschiedliche Generationen. Und auch die künstlerischen Ausdrucksformen, mit denen sich die Teilnehmenden bislang einen Namen gemacht haben, könnten nicht facettenreicher sein: Bildhauer*innen sind im Teilnehmerfeld genauso vertreten wie Medienkünstler*innen, Maler*innen und Konzeptkünstler*innen.“

Auch in der Projektgruppe, die im Auftrag des Domkapitels den Wettbewerb ausrichtet, zeigen sich Vertreter des Domkapitels, der Synagogen-Gemeinde Köln, der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und der Evangelischen Kirche in Köln sowie Fachleute aus Kunst und Kirche angetan von der Auswahl der Künstlerinnen und Künstler. 

„Ich freue mich schon sehr darauf, die Vorschläge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur möglichen Aussage und Verortung, zur Beschaffenheit und zum Charakter des neuen Kunstwerks für den Dom kennenzulernen“, sagt Projektgruppen-Mitglied Abraham Lehrer, Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde Köln und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Zur Anlage des Wettbewerbs gehört es, dass den Kunstschaffenden bei ihren Vorschlägen möglichst viel Freiraum gelassen werden soll.

 

Fortgang des Wettbewerbs

 

Der nächste Meilenstein des Wettbewerbsprozesses wird ein Kolloquium am 23. Januar 2024 sein, zu dem alle teilnehmenden Kunstschaffenden und die Mitwirkenden in der Jury in Köln erwartet werden. Nach einer darauffolgenden Ausarbeitungsphase werden die Ideen und Konzepte der ausgewählten Künstlerinnen und Künstler im April 2024 von einer Jury gesichtet. Vier Finalistinnen und Finalisten werden in der anschließenden Vertiefungsphase um Detailplanungen ihrer Entwürfe gebeten. Im Herbst 2024 wird das als Siegerentwurf prämierte Kunstprojekt gemeinsam mit allen anderen Entwürfen der Öffentlichkeit vorgestellt.

„In einer Zeit, in der Antisemitismus in Deutschland wieder in einem erschreckenden Maße zunimmt, hat unser Kunstwettbewerb noch einmal eine ganz neue Relevanz erfahren“, ist Weihbischof Rolf Steinhäuser überzeugt. „Nie war es nötiger, den Artefakten im Dom, die von der erschreckenden Judenfeindschaft vergangener Zeiten zeugen, eine aktuelle Botschaft entgegenzusetzen. Dass dies mit den Mitteln der Kunst geschieht, als Ertrag eines Wettbewerbs mit namhaften Kunstschaffenden aus unterschiedlichsten Disziplinen, zeugt von unserem Bemühen um Wirkmacht und Nachhaltigkeit des Zeichens, das wir setzen wollen.“

 

Aktueller Stand der Wettbewerbsauslobung

 

Auf der Themen-Webseite www.koelner-dom.de/kunstwettbewerb finden Sie – neben Hintergrundinformationen zum Internationalen Kunstwettbewerb Kölner Dom – die um die Namen der teilnehmenden Kunstschaffenden und Vorschlagenden aktualisierte Auslobung des Wettbewerbs.

 

Auswahlverfahren und Validierung der Wettbewerbsteilnehmer*innen

 

Vermittelt worden sind die Kunstschaffenden von acht Kennerinnen und Kennern der internationalen Kunstszene, darunter Kuratorinnen und Kuratoren ebenso wie Kunstschaffende. Das Domkapitel als Auftraggeber hatte sich von Beginn an dazu bekannt, dass alle Vorschläge akzeptiert werden, sofern keine schweren Gründe gegen eine Teilnahme vorliegen. Vor dem Hintergrund der Vorgänge rund um die Documenta 15 wurde daher für alle vorgeschlagenen Künstlerinnen und Künstler von unabhängiger Seite geprüft, ob Vorbehalte gegen eine Einladung zur Teilnahme geltend gemacht werden können. Schwere Gründe, die gegen die Einladung von Kunstschaffenden sprechen, liegen demnach vor, wenn diese in der Vergangenheit aufgefallen sind durch Werke mit antisemitischen Inhalten gemäß der IHRA-Definition (Internationale Arbeitsdefinition von Antisemitismus) , die Mitwirkung an Netzwerken, Bewegungen oder Aufrufen, die nach der IHRA-Definition als antisemitisch einzustufen sind und/oder Terror verharmlosen, die Unterzeichnung von offenen Briefen, die sich mit entsprechenden Netzwerken, Bewegungen oder Aufrufen solidarisieren.

Aufgrund der vorgenannten Kriterien kamen acht der ursprünglich vorgeschlagenen Künstlerinnen und Künstler für eine Teilnahme nicht infrage. Sie hatten als problematisch eingestufte offene Briefe unterzeichnet. An ihrer Stelle sind andere herausragende Künstlerinnen und Künstler ins Teilnehmerfeld gerückt, die von den Vorschlagenden alternativ benannt worden waren.

 

Hintergrundinformationen zu den antijüdischen Artefakten im Kölner Dom und zum Internationalen Kunstwettbewerb Kölner Dom

 

Sowohl das Judentum als auch das Christentum können auf eine mindestens 1700-jährige Geschichte in der Stadt Köln zurückblicken. Wie kein anderes Bauwerk spiegelt die Ausstattung des Domes das ambivalente Verhältnis der christlichen Mehrheitsbevölkerung zur jüdischen Gemeinde im hohen und späten Mittelalter. Es entwickelte sich von Duldung und einem mehr oder weniger friedlichen Nebeneinander hin zu einer zunehmenden Ausgrenzung und offenen Feindseligkeit und gipfelte schließlich im blutigen Pogrom von 1349 und in der Vertreibung der Juden aus der Stadt 1424.

Es finden sich Kunstwerke im Kölner Dom, die sich die jüdische Überlieferung aneignen und christlich deuten, damit aber auch auf die jüdischen Wurzeln des Christentums verweisen. Daneben steht das durchaus nicht selbstlos erteilte Judenprivileg des Erzbischofs Engelbert von Falkenburg zum Schutz der in Köln lebenden Juden. Vor allem gibt es aber zahlreiche offen feindselige, diffamierende und polemische Darstellungen. Sie zeugen von einem ausgeprägten christlichen Antijudaismus, der in zahlreichen Pogromen mündete und eine wesentliche Quelle für den späteren Antisemitismus bildet.

Auch aus dem 19. und 20. Jahrhundert finden sich im Dom neben Stiftungen, die vom regen Anteil jüdischer Bürger an der Domvollendung erzählen, noch Bildwerke, die abwertende judenfeindliche Stereotype und Klischees wiederholen. Die katholische Kirche fühlt sich einer kritischen Auseinandersetzung mit diesem Erbe verpflichtet.

Nach einer umfassenden Erforschung und Kontextualisierung der antijüdischen Artefakte in Publikationen, Themenrundgängen und einer Ausstellung soll nun ein neues Kunstwerk für den Dom geschaffen werden. Ziel ist es, ein dauerhaftes Werk im Kölner Dom zu etablieren, das – im Bewusstsein der christlich-jüdischen Geschichte – den Blick auf Gegenwart und Zukunft richtet. Der Kunstwettbewerb wird vom Domkapitel als Einladungswettbewerb mit dialogischem Charakter ausgelobt. Er soll eine bewusste Genese, ein Prozess des Zuhörens, des gemeinsamen Ringens und Wachsens werden. Bewusst möchte das Domkapitel den noch zu findenden Künstlerinnen und Künstlern keine grundsätzlichen Grenzen setzen, wenn es um die räumlichen Gegebenheiten, die Ausmaße und die Materialität des zu schaffenden Werkes für den Kölner Dom geht. Teil des Wettbewerbs wird es sein, über die Aussage und die Verortung, die Beschaffenheit und den Charakter des neuen Kunstwerks sorgsam ins Gespräch zu kommen.

 

Das DOMFORUM bietet Führungen zum Thema „Der Dom und ,die Juden' “ an.

 

Ein Abend mit Pfarrer Stephan Wahl: „Shalom, Salam – Frieden Gedanken – Gedichte – Gebete aus einem tief verwundeten Land“

7. Dezember 2023; ksd

 

Köln. „Shalom, Salam – Frieden“ ist ein Abend mit Pfarrer Stephan Wahl überschrieben, der am Donnerstag, 14. Dezember, auf Einladung des Katholischen Bildungswerks Köln im DOMFORUM stattfindet. Stephan Wahl, Priester aus dem Bistum Trier, hat 1981/82 in Jerusalem Theologie studiert und lebt seit fünf Jahren in einem arabischen Stadtteil am Rande Jerusalems. Viele kennen ihn als Sprecher beim „Wort zum Sonntag“ oder als Autor des sogenannten Ahrpsalms, den er in Reaktion auf die Flutkatastrophe an der Ahr gedichtet hat. Dieser Text wurde bei der Gedenkfeier für die Flutopfer im Aachener Dom an zentraler Stelle vorgetragen wurde.

Erschüttert vom Ausmaß der Gewalt, verursacht durch das Massaker der Hamas, deren Ziel, letztlich die Vernichtung von ganz Israel ist, versucht Stephan Wahl dennoch nicht die Hoffnung auf Frieden für Israel und Palästina aufzugeben. Dem verleiht er Ausdruck in seinen Gedanken, Gedichten und Gebeten. Musikalisch begleitet wird er an dem Abend im DOMFORUM von Hugo Eedle, Cello. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Elisabeth-Preis 2023: Bonner Projekt „Begegnungscafé und Formularhilfe“ ausgezeichnet

30. November 2023; ksd

 

Köln (eb/dicv). Die CaritasStiftung im Erzbistum Köln hat wieder beeindruckendes Engagement ausgezeichnet. In der Kölner Flora verlieh sie vor knapp 300 Gästen zum 27. Mal den Elisabeth-Preis.

Das Projekt „Begegnungscafé und Formularhilfe“ freute sich über den ersten Preis und damit über ein Preisgeld von 2500 Euro. In einem fremden Land neu anzufangen, ist eine große Herausforderung. Rund 20 Ehrenamtliche der Gemeinde St. Elisabeth in Bonn unterstützen Zugewanderte aus dem gesamten Stadtgebiet mit einem Begegnungscafé, Formularhilfe, Kinderangeboten und ehrenamtlicher Hilfe bei Bewerbungen, Jobsuche, Wohnungssuche und Freizeitaktivitäten.

Der erste Preis in der Sonderkategorie „jung + engagiert“ und damit ebenfalls 2500 Euro gingen an die Kinderstadt der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) im Erzbistum Köln. Dort gestalten Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren eine eigene Stadt mit Währung, Ämtern und Unternehmen. Die Kinder übernehmen Verantwortung, füllen die Stadt mit Ideen und Produkten und diskutieren täglich bei einem Kinder-Rat über Steuern, Polizei und Betriebsunterstützung. So wird ihr Verständnis für Demokratie, soziale Prozesse sowie wirtschaftliche Zusammenhänge gefördert. Organisiert wird die Kinderstadt von jungen Ehrenamtlichen der KjG.

 

Publikumspreis ehrt Solinger Wohlfühlmorgen für Bedürftige

 

Für den Elisabeth-Preis ebenfalls nominiert waren das Projekt „Hunger bei uns in Köln“ des Vereins „Helfen durch Geben – Der Sack e.V.“ sowie „Begegnung schafft Engagement – gemeinsam mehr erreichen!“ von „Himmel un Ääd e.V.“ Für „jung + engagiert“ gingen die youngcaritas im SKM Köln und „#machdochmit – Ich zeige dir, wofür ich stehe“ von IN VIA Köln e.V. ins Rennen um den ersten Platz. Alle Zweitplatzierten erhielten ein Preisgeld von jeweils 1000 Euro.

Den diesjährigen Publikumspreis, ebenfalls mit 1000 Euro dotiert, erhielt das Projekt „ Wohlfühlmorgen für Bedürftige“ der katholischen Kirchengemeinde St. Sebastian in Solingen. Mit reichhaltigem Frühstück, Wohlfühlangeboten, Sprechstunden und einer Kleiderkammer unterstützen sie Menschen in Not.

Insgesamt knapp 60 Projekte hatten sich in diesem Jahr um den Elisabeth-Preis beworben. Unterstützt wurde die Preisverleihung von der Pax-Bank Köln.

Weitere Informationen zum Elisabeth-Preis, zu den Erstplatzierten und den Nominierten unter www.caritasstiftung.de

 

Adveniat-Weihnachtsaktion 2023: „Flucht trennt. Hilfe verbindet“ – Bundesweite Weihnachtskollekte

28. November 2023; ksd

 

Essen. Einer von fünf Migrantinnen und Migranten weltweit kommt aus Lateinamerika. Verfolgung, Gewalt und Hunger zwingen Menschen ihre Heimat zu verlassen. Familien werden auseinandergerissen. Flüchtende verlieren auf den gefährlichen Routen ihr Leben. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat versorgt mit seinen Projektpartnerinnen und Projektpartnern vor Ort Flüchtende mit Lebensmitteln und Medikamenten, bietet in sicheren Unterkünften Schutz und ermöglicht mit Ausbildungsprojekten die Chance auf einen Neuanfang.

Die Weihnachtsaktion 2023 steht unter dem Leitwort „Flucht trennt. Hilfe verbindet“. Die Eröffnung mit Bischof Dr. Ulrich Neymeyr und Aktionsgästen findet am ersten Advent, 3. Dezember, im Bistum Erfurt statt und wird ab 11 Uhr live von DOMRADIO.DE übertragen. Die Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Kirchen Deutschlands ist für Adveniat und die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik bestimmt. In der „Der Tod als ständiger Begleiter“ geht es um den Darién-Dschungel, das Nadelöhr des amerikanischen Kontinents. Hier riskieren Migrantinnen und Migranten ihr Leben. Eine Advaniat-Partnerorganisation hilft den traumatisierten und erschöpften Menschen weiter.

 

500 Meter liegen zwischen dem Fluss Membrillo und dem Dorf Canaan. Die Familie González Milla betritt nach zehn Tagen im Dschungel die erste menschliche Siedlung. Ein Triumph: Sie haben soeben den Darién hinter sich gelassen. Der Regenwald zwischen Kolumbien und Panamá wird mit seinen heimtückischen Sümpfen, zerklüfteten Bergen und reißenden Flüssen vielen Migranten zum Verhängnis. Das steile, glitschige Ufer und die brennende Sonne stellen die Familie aus Venezuela vor eine letzte harte Probe, die sie schweigend und stoisch, Schritt für Schritt, bewältigen. 

Zwölf Einbäume liegen am Ufer des Membrillo, besetzt mit Migranten aus der ganzen Welt: Der Afghane Mohamed Hamid Asisi flieht vor den Taliban, die Haitianerin Mylaine Richard vor der Anarchie in ihrem Land und den mordenden Banden, der Somali Filsan Hersi vor dem Verhungern. Familie González Milla, auf der Flucht vor Korruption und sozialistischer Mangelwirtschaft in Venezuela, kommt als letzte in der Siedlung an.

 

„Der Dschungel ist die Hölle“

 

Die 51-jährige Arely hat sich unterwegs den Knöchel verstaucht. Ihr Schwiegersohn Carlos González musste sie eine Woche lang mehr oder weniger durch den Dschungel tragen. Er versank knietief im Schlamm und stürzte mehrfach. Carlos ist nur noch Haut und Knochen, das Gesicht aschfahl. Seine Frau Zurely geht vorweg, den sechsjährigen Sohn Snyder an der Hand. Der dünne Junge braucht einen Arzt, er hat seit Tagen Fieber und Durchfall. Von den 250.000 Migranten, die im Jahr 2022 den Darién durchquerten, waren 35.000 minderjährig. 

Nach der Überfahrt hievt César Milla, der hagere 50-jährige Mann von Arely, das nasse Zelt und einen Rucksack aus dem Boot. Er blickt auf die Menschenprozession, die sich nun vor ihm den Hang hochquält. Seine Mine ist ernst. „Der Dschungel ist die Hölle“, sagt er, und wischt sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. „Es ist ein Wunder, dass wir es geschafft haben.“ Denn der Weg führte buchstäblich über Leichen.

 

Windeln auf dem Schwarzmarkt erbettelt

 

Familie González Milla stammt aus Caracas, der Hauptstadt Venezuelas. Arely arbeitete als Pflegerin, César betrieb einen Marktstand, Tochter Zurely war Verkäuferin im größten Einkaufszentrum der Stadt und Schwiegersohn Carlos vertrieb Ersatzteile für Motorräder. Doch die galoppierende Inflation ließ das Einkommen zwischen den Fingern zerrinnen. Die grassierende Kriminalität verbreitete Angst und Schrecken, und die Supermarktregale wurden immer leerer aufgrund der Wirtschaftskrise und der Korruption der sozialistischen Bürokratie. „Das war kein Leben mehr“, erzählt César. „Wir aßen einmal am Tag Reis mit Bohnen oder Linsen.“ Zurely erbettelte auf dem Schwarzmarkt Windeln für Snynder. „Zwei unserer Töchter sind bereits in Costa Rica. Deshalb haben wir alles verkauft und uns auf den Weg zu ihnen gemacht“, so Milla. Allerdings ohne jede Vorstellung, welche Strapazen sie auf der Reise erwarteten.

„Wir hatten nur für fünf Tage im Dschungel Essen dabei“, erzählt Milla. Im Dorf angekommen reibt er sich vor dem Zelt die nackten, schmerzenden Füße. „Ich habe tagelang nur Wasser mit Salz zu mir genommen.“ Zum Hunger kamen die Erschöpfung, die ständige Nässe, die giftigen Schlangen, die weinenden Kinder und die Aasgeier, die über der Gruppe kreisten. 2022 ließen nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen 50 Migranten im Dschungel ihr Leben. Die meisten werden in dem unerschlossenen, schwierigen Gelände nie geborgen. 

„Am dritten Tag brach eine schwangere Haitianerin aus unserer Gruppe zusammen“, sagt Milla. „ Aber wir mussten weiter, um noch vor Einbruch der Dunkelheit das nächste Camp zu erreichen.“ Wer nachts in der Dunkelheit läuft, ist wegen der Raubkatzen lebensmüde, hatten die Schlepper gewarnt. Immer wieder stießen sie auf menschliche Überreste. „Ich habe Snyder dann abgelenkt, aber das hat nicht immer geklappt“, seufzt seine Mutter Zurely.

 

Abschiebung und sexuelle Übergriffe

 

Im Dorf treffen sie auf Elías Cornejo von der Migraten-Organisation Fé y Alegría (Glaube und Freude), die von Adveniat unterstützt wird. Er kramt das Medikament für den kleinen Snyder aus seinem Rucksack, zeigt der Familie, wo sie ihr Zelt aufschlagen kann und erklärt, dass sie sich beim Grenzschutz Senafront registrieren müssen, um ins Übergangslager gebracht zu werden. Senafront kooperiert nur ungern mit Hilfsorganisationen, weil sie das rigiden Vorgehen des Grenzschutzes kritisieren.

Fé y Alegría wird meistens geduldet, hat aber keine offizielle Genehmigung, permanent humanitäre Hilfe zu leisten. Geflüchtete zu transportieren – selbst wenn es sich um Sterbenskranke handelt – ist strikt verboten. Migration ist für die panamaische Regierung ein Sicherheitsproblem. Durchreisende werden registriert, in umzäunte Lager verfrachtet und dann so schnell wie möglich per Boot und Bus zur costa-ricanischen Grenze gebracht. 

Doch nicht alle wollen oder können so schnell Panama verlassen – ihnen steht Cornejo bei. Eine Gruppe von Kubanerinnen und Venezolanern löchert ihn mit Fragen. „Den Grenzbeamten traue ich nicht. Wer weiß, ob sie dich nicht abschieben”, sagt eine Kubanerin. Ihr Misstrauen ist gerechtfertigt. Der UN-Sonderberichterstatter für Flüchtlinge hat 2023 in einem Bericht den Senafront kritisiert. Die Lager des Grenzschutzes seien unhygienisch und prekär, es komme zu sexuellen Übergriffen, Frauen werde ein Busticket im Tausch für sexuelle Dienstleistungen angeboten, und die Migranten seien de facto inhaftiert, da sie das Lager nicht verlassen dürfen, heißt es in dem Bericht. 

Cornejo hat schon in anderen Ländern Mittelamerikas gearbeitet. Er kennt die Lage und die Route der Migranten, die Fallstricke, die sicheren Unterkünfte und die rechtlichen Kniffe. „Informationen aus erster Hand und Hilfe bei konkreten Problemen sind das Wertvollste, was wir den Migranten geben können“, sagt er und kramt aus den Tiefen seiner Hosentaschen Bonbons und Kaugummis für die Kinder. Ein Geschenk, mit dem er sogar dem geschwächten Snyder ein Lächeln entlockt. Der Sechsjährige wird gesprächig und erzählt von der Schule, die er in Costa Rica hoffentlich bald besuchen wird. „Meinen Namen kann ich schon schreiben“, sagt er stolz, und verewigt sich mit krakeligen Druckbuchstaben im Notizbuch der Reporterin. 

Text: Sandra Weiss; Fotos: Florian Kopp (7); Jonas Brander (3)

 

www.adveniat.de

  

Aufruf der deutschen Bischöfe

 

Liebe Schwestern und Brüder,

jeder sechste Mensch weltweit, der vor Armut, Gewalt und Hoffnungs­losig­keit flieht, stammt aus Latein­amerika oder der Karibik. Während viele staat­liche Ein­rich­tungen oft taten­los zuschauen, ist es die Kirche vor Ort, die sich für ein menschen­würdiges Leben der Flücht­linge ein­setzt. Unser Latein­amerika-Hilfs­werk Adveniat unterstützt sie seit Jahr­zehnten dabei. Dazu passend steht die dies­jährige Weihnachts­aktion von Adveniat unter dem Motto „Flucht trennt. Hilfe verbindet“.

An Beispielen aus Kolumbien, Panama und Guatemala zeigt Adveniat, wie sich Gemeinde­mit­glieder, Ordens­leute und Priester mit großem Ein­satz um die Flüch­tenden kümmern: sei es mit Gemein­schafts­küchen, mit der Unter­kunft in sicheren Flücht­lings­her­bergen, mit medi­zi­nischer Ver­sor­gung, mit juristi­schem, psycho­logi­schem oder seel­sorg­lichem Bei­stand. Damit gibt die Kirche in Latein­amerika und der Karibik den­jenigen neue Hoff­nung, die viel zu oft auch um ihr Leben fürchten müssen.

Angesichts der gestiegenen Flücht­lings­zahlen in Latein­amerika und der prekären Lage der Flüch­tenden sind die kirch­lichen Unter­stützungs­angebote wich­tiger denn je. Deshalb bitten wir Sie um Ihre soli­da­rische und groß­zügige Spende bei der Weih­nachts­kollekte, die den Pro­jekten von Adveniat zugute­kommt. Zeigen Sie sich den armen Menschen in Latein­amerika und der Karibik verbunden, auch durch Ihr Gebet!

Der Eröffnungsgottesdienst aus dem Erfurter Dom mit Bischof Dr. Ulrich Neymeyr wird mitgefeiert von den Aktionsgästen Lourdes Álvarez aus Kolumbien, Kardinal Álvaro Ramazzini aus Guatemala sowie mit der musikalischen Gestaltung durch Jugendliche des Ensembles „sonidos de la tierra“ aus Paraguay und den Jugendchor Leinefelde.

  

Kollekte und Spenden

 

An Heiligabend, 24. Dezember, und am ersten Weihnachtsfeiertag, 25. Dezember, wird in ganz Deutschland in allen Gottesdiensten für die Adveniat-Weihnachtsaktion gesammelt.

Spenden sind online möglich sowie auf das Konto

Bischöfliche Aktion Adveniat

IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45

SWIFT-BIC-Code: GENODED1BBE

 

Stadtdechant Kleine spricht bei Gedenkfeier der Stadt Köln zum Volkstrauertag: „Werden wir zu Friedensstiftern“

23. November 2023; ksd

 

Köln. Am Volkstrauertag hat Kölns Stadtdechant Msgr. Robert Kleine bei der Gedenkfeier der Stadt neben Bürgermeister Dr. Ralf Heinen und Regierungspräsident Dr. Thomas Wilk im Namen der christlichen Kirchen in der Kirchenruine von Alt-St. Alban gesprochen, in der die Skulpturen des „Trauernden Elternpaars“ nach einem Werk von Käthe Kollwitz stehen. Seine Ansprache:


Am heutigen Volkstrauertag gedenken wir der Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft und Terrorismus sowie der bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr gefallenen deutschen Soldatinnen und Soldaten.

Krieg – Gewaltherrschaft – Terror

In der Bibel, im Ersten oder Alten Testament, finden wir das Buch des Propheten Jesaja. Hier heißt es im 25. Kapitel: „Der Herr der Heerscharen wird auf diesem Berg für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen. Er hat den Tod für immer verschlungen und Gott der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen. An jenem Tag wird man sagen: Siehe, das ist unser Gott, auf ihn haben wir gehofft, dass er uns rettet. Das ist der Herr, auf ihn haben wir gehofft.“

Da zeichnet der Prophet Jesaja ein sehr opulentes Bild von der Endzeit und vom Himmel. Ein riesiges Gastmahl - denn es gibt etwas zu feiern: Die Rettung.

Die Rettung von allem Unheil und Bösen, die Rettung aus Leid, Trauer und Tod – eine Rettung, die nur einer vollbringen kann: Nämlich Gott! Ein Gott, auf den man hoffen und auf den man sich verlassen kann.

Dieses Bild „malt“ der Prophet Jesaja im 8. Jahrhundert vor Christi Geburt für ein Volk, das dabei ist, alle Hoffnung zu verlieren. Geschrieben ist diese Vision der Hoffnung in eine absolute Krise hinein. Das Volk Israel, hatte Verschleppung, Mord und Totschlag erlebt, und gerade da verweist Jesaja auf Gott. Mit seinem Bild vom Festmahl will er seinem Volk wieder Mut machen, damit es in seiner schwierigen Situation nicht aufgibt. Denn das ist gewiss: Gott sorgt für sein Volk.

Es ist furchtbar, dass sich eben dieses Volk und die Menschen, die aktuell in Israel leben, Juden, aber auch Christen und Muslime wieder erschreckender Gewalt ausgesetzt sahen und sehen. Die Menschen im Gazastreifen, besonders Kinder und Kranke leiden unter dem Krieg, den die Hamas durch ihren Terrorakt auf Israel ausgelöst hat, Hunderttausende sind auf der Flucht.

Es ist furchtbar, dass seit dem 24. Februar 2022 der russische Angriffskrieg auf die Ukraine andauert. Mit immer neuen Angriffen, Toten und Verletzten, Zerstörung der Infrastruktur.

Es ist furchtbar, dass es weltweit rund 100 kriegerische Auseinandersetzungen und Bürgerkriege gibt.

Krieg – Gewaltherrschaft – Terror

So viele Tränen, so viel unsägliches Leid, was es einem schwer macht, die tröstenden Worte des Jesaja zu hören: „Er beseitigt den Tod für immer. Gott, der Herr wischt die Tränen ab von jedem Gesicht.“

Aber auch wenn wir aktuell in der Ukraine, im Heiligen Land und vielen anderen Regionen so weit davon entfernt sind: Die Verheißung des Jesaja gilt: Gott beseitigt den Tod für immer. Das ist mein Glaube als Christ.

Als Jesus in Bethlehem in Judäa geboren wurde, verkündeten Engel den Hirten auf dem Feld den „ Frieden auf Erden allen Menschen seines Wohlgefallens" (Lk 2, 14).

„Frieden auf Erden", lateinisch „Pacem in terris", nannte Papst Johannes XXIII. sein Schreiben, das er 1963, also vor 60 Jahren, inmitten des Kalten Krieges, nach Mauerbau und Kubakrise veröffentlichte. Es war erstmals nicht nur an Christinnen und Christen gerichtet, sondern an alle Menschen guten Willens. Der Papst ruft darin die Menschheit über alle Religionen und über alle Nationen hinweg auf, Frieden zu schaffen. Es ist die große Vision einer Menschheitsfamilie.

Auch 60 Jahren nach Erscheinen des Textes ist es unsere dauerhafte Aufgabe, an einer Welt des Friedens mitzubauen, die auf den vier Säulen gegründet ist. auf die der inzwischen heiliggesprochene Johannes XXIII. in seiner Enzyklika hinweist: Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit.

Jesus sagt in der Bergpredigt: „Selig die, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt (Mt 5,9)"

Deshalb: Lassen wir uns davon inspirieren und selbst durch unser Tun zu Friedensstiftern werden! Denn der Frieden beginnt im Kleinen. Wir können ja leicht sagen: Was kann ich für den großen Frieden tun? Beginnen wir im Kleinen, Frieden zu halten - in den Familien, im Beruf, in der Politik, in unserer Gesellschaft.

Stehen wir auch auf, wo andere Hass säen.
Erheben wir unsere Stimme, wenn Menschen ausgegrenzt werden, wenn in diesen Tagen Antisemitismus scheinbar wieder hoffähig wird.

Ein Freund von mir ist seit einigen Wochen bis vermutlich Ende Januar als Militärpfarrer im multinationalen Camp im irakischen Erbil eingesetzt.

Sein Wunsch an mich für ihn und die Soldaten vor Ort: „Denk an uns, bete für uns."

So lade ich Sie alle ein, um den Frieden für die Menschen im Heiligen Land und im Nahen Osten, in der Ukraine und den anderen Kriegs- und Krisenregionen der Welt zu beten. Und schließen wir besonders auch die Menschen ein, die in den unterschiedlichen Kriegs- und Krisenregionen als internationale Friedenstruppen versuchen, Frieden zu schaffen beziehungsweise zu erhalten, oder als Mitarbeitende von Hilfsorganisationen versuchen, Leid und Not zu lindern.

So schließe ich mit dem Gebet der Vereinten Nationen:

„Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall.

An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen,

dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden,

nicht von Hunger und Furcht gequält,

nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.

Gib uns Mut und die Voraussicht,

schon heute mit diesem Werk zu beginnen,

damit unsere Kinder und Kindeskinder

einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.“

Und ich ergänze:

Pax, Frieden, Salam und Schalom!

 

„Köln bleib(t) sozial! Wir packen an, damit wir nicht einpacken müssen!“: Soziale Einrichtungen schließen für zwei Tage

23. November 2023; ksd

 

UPDATE (30. November 2023 – liga): Mehr als 8000 Mitarbeitende aus allen Bereichen sozialer Arbeit, Seniorinnen und Senioren, Klientinnen und Klienten und Kita-Eltern haben sich am 29. November an der Demonstration beteiligt, zu der die Liga der Wohlfahrtsverbände aufgerufen hatte. Die Demo startete um 11.11 Uhr auf dem Ottoplatz vor dem Deutzer Bahnhof und führte über die Deutzer Brücke bis zum Aachener Weiher. Wie schon am Vortag blieben mehr als 500 soziale Einrichtungen, darunter Kitas, offene Ganztagsangebote, Jugendzentren, Seniorenberatungsstellen, Beratungsdienste im Flucht- und Migrationsbereich in Köln geschlossen. Nach dem Aktionstag am Dienstag mit zahlreichen gemeinnützigen Aktivitäten im gesamten Stadtgebiet, haben die sozialen Verbände mit der Demo am Mittwoch ein weiteres Zeichen gesetzt, um ihre Forderungen an die Stadt zu unterstreichen. Sie schreiben in ihrer Pressemitteilung:

Ein klares Bekenntnis der Kölner Politik zum Erhalt der sozialen Infrastruktur in unserer Stadt – auch die der freien Träger.

Übernahme der Personalkostenerhöhungen von durchschnittlich zehn Prozent.

Eine schnelle Entscheidung für eine kostendeckende Finanzierung in der letzten Ratssitzung 2023 am 07. Dezember 2023.

„Wir fordern eine gerechte Behandlung“, sagt Peter Krücker, Caritasvorstand und Sprecher der Liga. „Wenn die Kommune die Tarifsteigerungen für ihre eigenen Mitarbeitenden und sozialen Dienste zahlt, dann muss das auch für uns Träger gelten. Denn: Wir übernehmen viele kommunale Pflichtleistungen.“ Die Träger der Freien Wohlfahrtspflege seien wegen des Tarifabschlusses TVöD und inflations- und krisenbedingt enormen Kostensteigerungen – genauso wie die Kollegen der öffentlichen Hand – extremen Mehrbelastungen ausgesetzt. Mit dabei waren auch viele Mitarbeitende der Diakonie Köln und Region, dabei auch die Geschäftsführerin Martina Schönhals und Jörg Zeyßig.

Krücker: „Mit großer Selbstverständlichkeit werden die Personalkostensteigerungen der öffentlichen Hand durch den kommunalen Haushalt getragen – die von uns freien Trägern aber nicht. Mit einem bisherigen Steigerungssatz von 2 Prozent und einem für das Jahr 2024 unzureichenden Strukturförderfonds sind wir unterversorgt. Ein gerechter und fairer Umgang mit den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege sieht anders aus!“ Die Kombination aus unzureichender Finanzierung und gleichzeitig akuter Personalnot führe Träger und Einrichtungen in eine dramatische Lage. „Diese Situation ist fatal – insbesondere für die Kölnerinnen und Kölner, die eine stabile soziale Infrastruktur mit ihren vielfältigen Angeboten dringend benötigen und auf sie setzen!“

 

Köln (cv). Mit einer Mahnwache am 8. November vor dem Kölner Rathaus haben die Kölner Wohlfahrtsverbände bereits ein erstes Zeichen gesetzt, um Politik und Stadtverwaltung nachdrücklich auf die existenzgefährdenden Herausforderungen hinzuweisen, vor der die soziale Trägerlandschaft aufgrund der Kostensteigerungen von durchschnittlich zehn Prozent steht. Grund für die Kostensteigerung sind die tarifbedingten Personalkostenerhöhungen und die inflations- und krisenbedingt stark gestiegenen Sachkosten. Wie eine auskömmliche Refinanzierung der freien Träger ab 2024 auf kommunaler Ebene umgesetzt werden kann, ist nach derzeitigem Stand immer noch ungewiss.

„Die Fraktionen haben während der Mahnwache zugesagt, die sozialen Strukturen aufrecht erhalten zu wollen, um den sozialen Frieden in Köln nicht zu gefährden“, sagt Peter Krücker, Vorstand des Caritasverbandes für die Stadt Köln und amtierender Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der sechs Spitzenverbände der freien Wohlfahrt (Liga). „Bisher aber fehlen konkrete Vorschläge zur Umsetzung einer kostendeckenden Finanzierung der Leistungen freier Träger auf kommunaler Ebene. Dagegen werden die Kostensteigerungen für die städtischen Einrichtungen selbstverständlich kompensiert. Daher werden wir jetzt weitere öffentlichkeitswirksame Maßnahmen des Protestes ergreifen.“

 

Kitas und Beratungstellen schließen

 

Am Dienstag, 28. November, und Mittwoch, 29. November, bleiben die sozialen Einrichtungen in Köln geschlossen (ausgenommen sind Einrichtungen der Pflege und Gesundheitsversorgung wie Wohnheime und Krankenhäuser). Geschlossen bleiben aber zum Beispiel Kindertagesstätten und Beratungsstellen. Geplant sind gemeinnützige Aktionen, an denen sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie möglichst viele Klient*innen, Bewohner*innen, Eltern, Kinder und Senior*innen beteiligen können.

Am Dienstag, 28. November, startet ab 11 Uhr eine zentrale Müllsammelaktion am Deutzer Rheinufer unter dem Motto „Köln bleib(t) sozial! Wir packen an, damit wir nicht einpacken müssen!“ Zusätzlich finden im Stadtgebiet weitere Aktionen statt, die den Einsatz der sozialen Trägerlandschaft für eine friedliche und solidarische Stadtgesellschaft veranschaulichen.

Am Mittwoch, 29. November, startet um 11.11 Uhr ein Demonstrationszug vor dem Deutzer Bahnhof (Ottoplatz) über die Deutzer Brücke bis in die Altstadt: Ottoplatz – Opladener Straße – Mindener Straße – Deutzer Brücke – Pipinstraße – Cäcilienstraße – Neumarkt – Hahnenstraße – Aachener Straße – Aachener Weiher.

 

Zur Liga der Wohlfahrtsverbände gehören:

Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Köln (AWO)

Caritasverband für die Stadt Köln

Der Paritätische Köln

Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Köln

Diakonie Köln und Region

Synagogen-Gemeinde Köln

 

Mehr unter liga.koeln

 

Mitte Oktober hatte eine Kundgebung vor dem NRW-Landtag in Düsseldorf stattgefunden. Einen Bericht lesen Sie hier.

 

Weitere Infos zum Thema unter   www.nrw-bleib-sozial.de

 

Ein Interview von DOMRADIO.DE mit Peter Krücker, dem Vorstandssprecher des Caritasverbands für die Stadt Köln und Sprecher des Zusammenschlusses von sechs freien Wohlfahrtsverbänden in Köln, können Sie hier nachlesen.

 

„Orange Days“: Solidarität gegen Gewalt an Frauen und Mädchen (25. November)

22. November 2023; ksd

 

Köln (apk/ksd). Ein Bündnis aus Christinnen, Musliminnen und Bahá‘í sowie kirchlichen Organisationen und Institutionen lädt am Samstag, 25. November, zum interreligiösen Gebet in die Karl Rahner Akademie ein (Jabachstraße 8). Das Gebet unter dem Leitwort „Tendenz steigend“ findet im Rahmen der „Orange Days“ statt am Internationalen Gedenktag „Nein zu Gewalt an Frauen“. Beginn ist um 17 Uhr.

Einerseits gibt es (rechtliche) Fortschritte bei der Gendergleichstellung, andererseits steigen Gewalt und Hass gegen Frauen im privaten und im öffentlichen Raum. Bei Letzterem fordern die Veranstalterinnen und Veranstalter ein gemeinsames und entschiedenes „Nein!“. Im Anschluss an das interreligiöse Gebet findet eine Demonstration statt.

 

Aktion in der Schildergasse

 

Ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen setzen Oberbürgermeisterin Henriette Reker, das Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern der Stadt Köln, der Kölner Arbeitskreis „ Gegen Gewalt an Frauen“ sowie fünf Kölner Frauen-Serviceclubs am 25. November bereits ab 14 Uhr am Kölner Bierbrunnen auf der Schildergasse zusammen.

133 orangefarbene Schuhpaare werden dann symbolisch um den Brunnen herum angeordnet. Jedes Paar steht für eine Frau, die im vergangenen Jahr in Deutschland durch häusliche Gewalt ums Leben kam. Die Aktion „Wann setzt Du ein Zeichen?“ findet dabei bewusst in der belebten Kölner Einkaufsstraße statt um zu zeigen, dass das Thema geschlechtsspezifische Gewalt alle etwas angeht.

Auch orangefarbene Sitzbänke, die durch das Handwerkerinnenhaus in Köln gebaut wurden, sprechen es an und aus: „Kein Platz für Gewalt gegen Frauen“. Zudem werden „Read the Signs“-Statements zu den acht wichtigen Zeichen zur (Früh-)Erkennung von Gewalt an Frauen und Mädchen von den Präsidentinnen der Frauenserviceclubs vorgetragen. Dazu passend erklingen einige der weltweit bekanntesten „Women Empowerment“-Songs, dargeboten von Martina Augl (Gesang) und Martin Thiedeke (Trompete) – ganz unter dem Zeichen: Frauen stärken mit Musik. Ein Infostand informiert über weitere Aktivitäten.

 

Film über Tina Turner

 

Die Frauenbeauftragte der Evangelischen Kirche Köln und Region, die Melanchthon-Akademie und das Odeon-Kino beteiligen sich mit dem Dokumentarfilm „TINA“ über die Sängerin Tina Turner und einem anschließenden Filmgespräch an den „Orange Days“. Tina Turner, die im Mai verstorben ist und lange in Köln lebte, ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie sich eine Frau aus einer Spirale der Gewalt befreit. Der Film mit einem anschließenden Filmgespräch wird am Mittwoch, 29. November, ab 19.30 Uhr, im Odeon gezeigt (Severinstraße 81).

 

„Frau Leben Freiheit – afghanisch, iranisch, deutsch“: Abschluss der Orange Days am Tag der Menschenrechte


Am Tag der Menschenrechte und zum Abschluss der „Orange Days“ soll am Sonntag, 10. Dezember, ab 18 Uhr das Augenmerk ein weiteres Mal auf die Situation von Frauen im Iran, in Afghanistan und in der Diaspora gelenkt werden. In der Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, werden Zeitzeugenberichte, Texte, Briefe und Musik vorgetragen, die die Verbundenheit von Frauen und Männern diesseits und jenseits von Gefängnismauern und Menschen mit und ohne Einwanderungshintergründen in ihrem Bemühen um Freiheit und Gleichberechtigung ausdrücken sollen. Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Melanchthon Akademie mit der Frauenbeauftragten des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, dem Diwan e.V. und der Kartäuserkirche.

 

Das Plakat können Sie hier herunterladen.

 

orangedays-koeln.de

 

Im Radiobeitrag bezieht Kölns Stadtdechant Msgr. Robert Kleine, der kürzlich erneut zum Diözesanpräses der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) gewählt worden ist, Stellung zum Thema Frauenrechte.

  

Festgottesdienst zum Christkönigsonntag: Solidarität und Ökumene mit den orientalischen Kirchen

13. November 2023; ksd

 

Köln. Zum Christkönigsonntag findet am Samstag, 25. November, findet in St. Gereon ein Festgottesdienst in Solidarität und Ökumene mit den orientalischen Kirchen statt. Mit dabei Vertreter der:

Koptisch-Orthodoxen Kirche Köln

Armenischen Gemeinde Köln

Griechisch-Orthodoxen Gemeinde St. Dimitrios

Eritreisch-Orthodoxne Tewahdo-Kirche

Aramäer Köln, Syrisch-Orthodoxe Gemeinde

Beginn ist um 18 Uhr.

 

Hier können Sie das Plakat herunterladen.

 

Ökumenischer Gedenkgottesdienst für Familien und Angehörige verstorbener Kinder (9. Dezember)

13. November 2023; ksd

 

Köln (ir). Ein ökumenischer Gedenkgottesdienst für Mütter, Väter, Geschwister und andere Angehörige von verstorbenen Kindern findet am Samstag, 9. Dezember, um 16 Uhr in der Evangelischen Clarenbachkirche statt Aachener Straße 458, 50933 Köln-Braunsfeld). Der Gottesdienst wird vorbereitet und gestaltet von einem ökumenischen Team verwaister Eltern und Geschwister. Die Leitung liegt bei Irmela Richter, Prädikantin in Rheinbach, und Wolfgang Obermann, Gemeindereferent in Köln. Im Gottesdienst werden die Namen von verstorbenen Kindern und Geschwistern verlesen.

Der Weltgedenktag für verstorbene Kinder fällt in diesem Jahr auf den 10. Dezember. Trauernde Eltern, Geschwister und Angehörige sind weltweit eingeladen, um 19 Uhr eine Kerze ins Fenster zu stellen, sodass eine Lichterkette im Gedenken an die Kinder innerhalb von 24 Stunden einmal rund um den Erdball geht.

 

Kirche für Leib und Seele: St. Karl, Geißbock und Caritas jetzt offiziell „vereint“

10. November 2023; ksd

 

Köln (sk). Nach dem Heimspiel der FC-Profis am ersten Novemberwochenende gegen den FC Augsburg haben die FC-Stiftung, der Caritasverband für die Stadt Köln und die katholische Kirchengemeinde St. Karl den Verein „St. Karl - Kirche für Leib und Seele e.V.“ gegründet. Am Namenstag des Heiligen Karl Borromäus (4. November) legten die Partner einen wichtigen Grundstein für den Ausbau der seit drei Jahren erfolgreich laufenden Zusammenarbeit in der FC-Lebensmittelausgabe in Köln-Sülz. Während dieser Zeit wurden insgesamt über 1000 Menschen unterstützt, mehr als 400 aus den angrenzenden Stadtteilen, sowie knapp 500 Geflüchtete aus der Ukraine. Mittlerweile erhalten jede Woche 400 bis 500 Gäste Unterstützung von über 60 Ehrenamtlichen. 

FC-Präsident Werner Wolf nahm in Begleitung seiner Frau an der Gründungsversammlung im Caritas-Zentrum in Köln-Sülz teil. „Das gemeinnützige Engagement ist dem 1. FC Köln sehr wichtig. Die Zusammenarbeit der beteiligten Parteien hier in St. Karl funktioniert hervorragend. Die Angebote entwickeln sich stetig weiter, das ist toll zu sehen“, erklärte Wolf in seiner Ansprache.

Peter Krücker, Vorstandssprecher des Caritasverbandes für die Stadt Köln, äußerte seine Begeisterung über die vorbildliche Kooperation von verbandlicher und gemeindlicher Caritasarbeit in St. Karl. Seiner Einschätzung nach verbinde sich das Engagement aller Akteure zu einem auf vielfältige Weise bereichernden Angebot für alle Menschen vor Ort. Krücker bringt sich persönlich in den neu gegründeten Verein ein, neben FC-Vertreterin Monika Beckmann und Hanno Sprissler von der Kirchengemeinde St. Karl ist er gewähltes Mitglied im dreiköpfigen Vorstand.

 

Leuchtturmcharakter für Kirche und Gesellschaft

 

Die außergewöhnlich erfolgreichen Synergien der involvierten Institutionen und Menschen hob auch Stadtdechant Msgr. Robert Kleine hervor. Was in St. Karl mit Unterstützung von Kirche, Caritas und dem 1. FC Köln in Form seiner Stiftung aufgebaut worden sei, habe Leuchtturmcharakter und sei ein ideales Beispiel dafür, wie sich die Kirche in der Gesellschaft neu ausrichten und positionieren könne.

Hans Fey, der bis vor wenigen Jahren Puppenspieler im Hänneschen-Theater war, hat die Versammlung zuvor auf herrlich kölsche Art eröffnet. Mit Freude stellte er fest, dass er als Kind im gleichen Raum, in dem die Gründungsversammlung stattfand, früher am Erstkommunionunterricht beim damaligen Pfarrer teilgenommen hatte. Am Ende der Sitzung fasste er seinen Eindruck lächelnd zusammen: „Ich sach mal, das deiht dem FC och joot, dass sich St. Karl auch mit dem FC und dem Jeißbock schmücke kann. Ich finde das ein großartiges Zeichen! Dat mäht mir Spaß und Freud‘!“

 

Lebensmittelausgabe, Kleiderkammer, Beratung und mehr

 

Der neue Verein wird an St. Karl die Möglichkeiten zum eigenständigen Agieren verbessern, die Vernetzung in den Stadtteil ausweiten und die Angebotsstrukturen stärken. Jede und jeder kann für einen geringen Jahresbeitrag von 40 oder reduziert 20 Euro die Aufgaben in St. Karl fördern. Stimmberechtigt und mitgestalten können alle ab einem Alter von 10 Jahren.

Im November 2020 errichteten die Stiftung des 1. FC Köln und die katholische Kirche in Sülz und Klettenberg die „FC-Lebensmittelausgabe an St. Karl“. Gestartet ist die Ausgabe mit fünf Engagierten und weniger als 50 Gästen. In den ersten drei Jahren wurden insgesamt über 1350 Menschen unterstützt, mehr als 600 aus Sülz und Klettenberg, über 500 Geflüchtete aus der Ukraine und über 250 aus anderen Stadtteilen. Mittlerweile erhalten jede Woche über 500 Gäste Unterstützung von mehr als 80 Ehrenamtlichen.

Die Angebote in St. Karl gehen mittlerweile weit über die Lebensmittelausgabe hinaus: Seit Mitte 2022 gibt es kostenlose Second-Hand-Kleidung und Artikel aus Haushaltsauflösungen. Hinzu kamen eine Essensausgabe und Beratungsangebote in Kooperation mit dem Caritas-Zentrum unter der Kirche. Die Kleiderkammer aus St. Bruno in Klettenberg ist an den Kirchort umgezogen. Auch die stärkenden, spirituellen Angebote werden mehr. Vorrangiges Ziel aller Angebote in St. Karl ist nicht die materielle Hilfe, sondern der wertschätzende Umgang und die Stärkung aller Gäste. Alle Besucherinnen und Besucher von St. Karl sollen sich wohlfühlen und spüren, dass sie wertvoll sind, so die Träger.

 

http://karl.koeln/verein/

 

„Nie wieder ist jetzt“: Gedenkstunde in der Synagoge Köln zum 85. Jahrestag der Pogromnacht am 9. November 1938

10. November 2023; ksd

 

Köln. Mehr als 500 Menschen nahmen an der Gedenkstunde zur Erinnerung an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 in der Kölner Synagoge teil, darunter Minister Nathanel Liminski und Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Das Gedenken stand unter dem Leitwort „Nie wieder ist jetzt“:  Eine gemeinsame Rede hielten die beiden Spitzenvertreter der großen Kirchen in Köln, Stadtdechant Msgr. Robert Kleine und Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger.

Aktuell gebe es mehr Anlass zur Sorge und zur Mahnung denn je, machten Kleine und Seiger deutlich. Der zunehmende und „erschreckend offen zutage“ tretende Antisemitismus bei vielen Demonstrationen in Deutschland, aber auch im Alltag jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger sei „ mehr als alarmierend“, so die beiden Kirchenvertreter, die noch am Vorabend gemeinsam mit NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, vielen weiteren Ministerinnen und Ministern sowie rund 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Schweigegang der Kirchen durch Köln angeführt hatten. „Hier sind eine klare Haltung und konsequentes Handeln gefragt. Hetze gegen jüdische Menschen ist unerträglich und darf in unserem Land nicht geduldet werden, von niemandem und in keiner Form!“, lautete Kleines und Seigers Botschaft.

Aufgrund ihrer Geschichte, in der die evangelische wie die katholische Theologoe den jüdischen Glauben über Jahrhunderte nicht geachtet, sondern bekämpft habe, stünden sie in Demut und Ehrfurcht vor den Menschen in der Synagoge, so Seiger. Kleine erinnerte mit einem Zitat vo Papst Franziskus daran, dass der Dialog zwischen Juden und Christen kein interreligiöser sei, sondern ein familiärer, denn Jesus war Jude und lebte in der jüdischen Tradition.

 

Was heute konkret getan werden, könne, um Antisemitismus zu begegnen und jüdisches Leben zu schützen, nannten Kleine und Seiger dann im Wechsel:

 

Kleine: Es sind klare Worte der Solidarität.

Seiger: Es ist die Teilnahme an Kundgebungen wie am Sonntag zur Solidarität mit Israel oder die Initiierung und Organisation des gestrigen Schweigegangs.

Kleine: Es sind weitere Schritte der Bildungsarbeit der Kirchen und Schulen, wie wir das heute hier wieder ermutigend erleben. Es sind die Begegnungen, es sind Bildungsreisen nach Israel mit Jugendgruppen, die hoffentlich bald wieder möglich werden. 

Seiger: Es sind Fahrten mit Jugendlichen zu Gedenkstätten wie Auschwitz und Buchenwald; es sind Appelle, sich von allen Demonstrationen mit judenfeindlichem Inhalt zu distanzieren. 

Kleine: Es ist das Melden von Hass und antisemitischer Hetze in den sogenannten Sozialen Medien.

Seiger: Es sind gegenseitige Kontaktaufnahmen, Besuche und Begegnungen.

Kleine: Es ist ermutigend, dass die politischen Stellungnahmen in Bund, Land und Stadt klar sind und der Einsatz der Polizei Juden in Deutschland schützt. Es ist richtig, das Strafrecht gegen Judenfeindlichkeit einzusetzen.

Seiger: Es ist unser Gebet.

 

Die vollständige Rede können SIe hier nachlesen.

 

Einen ausführlichen Bericht von Beatrice Tomasetti zur Gedenkstunde lesen Sie bei DOMRADIO.DE

 

Religionen und Konfessionen beten Seite an Seite für Frieden

30. Oktober 2023; ksd

Köln (pek). Zu einem multireligiösen Friedensgebet sind Vertreter mehrerer Religionen und christlicher Konfessionen im „Garten der Religionen“ in Köln zusammengekommen. Auf Einladung des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki beteten sie für den Frieden unter den Völkern, Nationen und Religionen. Neben dem Kölner Erzbischof gehörten zu den Vertretern Abraham Lehrer (Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland), Rabbiner Yechiel Brukner (Synagogen-Gemeinde Köln), Landeskirchenrat Pfarrer Markus Schaefer (Evangelische Kirche im Rheinland), Erzpriester Beza Mengistu (Äthiopisch-Orthodoxe Gemeinde Düsseldorf), Dr. Maryam Balke (Vorsitzende der MTO Shahmaghsoudi - Schule des Islamischen Sufismus KdöR), Archimandrit Aristakes Aivazian (Armenisch Apostolische Kirche) und Aiman A. Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD)).

Die Religionsvertreter beteten in ihrer jeweils eigenen Tradition um Frieden. So betete unter anderem Rabbiner Brukner ein Gebet aus der jüdisch-orthodoxen Tradition, der Vorsitzende des ZMD Mazyek zitierte Verse aus dem Koran und Erzpriester Mengistu trug Fürbitten in der äthiopisch-orthodoxen Tradition vor. Zum Abschluss lud Kardinal Woelki zum gemeinsamen stillen Gedenken ein.

Mit seiner Einladung folgte Kardinal Woelki einem Aufruf zum Gebet für den Frieden von Papst Franziskus. Besorgt erklärt der Kölner Erzbischof: „Unsere Welt ist in Aufruhr. Krisen und Kriege prägen unser Leben in einer Breite, wie wir es schon lange nicht mehr erlebt haben. Der blutige Konflikt im Nahen Osten ist uns besonders deutlich vor Augen. Auch der Ukraine-Krieg ist uns sehr im Bewusstsein. Aber die Liste der Krisenherde ist länger, besorgniserregend lang. Doch wir sind eine Menschheitsfamilie und alle Kinder Gottes. Und als solche sollten wir zusammenstehen. Gemeinsam wollen wir daher für den Frieden beten. Gemeinsam wollen wir aller Hoffnungslosigkeit zum Trotz ein Zeichen der Hoffnung geben.“

Der „Garten der Religionen“ (IN VIA, Stolzestraße 1a, Köln) wurde als Veranstaltungsort gewählt, da hier alle Religionen gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Aufgrund der unbeständigen Witterung fand der Gottesdienst im angrenzenden Saal von IN VIA statt. Der Gottesdienst wurde live von Domradio.de und EWTN übertragen und steht online als Aufzeichnung zur Verfügung.

 

„Tage des Glaubens“ in St. Nikolaus

30. Oktober 2023; ksd

 

Köln. Zu „Tagen des Glaubens“ laden die Gemeinde St. Nikolaus in Sülz-Klettenberg und das Katholische Bildungswerk Köln ab Mittwoch, 1. November, ein. An vier Abenden steht die biblische Offenbarung des Johannes im Mittelpunkt und regt dazu an, sich mit den „letzten Fragen“ nach „Glauben, Sinn, Endlichkeit und Ewigkeit, nach dem Woher und Wohin“ auseinanderzusetzen.

 

Die Themen und Termine:

Mittwoch, 1. November (Allerheiligen), 19.30 Uhr: Szenische Lesung mit musikalischen Elementen und Lichteffekten, mit Professor Dr. Armin Grunwald, Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse sowie Professor für Technikphilosophie, anschließend Gespräch

Donnerstag, 2. November (Allerseelen), 18.30 Uhr: „Unverlierbar“ – Meditation zu Allerseelen, mit Musik sowie biblischen Texten und Gedichten, mit Professor Dr. Armin Grunwald

Freitag, 1. Dezember, 19.30 Uhr: „Das Himmlische Jerusalem“ – Vortrag und Dialog mit Schwester Margareta Gruber, Professorin für Neues Testament an der Vinzenz Pallotti Universität in Vallendar, anschließend Gespräch

Samstag, 2. Dezember, 19.30 Uhr: „Himmel auf Erden“ – Evensong zum Advent

 

Das Plakat können Sie hier herunterladen.

 

Rund 3000 Teilnehmer*innen bei ökumenischem Schweigegang für Anteilnahme und gegen Antisemitismus

27. Oktober 2023; KSD

 

UPDATE (8. November 2023): Rund 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben am Mittwochabend (8. November) am Schweigegang der katholischen und der evangelischen Kirche in Köln teilgenommen. Er stand unter dem Leitwort „Wir trauern um die Opfer des Terrors gegen Israel. Wir stehen an der Seite unserer jüdischen Mitbürger*innen!“. Vom Dom bis zur Synagoge zogen die Menschen schweigend und friedlich durch die Stadt. Mit dabei: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, NRW-Innenminister Herbert Reul, Dorothee Feller, NRW-Ministerin für Schule und Bildung, sowie Nathanel Liminski, NRW-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien, und NRW-Justizminister Benjamin Limbach. Auch der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Dr. Thorsten Latzel, war mit dabei. Vom Erzbistum Köln hatte Generalvikar Msgr. Guido Assmann seine Teilnahme und Unterstützung zugesagt. Der Schweigegang war in enger Abstimmung mit der Synagogen-Gemeinde Köln gestaltet worden. Zu den Teilnehmern zählten auch jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, unter ihnen Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorstand der Synagogen-Gemeinde.

Zu Beginn begrüßten die drei Veranstalter, Stadtdechant Msgr. Robert Kleine, Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger und der Vorsitzende des Katholikenausschusses in der Stadt Köln, Gregor Stiels, die Menschen am Dom. „Durch Ihre Teilnahme setzen Sie ein klares, beredtes, wenn auch schweigendes Zeichen“, dankte Stadtdechant Kleine den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. „Es herrscht Krieg, in Israel, im Gaza-Streifen. Es gibt Tote und Verletzte auf beiden Seiten. Menschliches Leid, Tod und Zerstörung in Israel und im Gaza-Streifen können und dürfen nicht gegeneinander aufgewogen werden. Jedes Opfer ist eins zu viel!“, sagte Kleine unter Applaus.

 

„Durch nichts in der Welt kann und darf dieser Terror gerechtfertigt oder relativiert werden“

 

Man trauere um die Menschen, die unschuldig aus dem Leben gerissen oder verletzt wurden und werden. „Und natürlich hoffen wir alle, dass in naher Zukunft der Krieg beendet sein wird! Wir beten um Frieden in Israel, im Gaza-Streifen, im ganzen Nahen Osten.“ Am 7. Oktober habe die Terror-Organisation Hamas auf brutalste Weise mindestens 1400 Menschen getötet, viele verletzt und mehr als 240 als Geiseln in de Gaza-Streifen verschleppt. „Die Berichte über den Terror der Hamas lassen einem das Blut in den Adern gefrieren“, so Stadtdechant Kleine. „Wie Menschen exekutiert wurden, wie gefoltert wurde. Wie Menschen vom Kleinkind bis zum alten Menschen massakriert wurden.“

Der schreckliche Terroranschlag sei der tödlichste Tag für Juden seit den Schrecken des Holocaust gewesen. „Ganz bewusst haben wir uns dafür entschiedne, am Vorabend des Gedenkens an die Reichspogromnacht von 1938 zu einem Schweigegang durch die abendlichen Straßen unserer Stadt einzuladen.“

Die christlichen Kirchen in Köln setzten an diesem Abend ein gemeinsames und deutliches Zeichen der Trauer und der Anteilnahme mit den Opfern des barbarischen Massakers, mit den Toten und Verletzten sowie den Verschleppten und ihren Familien und allen Trauernden, so der Stadtdechant. „ Durch nichts in der Welt kann und darf dieser in den verschleppten Geiseln, in den Verletzten und Traumatisierten noch heute andauernde Terrorakt gerechtfertigt oder relativiert werden“, so Kleine eindringlich. „Durch nichts in der Welt!“

 

„Fest an der Seite unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger“

 

„Wir sind dankbar, dass Sie so viele sind“, sagte Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger beim Auftakt am Kölner Dom. „Wir sind dankbar, dass wir gemeinsam heute ein klares Zeichen setzen.“ Dankbar sei man auch, dass die Fraktionen des Kölner Stadtrates mit vielen Vertretern am Schweigegang teilnahmen, so Seiger weiter. Der Schweigegang war von mehr als 30 kirchlichen, kommunalen und sozialen Organisationen und Institutionen sowie politischen Parteien unterstützt worden. „Das ist eine wichtige Botschaft von unserer Stadt in unser Land hinein.“ Mit dem Schweigen wolle man die Solidarität und die Verbundenheit mit den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Köln sowie mit allen Menschen jüdischen Glaubens in Israel und in aller Welt zum Ausdruck bringen.

Seit dem barbarischen Angriff der Hamas müsse man in vielen Ländern und auch in Deutschland erleben, dass es nicht nur Gleichgültigkeit und Kälte gegenüber den jüdischen Opfern gibt, „sondern dass sich offener Antisemitismus Bahn bricht, auf Demonstrationen, in den Sozialen Netzwerken und auch in Schulen“, so Seiger. Er zeige sich in Schmiereien an Wänden und Angriffen auf jüdische Geschäfte. „Das erschreckt und uns muss uns wachrütteln!“, betonte der Stadtsuperintendent.

Der Antisemitismus breche auch in den Alltag der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger im Land und in der Stadt ein, so Seiger. „Man hat fast das Gefühl, Antisemitismus ist salonfähig und nicht mehr nur ein Thema der extremen Rechten, sondern auch in Teilen des linken, des migrantischen und des kulturellen Milieus. Wir gehen deshalb heute Abend gegen jede Form von Antisemitismus auf die Straße.“ Am Vorabend des 85. Jahrestages der Reichspogromnacht sagen die Kölner Kirchen mit ihrem Schweigen: „Wir stehen fest an der Seite unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger.“

 

„'Nie wieder!' ist jetzt – ohne Wenn und Aber“

 

Ministerpräsident Hendrik Wüst sagte im Interview mit DOMRADIO.DE über seine Teilnahme: „Es ist mir wichtig, auch an die Menschen jüdischen Glaubens ein Zeichen zu setzen, um zu verdeutlichen, dass sie in ihrer Verunsicherung und in ihrer Angst nicht allein sind. Wir müssen es klar benennen. Menschen jüdischen Glaubens haben in Deutschland aktuell wieder Angst. Das darf uns nicht kalt lassen. Wir müssen dagegen arbeiten. Wir müssen für ihre Sicherheit sorgen. Wir müssen aber auch als Gesellschaft ein Zeichen setzen, dass sie nicht allein sind, dass wir an ihrer Seite stehen.“

Der Ministerpräsident macht in seinen Verlautbarungen rund um den 9. November deutlich: „Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, allen entgegenzutreten, die sich auf die Seite des Terrors stellen. ,Nie wieder!' ist jetzt – ohne Wenn und Aber.“

Er sei den Kirchen in Köln dankbar für die Initiative des Schweigegang, so Wüst im DOMRADIO.DE: „ Die Kirchen bringen Menschen auf die Straße, sie bringen Menschen zusammen und sie können für interreligiösen Dialog sorgen. Das ist wertvoll, das ist wichtig“, so der Ministerpräsident.

Sein bewegendes Ende fand der Schweigegang nach einer Statio am Platz der am 9. November 1938 in der Reichspogromnacht zerstörten alten Synagoge in der Glockengasse an der heutigen Synagoge in der Roonstraße. Dort wurden die Bilder von Entführungsopfern der Hamas an die Fassade projiziert. Bevor die Teilnehmerinnen und Teilnehmer brennende Kerzen als Zeichen der Trauer um die Opfer des Hamas-Terrors und als Ausdruck der Solidarität mit Israel sowie mit den Jüdinnen und Juden in Köln auf der Mauer der Synagoge abstellten, sang Kantor Mordechay Tauber und Rabbiner Yechiel Leo Brukner sprach den aaronitischen Segen, der Juden und Christen verbindet.

 

Hildegard Mathies

 

Ein Video zum Schweigegang finden Sie hier und unten auf der Seite.

 

Eine Videobotschaft von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst zum 9. November sehen Sie hier.

 

Hier lesen Sie eine Gemeinsame Erklärung der Religionen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter und von Ministerpräsident Hendrik Wüst.

 

Auch die NRW-Bistümer haben eine Gemeinsame Erklärung veröffentlicht.

 

In der Gedenkstunde zum 9. November in der Kölner Synagoge sprachen in diesem Jahr Stadtdechant Msgr. Robert Kleine und Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger gemeinsam.

 

  

Vorbericht und Hintergrund:

   

„Wir wollen und müssen als christliche Kirchen die Stimme erheben“

 

Köln. Stadtdechant Msgr. Robert Kleine, Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger und der Vorsitzende des Katholikenausschusses in der Stadt Köln, Gregor Stiels, rufen am Mittwoch, 8. November, besonders unter dem Eindruck des Hamas-Terrors gegen Israel gemeinsam auf zu einem Schweigegang vom Dom bis zur Synagoge. Bewusst findet dieser Gang statt am Vorabend des Gedenkens an das Novemberpogrom von 1938, das sich am 9. November zum 85. Mal jährt. Der Schweigegang beginnt um 18 Uhr am Roncalliplatz und führt über die Glockengasse (Standort der ehemaligen Synagoge) zur Synagoge in der Roonstraße. Dort werden Kerzen als Zeichen der Trauer um die Opfer der Shoah und besonders der jüngsten Terrorangriffe der Hamas sowie als Zeichen der Solidarität mit Israel und den jüdischen Bürgerinnen und Bürgern Kölns abgestellt. Der Schweigegang will auch ein Zeichen setzen gegen den aktuell stärker und offener zutage tretenden Antisemitismus und den Hass gegen Israel und jüdische Menschen. Viele Organisationen und Institutionen sowie einige politische Parteien haben sich dem Aufruf als Unterstützer angeschlossen. Sie sind jeweils aktuell zu finden auf der Website zum Schweigegang.

 

Für Kölns Stadtdechant Msgr. Robert Kleine und Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger gab es nach den Terror-Angriffen der Hamas am 7. Oktober kein Zögern. Sie verurteilten nicht nur die Tötung von mehr als 1400 Menschen und die Verschleppung von Frauen, Kindern und Männern als Geiseln der Hamas in Stellungnahmen und Predigten. Sondern sie wollen ein gemeinsames und deutliches Zeichen setzen. Ganz bewusst haben sie sich dafür entschieden, am Vorabend des Gedenkens an die Reichspogromnacht von 1938 zu einem Schweigegang durch die abendlichen Straßen der Stadt einzuladen. Als dritter Veranstalter ist der Katholikenausschuss in der Stadt Köln mit dabei. Der Schweigegang ist ein Zeichen der Trauer und der Anteilnahme, aber auch der Solidarität und der Verbundenheit mit den Opfern des Terrors in Israel und den jüdischen Mitbürgerinnen und Bürgern in Köln. Bewusst soll an diesem Abend auf politische Stellungnahmen verzichtet werden. Der Schweigegang ist in enger Abstimmung mit der Synagogen-Gemeinde Köln geplant worden, um die Bedürfnisse der jüdischen Bürgerinnen und Bürger in der aktuellen Situation zu achten.

„Die Berichte über den Terror der Hamas lassen einem wirklich das Blut in den Adern gefrieren“, sagt Stadtdechant Kleine. „Wie Menschen exekutiert wurden. Wie gefoltert wurde. Wie Menschen, vom Kleinkind bis zu alten Menschen, massakriert wurden.“ Doch bereits kurze Zeit nach den Ereignissen und dem daraufhin aufflammenden Krieg zwischen Israel und Palästina sei die öffentliche Stimmung weniger vom Entsetzen geprägt gewesen, als es in der Vergangenheit der Fall gewesen sei, etwa nach den Anschlägen vom 11. September 2001 oder nach den Terror-Attacken des IS. Stattdessen sei in der Gesellschaft plötzlich etwas in Bewegung gekommen, das „manchmal blanker Antisemitismus ist“, so Kleine.

Man könne nicht verleugnen, dass der Hamas-Angriff ein Massaker gewesen sei und dass am Anfang dieses Krieges, in dem auf beiden Seiten Unschuldige leiden, ein Terrorakt gestanden habe, betont der Stadtdechant. Das und das Leid der Opfer dürfe man nicht relativieren, indem man auf die Siedlungspolitik Israels in Gaza oder die konfliktreiche Geschichte der beiden Nationen verweise. „ Wir sehen das Massaker als Massaker und wir sehen eine Gefahr eines aufkeimenden und inzwischen schon fast salonfähig werdenden Antisemitismus. Und da wollen und müssen wir auch als christliche Kirchen die Stimme erheben“, erklärt Kleine. „Das macht gar keinen Abstrich an den Opfern, die jetzt in der Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen zu beklagen sind, und da ist jeder Tote natürlich einer zu viel.“ Aber wenn das Existenzrecht Israels in Frage gestellt werde, wenn jüdische Menschen in einigen Ländern und auch in Deutschland bedroht werden, „dann müssen wir sagen: das ist antisemitisch“.

 

Historische Verantwortung der Kirchen

 

Antisemitismus sei in der Gesellschaft seit Jahrzehnten latent vorhanden, erinnert Stadtsuperintendent Seiger. In vergangenen Jahrhunderten hätten auch die Kirchen zu seinem Aufkommen und seiner Ausbreitung beigetragen – bis hin zu einem überwiegenden Schweigen in der Nazizeit. Nun trete der Antisemitismus aus dem Untergrund an die Oberfläche. Jüdische Menschen hätten wieder Angst um ihr Leben und davor, dass man ihnen erneut – wie im Holocaust beziehungsweise der Shoah – ihr Existenz- und Lebensrecht aberkennen und nehmen wolle. Antisemitische Äußerungen, aber auch dass die öffentliche Meinung aktuell eher auf der Seite der Opfer in Gaza zu stehen scheine, versetze Jüdinnen und Juden weltweit und auch in Deutschland in höchste Alarmbereitschaft. „Deshalb sehen wir, dass unser Platz als Kirchen unmissverständlich an der Seite unserer jüdischen Geschwister ist“, so Seiger. Und das in dem Wissen, dass „wir als christliche Kirchen in den vergangenen Jahrhunderten mit dazu beigetragen haben, dass überhaupt Antisemitismus entstanden ist“.

Jahrzehntelang habe nach den Gräueln der Shoah die Parole „Nie wieder!“ gegolten. Jüdisches Leben in Deutschland habe sicher sein sollen. Öffentliche antisemitische Äußerungen waren verboten und verpönt. „Jetzt ist der Zeitpunkt, das fett zu unterstreichen, denn die Eskalationsstufe, die wir haben, ist groß. Die Gefahr ist groß!“, warnt der Stadtsuperintendent. Erfreulich sei es aber zu sehen, dass alle politischen Kräfte, die Verantwortung tragen – Bundesregierung, Landesregierung und die politische Stadtspitze – klar verträten, dass es das Existenzrecht Israels zu schützen gelte. „Jüdische Einrichtungen sind zu schützen. Jüdische Schülerinnen und Schüler und jüdische Familien haben ein Recht auf ihr Leben und hier zu leben – und der Staat schützt sie. Da sind sich alle einig und das ist gut“, so Seiger. Auch der Kölner Rat der Religionen habe nach dem Terrorangriff der Hamas eine Stellungnahme herausgegeben, die sich ganz klar auch gegen aufkeimenden Antisemitismus positioniere. Diese Stellungnahme sei auch von den muslimischen Vertretern mitgetragen worden, darunter auch der Islamverband DITIB ergänzt Stadtdechant Kleine.

 

Klare Positionierung auch auf muslimischer Seite notwendig

 

Die Gesprächskultur der Religionsgemeinschaften in Köln sei gut. „Wir können hier in Köln aufrecht miteinander umgehen und zum Glück haben die Religionsvertreter eine klare Positionierung“, so Seiger. Es sei eine neue Entwicklung gewesen, dass sich die DITIB in Nordrhein-Westfalen nach dem Hamas-Terror an die Seite der Synagogen-Gemeinde gestellt habe, erläutert der Stadtsuperintendent. Auch der Imam der Ahmadiyya-Moschee in Köln habe das Massaker klar verurteilt, ergänzt Kleine. Dennoch erhoffen sich die beiden Kirchenvertreter von den muslimischen Verbänden sowie den muslimischen Bürgerinnen und Bürgern auch weiterhin eine deutliche Positionierung gegen Antisemitismus und Terror.

„Es kommt jetzt darauf an, auch in der muslimischen Welt, dass man sich klar positioniert und sich an das hält, was hier in Deutschland gilt: nämlich kein Hass, keine Ablehnung des Lebensrechts Israels“, fasst Seiger zusammen. In Deutschland leben rund 91.000 Jüdinnen und Juden sowie mehr als fünf Millionen Musliminnen und Muslime. Es bestehe die Gefahr, dass die Stimmung allein schon durch die zahlenmäßige Konstellation kippe, fürchtet Seiger. „Es muss ganz klar sein: nicht der, der mehr Menschen auf die Beine bringt, hat an dieser Stelle recht. Sondern es geht darum, die Sachlage klar zu kriegen: die Hamas IST eine Terrororganisation, die mit perfiden Mitteln arbeitet, auch mit ihrer ganzen Kriegs- und Verteidigungsstrategie, wo sie etwa ihre Kommandostände unter Krankenhäusern, öffentlichen Einrichtungen und Schulen einrichtet. Das ist eine Terrororganisation und das muss man benennen“, betont der Stadtsuperintendent.

Man könne ja einen politischen Diskurs führen und eine Zwei-Staaten-Lösung, die Politik Israels oder anderes diskutieren, sagt Stadtdechant Kleine. Eine politische Lösung sei jetzt aber leider erst einmal in weitere Ferne gerückt. Dass der Terror nicht weltweit verurteilt worden sei und dass das Massaker auch in Deutschland gefeiert und bejubelt worden sei, „das übersteigt eigentlich mein Denken, weil ich selbst immer noch entsetzt bin“, sagt Kleine. „Das erschüttert mich persönlich. Wenn man Berichte liest von dem, was da am 7. Oktober geschehen ist, wie barbarisch und unmenschlich das war, dann muss eigentlich jeder Mensch, egal, welcher politischen Richtung er nahesteht, zuerst einmal sagen: DAS geht nicht! Dass dieser Konsens aktuell weg ist, das kann ich nicht verstehen“, so der Stadtdechant. Auch deshalb, weil einem angesichts all dessen die Worte fehlen, wollen die Kirchen diesen Gang in Stille gehen. „Da ist dann vielleicht manchmal Schweigen ein beredteres Zeichen als dass man viele Worte macht“, meint Kleine.

 

„Jetzt ist jeder Einzelne gefragt in unserer Demokratie“

 

Die Kirchen appellieren an die Vertreter des Islam, aber auch an alle muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie an jeden, der Kontakt habe zu arabischen, türkischen und muslimisch geprägten Menschen, den politischen Diskurs zu suchen. Muslimische Menschen oder Menschen mit arabischem oder türkischem Hintergrund dürften jetzt aber auch nicht unter Generalverdacht gestellt werden, dass sie auf Seiten der Palästinenser stünden oder den Terror der Hamas unterstützten. Zudem sei auch das linke politische Spektrum vor Antisemitismus nicht gefeit.

Jede und jeder Einzelne sei jetzt gefragt, mit seinen Gesprächspartnern darüber zu sprechen: „ Was ist denn das, was da am 7. Oktober passiert ist? Und wie stehen wir dazu? Was geht nach unserer Haltung in einer Demokratie, die den Menschenrechten verpflichtet ist? Und was geht nicht?“ Es sei eine staatsbürgerliche Pflicht, sich jetzt klar gegen Antisemitismus und Terror zu positionieren, betont Stadtsuperintendent Seiger: „Denn das Schweigen gegenüber dem Unrecht, was Juden geschehen ist vor 85 Jahren, war ein wesentlicher Faktor, dass sich landesweit eine solche antisemitische Haltung durchsetzen konnte.“ Wer aus zeitlichen oder anderen Gründen nicht am Schweigegang teilnehmen könne, könne ja in dieser Zeit und auch am Abend des 9. November eine Kerze ins Fenster stellen schlägt Seiger vor. „Dann ist man miteinander verbunden. Und sagt damit auch: Ich bin ein wacher Mensch.“

 

Ein Zeichen der Unterbrechung

 

Der Schweigegang sei auch ein Zeichen der Unterbrechung, so Seiger. Es gebe bei politischen Stellungnahmen sehr schnell ein „Ja, aber…“ „Israel hat ein Massaker erlebt, das ist schrecklich, ja, aber das geht doch zurück auf die Siedlungspolitik und auf die Abschottungspolitik Gazas und auf Netanjahus Regierung“, zitiert er kritische Stimmen und fährt fort: „Aber das ,ja, aber' kommt in Sekundenschnelle. Und das wird dem geschehenen Leid nicht gerecht. Deswegen treten wir als Kirchen für die Unterbrechung ein. Das ist auch ein geistlicher Akt. Halt doch bitte aus: es gibt hier Opfer, es ist gestorben worden, es ist gelitten worden, in größter Unmenschlichkeit! Kinder sind bei lebendigem Leib verbrannt worden, davon gibt es Videos. Das sind Dinge, da kann ich nicht sofort weitergehen und sagen ,Ja, aber…' Es ist auch unsere Pflicht alls Kirchen. Die Entschleunigung und die Trauer, dafür Raum zu schaffen.“

Doch es geht nicht nur darum, dem Entsetzen und der Trauer Ausdruck zu geben. In den Kirchen wird auch für den Frieden gebetet. „Wir beten nicht nur für unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, sondern wir beten auch für die Menschen im Gazastreifen. Wir beten auch dafür, dass es Friedensperspektiven gibt, auch wenn wir wissen, dass auf beiden Seiten jetzt wieder eine Generation voller Hass geschürt worden ist. Aber wir beten für den Frieden“, betont Seiger.

Stadtdechant Kleine war noch im Frühjahr auf einer Reise in Israel unterwegs. „Da war das ja alles noch in weiter Ferne, da gab es nur Demonstrationen gegen die Justizreform, von israelischen Bürgern. In Jerusalem waren kaum Soldaten auf der Straße. Man merkt, dass Schwarz-Weiß-Denken nicht einfach funktioniert. Da leben die Muslime, die Christen und die Juden. Das erinnert mich immer an die Ringparabel von Lessing – eigentlich kann man doch auch miteinander leben und es gibt ja auch gerade in unserer Stadt auch dieses friedliche Miteinander. Wie sähe die Welt aus, wenn es eben friedlicher wäre?“

Leider sei der Staat Israel aber auch umgeben von Ländern, die nicht alle demokratisch geführt seien und wo es viele Aggressionen gebe. „Da ist natürlich auch die Sorge da, dass das nicht noch weiterkocht. Da ist soviel Hass gegen den Staat Israel., da geht es wirklich um die Vernichtung“, sagt Kleine. „Oder wenn man dann Reden hört, dass Israel, der blutige oder der rostige Dolch im Leib des Nahen Ostens sei, dann merkt man erstmal, was da noch alles hintersteckt, auch an Konflikten und dass sich das sehr schnell ausweiten kann. Man muss befürchten, dass das von den Kriegstreibern vor Ort gewollt ist. Deshalb ist es uns so wichtig: Hier geht es darum, an der Seite Israels zu stehen und auch in unserer Stadt und für unsere Stadt, aber auch darüber hinaus in Deutschland Partei zu ergreifen und die Stimme zu erheben für unsere jüdischen Mitbürger und Mitbürgerinnen.“

Stadtdechant Kleine hat nach dem Hamas-Terrorangriff beobachtet, dass auf der Domplatte die Flagge Israels aus dem Flaggenbild der Straßenmaler verschwunden ist, während die palästinensische Fahne weiterhin aufgemalt wird und auch viel Geld dort abgelegt wird (einige Straßenmaler malen Kreise mit den Flaggen vieler Länder, auf die dann von Touristen und Passanten oft Münzen abgelegt werden – Anmerkung der Redaktion). „Wir müssen dem Antisemitismus etwas entgegensetzen, gerade auch in unserem Land“, betont er noch einmal. „Nie wieder!“ und „Wehret den Anfängen!“. Gerade als Kirchen sei man den älteren Geschwistern, wie die Juden auch genannt werden, verpflichtet, denn Jesus selbst war Jude und wuchs in jüdischer Tradition auf. „Dass wir wieder eine so große jüdische Gemeinde in Köln haben, dass Menschen nach dem, was geschehen ist im Nationalsozialismus auch wieder nach Deutschland kamen, auch hierher nach Köln, das muss uns doch eigentlich positiv beschämen“, so Stadtdechant Kleine. Man könne dankbar sein, dass sie hier wieder leben und ihren jüdischen Glauben wieder leben wollten. „Auch dafür gehen wir auf die Straße.“

 

Hildegard Mathies

  

Der Aufruf der beiden Kirchen

 

„Wir trauern um die Opfer des Terrors gegen Israel. Wir stehen an der Seite unserer jüdischen Mitbürger*innen!“

Das Katholische Stadtdekanat Köln und der Evangelische Kirchenverband Köln und Region sowie der Katholikenausschuss in der Stadt Köln rufen zu einem Schweigegang am Vorabend des Gedenkens an die Pogromnacht am 9. November 1938 auf. 

Der Schweigegang startet am Mittwoch, 8. November, um 18 Uhr auf dem Roncalliplatz. Er endet um 19.30 Uhr vor der Synagoge in der Roonstraße.  

Schon vor den grausamen Terrorangriffen gegen Israel am 7. Oktober und den sich anschließenden antisemitischen Übergriffen auch in Deutschland wurden Stadtdechant Msgr. Robert Kleine und Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger vom Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln gebeten, die Festrede zum Gedenken am 9. November in der Synagoge zu halten. 

Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Katholikenausschusses, Gregor Stiels, ist es ihnen ein Anliegen, mit dem Schweigegang nun auch ein öffentliches Zeichen der Anteilnahme und Verbundenheit mit Israel und den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern Kölns zu setzen.   

Menschliches Leid, Tod und Zerstörung in Israel und im Gazastreifen können und dürfen nicht gegeneinander aufgewogen werden. Jedes Opfer ist eines zu viel. Die Massaker am 7. Oktober haben aber Jüdinnen und Juden nicht nur in Israel an die Schrecken der Shoa erinnert. Am Vorabend des 85. Jahrestags der Novemberpogrome möchten wir als Christinnen und Christen ein deutliches Zeichen setzen, dass die 1.400 Opfer der Massaker und Geiselnahmen der Hamas-Terroristen am 7. Oktober nicht vergessen sind.


Die Aufrufenden freuen sich, wenn möglichst viele Menschen sowie weitere Organisationen, Gemeinden oder Gruppen den Gang unterstützen. 

 

Aufruf Schweigegang und Flyer Schweigegang

 

  

Mut Zu Gestalten: Kirche sein in den neuen Pastoralen Einheiten / Erzbistum veröffentlicht Kompromiss für Pastorale Einheiten

25. Oktober 2023; ksd

 

Köln (ka). Nach der gut besuchten ersten Veranstaltung „Mut zu gestalten“ von Katholikenausschuss und Stadtdekanat nehmen die Veranstalter den Gesprächsfaden wieder auf. Engagierte und Pastorale Dienste sind am Freitag, 27. Okktober eingeladen, sich in der Karl Rahner Akademie über den aktuellen Stand von Fragen und Entwicklungen auf Bistumsebene zu informieren und dabei auszuloten, welche Bedeutung dies vor Ort haben wird. Es soll um Fragestellungen gehen wie:

Wie werden wir künftig unseren Glauben in Gemeinschaft leben?

Wie können wir dafür sorgen, dass Kirchen vor Ort als Gemeinden präsent bleiben?

Wie steht es aktuell um die Fragen nach Wortgottesdiensten am Sonntag, der rechtlichen Struktur der Pastoralen Einheiten, der ökumenischen Nutzung von Gebäuden…?

Wie können wir unter den kommenden Rahmenbedingungen weiterhin dem Auftrag des Evangeliums für die zahlreichen Veedel in unseren Pastoralen Einheiten gerecht werden?

Wie bei der ersten Veranstaltung im Februzar 2023 stehen Frank Reintgen, Bereich Pastoralentwicklung, und Florian Wallot, Bereich Strategie,als Gesprächspartner zur Verfügung. Für die Veranstaltung war eine Anmeldung erforderlich.

 

Informationen unter www.katholikenausschuss.de

 

Kompromisslösung zur Rechtsform in den Pastoralen Einheiten getroffen

 

Zwei Tage vor der geplanten Veranstaltung veröffentlichte das Erzbistum Köln eine Pressemitteilung, die über eine aktuelle Entwicklung der Strukturreform informierte. Im Wortlaut:

Nach for­maler Errich­tung der 67 Pasto­ralen Ein­heiten zum 1. Sep­tember 2023 hat der Erz­bischof Rainer Maria Kardinal Woelki ent­schieden, welche recht­liche Form diese zu­künftig haben wer­den. Eine Pas­torale Ein­heit ist ein Netz­werk vieler ver­schie­dener Gemein­den und kirch­licher Ak­teure in einem fest um­schrie­benen terri­torialen Ge­biet. Um diese Ein­heiten als sol­che für die Zu­kunft hand­lungs­fähig auf­zustellen, be­darf es einer geeig­neten Rechts­form, in dem kirchen­recht­liche und gesetz­liche Anfor­derun­gen auf soli­der Basis er­füllt werden können.

Der Ent­schei­dung des Erz­bischofs voraus­gegan­gen ist ein in­ten­siver Beratungs­prozess, in dem neben den bei­den erz­bischöf­lichen Beratungs­gremien, Diözesan­pastoral­rat und Kirchen­steuer- und Wirt­schafts­rat, viele Gre­mien und Men­schen aus den ver­schie­denen Seel­sorge­bereichen zwei Optio­nen für einen Rechts­rahmen dis­kutiert und ent­sprechende Empfehlungen abgegeben haben.

 

Unter­schiedliche Voten zusammen­führen


Der Kirchen­steuer- und Wirt­schafts­rat hat em­pfohlen, die heu­tigen Pfarreien und Seel­sorge­bereiche inner­halb einer Pas­toralen Ein­heit zu einer Pfarrei zu fusio­nieren. Dies würde die An­zahl der Rechts­träger deut­lich redu­zieren und in der Folge Ver­waltungs­struk­turen kosten­effizient ver­schlan­ken. Im Ziel wür­den die 67 Pas­toralen Ein­heiten letzt­lich 67 recht­lich selb­ständigen Pfarreien ent­sprechen. Inner­halb dieser neuen Pfarreien wird es weiter­hin zahl­reiche Ge­meinden geben, in denen das kirch­liche Leben vor Ort krea­tiv und leben­dig gestaltet werden soll.

Dem­gegen­über befür­wortet der Diözesan­pastoral­rat, die Ent­schei­dung über die Rechts­form in die Pasto­ralen Ein­heiten zu legen.

„Gemein­sam mit meinen Beratungs­gremien bin ich mir der Trag­weite dieser Ent­scheidung bewusst“ , er­klärt Kardinal Woelki an­gesichts der jetzt zu setzen­den Leit­linien und er­gänzt: „Zum einen will ich alles Enga­gement und alle Be­mühun­gen för­dern, die vor Ort Viel­falt und Lebendig­keit des kirch­lichen Lebens stär­ken. Zum anderen will ich gewähr­leis­ten, dass wir auch lang­fristig den Rah­men unserer organisa­torischen, finan­ziellen und recht­lichen Möglich­keiten realis­tisch und ver­antwortungsvoll gestalten.“

 

Kompromiss­vorschlag als gu­ter Weg in die Zukunft


Vor diesem Hinter­grund hat der Erz­bischof ent­schieden, einen aus der Erz­bischöf­lichen Beratungs­kon­ferenz heraus er­arbei­teten Kompromiss­vorschlag umzusetzen:

Um weiter­hin allen kirchen­recht­lichen und gesetz­lichen Anfor­derungen ent­sprechen zu können, ist eine erheb­liche Verein­fachung und Redu­zierung der Ver­waltungs­struk­turen und damit auch der zu ver­walten­den Rechts­träger er­forder­lich. Daher sollen alle Pas­toralen Ein­heiten bis Ende 2032 in einem indi­viduell ge­stal­teten, schritt­weisen Pro­zess zu je­weils einer Pfarrei fu­sioniert wer­den, die aus vie­len leben­digen Ge­mein­den besteht. Diese Ge­mein­den werden die maß­geb­lichen, vom Erz­bistum unter­stütz­ten Orte des kirch­lichen Lebens in den Pastoralen Einheiten sein.

Neben die­sem vor­gezeich­neten Weg wird den Pastoralen Ein­heiten unter be­stimmten Be­dingun­gen, wie z.B. dauer­haft aus­reichend be­setzter Gre­mien und dem Vor­liegen eines ein­mütigen Vo­tums der Men­schen vor Ort, eine zwei­te Möglich­keit einge­räumt wer­den: Diese sieht vor, dass in diesen Pas­toralen Ein­heiten ledig­lich die Kirchen­gemein­den der bis­herigen Seel­sorge­bereiche fusio­niert wer­den und diese Pfarreien dann bis 2032 als Pfarreien­gemein­schaft einen Kirchen­gemeinde­verband als ge­meinsamen Rechtsträger gründen.

 

Nächste Schritte


Bis Sommer 2025 er­halten alle Pas­toralen Ein­heiten die Zeit, sich in einem indi­viduellen Pro­zess mit ihrer Aus­gangs­lage und den wei­teren Ent­wicklungs­schritten aus­einander­zusetzen, um auf dieser Grund­lage den je­weili­gen Weg bis zum Jahr 2032 fest­zulegen. Für diesen In­formations- und Beratungs­prozess wird es ziel­gerich­tete Ange­bote und eine inten­sive Be­gleitung aus dem Generalvikariat geben.

„Ich werde alles tun, um dazu bei­zutragen, dass uns der Weg zu einer leben­digen Kirche vor Ort unter neuen Rahmen­bedin­gungen ge­lingt. Das eigent­liche Poten­tial für die Ge­stal­tung der Zukunft un­serer Kirche liegt bei den Men­schen in den vielen Ge­mein­den, Gruppie­rungen und Ein­richtungen im ge­samten Erz­bistum“, zeigt sich Kardinal Woelki über­zeugt, dass die kommenden Herausforderungen gut gemeistert werden.

 

www.zusammenfinden.koeln

 

In der kommenden Ausgabe der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln lesen Sie dazu ein Interview mit Generalvikar Msgr. Guido Assmann.